sf
19.08.13 / 10:57

Auch mal Unmögliches denken

Stefan Willich ist multitalentiert. Der Mediziner ist derzeit Rektor der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" in Berlin und Gründer sowie Dirigent des World Doctors Orchestra (WDO). Das WDO spielt im September zugunsten von Dentists for Africa. Ein Grund für zm-online, Willich einige Fragen zu stellen.



zm-online: Herr Prof. Willich, Sie waren Gastprofessor an der Harvard University. Was haben Sie dort speziell gelehrt?

Willich: Kardiologie einschließlich Risikofaktoren und auslösende Ereignisse von Herzinfarkten.

Welche Inspirationen erhält man als Wissenschaftler in Harvard - in welcher Weise hat Sie die Zeit in den USA geprägt?

Viele herausragende Wissenschaftler aus der ganzen Welt arbeiten an der Harvard-Universität, Teil dieses Teams zu sein ist sehr bereichernd (in Analogie ist das internationale Team im World Doctors Orchestra sehr bereichernd). In den USA darf, ja soll man das "Unmögliche" denken, diese Einstellung hat mich beruflich stark geprägt (in Analogie schien auch die Idee eines World Doctors Orchestra zunächst eigentlich "unmöglich" und hat sich dennoch großartig entwickelt).

Herr Prof. Willich, Sie leiten das Institut für Sozialmedizin, das CharitéCentrum 1 und Sie sind Rektor der Hochschule für Musik "Hans Eisler" in Berlin. Wie ist dieses Pensum eigentlich zu leisten?

Aktuell bin ich Rektor der Hochschule für Musik und für diese Tätigkeit von meinen Leitungsfunktionen an der Charité beurlaubt, beides zusammen wäre tatsächlich nicht zu leisten.

Welche Erfahrungen können Sie für den jeweils anderen Bereich nutzen?

Meine universitären Erfahrungen sind für die Weiterentwicklung der Hochschule für Musik sehr hilfreich,  umgekehrt ist die besondere Kreativität einer künstlerischen Hochschule für wissenschaftliche Bereiche durchaus stimulierend.

Bitte schildern Sie kurz, wie sich das WDO gegründet hat.

Im Jahr 2007 hatte ich die Idee, ein internationales Ärzteorchester zu gründen, um mit Benefizkonzerten medizinische Hilfsprojekte zu unterstützen. Zudem will das WDO zeigen, dass wir Ärzte uns für gute medizinische Versorgung in der ganzen Welt einsetzen - quais als "globaler medizinischer Botschafter".

Wie rekrutiert sich das Ensemble?

Wir haben bisher über 700 Mitglieder aus 40 Ländern und sind für weitere Anmeldungen dankbar. Für die Konzerte wird jeweils ein passendes Ensemble von circa 100 Musikerärzten zusammengestellt. 

Wie viele Zahnmediziner aus wie vielen Ländern sind unter den Musikern?

24 Zahnmediziner aus zehn Ländern.

Und wie werden die Austragungsorte festgelegt?

In der Regel schlagen die Mitglieder des Orchesters auf eigene Initiative Konzertorte in ihren Ländern vor.

Wie läuft das Prozedere zur Auswahl der begünstigten Hilfswerke/Vereine?

Ebenso schlagen diese Mitglieder für die Konzerte in ihren Ländern die medizinischen Hilfsprojekte vor.

Das Internet bietet diverse Möglichkeiten der Vernetzung - nutzt das WDO das Netz? Zum Beispiel auch für Probenkonferenzen?

Wir kommunizieren über das Internet hinsichtlich der Anmeldung neuer Mitglieder, der Konzertprojekte, der Ensemble-Zusammenstellung und der organisatorischen Vorbereitung, aber für die musikalischen
Proben kommt das Orchester zusammen (übrigens jeder auf eigene Kosten, damit die Konzerterlöse komplett an die Hilfsprojekte gehen können), für mehrere Tage vor den Konzerten in dem jeweiligen Land.

Viele Musiker bieten eine spezielle Gesundheitsfürsorge für Berufsmusiker an? Was gehört exemplarisch zu dieser Fürsorge?

Musikermedizin, sprich medizinische Betreuung bei berufsbezogenen Erkrankungen von Musikern, ist ein wichtiger Bereich, da gesundheitliche Probleme im Laufe einer Musikerkarriere häufig auftreten, oft vielschichtig sind und existenzbedrohend sein können. Daher unterstützt auch das WDO musikermedizinische  Initiativen einschließlich der Gesundheitsfürsorge schon während der Ausbildung.


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