Sonja Schultz
09.03.15 / 13:11

Film ab!

An der Ludwig-Maximilian-Universität wird der Hörsaal zum Kino. Was Medizinstudenten durch Filme lernen können.



Im Dallas Buyers Club (2013) schmuggelt der Aids-Patient Ron Woodroof in den 1980ern nicht-genehmigte Medikamente von Mexiko nach Texas. Matthew McConaughey und Jared Leto erhielten für ihre Leistung jeweils einen Oscar und den Golden Globe. picture_alliance

Alzheimer im Kino - das gibt es in letzter Zeit häufiger zu sehen. Gerade startete mit „Still Alice - Mein Leben ohne Gestern“ ein Filmdrama, dessen Hauptfigur mit Demenz kämpft. Auch Til Schweigers „Honig im Kopf“ setzt sich mit einem Thema auseinander, das in den nächsten Jahren und Jahrzehnten immer mehr Menschen betreffen wird. Die Filme spiegeln nicht nur die alternde Gesellschaft wider. Manchmal können sie auch helfen, ein Krankheitsbild und die davon Beeinträchtigten besser zu verstehen.

So dürfte die Komödie „Ziemlich beste Freunde“ um die Freundschaft zwischen einem Lebemann mit Querschnittslähmung und seinem Pfleger für viele der Millionen Zuschauer der Erstkontakt mit den täglichen Problemen eines Tetraplegikers gewesen sein. 

Die Möglichkeiten von Filmen, auch schwierige Themen emotional zugänglich zu machen, nutzen die Macher des „M 23-Kinos“ an der Ludwig-Maximilian-Universität München. Mit ihrer Filmreihe richten sie sich an Medizinstudenten und Interessierte anderer Fakultäten. Seit inzwischen neun Jahren zeigt ein Studierenden-Team, das sich rund um Prof. Dr. Matthias Siebeck gebildet hat, Filme, die im weitesten Sinne medizinische Fragestellungen berühren. Ob Schizophrenie, Gehörlosigkeit, tödliche Erkrankungen bei Kindern, Gesundheitspolitik oder Sterbehilfe - das Spektrum ist möglichst breit gefächert.

Lernen ist nicht nur Pauken

„Wir behandeln gern auch Stoffe, die im Studium zu kurz kommen“, erklärt Mike Rüb vom „M 23“-Team. Der 23-Jährige stieg vor drei Jahren mit Kommilitonin Sophie Neuner in die Kino-Organisation mit ein, weil beide vom Format begeistert waren. Heute besteht die Gruppe aus sechs Jungmedizinern. Initiator Siebeck wirkt noch im Hintergrund mit. Der für Außenstehende kryptische Name „M 23“ steht für die Einteilung des Studiums in Module. Eingängig ist dafür der Slogan des Medi-Kinos: „Weil Lernen nicht nur aus Pauken besteht“.

Der Clou der Reihe: Zu den Filmabenden werden jeweils auch Betroffene und Experten geladen, mit denen im Anschluss diskutiert werden kann. „Sehr spannend war zum Beispiel, als wir ‚I am a woman now‘ gezeigt haben“, sagt Mike Rüb - ein Dokumentarfilm über Transidentität. Ein Spezialist für urologische Chirurgie, der geschlechtsangleichende Operationen vornimmt, sowie drei Betroffene stellten sich nach der Vorführung den Fragen der Studenten. „Alle waren sehr interessiert daran, mehr über ein Thema zu erfahren, das sonst stark mit Vorurteilen belastet ist.“ 


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