Volker Lannert / Universität Bonn
Susanne Theisen
05.12.12 / 07:00

Lange Nachdenken bringt nichts

Karina Dombi ist das, was man einen spontanen Menschen nennt. Ihre Freunde, erzählt die gebürtige Rumänin, wissen nie, mit welcher Frisur sie beim nächsten Treffen auftaucht.



Karina Dombi, 21 Jahre, 6. Semester, Uni Erlangen, seit 2011 Stipendiatin beim Evangelischen Studienwerk e. V. Villigst
Momentan trägt sie sie lang und blond. Abgesehen von spontan ist die Studentin, wie man im Gespräch mit ihr schnell mitbekommt, ausgesprochen selbstbewusst. Das könnte daran liegen, dass sie früh selbstständig werden musste.

Schon mit 14 Jahren ging sie in ein Internat im 80 Kilometer von ihrem Heimatort entfernten Hermannstadt - für einen Teenie fühlte sich das unglaublich weit weg von Zuhause an. Aber die Deutsche Schule, die Karina dort besuchte, bot eine sehr gute Ausbildung. Ein weiterer Bonus: Die deutschstämmige Großmutter freute sich, dass ihre Enkelin Sprache und Kultur ihrer Vorfahren kennenlernte.

Der Berufswunsch stand schon lange fest

Nach vielen Austauschbesuchen während der Schulzeit lag es für die junge Rumänin auf der Hand, sich nach dem Abitur 2009 nicht nur in Bukarest, sondern auch in Deutschland um einen Studienplatz zu bewerben. Das Fach stand für die Theaterliebhaberin schon lange fest. "Ich wollte seit der 8. Klasse Zahnmedizin studieren“, berichtet sie.

Und verrät auch, warum: "Als kleines Mädchen hatte ich extreme Zahnprobleme und verbrachte den Großteil meiner Freizeit auf dem Behandlungsstuhl des Zahnarztes, zu dessen Praxis ich 240 Kilometer weit fahren musste. Für viele Menschen ist das eine Horrorvorstellung, doch für mich war es das Gegenteil. Der Zahnarzt war derjenige, der mein Leid milderte.“ Die Art, wie er mit seinen Patienten umging, begeisterte die Jugendliche. Ihre Berufswahl war getroffen.

Als kniffliger entpuppte sich die Entscheidung für den Studienort. Für Bukarest hatte sie bereits eine Zusage in der Tasche, aber dann kam auch grünes Licht für das Zahnmedizinstudium an der Uni Erlangen. Karina war hin- und hergerissen, machte dann aber schnell Nägel mit Köpfen. "Irgendwann habe ich einfach beschlossen: Du kaufst dir jetzt ein Ticket und gehst nach Deutschland!“

Viel mehr als nur Geld in der Tasche

In Mittelfranken angekommen, bewarb sich die Studentin im zweiten Semester um ein Osteuropa-Stipendium beim Evangelischen Studienwerk. Seit ihrer Kindheit ist Karina, die nach ihrem Abschluss Kieferorthopädin werden möchte, ein aktives Kirchenmitglied. Ursprünglich sei ihre Motivation für die Bewerbung gewesen, ihren Lebensunterhalt zu sichern, erklärt die Studentin. Diese Einstellung habe sich jedoch bald geändert.

"Das Stipendium bedeutet viel mehr als nur Geld in der Tasche. Wenn ich Unterstützung brauche, egal worum es geht, kann ich mich immer an meine Ansprechpartnerin bei der Stiftung wenden. Sie hat mir zum Beispiel geholfen, einen Praktikumsplatz zu finden.“ Darüber hinaus sei der Zusammenhalt der Stipendiaten untereinander unschätzbar viel wert.

An das Auswahlgespräch bei "Villigst“, wie die Stiftung intern genannt wird, erinnert sich Karina noch gut. "Die Atmosphäre war sehr nett. Es sind sofort Leute auf einen zugekommen, die dir was zu trinken und zu knabbern angeboten haben. Alle wollten uns Bewerbern helfen, damit wir nicht mehr so aufgeregt sind“, erzählt sie.

Auch das Gespräch selbst ist ihr in Erinnerung geblieben: "Es kam keine von den Fragen, die ich erwartet hätte. Das Komitee wollte stattdessen wissen, was ich unter einem gesunden Zahn verstehe - und ob ich einen malen kann.“ Konnte sie. "Und ich habe ihnen auch alles erklärt“, sagt sie bestimmt.

Nach diesem Erlebnis kann Karina kein Bewerbungsgespräch mehr abschrecken. "Die Leute von der Stiftung haben die ganze Zeit über nicht die geringste Reaktion gezeigt. Da kam kein Nicken, kein Lächeln - gar nichts“, erzählt sie und muss rückblickend lachen. "Mir hat geholfen, dass ich ein Mensch bin, der selbstbewusst in Situationen reingeht und abwartet, was kommt. Vorher lange zu überlegen, bringt mir nichts. Wie gesagt: Spontan funktioniert bei mir meistens besser.“



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