Déjà-vu-Erlebnis?
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| 16. Mai 2006 Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, haben Sie auch dieses Déjà-vu-Erlebnis: Wenn die Politik streitet, der Bürger prinzipiell gegen alles ist, die kreißenden Polit-Elefanten die sprichwörtliche Maus gebären, aber Bürgern wie Ärzten letztlich deren Mäuse aus der Tasche ziehen, dann ist Vorabend der nächsten Gesundheitsreform? Lediglich das jetzige, anfangs im Geheimnisvollen gehaltene Vorhaben veranlasst zu Spekulationen, die durch den ständigen Wechsel von Absichtserklärungen und schnell folgenden Dementi oder lautstarken Gegenpositionen den Weg der zu beschreitenden Maßnahmen rätselhaft machen. Und noch ein Unterschied zu früher: Die Wirkungsdauer der angestrebten Reformen, die die große Koalition verspricht, sind augenscheinlich weit kürzer als die zu Zeiten der rot-grünen Koalition: Versprach damals der auf Seiten der CDU/CSU für das GKV-Modernisierungsgesetz zuständige Horst Seehofer noch die Jahrhundertreform, malt Arbeits- und Sozialminister Franz Müntefering allenfalls eine Nachhaltigkeit von zwei Jahrzehnten an die Wand. Mehr ist ja auch politisch nicht erwünscht: Die beiden Träger der Großen Koalition Aber es ist eben doch viel Déjà-vu. Denn in Wirklichkeit braut sich bei der anstehenden Entscheidung in den kommenden Monaten etwas zusammen, was systemisch von tatsächlich nachhaltiger Bedeutung sein kann. Im Vexierfeld zwischen einer zunehmend schwimmenden CDU/CSU und einer ebenso zunehmend betonköpfigen SPD zeichnen sich Änderungen für das Gesundheitswesen ab, die für Versicherer, (Zahn-)-Ärzte und vor allem die Bürger dieser Gesellschaft schwerwiegend sein werden: Hier wird einer der letzten noch funktionierenden Teile zur Finanzierung unseres Versorgungssystems auf die Schlachtbank geführt. Den finanziellen Kollaps der GKV wird selbst dieses Opfer aber nur hinauszögern, nicht wirklich aufhalten können. Und bei all dem, was zurzeit noch Linderung in diesem Prozess verspricht, streuen die GKVen - sie haben ihre Interessen in diesem Prozess bereits fest eingepflockt - durch gezielt gesetzte Meinungsumfragen Bevölkerung und vielleicht noch anders denkenden Politikern eifrig Sand in die Augen. Unter dem Strich ist das Ergebnis einer von der DAK in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage ein Freischein Richtung SPD-Denke: Keine radikale Reform, kein Prämien-Modell, keine Steuerfinanzierung, keine PKV, aber weiterhin eine solidarisch finanzierte, am medizinischen Fortschritt ausgerichtete Versorgung zum Nulltarif. Wer gezielt fragt, bekommt auch gezielt Antworten. Und: Wer denkt da wohl für wen? Solche im Vorfeld geworfenen Nebelkerzen und Irrlichter fördern eins nicht: Das konstruktive Weiterdenken. Womit wir wieder beim Déjà-vu-Erlebnis wären ... Mit freundlichen kollegialen Grüßen Dr. Jürgen Fedderwitz Vorsitzender der KZBV zm 96, Nr. 10, 16.05.2006, Seite 4 |