mg/sf
14.08.14 / 09:51

PR-Gag oder gute Zahn-OP?

Jüngst wurde in einem dänischen Zoo einer Löwin mithilfe einer CAD/CAM-Krone ein beschädigter Reißzahn wiederhergestellt. Was davon zu halten ist, erklärt Dr. Markus Eickhoff.



Herr Eickhoff, haben modernste Verfahren der Zahnheilkunde Einzug in die Veterinärmedizin gefunden?

Dr. Markus Eickhoff: Mit fortschreitender Spezialisierung in der Veterinärmedizin hat auch die Tierzahnheilkunde ihren festen Platz gefunden. Nicht jeder Haustierarzt wird alle Behandlungsoptionen anbieten können, vergleichbar dem Hausarzt in der Humanmedizin. Er kann jedoch bei Notwendigkeit die Hilfe von spezialisierten Kollegen in Anspruch nehmen. In der Deutschen Gesellschaft für Tierzahnheilkunde finden sich bundesweit Kollegen, die sich näher mit der Zahnheilkunde beschäftigen. Im Vordergrund steht sicherlich die Beseitigung von Schmerzen und Entzündungsherden. Neben Parodontalbehandlung und Extraktionen werden jedoch auch endodontische Versorgungen, Kronenversorgungen und kieferorthopädische Korrekturen angeboten. Die Fortschritte in der humanmedizinischen Zahnheilkunde werden dabei genutzt und den Bedingungen im Tiergebiss angepasst, egal ob es sich um den Einsatz von digitalem dentalen Röntgen, Diodenlaser oder Piezochirurgie handelt.

Bei welchen Tieren sind zahnerhaltende Maßnahmen überhaupt indiziert?

Hund und Katze stellen in der Kleintierpraxis die Spezies dar, bei welchen durch zahnerhaltende Maßnahmen die Funktion erhalten werden kann. Insbesondere Fangzahn und Reißzahn sind in der Mastikation von Bedeutung, haben anders als bei uns Menschen auch noch zusätzliche Bedeutung beim Greifen, Tragen oder auch in der innerartlichen Kommunikation. Diese Bewegründe werden auch zu der prothetischen Versorgung des Löwenfangzahnes in Dänemark geführt haben.

Werden bei Tieren auch Zähne implantiert - wenn ja, bei welchen?

Entzündungsbeseitigung ist von primärer Bedeutung, insbesondere wenn man sieht, mit welch massiven Herderkrankungen unsere Tiere über Jahre hinweg leben müssen. Zahnerhaltende Maßnahmen sind sinnvoll und werden in zunehmendem Maße vom Tierbesitzer auch gewünscht. Die Nutzung von Implantaten dagegen bleibt auf den sehr seltenen Einzelfall - in der Regel beim Hund - beschränkt.

Die Löwen-OP fand in Dänemark statt. Welche Nation hat bei der modernen Zahnheilkunde am Tier die Nase vorn?

Ein Ländervergleich ähnlich „Spiel ohne Grenzen“ (Gott, bin ich schon alt) wäre verfehlt. Da es sich immer noch um eine relativ kleine Gruppe von Spezialisten handelt, ist die internationale Zusammenarbeit, Kommunikation und postgraduierte Fortbildung auf gemeinschaftlicher Ebene sehr konstruktiv. Neben nationalen Gesellschaften finden sich Zusammenschlüsse von spezialisierten Kollegen auch länderübergreifend, zum Beispiel in der European Veterinary Dental Society (EVDS).

Dr. Markus Eickhoff wurde 1993 als Zahnarzt und 1999 als Tierarzt approbiert, promovierte 2002 in Veterinärmedizin und betreibt eine tierzahnärztliche Praxis in Weissach bei Stuttgart. 

Die Fragen stellten Sara Friedrich & Marius Giessmann.


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