16.
Mai 2006
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Prof. Dr. Bernd Klaiber
Jahrgang 1948, 1967 bis 1972 Studium der Zahnheilkunde in Freiburg, 1972
Staatsexamen, 1973 Promotion, 1980 Habilitation, 1980 Jahresbestpreis der
DGZMK, 1981 Ernennung zum Professor, 1986 Walther Engel Preis der Akademie
für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe, 1987 Ruf auf den Lehrstuhl
für Zahnerhaltung und Parodontologie an der Universität
Würzburg, Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung und
Parodontologie. Hauptinteressensgebiete: Restaurative Zahnheilkunde,
minimalinvasive Restaurationstechniken, minimalinvasive und noninvasive
Maßnahmen zur Verbesserung der Ästhetik |
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Abstract
Lückenbildungen im Frontzahnbereich verursachen Dunkelräume zwischen
den Zähnen (Abbildungen 1und 2). Während diese bei einem kleinen
Diastema mediale oder bei gleichmäßiger Lückenbildung zwischen
den Frontzähnen meist weniger auffallen, werden sie bei einem
größeren Diastema mediale oder ungleichmäßiger
Lückenbildung häufig als störend empfunden (Abbildung 3). Auch
bei intakten Approximalkontakten können die Dunkelräume, die als
schwarzen Dreiecke zwischen den Zähnen nach Gingivaretraktion entstandenen
sind, das Aussehen negativ beeinflussen (Abbildungen 2, 3,10 und 11). Die
Ästhetik und Funktion kann durch Beseitigung dieser Dunkelräume
erheblich verbessert werden. Im Folgenden wird beschrieben, wie mit
noninvasiven oder minimalinvasiven Maßnahmen diese Dunkelräume
beseitigt werden können.
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Abbildung 1:
Gleichmäßige Lückenbildung von 43 bis 32 nach unfallbedingtem
Verlust eines Schneidezahnes und nachfolgender kieferorthopädischer
Behandlung (oben). Mit noninvasiver Behandlung konnten die Lücken
geschlossen und ein unauffälliges, natürliches Erscheinungsbild
wiederhergestellt werden (unten). |
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Abbildung 2:
42-jährige Patientin mit Lücken und schwarzen interdentalen
Dreiecken. Deutliche Verbesserung des Erscheinungsbildes nach der noninvasiven
Behandlung. |
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Abbildung 3: Neben
dem Diastema mediale fällt insbesondere die einseitige Lückenbildung
zwischen 11 und 21auf, weil diese das optische Gleichgewicht stört. Nach
Lückenschluss und Verkleinerung der schwarzen interdentalen Dreiecke
stellt sich ein insgesamt harmonischeres Erscheinungsbild ein. |
Planung
Die Grundregeln der Ästhetik sind bei Zahnformveränderungen zu
beachten. Die Bedeutung der bindenden und trennenden Kräfte, die
Symmetrie, die Proportionen, die Dunkelräume und Dominanz sind unter
anderem bei Rufenacht [1990] und Fradeani [2005] beschrieben.
Sowohl der Zahnarzt wie auch der Patient sollten vor der Behandlung klare
Vorstellungen haben, wie die Formveränderungen durchzuführen sind und
wie sich diese auf das Erscheinungsbild der dentofazialen Kompositionen
auswirken. Ein so genanntes "Mock-up" - das ist eine Skizze mit
Komposit, zum Beispiel mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum, - ist schnell
gemacht und sehr aufschlussreich (Abbildung 9b). Hier lässt sich
klären, ob für einen Lückenschluss nur eine oder ob beide
Approximalflächen verbreitert werden müssen. Darüber hinaus wird
sich zeigen, ob bei einer gedrehten Stellung eine Kompositapplikation auf der
Labialfläche erforderlich ist.
Abbildung 4 a - h: a: Das auf zirka drei Zentimeter gekürzte
transparente Matrizenband (zur besseren Darstellung hier blau angefärbt)
wird zunächst versteift, indem es zwischen den Fingern in eine
Halbkreisform gebracht wird. Jetzt lässt es mit leichtem Druck zwischen
Gingiva beziehungsweise Kofferdam und Zahnoberfläche nach zervikal
vorschieben, wobei sich das Matrizenband der Umrissform des Zahns im
Zervikalbereich anschmiegt. Wichtig ist, dass das senkrecht eingeführte
Matrizenband nicht auf dem Gingivarand aufsitzt. Das Matrizenband ist in dieser
Situation in horizontaler Richtung jedoch stark konturiert, was eine Ausformung
in vertikaler Richtung von inzisal nach zervikal unmöglich macht. b: Weil
das Matrizenband noch zu breit ist und zu weit nach palatinal und labial
reicht, ist die Matrize in horizontaler Richtung konturiert. c, d: Nach
Verschmälerung des Matrizenbandes um etwa zwei Milllimeter ist die
horizontale Konturierung verschwunden. Das senkrecht zur Labialfläche
orientierte Band ist jetzt bereit für die vertikale Konturierung, e, f:
Dazu wird zwischen Matrize und Nachbarzahn ein lichthärtendes
Provisoriumskomposit in das mittlere und zervikale Drittel des Approximalraums
eingespritzt, wobei der auf der Lingualfläche des Zahnes aufliegende
Finger als Widerlager dient. Das Matrizenband ist jetzt zervikal gut adaptiert.
g, h: Die Matrize wird nun in vertikaler Richtung in U-Form konturiert. Dazu
wird mit einem kleinen Heidemannspatel, dessen Blatt senkrecht zur
Labialfläche orientiert ist, das Matrizenband gegen das
Provisoriumskomposit gedrückt. Der Spatel wird von inzisal nach zervikal
geführt, wobei zu beachten ist, dass kein Material in den Bereich der
Kontaktfläche gelangt. Mit der Lichtpolymerisation des
Provisoriumskomposit wird die approximale Verschalung fertiggestellt.
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Abbildung 5 a bis h: a bis e: Nach Polymerisation des Adhäsivs
wird das Flowable-Komposit auf der Palatinalseite appliziert. Dazu wird die
Kanüle von zervikal (a) nach inzisal (b) geführt und das Komposit
dabei ausgedrückt. Die dünn aufgetragene Schicht reicht bis zum
inzisalen Drittel der Approximalfläche. Ein kleiner Heidemann-Spatel wird
in das inzisale Drittel der Approximalfläche (c) eingeführt und
leicht gedreht oder gekippt (d). Dadurch werden die Zähne auseinander
gedrückt, wobei das Flowable- Komposit nicht von der Zahn- und
Matrizenfläche abreißt, sondern nach zervikal absinkt und /oder
oberflächlich konkav wird. Diese gespreizte Situation wird durch
Lichtpolymerisation des Flowable-Komposits "eingefroren" (e). Durch
diese Maßnahme entsteht ein guter Approximalkontakt. f, g, h: Mit der
Applikation (f) und Adaptation (g) von Schmelzkomposit auf der
Palatinalfläche wird die Rückwand bis zur Schneidekante hochgezogen.
Nach der Polymerisation ist die Palatinalfäche fertigestellt (h).
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Abbildung 6 a bis h: Nach Applikation und Adaptation eines dunkleren
(a, b) und eines etwas helleren (c, d) Dentinkomposits wird oberflächlich
noch ein Schmelzkomposit aufgetragen (e). Alle drei Massen werden zusammen
konturiert und polymerisiert (f, g, h). |
Matrizen- und Verschalungstechnik
Die adäquate Matrizentechnik ist die wichtigste Voraussetzung für das
Gelingen dieser Formveränderung. Während bei der Wiederherstellung
der ursprünglichen Zahnform in der Regel eine transparente Matrize und ein
Keil zur Anwendung kommen, sollte bei Formveränderungen die Matrize mit
einem lichthärtenden Provisoriumskomposit individualisiert und zervikal
abgedichtet werden [Hugo, 2001]. Bei dieser Verschalungstechnik muss auf einen
Keil, der bei einer normalen Füllung das Matrizenband zervikal adaptiert
und die Zähne um die Matrizenbandstärke separiert, verzichtet werden.
Die Verbreiterung würde sonst zu eher stufigen Übergängen und
damit zu unnatürlichen approximalen Umrissformen führen. Auch ohne
Keil lässt sich ein straffer, flächenförmiger Approximalkontakt
erzielen, wenn nach Applikation eines fließfähigen Komposits die
Zähne mit einem Spatel auseinandergedrückt und in dieser gespreizten
Situation das Material polymerisiert wird. Die Matrizentechnik und die
Kompositapplikation beim Schließen eines Diastemas werden in den
Abbildungen 4 bis 6 schrittweise gezeigt.
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Abbildung 7 a bis f:
Lückenschluss nach Kfo-Behandlung
a) Übersicht vor Lückenschluss |
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b) Übersicht
nach Lückenschluss |
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c) In der
Seitenansicht wird die Lücke zwischen 22 und 23 deutlich d) Verschalung
zur Verbreiterung der distalen Flächen von 21 und 22 e) In der
Seitenansicht erscheint Zahn 22 nach Verbreiterung kürzer f) In der
Frontalansicht (siehe b) erscheint dieser Zahn jedoch nicht breiter, weil die
Verbreiterung (schwarze Pfeile) vornehmlich in den Bereich der
Approximalflächen (weiße Pfeile) gelegt worden ist. |
Adhäsivtechnik
Eine saubere Zahnoberfläche, ein trockenes Arbeitsfeld und ein gutes
Adhäsiv sind unabdingbare Voraussetzungen für einen guten Verbund
zwischen Zahn und Komposit. Für die Herstellung einer belagsfreien
Oberfläche stehen verschiedene Möglichkeiten, wie Scaler,
Pulverstrahl, Finishing-Strips und / oder Silikonpolierer, zur Verfügung.
Unserer Erfahrung nach kann auf ein Anschleifen oder "Anfrischen" der
Zahnoberfäche mit diamantierten Instrumenten verzichtet werden, da im
Gegensatz zur Füllung einer Klasse-III- oder -IV-Kavität hier das
Schmelzangebot deutlich größer und der C-Faktor (= Verhältnis
gebundener zur freien Kompositfläche) weitaus günstiger ist. Bei der
Auswahl des Adhäsivs ist zu berücksichtigen, dass wegen des Verlaufs
der Schmelz-Zementgrenze zervikal meist auch Zement beziehungsweise Dentin in
den Verbund miteinbezogen wird.
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Abbildung 8: Trotz
Verbreiterung des Zahns 22 erscheint dieser bei frontaler Ansicht nicht
breiter, weil das distale inzisale Dreieck vergrößert worden ist
(schwarze punktierte Linie). |
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Abbildung 9 a bis
h: Lückenschluss durch mesiale und distale Verbreiterung von 22 a)
Ausgangssituation b) "Mok-up" zeigt, dass 21 und 23 nicht verbreitert
werden müssen c) Approximale Verschalung d) Applikation des Flowable-
Komposits |
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e) Spreizen zur
Herstellung des Approximalkontakts f) Fertig gestellte Palatinalwand g) Zustand
nach Kompositapplikation h) Natürliches Erscheinungsbild des verbreiterten
22, gesunde Gingivaverhältnisse |
Ästhetische Komposite werden heute von vielen Herstellern angeboten. In
der Regel reichen für Zahnverbreiterungen und zum Schließen
schwarzer Dreiecke zwei Dentinmassen und eine Schmelzmasse aus. Die Anwendung
von Effektmassen ist in diesen Bereichen meist nicht erforderlich. Ein
Flowable-Komposit in dünner Schicht von palatinal beziehungsweise lingual
aufgetragen hat eine wichtige Hilfsfunktion bei der Herstellung des
Approximalkontaktes und bei der Adaptation der Kompositmassen (Abbildungen 5
und 9).
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Abbildung
10 a bis h: Vorgehen bei der Reduktion schwarzer Dreiecke a) Relativ
große schwarze interdentale Dreiecke bei einem 67-jährigen Patienten
b) 42 Matrizenapplikation c) 42 fertige Verschalung d) 42 und 41 Aufbau der
Lingualfläche mit von lingual appliziertem Flowable-Komposit. Nach dessen
Aushärtung werden zwei Dentinkomposite und ein Schmelzkomposit
aufgetragen, konturiert und polymerisiert. e) Mesiale Approximalkonturen bei 42
und 41 nach Matrizenentfernung f) Optimale Kompositobertfläche direkt
unter der Matrize g) 42 distal und 31 mesial werden in gleicher Weise aufgebaut
h) Verkleinerte schwarze Dreiecke als Ergebnis der noninvasiven Maßnahme
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Möglichkeiten der optischen Täuschung
Zahnverbreiterungen verändern die Umrissform. Ein zwecks
Lückenschluss verbreiterter Zahn wirkt kürzer als zuvor (Abbildung 7
e). Für die Breitenwirkung eines Zahns spielen aber nicht die absoluten
Maße, sondern das Verhältnis der Länge zur Breite die
entscheidende Rolle. Als angenehm gilt ein Längen-Breiten-Verhältnis
von 1 : 0,75-0,8. Während ein langer Zahn nach der Verbreiterung eher
besser aussehen wird, muss bei einem normal proportionierten Zahn versucht
werden, diese verbreiternde Wirkung abzuschwächen. Als Möglichkeiten
stehen dafür zur Verfügung:
Verlegung der
lateralen Kantenlinie nach medial (Abbildungen 7 b bis f) (die
Kontaktfläche wird dadurch mehr nach lingual verlegt)
Vergrößerung des interinzisalen Dreiecks (Abbildung 8)
Verwendung
dunklerer beziehungsweise farbintensiverer Kompositmassen als sie auf der
Labialfläche des Zahnes indiziert wären
Materialien und Instrumente
Für die vorgestellte Technik verwenden wir folgende Materialien und
Instrumente:
Komposit in
unterschiedlichen Farben und Transluzenzen
Flowable-Komposit in Drehspritze mit dünner Kanüle
in Schmelz und
Dentin wirksames Adhäsiv
transparente
Matrize
lichthärtendes Provisoriumskomposit zur Konturierung der Matrize, wie
Systemp.onlay (Fa. Vivadent) oder Clip (Fa. Voco)
kleiner
Heidemann-Spatel zur Kompositapplikation und zum Spreizen der Zähne
Pinsel zu
Kompsitapplikation
Skalpell Nr. 15
zur approximalen Eintrennung des noch weichen Komposits sowie zur Entfernung
des abgebundenen Komposits auf der Labialfläche
Skalpell Nr. 12
zur Entfernung eventueller Überschüsse im approximalen
Zervikalbereich
Oszillierende
Feilen: Proxoshape Feilen (Fa. Intensiv) im Kavo-Prepcontrolkopf 61 LRG (Fa.
KaVo)
kleine
dünne Al2O3-Scheiben: Soflex XT Pop On (Fa. 3M ESPE) zur approximalen
Eintrennung und Gestaltung der interinzisalen Dreiecke
feinstkörnig belegte Hohlkehlflamme
Silikonpolierer
Okklubrush-Bürsten (Fa. Kerr)
Ziegenhaarbürstchen zur Hochglanzpolitur mit Diamant- und Al2O3-Pasten
Durchführung
An je einem klinischen Beispiel werden ein Lückenschluss (Abbildung 9) und
eine Reduktion schwarzer Dreiecke (Abbildung 10) exemplarisch demonstriert.
Abbildung 11: 62-jährige Patientin mit
schwarzen interdentalen Dreiecken. Diese wurden mit der in diesem Artikel
beschriebenen Methode verkleinert. Darüber hinaus wurde bei 11 durch
Applikation eines Schmelzkomposits die Verlegung der Schmelz-Zement-Grenze nach
zervikal simuliert und somit ein "Schmelzlifting" erreicht. Bei 21
wurden labial zusätzlich Dentin- und Schmelz- Kompositmassen aufgetragen.
Mit dem im Mund direkt hergestellten Veneer ließ sich dieser Zahn
"protrudieren" und so in dieselbe Position wie 11 bringen. Bei 22
konnte durch Kompositapplikation auf die distale Hälfte der
Labialfläche eine "Derotation" vorgetäuscht werden.
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Abbildung 12 a und b: Lückenschluss nach Kfo- Behandlung.
Stabilisierung des Behandlungsergebnisses durch interproximale Abstützung
im Zahnbogen |
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Wertung
Mit der vorgestellten Behandlungstechnik lassen sich Zahnverbreiterungen zum
Lückenschluss und zur Verkleinerung schwarzer Dreiecke noninvasiv oder
minimal invasiv durchführen. Immer, wenn intakte, schöne
Labialflächen vorhanden sind, sollte dieses Verfahren dem der Behandlung
mit Veneers vorgezogen werden.
Als Vorteile können aufgeführt werden:
kein
Präparationstrauma
kein oder nur
sehr wenig Schmelzverlust
Endresultat in
einer Sitzung erzielbar, kein Provisorium erforderlich
Korrekturen und
Ergänzungen jederzeit möglich
sehr geringer
Materialaufwand
Zahnarzt
entwickelt mit der Zeit ein Formgefühl ("esthetic learning by
doing")
Möglichkeit der Entfernung und damit Wiederherstellung des
ursprünglichen Zustands
für
Patienten finanziell günstig
Als Nachteile sind zu nennen:
anspruchsvolle
Behandlungsmaßnahme
mehr
Plaqueanlagerung als auf Keramik (ähnliche Plaqueanlagerung wie auf
Schmelz)
gelegentlich
Blasen im Komposit
Alterung der
Oberfläche
Abrechnungsmodalität
Die beschriebenen Formveränderungen entsprechen nicht einer Füllung,
bei der ja die ursprüngliche Form wiederhergestellt wird. Sie gehören
demnach auch nicht in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Auch
wenn der Hochglanz der Kompositoberfläche meist nicht von Dauer ist, so
bleibt dies klinisch ohne sichtbare Auswirkung, da der Speichelüberzug und
die eher approximale Lokalisation diesen im Vergleich zur Keramik
aufzuführenden Nachteil kaschieren. Der Hochglanz könnte bei jedem
Recall mit einer kurzen Politur wieder erreicht werden.
Für diese Formveränderungen besteht ein großer klinischer
Bedarf. Zum einen sind es die gestiegenen Ansprüche der Patienten an die
Ästhetik. So fühlen sich viele Patienten nach dem Schließen der
Diastemata oder der Reduktion schwarzer interdentaler Dreiecke wesentlich
sicherer und optisch verjüngt (Abbildung 11). Wenn sich die Patienten
wohler fühlen, dann haben diese Maßnahmen zur Verbesserung der
Ästhetik auch ihre medizinische Berechtigung.
Ein großer Bedarf für einen Lückenschluss besteht auch nach
kieferorthopädischer Behandlung. Gerade nach der Extraktion der
Prämolaren bleiben im Frontzahnbogen häufig Lücken, die mit
Kfo-Maßnahmen nicht weiter zu schließen sind (Abbildung 12). In
einer solchen Situation stabilisiert der Lückenschluss das
Behandlungsergebnis, weil der Zahnbogen in sich abgestützt ist.
Darüber hinaus muss in vielen Fällen noch ein Retainer angebracht
werden, der bei lückig stehenden Frontzähnen auch mit Problemen
behaftet ist.
Insgesamt gesehen stößt die beschriebene Behandlungstechnik bei den
Patienten auf großen Zuspruch und kann somit auch zum positiven Image
einer Praxis beitragen. In Zeiten finanziell enger werdender Ressourcen ist sie
für den Patienten eher finanzierbar als eine aufwändigere
laborgefertigte Restauration. Der eigentliche Vorteil dieser direkten
Behandlungstechnik liegt aber nicht in der Finanzierbarkeit, sondern in der
möglichen Einhaltung der hehren Prinzipen der Medizin, nämlich
"primum nihil nocere", Berücksichtigung des
Nutzen-Risiko-Verhältnisses einer Maßnahme und der Beachtung des
Prinzips von der Verhältnismäßigkeit der eingesetzten Mittel.
Bevor wegen eines Lückenschlusses oder der Beseitigung eines schwarzen
interdentalen Dreiecks eine gesunde intakte Labialfläche abgeschliffen
wird, sollte sorgfältig abgewogen und mit dem Patienten besprochen werden,
ob dieses Behandlungsziel nicht auch mit einer noninvasiven Maßnahme zu
erreichen ist.
Prof. Dr. Bernd Klaiber
Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der
Universität Würzburg
Pleicherwall 2
97070 Würzburg
klaiber@mail.uni-wuerzburg.de
Literaturverzeichnis
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zm-online.
zm 96, Nr. 10, 16.05.2006, Seite
52-59
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