Michael Vetter
03.03.15 / 10:53

Wenn die Bank den Praxiskredit verkauft

Schlechter Standort, finanzschwache Patienten und fehlende Privatleistungen: Die Gründe für die unbefriedigende Umsatz- und Ertragsentwicklung der Zahnarztpraxis von Gerhard M. sind ebenso vielfältig wie besorgniserregend. Aber damit nicht genug.



Hinzu kommt eine weitere Nachricht, mit der M. nun überhaupt nicht gerechnet hat: Eher lapidar teilt ihm ein Finanzinvestor mit, dass er mit sofortiger Wirkung Gläubiger seiner Bankdarlehen ist und seine bisherige Hausbank damit nichts mehr zu tun hat. Mehr noch: „Rein vorsorglich“ wird M. angekündigt, dass zwei Immobiliendarlehen, die er zur Finanzierung eines Gewerbeobjektes aufgenommen hat, zum Ablauf der nächsten Zinsbindung fällig gestellt werden. Offenbar ist dem Unternehmen durchaus bekannt, wie es um die Praxis von M. steht.

Ein entsetzter Kunde

Für M. sind diese Informationen nicht nachvollziehbar. Für ihn war es bisher weder vorstellbar, dass ein Gläubigerwechsel überhaupt möglich ist noch dass Immobiliendarlehen ohne Rücksprache mit ihm als Kunden fällig gestellt werden können. Im Gegenteil: In der Vergangenheit war seine Bank immer sehr daran interessiert, die jeweiligen Kreditverträge zu verlängern, da M. trotz seiner angespannten Finanzlage nach wie vor als zuverlässiger Kreditnehmer gilt. So bestehen weder Zins- noch Tilgungsrückstände, die eine wie auch immer ausgefallene Reaktion seiner Hausbank gerechtfertigt hätten.

Aus den zwischenzeitlich geführten Gesprächen mit seiner Bank erhielt M. übrigens erst nach längerem Hin und Her von dem für ihn zuständigen Ansprechpartner die recht vage Information, dass die Bank seit längerem sogenannte Kreditpakete bündelt und diese an Finanzinvestoren verkauft respektive abtritt. Bei den einzelnen Krediten innerhalb dieser Pakete handelt es sich nach Auskunft des Bankmitarbeiters um „mehr oder weniger“ notleidende Kredite, bei denen sein Arbeitgeber offenbar langwierige Abwicklungs- und Zwangsvollstreckungsmaßnahmen vermeiden will.

Antworten bleibt die Bank schuldig

Die Antwort auf die Frage von M., ob ein solcher Kreditverkauf und die damit ja wohl verbundene Offenlegung seiner wirtschaftlichen Lage gegenüber dem Kreditkäufer überhaupt rechtens ist, blieb ihm der Bankmitarbeiter schuldig. Für weitergehende Informationen müsse er sich, unmittelbar an die Geschäftsleitung wenden. M. hat mittlerweile einen in Bankfragen erfahrenen Anwalt um die Wahrnehmung seiner Rechte gebeten.

Bevor er hier in der Sache weiterkommt, ist er aber zunächst gut beraten, sich um den bevorstehenden Ablauf der Zinsbindung seiner beiden Darlehen zu kümmern. Hierzu sollte er Angebote anderer Banken einholen, die zu einer Umschuldung der Darlehensbeträge möglicherweise zur Verfügung stehen. Hat M. mit seinen Umschuldungsbemühungen wider Erwarten keinen Erfolg, wird es für ihn eng: Er muss nach den bisherigen Ankündigungen davon ausgehen, dass es sein neuen Geschäftspartner mit seiner Kündigungsandrohung Ernst meint.


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