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17.11.14 / 10:05

Vier-Punkte-Plan für Prävention

Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Eine Allianz aus Organisationen und Verbänden hat einen Vier-Punkte-Plan vorgelegt, um die Ausbreitung der sogenannten nicht übertragbaren Krankheiten zu stoppen. Vor allem an Schulen und Kitas soll sich etwas ändern.




Bluthochdruck, Schlaganfall, Typ-2-Diabtes, Krebs, Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen: Schon längst haben sich diese chronischen Leiden zu Volkskrankheiten entwickelt. Laut Weltgesundheitsorganisation verursachen sie in Europa bereits 86 Prozent der vorzeitigen Todesfälle und 77 Prozent der Krankheitslast. Infektionskrankheiten spielen demgegenüber kaum eine Rolle.

Problem Couchpotato

Die Ursachen sind bekannt: ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum. Appelle an die Vernunft des Einzelnen seien gescheitert, sagte Dr. Dietrich Garlichs, Geschäftsführer der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Berlin, "sie haben den Tsunami der chronischen Krankheiten nicht aufhalten können".

Gemeinsam in einer Deutschen Allianz gegen Nichtübertragbare Krankheiten (NCD Allianz) fordern die Bündnispartner jetzt neue Lösungsansätze, die auch bildungsferne Schichten erreichen, bei denen die bisherige Präventionsarbeit meist nicht ankommt. "Wir müssen weg von vielen Einzelmaßnahmen, die nur wenige erreichen", sagte Garlichs. Die Allianz fordert von der Politik deshalb strukturelle Änderungen und hat einen Vier-Punkte-Plan aufgestellt: 

1. Täglich mindestens eine Stunde Sport in Kita und Schule: Der Lebensstil wird in jungen Jahren geprägt. Täglich 60 bis 90 Minuten moderate Aktivität wie Spazierengehen oder Fahrrad fahren reicht laut NCD-Allianz aus, um den Energieverbrauch der Kinder um rund zehn Prozent zu steigern und damit eine Gewichtszunahme zu verhindern.

2. Zucker- und Fettsteuer auf ungesunde Lebensmittel: Der Lebensmittelpreis kann das Verbraucherverhalten stark beeinflussen, sagt die Allianz. Wenn in Lebensmitteln ein bestimmter Anteil an Fett, Zucker oder Salz überschritten wird, sollten sie durch eine Steuer verteuert werden.

3. Qualitätsstandards für Kita- und Schulverpflegung: Nachmittagsunterricht und Ganztagsschulen machen Bildungseinrichtungen immer mehr zum zentralen Lebensraum von Kindern und Jugendlichen. Die Schulverpflegung spiele daher eine zentrale Rolle in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und müsse deshalb unter verbindliche Standards gesetzt werden, fordern die Mediziner.

4. Verbot von Lebensmittelwerbung, die sich an Kinder richtet: Werbung für Süßwaren wie stark zuckerhaltige Frühstücksmüslis, Milchprodukte und Softdrinks sowie fett- und salzreiche Knabberwaren fördern ungesundes Essverhalten, so die NCD-Allianz. Kinder könnten Werbebotschaften als solche nicht erkennen. Freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie hätten sich zudem als wirkungslos erwiesen.

Die vier Maßnahmen werden auch von der Weltgesundheitsorganisation im Globalen Aktionsplan gegen nicht übertragbare Krankheiten 2013 bis 2020 empfohlen. Mit der politischen Deklaration des ersten UN-Gipfels zur Prävention und Kontrolle nicht übertragbarer Krankheiten 2011 und der Annahme des globalen NCD-Aktionsplans bei der Weltgesundheitsversammlung 2013 ist Deutschland die Selbstverpflichtung eingegangen, die empfohlenen Politikstrategien umzusetzen. "Nun müssen die Verantwortlichen endlich handeln", fordert Garlichs.

Die Deutsche Allianz gegen Nichtübertragbare Krankheiten hat sich 2011 zusammengeschlossen, um gemeinsam den UN-Gipfel gegen die nicht übertragbaren Krankheiten zu begleiten und sich für nachhaltige Gesundheitsförderung in Deutschland, Europa und der Welt einzusetzen. Zu den 15 an der NCD-Allianz beteiligten Fachgesellschaften und Verbänden gehören unter anderem die Adipositas Gesellschaft, die Herzstiftung, die Krebsgesellschaft, der Hausärzteverband und das Krebsforschungszentrum.


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