Marlene Endruweit
19.05.15 / 13:32

Wie Börsianer den Urlaub genießen

Die Börsianer unter den Zahnärzten sind auch im Urlaub mit ihren Aktien beschäftigt. Aber auch sie können in Ruhe am Pool entspannen - ohne den großen Crash und einen Nervenzusammenbruch befürchten zu müssen.



Ende April erreichte der Dax sein bisheriges Allzeithoch von mehr als 12.000 Punkten. Seitdem weiß man nicht so recht, ob jetzt die von Experten prognostizierte Korrektur fällig ist, oder ob er sich doch noch einmal zu neuen Höhen aufschwingt. Das Gefühl der Unsicherheit verstärkt sich spürbar, wenn man die Börsennachrichten im Liegestuhl an fernen Stränden verfolgen muss und Handlungsbedarf entdeckt.

Natürlich lässt sich ein Verkaufs- oder Kaufauftrag auch aus der Strandbar oder am Hotelpool per Smartphone mal eben übermitteln. Wesentlich entspannter kann man den Urlaub genießen, wenn die richtigen Weichen schon Zuhause gestellt wurden.

1. das Depot durchforsten

Zunächst empfiehlt es sich, das Depot zu durchforsten. Wer sein Anlagevermögen breit gestreut, langfristig ausgerichtet und keine riskanten Positionen aufgebaut hat, kann sich zurücklehnen. Wenn nicht, sollten alle Papiere auf den Prüfstand gestellt werden. Anleihen, deren Kurse fallen, könnten verkauft werden. Riskante Aktien, die schon einen guten Lauf hinter sich haben, vielleicht auch.

Doch das ganze Depot zu liquidieren und später wieder neu aufzubauen, kostet zu hohe Transaktionsgebühren und vielleicht verpasst man ja auch so manche Chance. Besser ist, die von den Depotbanken angebotenen Hilfsinstrumente zu nutzen, mit denen sich Risiken begrenzen und Chancen wahren lassen:

2. der Bank Orders geben

a. die Stop-Loss-Order

Dieser Auftrag an die Bank bewirkt, dass eine Aktie automatisch verkauft wird, wenn sie auf einen bestimmten Kurs fällt. Der Anleger bestimmt den Kurs unterhalb der aktuellen Notierung. Rutscht der Kurs auf diese Markierung, löst die Stop-Loss-Order den Verkauf  des Papiers aus. So lassen sich Gewinne sichern und Verluste begrenzen.

Allerdings kann es sein, dass die Bank nicht zum angegebenen  Kurs verkauft, weil es zu diesem Preis keinen Käufer gegeben hat. Die Stop-Loss-Order verwandelt sich dann in eine Bestens-Order. Damit kann der Verkaufskurs auch unterhalb der Stop-Loss-Marke liegen. Das Risiko dieser Order besteht darin, dass die Aktie letztendlich zu einem deutlich niedrigeren Kurs verkauft wird als angegeben.

Die knifflige Frage für den Anleger ist, wo er den Stop-Loss-Kurs setzen soll. Bei Dax- und Standard-Werten setzt er die Limits einfach bei zehn Prozent unter dem aktuellen Kurs fest. Bei Nebenwerten, die größeren Schwankungen (Volatilität) unterliegen, wählen Anleger einen Puffer von 15 bis 20 Prozent. Ein wichtiger Experten-Tipp: Niemals einen glatten Kurs wie zum Beispiel 20, 30 oder sogar 50 Euro angeben. Denn das Erreichen runder Beträge kann einen größeren Verkaufsdruck auslösen und stärkere Verluste nachsichziehen, weil diese Marken sehr beliebt sind.

b. die Stop-Trail-Order

Viele Internetbanken wie Cortal Consors, Comdirect oder die ING-DiBa bieten die Stop-Trail-Order an. Dabei handelt es sich um eine Anpassungsautomatik des Stop-Loss-Kurses. Der Anleger legt einen bestimmten Kurs fest, zu dem das Papier verkauft werden soll. Steigt der Kurs der Aktie, wandert der Stop-Loss-Kurs mit dem vorgegebenen Abstand zum aktuellen Kurs automatisch nach oben. Sinkt der Geldkurs aber, bleibt die ursprüngliche Marke als Tiefstwert, zu dem verkauft werden soll, bestehen.

c. die Stop-Buy-Order

Bei manchen Instituten heißt diese Variante auch Start-Buy-Order. Sie ist das Gegenstück zur Stop-Loss-Order und eignet sich für Anleger, die auf keinen Fall den Kauf eines attraktiven Papiers verpassen wollen, wenn dessen Kurs zu steigen beginnt. Die Bank erhält den Auftrag, eine Aktie zu kaufen, sobald der Kurs ein festgelegtes Niveau überschreitet.

Darüber hinaus bieten die Banken noch viele Order-Variationen für Experten an. Einrichten lassen sich die Orders über eine Ordermaske, wie sie die Online-Banken auf ihrer Homepage anbieten. Darin legt man die Daten fest und gibt an, auf welchem Handelsplatz der Auftrag ausgeführt werden soll. Alexander Baumgart, Sprecher bei der Direktbank ING-DiBa rät: „Wer eine möglichst hohe Chance zur Ausführung der Order zur gesetzten Kursschwelle haben möchte, sollte den liquidesten Handelsplatz wählen.“ Das kann zum Beispiel das elektronische Handelssystem Xetra der Deutschen Börse sein. An diese Zentralrechner kann man sich weltweit über das Internet oder Standleitungen verbinden.

3. ... für Beratungsresistente: die App für den Urlaub

Überzeugte Börsianer wollen auch im Urlaub die Kurse verfolgen. Etliche Finanzportale unterrichten ihre Nutzer über die Entwicklung bestimmter Kurse per Email oder App. Dazu gehören: www.ariva.de, www.finanzen.netwww.onvista.de und www.xetra.com.

Auch Finanzinstitute unterrichten ihre Kunden über die Entwicklung ihrer Depotwerte. Wer über sein Smartphone Kauf- und Verkaufsaufträge erteilt, sollte mögliche Roaming-Gebühren bedenken. Günstiger kann es sein, den Hotel-Computer zu benutzen - allerdings nur mit der gebotenen Vorsicht.

Marlene Endruweit
Fachjournalistin für Finanzen
marlene.endruweit@koeln.de


 


Mehr zum Thema


Kommentare

Leserkommentare (0)

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können