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Christian Guizetti
02.06.16 / 14:00

Praxisabgabe: Chancen, Fallstricke und Lösungen

Die Schere zwischen Praxisinhabern, die in den kommenden Jahren ihre Praxen veräußern wollen, und jungen Zahnärzten, die bereit und willens sind, eine Praxis zu erwerben, geht weiter auf.




In der Vergangenheit konnten ältere Zahnärzte davon ausgehen, am Ende ihrer beruflichen Laufbahn die Praxis verkaufen zu können. Der Erlös aus dem Praxisverkauf war ein integraler Baustein der finanziellen Versorgung für den Ruhestand. Seit 2007 hat sich dies dramatisch verändert.

Musste vor 2007 jeder Zahnarzt selbstständig tätig sein – mit Ausnahme der in den Kliniken angestellten –, so kann sich seit 2007 jeder entscheiden, selbstständig oder auch angestellt die Zahnheilkunde auszuüben. Die Zahl der insgesamt tätigen Zahnärzte steigt nach wie vor, jedoch nimmt der Anteil der Angestellten zulasten der selbstständigen Praxisinhaber zu.

In diesem Artikel erfahren Praxisinha-ber, wie sie dennoch einen Käufer finden können und welche steuerlichen Konsequenzen damit verbunden sind. Nebenher können sich jüngere Zahnärzte über die Vor- und Nachteile einer selbstständigen Tätigkeit, Formen und Möglichkeiten des Einstiegs oder einer Übernahme informieren. Da der Vorgang komplex ist und viele Einzelheiten zu berücksichtigen sind, ist die Planung und Durchführung mit Checklisten zu empfehlen.

Nachfolger gesucht – keine ganz einfache Aufgabe

Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger ist heute erheblich schwieriger als noch vor wenigen Jahren. Viele Praxen finden keinen Käufer. Um überhaupt einen Interessenten zu finden, bieten sich u. a. Praxisbörsenportale, die Kammern sowie spezielle Berater an.

Gute Chancen, einen Nachfolger zu finden, haben diejenigen, die fünf Jahre vor geplantem Enddatum mit der Vorbereitung beginnen. Wie ist der Zustand der Praxis? Jetzt ist noch eine gute Gelegenheit zu investieren. Der Zahnarzt kann die Investitionen steuerlich abschreiben und hat eine attraktive Praxis als Verkaufsobjekt zu bieten.

Die Themen Kaufvertrag, Übergabe von Miet- und Personalverträgen sowie die Regelung zur Schweigepflicht für die Patientendatei seien hier nur kurz erwähnt.

Wer langfristig einen Nachfolger sucht, kann noch gemeinsam in einer Übergangs-BAG arbeiten und die Patienten bestmöglich auf den Erwerber übertragen. Die nun dargestellten Folgen gelten sowohl für den Verkauf einer Einzelpraxis als auch für die Veräußerung eines BAG-Anteils.

Bei Gründung einer Übergangs-BAG sind etliche Besonderheiten zu beachten. Es ist zu unterscheiden, ob Geld in das Betriebs- oder Privatvermögen fließt, was in das Gesamthandsvermögen (Vermögen der Gesellschaft) oder in das Sonderbetriebsvermögen eingebracht wird, ob auf einen Schlag oder sukzessive durch Gewinnverzicht gezahlt wird. Hier, wie auch für den Gesamtprozess der Nachfolge und Veräußerung, hilft ein auf Zahnärzte spezialisierter Steuerberater. Im Vorfeld ist vieles gestaltbar, später dagegen oft nicht mehr umkehrbar.

Was ist meine Praxis wert?

Eine zentrale Frage ist die Wertfindung. Der Wert setzt sich aus dem Praxisinventar und dem im Goodwill verkörperten Patientenstamm zusammen. Für Letzteren steht eine Reihe von Bewertungsverfahren zur Verfügung. Bewährt haben sich Multiplikatorverfahren (z. B. 25 % Jahresumsatz, 50 % Jahresgewinn), das Ärztekammerverfahren, das auf den nachhaltig übertragbaren Gewinn rekurriert, oder das sogenannte modifizierte Ertragswertverfahren (höchstrichterlich für Zugewinnausgleich anerkannt). Wichtig zu wissen ist, dass keines dieser Verfahren einen objektivierbaren Wert ergibt. Am Ende des Tages ist der Wert bzw. Kaufpreis eine Frage von Angebot, Nachfrage und geschicktem Verhandeln.

Der Abgabegewinn errechnet sich als Differenz zwischen Verkaufspreis, Verkaufskosten und Buchwerten. Noch ausstehende Honorarforderungen von KZV und Privatpatienten müssen ebenfalls sofort versteuert werden.

Vorsicht ist geboten, wenn die Praxis in einer eigenen Immobilie betrieben wird. Mit Verkauf oder Aufgabe der Praxis wird diese zwingend aus dem Betriebsvermögen entnommen. Die Differenz zwischen Verkehrswert und Buchwert erhöht den Veräußerungs-/Aufgabegewinn. Dummerweise fließt dafür, wenn die Immobilie nicht mitveräußert werden kann, kein Geld. Es liegt ein steuerpflichtiger Gewinn vor, zu dessen Steuerzahlung kein Geld vereinnahmt worden ist.

Dasselbe gilt für alle anderen Gegenstände, die Betriebsvermögen sind und über die Praxis angeschafft worden sind. Als Beispiel seien genannt der Firmenwagen, Kunstgegenstände oder Designmöbel, die in das Privatvermögen überführt werden.


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