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ck/dpa
14.04.14 / 15:05

Übungen vor Rügen

Mit einem Segeltörn auf der Ostsee vor Rügen hat am Wochenende eine neue Form der Ausbildung für Schiffsmediziner begonnen: Am Uni-Klinikum Greifswald startet deutschlandweit erstmals das Wahlfach "Maritime Medizin".



Den 22 Kursteilnehmern und ihren drei Ausbildern wurden zunächst Kenntnisse in Nautik vermittelt, sagte der Kapitän des Segelschulschiffs "Greif", Wolfgang Fusch. Später lernten sie die Rettung von über Bord gegangenen Menschen und die Erstversorgung der Geretteten.

Als deutschlandweit erste Hochschule bildet das Uni-Klinikum Greifswald ab Mai angehende Ärzte im Fach "Maritime Medizin" aus. Die praktischen Übungen finden an Bord der "Greif" statt. Am Wochenende segelte das Schulschiff erstmals mit den Medizinern an Bord auf die Ostsee hinaus. 

Einsatz auf Offshore-Anlagen

Hintergrund ist der zunehmende Bedarf von Medizinern auf Schiffen. Mit dem Ausbau von Offshore-Anlagen werde auch in diesem Sektor die Nachfrage nach qualifiziertem medizinischen Personal wachsen, sagte Prof. Olaf Schedler vom Unfallkrankenhaus Berlin. Ärzte des Unfallkrankenhauses übernehmen die Ausbildung der Greifswalder Medizinstudenten.

Pro Jahr würden allein in Deutschland 25 neue Ärzte auf Kreuzfahrtschiffen benötigt, so Schedler. Das Unfallkrankenhaus schult seit zwei Jahren Kapitäne und nautische Offiziere in Erster Hilfe und bereitet Schiffsärzte in Kursen auf ihren Einsatz vor. 

Allrounder auf der Aida

Der Kreuzfahrttourismus boomt. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes waren im Jahr 2012 rund 1,5 Millionen Urlauber aus Deutschland auf hoher See unterwegs, 2013 waren es bereits knapp 1,7 Millionen Menschen. Sie brachten den Anbietern 2,5 Milliarden Euro Umsatz. Der Deutsche Reiseverband geht auch 2014 von einem weiteren Wachstum in diesem Bereich aus. 

"Ein Arzt an Bord eines Schiffes muss alles können: von der Entbindung, über eine Zahnbehandlung bis zur Notfallmedizin", sagte Schedler. Zudem benötige er seemännische Grundkenntnisse und müsse auch in der Lage sein, die Auswirkungen des Wetters beurteilen zu können - wichtig gerade bei der Übergabe von Patienten an andere Schiffe.

Maritimes Wahlfach

Die Vorlesungen, Seminare und praktischen Übungen sollen als Wahlfach in das Studienprogramm integriert werden und angehende Ärzte frühzeitig auf die vielfältigen Anforderungen an Bord eines Schiffes vorbereiten, sagte Reiner Biffar, Dekan der Medizinischen Fakultät. 

Das Segelschulschiff "Greif" stach am Samstag von Greifswald aus erstmals zu einem derartigen Zwei-Tages-Kurs in See. Die Kursteilnehmer übten auf der Ostsee vor Sassnitz die Rettung und Versorgung von Kranken auf hoher See. 

Erstmals wurde auch der Einsatz eines satellitengestützten Telemedizinsystems für Handelsschiffe, Frachter, Tanker oder Forschungsschiffe getestet. Bislang seien Schiffsärzte nur vorgeschrieben, wenn mindestens 80 Personen an Bord des Schiffes sind und das Schiff mindestens drei Tage auf Fahrt ist, sagte Schedler. Über das Telemedizinsystem würden auf Schiffen ohne Arzt die medizinisch relevanten Daten wie EKG oder Blutdruck eines Patienten per Satellit an das Unfallkrankenhaus nach Berlin übermittelt, wo Ärzte den Kapitänen und Offizieren Handlungsanweisungen geben könnten. 

von Martina Rathke, dpa


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