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07.11.14 / 20:20

Wie der Zahnarzt behinderte Menschen behandelt

Menschen mit Behinderung haben eine signifikant schlechtere Mundgesundheit als der Rest der Bevölkerung. Wie man dem entgegenwirken kann, weiß Dr. Klaus Bartling, Präsident der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe.



zm-online: Die zahnmedizinische Behandlung von Menschen mit schwersten geistigen Behinderungen ist schwierig. Welches Konzept verfolgt die Kammer Westfalen-Lippe und mit welchen Partnern arbeiten Sie dabei zusammen?

Dr. Klaus Bartling: Bevor ich im Detail auf Ihre Fragen eingehe, möchte ich gerne vorab verdeutlichen, dass es in den meisten Fällen nicht den Menschen mit Behinderung gibt. Oftmals besteht eine Kombination aus verschiedenen Behinderungen, was eine ganz individuelle Behandlung der einzelnen Patienten voraussetzt.

Gerade bei einer schweren geistigen Behinderung stellt sich die Behandlung oftmals problematisch dar. Nicht nur, dass besondere Anforderungen an Praxis, die Behandlung durch den Zahnarzt beziehungsweise das Personal und zum Beispiel die Dokumentation gestellt werden. Gerade die Kommunikation mit dieser Patientengruppe sowie die in diesem Zusammenhang rechtlichen Besonderheiten gestalten sich schwierig.

Ganzheitliche Beratung ist unerlässlich

In Westfalen-Lippe hat sich das Beratungskonzept „Gesund im Mund – gerade im Alter“ in unseren Bezirksstellen etabliert. Im Mittelpunkt des Konzeptes stehen die ganzheitliche Beratung und Betreuung von Heim- und Pflegedienstleitung sowie des Pflegepersonals, die Schulung des Personals sowie die Betreuung und Beratung der Heimbewohner und deren Angehörigen.

In einem Pilotprojekt – geplant für Anfang 2015 - werden die Mitarbeiter der ambulanten Pflegedienste speziell im Umgang mit immobilen Patienten und deren Bedarf im Zuge der Mundhygiene von Fachkräften angeleitet. Die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe unterstützt und liefert das Rüstzeug, sorgt für Schulungen und den Erfahrungsaustausch. Zur lückenlosen Betreuung von Pflegeeinrichtungen leisten Kammer und KZV ihre jeweiligen körperschaftlichen Beiträge.

Freiwillige Kooperation kann unterstützend wirken

Neben dem Beratungskonzept der ZÄKWL weist die KZVWL regelmäßig auf die Kooperationsverträge für Vertragszahnärzte über die kooperative und koordinierte zahnärztliche und pflegerische Versorgung von pflegebedürftigen Versicherten in stationären Pflegeeinrichtungen auf der Grundlage der Paragraphen 119b Abs. 1, 87 Abs. 2j SGB V hin. In beiden Fällen handelt es sich um Kooperationsmöglichkeiten für Zahnärztinnen und Zahnärzte mit Pflegeeinrichtungen auf freiwilliger Basis, jedoch mit unterschiedlicher Gestaltung, also Rechten und Pflichten.

Zur Verbesserung der Versorgungssituation hat das „Konzept zur vertragszahnärztlichen Versorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen“ der zahnärztlichen Bundeskörperschaften BZÄK und KZBV beigetragen. Zum einen durch die Entwicklung von zusätzlichen Bema-Positionen - zum anderen durch die Kooperationsverträge zur Behandlung von stationär in Pflegeheimen befindlichen Menschen.

Jede Kollegin, jeder Kollege muss für sich selbst entscheiden, in welcher Form sie/er dazu beiträgt, die zahnärztliche Betreuung in Pflegeeinrichtungen zu unterstützen. Auf der „Gegenseite“ muss auch jede Pflegeeinrichtung selbst entscheiden, wie sie die zahnärztliche Betreuung sicherstellen möchte.


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