Michael Vetter
15.05.15 / 11:18

Professionalisieren Sie sich wie Ihre Bank!

Kein Service, kaum Zinsen und lästige Gebühren: Die Geldinstitute arbeiten offenbar weiter daran, ihren schlechten Ruf zu zementieren, indem sie nur auf ihren Vorteil achten. Aber was spricht eigentlich dagegen, sich als Kunde analog zur Bank ebenfalls zu "professionalisieren"?



Praxisverantwortliche sollten daraus die Konsequenzen ziehen und ihre sämtlichen Bankbeziehungen auf den Prüfstand stellen. War es in der Vergangenheit in der Regel durchaus sinnvoll, vor allem mit einem Kreditinstitut zusammenzuarbeiten, kann in heutiger Zeit dieses Geschäftsmodell meist nicht mehr empfohlen werden.

Eine Bank, ein Berater, transparente Geschäfte - so war es früher

Die Realität in Zeiten der nach wie vor anhaltenden Banken- und Finanzkrise hat in der Tat kaum mehr etwas mit dem Bild zu tun, dass vor allem Vertreter der freien Berufe als oft Besserverdienende gemeinsam mit ihren Banken geprägt haben. Die nahezu klassische Hauptbankverbindung beinhaltete ein Kreditinstitut, mit dem nahezu sämtliche geschäftliche (und private) Transaktionen durchgeführt wurden.

Vor allem im Kreditbereich war dies durchaus von Vorteil, da die Ermittlung der Kreditwürdigkeit in einem halbwegs transparenten Verfahren auch für den in Bankfragen häufig wenig erfahrenen Praxisbetreiber ebenso nachvollziehbar war wie die Bewertung der überlassenen Kreditsicherheiten.

Kundenseitige Rückfragen wurden meist kurzfristig und erschöpfend vom Bankmitarbeiter vor Ort beantwortet. All dies ist heute nahezu nicht mehr möglich. Ein negativer Trend ist vor allem bei der  Transparenz festzustellen, die, Tendenz zunehmend, nun fast ausnahmslos seitens des Kunden als Kreditnehmer stattzufinden scheint.

Unklare Prognosen und unzufriedene Kunden - die Wirklichkeit heute

Dies wird unter anderem abgebildet in immer enger werdenden zeitlichen Abständen, in denen wirtschaftliche Details der Praxis ebenso verlangt werden wie Prognosen über die gerade bei Freiberuflern schwer zu kalkulierenden Liquiditäts- und Rentabilitätsentwicklungen.

Wird dagegen vom Kunden nach belastbaren Fakten etwa zur Kreditwürdigkeit oder nach den substanziellen Inhalten der damit zusammenhängenden Beurteilungssysteme gefragt, bleiben konkrete Antworten häufig genug aus. Da ist es schon bezeichnend, wenn selbst Bankmitarbeiter immer wieder einräumen müssen, dass selbst ihnen nicht jedes Rating- oder Scoring-Detail bekannt ist.

Die ebenfalls angesprochenen Kreditsicherheiten bieten ein ähnliches Bild: Wenig Transparenz bei der Wertermittlung, die, so wird häufig argumentiert, „bankintern“ sei und daher nicht kommuniziert werden dürfe. So bleibt die Frage, wie Praxisverantwortliche ihre Kreditwürdigkeit, die sich nun einmal durch Beurteilungssysteme und durch die Qualität der Sicherheiten ergibt, mit dem Ziel günstigerer Kreditzinssätze verbessern sollen, wenn sie nicht wissen, wo sie anzusetzen haben.

Lapidare Hinweise des Kreditgebers, vielfach offensichtlich aus der Not geboren, dass die „Eigenkapitalquote zu gering“ und die „Privatentnahmen zu hoch“ seien, sind hierzu in keiner Weise zielführend. Eher im Gegenteil verstärken sie meist die Unzufriedenheit des oft langjährigen Kunden.


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