Susanne Theisen
10.06.13 / 11:54

So geht selbstständig

"Endlich erwachsen!“ heißt ein Ratgeber der Verbraucherzentrale NRW, der Tipps zu den Themen Auszug, Ausbildung und Studium bietet. Wer ihn liest, steht sicherer auf eigenen Beinen.



Ab an die Uni! In den meisten Fällen bedeutet das den Auszug von Zuhause und den Neubeginn in einer fremden Stadt. Aber auch, wer während seiner Ausbildung bei den Eltern wohnen bleibt, sollte sich schlau machen, auf welche Dinge man beim Start in den neuen Lebensabschnitt besonders achten sollte.  "Endlich erwachsen!“ ist das passende Nachschlagewerk für den Weg in die Selbstständigkeit. Auf 218 Seiten erklärt der Ratgeber so ziemlich alles, was Studierende und Auszubildende über die Themen Geld, Versicherungen, und die eigene Wohnung wissen müssen.

Ein Buch für Einsteiger

Das Buch ist für Einsteiger geschrieben. Komplexe Sachverhalte werden leicht verständlich aufbereitet und kein Fachbegriff bleibt unerklärt. Sehr nützlich: Am Ende des Ratgebers gibt es ein Schlagwortverzeichnis, über das die Leser gezielt nach Begriffen suchen können. In regelmäßigen Abständen bringen die Verbraucherschützer Fallbeispiele. Auf Seite 132 etwa wird anhand des fiktiven Beispiels der 19-jährigen Sarah durchexerziert, wie sie am kostengünstigsten von ihrem Studienort Hamburg zu ihren Eltern nach Münster reisen kann. 

Zu vielen Themen bindet die Verbraucherzentrale weiterführende Links in den Text ein, etwa zur Website der Mitfahrzentrale, zu einer Wohngeldseite des Bundesbauministeriums oder zu einer Broschüre, die erklärt, wie man in der eigenen Wohnung Strom sparen kann (www.vz-nrw.de/99wege ).

Das liebe Geld

"Die Finanzen im Griff“ heißt die Überschrift eines der größten Kapitel. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die monatlichen Ausgaben von Miete über Essen und Kleidung bis hin zu Fahrtkosten und wie sie sich mit einem begrenzten Budget am besten stemmen lassen. Der Ratgeber geht noch auf viele weitere Aspekte ein. Dazu gehören die Unterhaltspflichten der Eltern, Verdienstgrenzen bei Nebenjobs, Kontoeröffnung, Dispokredite und was bei Überschuldung zu tun ist.

Eine finanzielle Herausforderung, die der Ratgeber besonders betont, sind "nicht kalkulierbare Ausgaben“. Das kann zum Beispiel ein kaputter Kühlschrank in der WG sein oder eine unerwartete Autoreparatur. Für solche Situationen sollte man einen Notgroschen haben, empfehlen die Verbraucherschützer und geben Tipps, wie Studierende einen solchen ansparen können - trotz häufig knapper Kasse. 

Der Trick: Das Geld sollte auf eine hohe Kante gelegt werden, die man nicht immer und überall erreicht. Ein guter Ort sind Tagesgeldkonten. Sie bieten den Vorteil, dass Kontoinhaber nicht am Geldautomaten an ihre Ersparnisse herankommen, sondern sich das Geld erst auf ihr Girokonto überweisen müssen. Durch diese Hürde ist man vor spontanen Versuchungen wie teuren Schuhen, die man beim Einkaufsbummel entdeckt, oder ein größeres Budget zum Feiern am Wochenende gefeit.

Versicherungen sind wichtig, aber übertreiben sollte man es damit nicht, lautet der Rat der Verbraucherzentrale NRW. Ein Muss sei jedoch die private Haftpflichtversicherung. Sie kommt für Schäden auf, die man anderen zufügt, zum Beispiel bei einem Fahrradunfall. Der Vorteil für Studierende: Sie müssen nicht unbedingt eine eigene Haftpflichtversicherung abschließen. „Kinder sind in der Regel bis zum Ende ihrer ersten Ausbildung über den Vertrag der Eltern geschützt - sofern diese über einen verfügen“, schreiben die Experten. 

Je jünger und gesünder, desto günstiger

Und welchen Sinn machen Berufsunfähigkeitsversicherungen, Rechtschutzversicherungen oder private Rentenversicherungen? Die Berufsunfähigkeit früh abzusichern, könne durchaus vorteilhaft sein, heißt es im Ratgeber: „Wenn Sie es können oder jemanden in der Familie haben, der Sie bei den Beiträgen finanziell unterstützen kann, ist es sinnvoll, diesen Versicherungsvertrag möglichst früh abzuschließen. Denn je früher Sie einsteigen, je jünger und gesünder Sie sind, desto größer ist die Chance, den Vertrag zu einem günstigen Preis zu bekommen.“ 

Die Rechtsschutzversicherung sei im Vergleich dazu deutlich unwichtiger. Für alle, die viel mit dem Auto oder Fahrrad unterwegs sind, empfehle sich aber ein Verkehrsrechtschutz. Auch das Thema private Rentenversicherung sollte man laut Empfehlung nicht verfrüht angehen: „Mit einer privaten Rentenversicherung gehen Sie über viele Jahre einen Vertrag mit dem Versicherer ein. Solange Sie also nicht abschätzen können, welche finanziellen Möglichkeiten Sie nach dem Studium haben, sollten Sie eher auf flexible Anlagemöglichkeiten wie Sparprodukte der Banken setzen.“

Die eigene WG

Das neue Zuhause finden, ist ein Kapitel für sich. So handhabt es auch die Verbraucherzentrale in ihrem Ratgeber und nimmt das Thema auf über 50 Seiten unter die Lupe. WG, eigene Wohnung oder Studentenwohnheim - der Ratgeber geht die einzelnen Optionen durch. Leser lernen außerdem den Unterschied zwischen Kalt- und Warmmiete und können sich über Themen wie Wohngeld und Wohnberechtigungsschein, Mietvertrag und Mietrecht sowie Heiz- und Betriebskosten informieren. 

In Sachen Mietvertrag gibt der Ratgeber folgenden Hinweis: "Achtung: Alles, was der Vermieter vielleicht von Ihnen wissen will, müssen Sie nicht beantworten. Fragt er zum Beispiel nach Ihren Freunden, nach Ihrem Musikgeschmack oder ob Sie einen Partner haben und Kinder geplant sind, können Sie auch falsche Angaben machen. Fragt er hingegen nach Ihrem Einkommen, Ihrem Beruf oder Ihrer Ausbildung, müssen Sie wahrheitsgemäße Angaben machen.“  

Ab an die Uni

Im Kapitel „Ab an die Uni“ geht es unter anderem um die Themen Krankenversicherung, Auslandsaufenthalt, Praktikum und Reisen während der Semesterferien. Ein großer Teil des Kapitels widmet sich den Möglichkeiten der Studienfinanzierung. Zur Sprache kommt beispielsweise, was bei Nebenjobs in puncto Arbeitszeit zu beachten ist und wie man sich die eventuell gezahlte Lohnsteuer vom Finanzamt zurückholen kann. Auch die Geldquellen BaföG, Stipendien und Studienkredite werden ausführlich vorgestellt. 

Im Zusammenhang mit dem BaföG weist der Ratgeber darauf hin, dass nach Angaben des Deutschen Studentenwerks wesentlich mehr Studierende BaföG bekommen könnten - wenn sie denn einen Antrag stellen würden. "Auch wenn der Antrag einige Zeit kostet: Probieren Sie es aus“, raten die Verbraucherschützer deswegen. Beim Amt für Ausbildungsförderung könne sich jeder unverbindlich ausrechnen lassen, wie viel Förderung ihm oder ihr voraussichtlich zusteht.

Hier kann man den Ratgeber online für 9,90 Euro plus Versandkosten bestellen:
ratgeber-verbraucherzentrale.de/endlich-erwachsen-
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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