Michael Vetter
26.03.15 / 09:07

Verhängnisvoller Appetit

Wenn es ums Geld geht, blenden Anleger je nach Spekulationsbereitschaft häufig die eigene Vernunft aus. So erging es auch Peter L., einem niedergelassenen Zahnarzt, der sich sein Geschäft mit seiner Hausbank wohl anders vorgestellt hat.



Vor etwas mehr als einem Jahr hat Peter L. bei seiner Hausbank im Gegenwert von rund 30.000 Euro Aktien deutscher und europäischer Unternehmen gekauft. Da es sich bei L. um einen eher unerfahrenen Anleger handelt, war ihm der Anlageberater des Kreditinstituts bei der Auswahl dieser Aktien behilflich.

Auf die Erfahrung der Bank gesetzt

Während der dazu erforderlichen Gespräche machte ihm der Berater Appetit auf mehr: Wenn er tatsächlich das „große Geld“ machen wolle, müsse er vor allem in spekulative Aktien und in Optionen investieren. Die Bank, führte der Bankmitarbeiter weiter aus, sei sogar bereit, ihm dazu einen besonders zinsgünstigen Aktienkredit über 70.000 Euro zur Verfügung zu stellen.

Die Aussagen wurden vom Anlageberater optisch sehr geschickt mit Zahlen und den Entwicklungen unterschiedlicher Wertpapiere unterstützt, die L. im Einzelnen zwar nicht nachvollziehen konnte, die ihn aber letztlich vom Angebot des Bankmitarbeiters überzeugten. Am Ende vertraute L. auf die Erfahrung seines Gesprächspartners und der hinter ihm stehenden Kompetenz des Kreditinstituts.

Selbstkritisch muss L. heute aber auch einräumen, dass natürlich er selbst im Ergebnis für das Geschäft verantwortlich ist. Immerhin hätte er sich ja durchaus kritischer mit dem Thema auseinandersetzen können. Ein Versuch, die Bank juristisch wegen möglicher Falschberatung zu belangen, kam für ihn daher auch in keiner Weise in Frage.

Auf 7.000 Euro sitzen geblieben

So zeigten die folgenden Monate für L. unerfreuliche Ergebnisse: Mit nahezu jedem Wertpapier ging es nämlich kontinuierlich bergab. Nach einem Jahr zog L. vor allem auf Drängen seines Steuerberaters die sprichwörtliche Notbremse und verkaufte sämtliche Wertpapiere, um sein Kreditkonto mit den Verkaufserlösen zumindest halbwegs auszugleichen.

Dies gelang ihm tatsächlich nur zum Teil: Auf rund 7.000 Euro blieb er im Ergebnis schließlich sitzen. Immerhin wird L. aus diesem missglückten Finanzabenteuer seine Lehre ziehen. Künftige Spekulationen mithilfe eines Bankkredits wird es mit ihm jedenfalls nicht mehr geben.

Positiv ist auch, dass L. sich relativ frühzeitig zum Ausstieg entschied und den Schaden damit in Grenzen hielt. Das übliche Verhalten von Anlegern sieht in einer solchen Lage häufig nämlich anders aus: Sie hoffen auf wieder steigende Kurse und vergrößern damit ihr Risiko, wenn die negative Entwicklung anhält.

Wie man Wertpapiere nicht finanziert

Aktien oder andere Wertpapiere sollten grundsätzlich nicht mit einem Wertpapier- oder Effektenkredit finanziert werden. Bei einem Kreditzinssatz von beispielsweise 5 Prozent pro Jahr muss der jährliche Wertzuwachs der kreditfinanzierten Wertpapiere über diesem Zinssatz liegen, um nur diese Kosten zu decken. Transaktionskosten, also Kauf- und Verkaufsspesen bei den jeweiligen Wertpapiergeschäften sowie Depot- und Verwaltungsgebühren sind darin noch nicht einmal enthalten. Bis dahin wird also noch kein Euro Gewinn erzielt.

Zur Überbrückung eines vorübergehenden Liquiditätsengpasses kann sich ein solcher Kredit ausnahmsweise eignen, wenn er in absehbarer Zeit vom Anleger abgelöst wird. Dies ist in der Regel dann der Fall, wenn in heutiger Zeit Kurschancen beispielsweise bei Aktien oder Investmentfonds genutzt werden sollen und in Kürze etwa eine fällige Lebensversicherung oder eine andere finanzielle Reserve bereit steht, um den Effektenkredit abzulösen.

In einem solchen oder ähnlichen Fall sollte natürlich sichergestellt sein, dass die Formulierungen des Kreditvertrags eine jederzeitige Ablösung durch den Kunden kostenlos ermöglichen.

Michael Vetter
Fachjournalist für Finanzen

vetter-finanz@t-online.de


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