Susanne Theisen
13.12.12 / 09:34

Im zweiten Anlauf angekommen

Um ein Haar hätte die Zahnmedizin Linda Jeggle an die Juristerei verloren. Nach dem Abi studierte die rothaarige Münsterländerin drei Semester lang Rechtswissenschaften in Berlin. Ihren Studienplatz für Zahnmedizin an der Uni Münster ließ sie dafür sausen.



Linda Jeggle, 25 Jahre, 8. Semester, Uni Münster, seit 2007 Stipendiatin bei der Konrad Adenauer Stiftung
"Ich traute mir das Studium zu dem Zeitpunkt einfach nicht zu, vor allem weil Naturwissenschaften in der Schule nicht gerade zu meinen Stärken gehört hatten. Und in der Zahnmedizin fängt man mit Physik und Chemie ja direkt auf Leistungskursniveau an“, begründet sie ihre damalige Entscheidung.

Jura sei immer ihre zweite Option gewesen und das Studium habe ihr auch Spaß gemacht. Nur konnte sie sich nicht vorstellen, sich als Anwältin ein Leben lang mit anderen Anwälten zu streiten. "Außerdem erschien mir das Referendariat, das ja irgendwann auf einen zukommt, eher trocken und theoretisch“, fügt die 25-Jährige hinzu.

Schon während ihres Exkurses in die Rechtswissenschaften war Linda als Stipendiatin in die Konrad Adenauer Stiftung (KAS) aufgenommen worden. Dadurch kam sie mit vielen Medizinern in Kontakt. Irgendwann sagte einer zu ihr: "Hör mal, du studierst doch eigentlich das Falsche, oder?“

Daraufhin habe sie ein halbes Jahr hin und her überlegt und sich schließlich für eine zweite Bewerbung in der Zahnmedizin entschieden - mit Erfolg. Seit 2008 studiert sie in Münster, ganz in der Nähe ihres Heimatorts Warendorf. Die KAS akzeptierte ihren Fachwechsel, so dass sie weiterhin gefördert wird.

Organisieren und mitmischen

Für die CDU-nahe Stiftung hat Linda sich beworben, weil sie das christliche Weltbild, auf das die KAS Wert legt, befürwortet und lebt. Während der Schulzeit war die Stipendiatin für ihre Kirchengemeinde in der Jugendarbeit aktiv, in Berlin und Münster saß sie für den Ring Christlich-Demokratischer Studierender im Studentenparlament und ihre Kommilitonen vertritt sie seit einigen Jahren als Semestersprecherin. Sich einzusetzen, macht der tatkräftigen Studentin Spaß. "Ich organisiere einfach gerne und mag es, mitzumischen“, sagt sie.

Für die KAS hat sie vor kurzem einen Workshop zum Thema Pränataldiagnostik mitkonzipiert und umgesetzt. Aber sonst ist sie nicht faul und besucht regelmäßig Veranstaltungen zu so unterschiedlichen Thematiken wie Sterbehilfe oder Außen- und Sicherheitspolitik im Wandel. Die Möglichkeit, über den Tellerrand hinauszuschauen und andere Studienbereiche kennenzulernen, ist für sie der spannendste Aspekt ihres Stipendiums.

Studierenden, die über eine Bewerbung nachdenken, macht sie Mut: "Gute Noten sind nicht das einzige Kriterium. Die Stiftung sucht Leute, die nicht nur geradeaus gucken, sondern auch nach links und rechts, die viele Ideen haben, die sich engagieren möchten und nicht davor zurückscheuen, sich für etwas einzusetzen.“

Zahnmedizin und nichts anderes

Mit ihrem unerschöpflichen Elan wird Linda sich wohl auch in die zahnärztliche Arbeit stürzen. Erste Patientenkontakte haben ihre Vorfreude auf das Berufsleben wachsen lassen: "Ich finde die zahnärztliche Arbeit total kreativ und mega-ästhetisch.“ Auch der zwischenmenschliche Aspekt ist ihr wichtig, fügt sie hinzu. "Ich hatte kürzlich einen Patienten mit sehr schlechten Zähnen. Die hatte er wegen seiner große Angst vorm Zahnarzt. Seine Ängste hat er bei mir verloren, so dass ich ihn komplett durchsanieren konnte. Das war eine tolle Erfahrung.“

Die fachliche Kehrtwende hat sich für sie auf jeden bezahlt gemacht, versichert Linda: "Anders als bei Jura habe ich das Gefühl, angekommen zu sein. Ich kann ehrlich sagen: Ich will Zahnmedizin und nichts anderes machen.“



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