ck/pm
15.10.13 / 10:20

Träum weiter

Zur Geburt machen Träume die Hälfte des Schlafs aus, die andere Hälfte besteht aus Leicht- und Tiefschlaf. Träume scheinen eine bedeutende Rolle für die Hirnentwicklung spielen.



Kinder träumen intensiver und häufiger als Erwachsene. Im Laufe des Lebens nehmen die Träume jedoch ab und die Struktur des Schlafes verändert sich. Während sich das Gehirn im Tiefschlaf erholt, ist es im Traum sozusagen wach.

Die Schlafmediziner im Biomagnetischen Zentrum am Universitätsklinikum Jena zeichnen die Hirnaktivität des Babys im Mutterleib und seinen Stressspiegel über magnetische Wellen auf, die das Gehirn und das Herz durch die mütterliche Bauchwand aussendet.

So ist die Bedeutung dieser hohen Traumaktivität den Forschern zufolge unklar, doch scheint sie für die Entwicklung des Hirns eine besondere Rolle zu spielen, etwa weil sie die Ausbildung der Verbindungen zwischen den Nervenzellen stimuliert. Unklar sei auch, inwieweit das Baby im Mutterleib wach ist, wann sich der Schlaf und seine Stadien im Mutterleib ausbilden und welche Umwelteinflüsse diese Entwicklung beeinflussen.

Geträumt wird später

Der Schlaf entwickelt sich demnach zwischen der 28. und 36. Schwangerschaftswoche aus einem Zustand unreifer Hirnaktivität. Untersuchungen beim Tier zeigen, dass Traumphasen viel später einsetzen als der Tiefschlaf. Träume, so die Wissenschaftler, werden im Wesentlichen in der Hirnrinde erzeugt, die sich erst am Ende der Schwangerschaft entwickelt. Durch Träume werde das Gehirns also - wenn überhaupt - erst am Ende der Schwangerschaft angeregt.

Eine verfrühte Entwicklung des Traumschlafs könne allerdings durch wesentliche Umwelteinflüsse wie mütterlichen Stress angestoßen werden, die von häufigeren Wechseln zwischen Traum- und Tiefschlaf begleitet wird und auch nach dem Stress bestehen bleibt. Häufige Schlafstadienwechsel seien auch ein typisches Zeichen einer Depression, so dass Stress während der Schwangerschaft ein wesentlicher Risikofaktor für die Entwicklung von Depressionen im späteren Leben sein kann.

Verkehrslärm im Mutterleib

Am Anfang schläft der Embryo den Forschern zufolge die meiste Zeit. Dabei sei es im Mutterleib durch die Kreislaufgeräusche der Mütter so laut wie im dichten Stadtverkehr. Weil aber bis zum achten Schwangerschaftsmonat  die Gehörknöchelchen des Mittelohres in Bindegewebe eingebettet sind, werde der Schall nicht effizient weitergeleitet. Erst etwa ab der 25. Schwangerschaftswoche sei das Gehör ausreichend entwickelt und der Fetus könne durch die Geräusche aufwachen. Weckreize müssten jedoch tiefe Frequenzen haben, da durch die Bauchwand und die Flüssigkeit im Uterus hohe Frequenzen weggefiltert werden und nur noch ganz tiefe Töne wahrnehmbar sind.

Der Embryo könne dann Sprache und Musik wahrnehmen, allerdings hauptsächlich die niederfrequenten Komponenten unter 500 Hz und nur, wenn das Schallsignal über dem intrauterinen „Verkehrslärm“ liegt. Am besten hört er männliche - niedrigfrequente - Stimmen, berichten die Wissenschaftler. Die mütterliche Stimme bilde dabei eine Ausnahme - sie könne über Knochenleitung wahrgenommen werden.

Das rockt

"Der Fetus ist insbesondere in der Lage, Rockmusik zu hören“, sagt Prof. Dr. Matthias Schwab, der die fetale Hirnentwicklung an der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Jena untersucht. „Außerdem mag er Musik, die die Mutter mag, um sich selbst zu entspannen, denn über die verminderte Ausschüttung von mütterlichen Stresshormonen profitiert das Baby indirekt. Auch nach der 25. Schwangerschaftswoche bleibt das immer noch ein unbewusster Prozess, so wie man ein Kind wecken und mit ihm sprechen kann, ohne dass es sich am nächsten Morgen daran erinnert.“


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