Susanne Theisen
07.02.14 / 13:20

Absolut unverzichtbar

Beim Versicherungsschutz gehört sie zur absoluten Basisausstattung: die private Haftpflichtversicherung. Auch für Studierende ist sie ein Muss.



Dinge gehen schneller zu Bruch, als einem lieb ist. Manchmal zertrümmert man auf einer Party versehentlich nur den Spiegel im Hausflur des Gastgebers, ein anderes Mal trifft es vielleicht die teure Spiegelreflexkamera, die man sich von einer Kommilitonin geliehen hat.

Auch unterwegs mit dem Fahrrad kann etwas schiefgehen. So müssen Radfahrer, die einen Unfall verursachen, für die Folgen geradestehen - nicht nur, was die entstandenen Sachschäden betrifft. Es gibt noch weitere Risiken. „Zum Beispiel kann es passieren, dass man bei dem Unfall jemanden umfährt und schwer verletzt. Mit sehr viel Pech ist eine dauerhafte Behinderung die Folge. Dann kann die wirtschaftliche Last für den Verursacher auf riesige Summen steigen. In solchen Situationen bewahrt einen die private Haftpflichtversicherung vor dem finanziellen Ruin“, erklärt der selbstständige Finanzexperte Jochen Altvater.

Abgesichert über die lieben Eltern

Haben ihre Eltern bereits eine Privathaftpflichtversicherung abgeschlossen, sind Studierende in der Regel darüber abgedeckt. Voraussetzung ist, dass sich das Studium direkt an die Schulzeit oder eine erste Ausbildung anschließt und der Studierende unverheiratet ist. „Auch in der eigenen Wohnung, nach einem abgebrochenen Studium oder einer Lehre - egal ob abgeschlossen oder nicht - genießen unverheiratete Studenten die beitragsfreie Familienversicherung“, ergänzt Jochen Altvater. 

Eltern sollten ihre Versicherung rechtzeitig über den neuen Wohnort des Kindes in Kenntnis setzen und nachfragen, inwieweit der Versicherungsschutz für den Nachwuchs dort greift. Ist das Leistungspaket unzureichend, sollte man einen Anbieterwechsel in Betracht ziehen. Generell gilt: Verträge, die vor langer Zeit abgeschlossen wurden - und die Versicherungssumme womöglich noch in D-Mark angeben - sollten dahingehend geprüft werden, ob ihre Leistungen ausreichend und zeitgemäß sind.

Aufgepasst: Die Verbraucherzentrale Bayern weist darauf hin, dass der Versicherungsschutz bei einer Pause zwischen Abi und Studienbeginn, etwa bei einer Auslandsreise von mehreren Monaten, verlorengehen kann. Um auf Nummer sicherzugehen, sollten Eltern auch in diesem Punkt noch einmal nachhaken.

Selbst ist der Student

Der Schutz über den Familienvertrag läuft aus, wenn Studierende die darin festgelegte Altersgrenze erreicht haben oder selbst ins Berufsleben einsteigen. „Auch wer verheiratet ist, schon berufstätig war oder ein Zweitstudium absolviert, muss das private Haftungsrisiko selbst absichern“, fügt Jochen Altvater hinzu. 

Tipp: Eine eigene Haftpflichtversicherung macht auch für Studierende Sinn, die ein Haustier besitzen, das nicht über die elterliche Police abgedeckt ist. Läuft beispielsweise ein Hund beim Spazierengehen auf die Straße und löst dadurch einen Unfall aus, haftet der Halter des Tieres für den Schaden. 

Die Zeitschrift Finanztest hat 2012 insgesamt 250 Familientarife unter die Lupe genommen und festgestellt, dass sehr gute Tarife schon bei weniger als 50 Euro pro Jahr anfangen. Angebote, die besonders umfangreiche Zusatzleistungen enthalten, kosteten nach Angaben der Tester jährlich zwischen 110 und 130 Euro.

Die Note „gut“ oder „sehr gut“ vergab das Magazin ausschließlich an Tarife, die für Personen- und Sachschäden eine Versicherungssumme von mindestens drei Millionen Euro vorsehen. Mietsachschäden sollten laut Finanztest-Empfehlung in Höhe von mindestens 300.000 Euro gedeckt sein. Die Versicherung sollte auch für Schäden aufkommen, die beim Hüten fremder Hunde oder Pferde, bei der Nutzung fremder Computer und bei Aufenthalten im Ausland entstehen können.

Das kann man sich sparen

Eine Hausratversicherung springt ein, wenn Einrichtungs- und andere Gebrauchsgegenstände innerhalb der eigenen vier Wände durch Feuer, Wasser-, Hagel- oder Sturmschäden, Einbruch oder Vandalismus beschädigt werden. 

Da Studierende in der Regel nicht exklusiv eingerichtet sind, ist eine Hausratversicherung meist überflüssig. „Sie macht allerdings Sinn, wenn man etwas Hochwertiges besitzt, zum Beispiel ein teures Fahrrad oder kostspielige Elektronik“, schränkt Experte Altvater diese Regel ein.
 
Bevor man einen eigenen Vertrag abschließt, sollten Eltern auch hier zunächst mit ihrer Versicherung klären, ob der Hausrat im Wohnheim oder WG-Zimmer der Kinder eventuell über ihre Police abgesichert werden kann.

Zur Person: Jochen Altvater, Jahrgang 1968, war nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre in der Unternehmensberatung tätig und betreibt über seine Beratungsfirma 1plus das Portal Vorsorge-und-Finanzen.de. In den nächsten Wochen ist er unser Experte für eine Serie, die Studenten über die Themen Versicherung und Geld informiert.


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