Lajos Schöne
25.08.14 / 00:01

Zähne - die Schwachstelle starker Frauen

Dass Frauen häufiger zum Zahnarzt gehen, hat einen anderen Grund als meistens angenommen: Sie haben tatsächlich mehr Zahnprobleme als Männer.



Frauen haben schon von Geburt an bessere Chancen, gesund zu überleben: Sie sind als Babys seltener krank, leiden in der Kindheit nur halb so häufig unter chronischen Krankheiten wie Jungen, ruinieren als Erwachsene seltener ihre Gesundheit durch Alkohol, Rauchen, Stress und Unvernunft und leben deshalb rund fünf Jahre länger als die Männer. In einem Punkt sind sie allerdings tatsächlich das schwächere Geschlecht: Ihre Zähne sind anfälliger als die der Männer. Das geht aus einer aktuellen wissenschaftlichen Übersicht hervor. 

Vom sprichwörtlichen "kleinen Unterschied“ zwischen Männern und Frauen ist in der Humanmedizin schon lange keine Rede mehr: Unterschiedliche geschlechtstypische Beschwerden, abweichendes Ansprechen auf Therapien, der differierende Bedarf an Medikamenten werden immer häufiger thematisiert und auch in der Forschung berücksichtigt.

Es gehört immer mehr zum Allgemeinwissen der Ärzte, dass Frauen und Männer nicht nur beim Herzinfarkt, sondern auch bei zahlreichen anderen Erkrankungen unterschiedliche Symptome zeigen und auf pharmakologische und invasive Therapien anders reagieren. Sie weisen oft andere Risikofaktoren für die Entstehung und den Verlauf von Krankheiten auf und unterscheiden sich auch im Hinblick auf Arztbesuch und Vorsorge klar.

Erkenntnisse aus 48 Studien der vergangenen 30 Jahre

Die Zahnheilkunde indes hat der Frage, welchen Einfluss das Geschlecht für die Gesundheit der Zähne ausübt, bisher nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet, bedauert Privatdozentin Dr. Dr. Christiane Gleissner aus dem hessischen Friedberg. Die Zahnärztin mit den Doktortiteln der Medizin und der Zahnmedizin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universitätszahnklinik Mainz ist Präsidentin der 2011 gegründeten Deutschen Gesellschaft für geschlechterspezifische Zahn- Mund- und Kieferheilkunde (DGGZ) und hat für ihren kürzlich im Bundesgesundheitsblatt veröffentlichten Beitrag die derzeit verfügbaren geschlechtsspezifischen Daten über die Mundgesundheit zusammengetragen.

Die dazu herangezogenen 48 internationalen Studien aus den vergangenen 30 Jahren dokumentieren deutliche Geschlechtsunterschiede in allen Altersklassen und Lebensphasen. Männer sind nachlässiger in der Mundhygiene, gehen seltener zum Zahnarzt und haben mehr Plaque auf ihren Zähnen. Deshalb leiden sie deutlich häufiger an Parodontitis als Frauen.

Trotzdem haben Frauen in Deutschland in allen Altersgruppen im Durchschnitt weniger Zähne als Männer. Der Unterschied beträgt schon bei 20-Jährigen einen Zahn weniger bei Frauen. Ähnliche Unterschiede werden auch aus anderen europäischen Ländern, aus den USA und aus Entwicklungsländern berichtet.


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