Kay Lutze
15.04.14 / 10:06

Die Geschichte des Bade(n)s

Während die meisten von uns heute täglich duschen, scheuten die Menschen im Mittelalter das Wasser wie die Pest. Das Wilhelm-Fabry-Museum in Hilden zeigt noch bis Ende August die Geschichte des Bades aus architektonischer Sicht.




Die Ausstellung führt von den „Badeschlössern“ des Adels im 17. und 18. Jahrhundert bis hin zu den mondänen Seebädern der Ost- und Nordsee, den luxuriösen Kurbädern wie Karls- oder Marienbad und schließlich zu den großen öffentlichen Bädern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Einige der Modelle zeigen Gebäude, die heute noch stehen, andere existieren schon lange nicht mehr beziehungsweise visualisieren Entwürfe, die nie gebaut wurden.

Heute ist das Badezimmer für uns selbstverständlich. Das war nicht immer so. Noch bis in die 1970er Jahre fand man vereinzelt Sanitäranlagen, die aus einem Plumpsklo auf dem Hof und einer Zinkwanne in der Küche bestanden.

Krankmacher oder heilende Kraft

Bis zur großen Pestepidemie im 14. Jahrhundert hatten die Bäder des Mittelalters regen Zulauf. Danach hatten sie ausgedient -  die Menschen glaubten, dass das Wasser krank machen könnte. Erst mit der frühen Neuzeit fand eine Rezeption der antiken Bäderkultur statt, wie sie durch die großartigen Anlagen der Thermen des Kaisers Caracalla oder des Domitian in Rom überliefert sind. Zunehmend wurden die heilende Kraft des Wassers und die Notwendigkeit von ausreichender Hygiene erkannt.

Als idealer Prototyp des fürstlichen Badehauses galt der Entwurf des Architekten Sebastiano Serlio von 1545. Unter der Herrschaft des Valoiskönigs François I. plante er einen Pavillon im Park des Schlosses Fontainebleau, in dem auch Baderäume entstehen sollten. Die Ausstellung zeigt hochadlige Badehäuser - wie die Badenburg im Nymphenburger Schlosspark in München, die der Hofarchitekt Joseph Effner von 1718 bis 1722 für den bayerischen Kurfürsten Maximilian II. Emanuel erbaute. Besonders aufwendig: das Modell des Marmorbades, das der Landgraf Karl von Hessen-Kassel im 18. Jahrhundert in der Karlsaue an der Fulda errichten ließ.

Der orientalische Traum

Ein Schwerpunkt der Schau sind die Idealvisionen eines Bades, die um 1800 von großen Architekten entworfen wurden und die in detaillierten Modellen präsentiert werden. In die Gruppe der visualisierten Entwürfe gehört auch der „orientalische Traum“ zu einem Café- und Badehaus in Kairo. Der preußische Architekt Carl von Diebitsch hatte 1862 vom ägyptischen Vizekönig Ismail Pascha und wohlhabenden westlichen Geschäftsleuten diesen Bauauftrag entgegengenommen.

Mithilfe von Badekarren oder Schaluppen näherten sich die Besucher der Seebäder dem Element Wasser. Und auf Flüssen gab des Badeschiffe - diese werden als Modelle im Stadtbad „Hildorado“ und im Foyer der Stadtwerke Hilden gezeigt.

Erlebbar wird auch die Bäderarchitektur des 19. Jahrhunderts durch die Darstellung des Kaiserbades im böhmischen Karlsbad von 1895, die Kurgebäude in Heiligendamm oder die Seebrücke in Swinemünde, die es heute noch gibt. Aber nicht nur das Badevergnügen der betuchten Oberschicht werden beleuchtet, auch die großen Bäder für breite Bevölkerungsschichten werden thematisiert.

Wellnesstempel fürs Volk

Ein früher Wellnesstempel fürs Volk war das sogenannte Maurische Bad, das zum Ende des 19. Jahrhunderts in Stuttgart von dem Architekten Leo Vetter als orientalisierender Badepalast errichtet wurde. Der Besucher kann einen Blick in die Rekonstruktion des Damenbades von 1894 werfen.

Im 19. Jahrhundert entstanden aber nicht nur Bäder zur reinen Regeneration der Bevölkerung. Es gab auch den Typ des Volksbades, bei dem eher die Erziehung des Volkes zur Sauberkeit im Vordergrund stand. Auf der Hygieneausstellung 1883 in Berlin hatte der Dermatologe und Sozialreformer Oscar Lassar sein Volksbrausebad präsentiert, das großen Anklang fand.

Erziehung zur Sauberkeit

Während des 19. Jahrhunderts entstanden eine Reihe von Wasch- und Badeanstalten für die Arbeiterschaft. Beispielhaft zeigt die Ausstellung „Balnea“ eine Rekonstruktion der 1965 abgerissenen Hamburger Wasch- und Badeanstalt von 1855.

Anhand der detailgetreuen Bädermodelle kann der Besucher eine Reise durch die Geschichte des Bades unternehmen. Gezeigt werden 30 Modelle des Teams „Balnea“, die unter Leitung von Dr. Ursula Quecke mit den Studenten des Institutes für Darstellen und Gestalten I der Universität Stuttgart entstanden sind.


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