01. Juni 2006 - Die
Kapitallebensversicherung hat ihre besten Zeiten hinter sich, seitdem das
Steuerprivileg gestrichen ist. Jetzt wittern die Fondsgesellschafter
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Zielsparfonds - der Name ist
Programm. Anders als andere Fonds will dieser den Anleger zum Ziel
"Altersvorsorge" führen - und das ganz bequem. Individualisten
bleiben da kritisch. |
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Morgenluft und bieten mit Zielsparfonds neue
Modelle für die Altersvorsorge. Dem Anleger versprechen sie mehr
Bequemlichkeit.
Die Deutschen kümmern sich zu wenig um ihre Altersvorsorge. Diese
Erkenntnis ist so neu nicht. Laut der Wochenzeitung "Die Zeit"
verwenden sie 37 Stunden auf den Kauf eines Autos, 25 Stunden für die
Planung einer Küche. Ganze 20,5 Stunden ihrer kostbaren Freizeit opfern
sie für die Planung ihrer Altersvorsorge. Immer noch verlassen sich die
meisten darauf, dass Vater Staat es schon richten wird. Dabei ist jetzt schon
klar, für viele von ihnen wird die Rentenlücke größer als
gedacht. Andererseits dürfen besorgte Sparer die Werbesprüche der
Versicherungs- und Fondsgesellschaften auch nur mit Vorsicht genießen.
Deren Vorstellungen über Ausgaben für die Vorsorge sind oft heillos
überzogen.
Fleißige Sparer mit wenig Zeit
Dabei genießen die Deutschen einen Ruf als besonders fleißige
Sparer. Sie legen ihr Geld auf Sparkonten oder kaufen die Produkte, die ihnen
der Kundenberater empfiehlt. Um was es sich dabei wirklich handelt und wie
teuer die Empfehlungen letztlich sind, wissen die wenigsten. Statt sich blind
auf Bankberater oder Versicherungsagenten zu verlassen, wäre es
lukrativer, sich einen Durch- und Überblick über die jetzige und
später gewünschte finanzielle Situation zu verschaffen:
Dabei sind zwei Dinge entscheidend für die Planung der Altersvorsorge:
Wie hoch wird
der Bedarf im Alter sein?
Wie kann ich
für ausreichende finanzielle Mittel sorgen?
Die erste Frage kann jeder nur für sich beantworten. Am einfachsten ist
es, sich mit Papier und Bleistift hinzusetzen und seine Bedürfnisse zu
ermitteln. Wahrscheinlich ist, dass die Ausgaben für die Kinder gegen Null
tendieren, die Kosten für Freizeit und Gesundheit hingegen steigen werden.
Allerdings wird es einem Dreißigjährigen schwer fallen, diese Fragen
jetzt schon genau zu beantworten. Hier ist etwas Fantasie gefragt.
Anschließend kommt der Kassensturz, da heißt es ran an die
Kernfragen:
Wieviel wird
mir das Versorgungswerk zahlen?
Verfüge
ich über ein abbezahltes Haus oder eine Wohnung oder werde ich auch im
Alter Miete zahlen müssen?
Wieviel liegt
auf der hohen Kante?
Kann ich mit
dem Ersparten die Pension aufbessern?
Was kann ich
jetzt noch tun?
Dabei gilt eine einfache Faustregel: Je früher man mit dem Sparen
anfängt desto besser. Denn umso stärker kann sich der
Zinseszinseffekt auswirken. Demnach hängt die Höhe des gesparten
Kapitals entscheidend von der Wiederanlage der erwirtschafteten Gewinne ab.
Jeder Berater und auch jeder Kunde geht davon aus, dass alle Gewinne wieder
angelegt werden. Auf dieser Basis errechnen sie die oftmals stolzen Renditen.
Weichen die tatsächlichen Ergebnisse auch nur um einen Prozentpunkt von
den Prognosen ab, bedeutet das für die Altersvorsorge ein Minus von 20
Prozent. Um sich einen Überblick über die tatsächlich
erreichbare Rendite zu verschaffen, braucht der Anleger Angaben über alle
anfallenden Kosten einer Anlage. Investmentfonds klären ihre Kunden
einigermaßen ausreichend über die von ihnen kassierten Gebühren
auf. Schwerer tun sich nach wie vor die Lebensversicherer. Doch eine
Gesetzesinitiative und der eigene Wille der Assekuranz zu mehr Transparenz
sollen demnächst Abhilfe schaffen.
Mit in die Berechnungen für eine ausreichende Vorsorge gehört die
wahrscheinliche Entwicklung der Inflationsrate. Beträgt sie pro Jahr nur
zwei Prozent, bedeutet das die Halbierung des Vermögens in 35 Jahren.
Würden sich die Menschen über diese Dinge Gedanken machen,
ständen vielen von ihnen die Haare zu Berge. Doch auffallend wenige
Deutsche kümmern sich um ihre Finanzen. Gegenüber der
"Zeit" äußerte sich Rüdiger von Nitzsch, Professor an
der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen: "Je
weniger sie über etwas Bescheid wissen, desto weniger interessiert es sie.
Etwa dann, wenn sie nicht einmal die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses
kennen." Weil er den Menschen nicht zutraut, dass sie sich selbst
verantwortlich um ihre Belange kümmern, fordert er zum Beispiel
automatische Versicherungen, die man ausdrücklich ablehnen muss, will man
sie nicht haben. Soweit gehen die Pläne der Rentenexperten in Berlin
derzeit noch nicht - zumindest nicht offiziell. Doch die Strategen der
Finanzdienstleister kalkulieren mit der Bequemlichkeit der Menschen.
Lange hat sich die Branche der Investmentfonds vergeblich um die Euros der
Vorsorgekunden bemüht. Die Kapital bildende Lebensversicherung stellte
jahrzehntelang den Favoriten bei der Vermögensbildung.
Die scheinbare Sicherheit der Anlage und vor allem die Bequemlichkeit der
Durchführung zogen die meisten Sparer ins Netz der Assekuranz. Die
Versprechen für eine höhere Rendite und
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Stichwort: Asset
Allocation
Übersetzt heißt dieser Begriff
Vermögensanlage. Gemeint ist damit die Aufteilung des Vermögens in
verschiedene Investmentarten (Asset-Klassen), zum Beispiel Anleihen, Aktien,
Immobilien, Zertifikate und so weiter. Mit Veränderungen der Asset
Allocation lassen sich Rendite und Risiken eines Portfolios
optimieren. |
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niedrigere Kosten, mit denen die
Fondsgesellschaften warben, lockten als Köder sehr viel seltener. Als
jedoch Ende 2004 das Steuerprivileg der Lebensversicherer kippte, bekamen sie
ihre Chance. Sie entwickelten neue Varianten des Fondssparens.
"Flexibles" Renditeversprechen
Das neueste Angebot auf dem Gebiet heißt Zielsparfonds. Sie versprechen
große Flexibilität und starke Renditeaussichten. Das Prinzip ist
ganz einfach: Der Kunde zahlt wie bei einem Sparplan eine bestimmte Zeit lang
eine gleichmäßige Rate oder eine Summe auf einmal in einen Fonds
ein. Dafür verspricht ihm die Gesellschaft eine möglichst hohe
Rendite bei möglichst geringem Risiko. Zu Beginn legt der Sparer in Aktien
an, mit zunehmendem Alter wandert das Geld automatisch in sichere
Anlageklassen. So will der Fondsmanager vermeiden, dass der Anleger kurz vor
Antritt der wohl verdienten Rente bei einem Börsencrash sein Vermögen
noch riskiert. Die Sparer sollen so mehr Sicherheit erhalten ohne gleich in das
feste Korsett der Lebensversicherung gepresst zu werden. Denn im Unterschied
dazu besteht bei einer Anlage in Fonds jederzeit die Möglichkeit
auszusteigen. In den USA und Großbritannien laufen Fonds dieser Art gut.
Die Menschen dort nutzen sie für ihre Vorsorge oder für die
Ausbildungsfinanzierung ihrer Kinder.
Auf der Angebotspalette stehen die Zielsparfonds seit Beginn des Jahres bei
verschiedenen Gesellschaften, darunter die Activest, Deka, dit, DWS, Union und
die amerikanische Fidelity.
Viele Strategien, kleine Unterschiede
Die Strategien der verschiedenen Anbieter ähneln sich. Die
Lebenszyklusfonds tragen alle eine Jahreszahl im Namen. Die meisten nennen das
Jahr, in dem das Sparziel erreicht wird und die Auszahlung beginnt.
Der dit, die Fondsgesellschaft der Dresdner Bank, kennzeichnet seine Fonds mit
dem Geburtsjahr der Anleger. Der erste Fonds deckt die Jahrgänge 1947 bis
1951 ab. Es folgen 52 bis 56, 57 bis 66, 67 bis 77 und 77 bis 96. Der Fonds
investiert zu Beginn der Laufzeit in Aktien und wechselt allmählich zu
risikoärmeren Produkten. Das Besondere beim dit-Vorsorgefonds ist, dass er
riesterfähig ist, also mit der staatlichen Förderung kombiniert
werden kann.
Der Deka-Zielfonds der Sparkassen investiert das Sondervermögen - damit
ist das Vermögen der Kunden gemeint - wiederum in verschiedene
Aktienfonds. Dabei stehen die eigenen Fonds zur Verfügung aber auch die
bekannteren ausländischer Gesellschaften wie Templeton oder Threadneedle.
Der Deka-Fonds handelt also wie ein Dachfonds, der wiederum in andere Fonds
investiert. Kunden haben die Wahl unter verschiedenen Laufzeiten : 2015, 2020,
2025 und 2030. Anfangs investiert die Deka hauptsächlich in
chancenorientierte Aktien. Gegen Ende der Laufzeit schichtet sie in Renten-
beziehungsweise Geldmarktanlagen um. Laut Fondsprospekt darf der Fonds in
Immobilienfonds - wie die meisten anderen Zielsparfonds - investieren. Auf
diese Weise hofft sie, die erwirtschafteten Gewinne sicher bis zum Ende
anzulegen.
Der Fidelity Target Fonds (Target = Ziel) investiert zu Beginn der Laufzeit 85
Prozent des Anlagekapitals direkt in Aktien. Die Asset Allocation - so der
Fachjargon für Vermögensanlage - wird umso konservativer, je
näher das Ende der
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Laufzeit rückt. Am Ende steckt das gesamte
Sparguthaben in Geldmarktfonds. Die Zielvorgaben lauten 2010, 2015 und 2020.
Die Fondstochter der Deutschen Bank DWS legt jedes Jahr einen neuen
Flex-Pension-Fonds auf. Damit umwirbt sie vor allem konservative Anleger, die
sich bislang auf Lebensversicherungen fixiert hatten. Als
Vergleichsmaßstab für die Gewinnentwicklung nimmt sie einen Index,
der sich aus hauseigenen Fonds zusammensetzt. Darüber hinaus garantiert
die DWS eine Höchststandssicherung. Das heißt, dass der Wert des
Fonds nicht unter den Kurs, der an einem bestimmten Stichtag erzielt wurde,
fallen kann.
Ebenfalls mit einer Garantie lockt Activest, die Fondsgesellschaft der
HypoVereinsbank, ihre Kunden in den Pension Protect Fonds. Bei Erstauflage des
Fonds Anfang Juni 2005 wurde der Erstrücknahmepreis zum Laufzeitende
garantiert. Seitdem wird jeweils zu Beginn eines Monats das Garantieniveau
angepasst. Liegt der Rücknahmepreis über dem letzten Garantieniveau,
wird das höhere Niveau bis zum Ende garantiert. Activest bietet sechs
Fonds mit Laufzeiten zwischen 2015 und 2020 an.
So angenehm sich das Versprechen einer Garantie anhört, umsonst ist es
nicht. Der vorsichtige Umgang mit dem investierten Geld kostet den einen oder
anderen Punkt bei der Rendite. Die würde bei einem aggressiveren
Anlagestil wahrscheinlich höher ausfallen. Deshalb verzichtet die Union
Investment, Fondsgesellschaft der Volksbanken, auf eine Garantie. Sie legt die
Kundengelder, die in den Wertsparplan fließen, in drei verschiedene
hauseigene Fonds an: den Aktienfonds UniGlobal, den Mischfonds UniRak und den
Rentenfonds UniEuroRenta. Die Kunden können sich zwischen zwei
verschiedenen Modellen entscheiden: Je nachdem, ob sie mindestens fünf
Jahre oder mehr als zehn Jahre lang ihr Geld anlegen wollen. Die Laufzeit
bestimmt der Kunde selbst. Jeder bekommt sein eigenes Konto.
Bequemer Zwang
Grundsätzlich bieten die Zielsparfonds dem Anleger viel Bequemlichkeit. Er
muss sich nicht mehr selbst um seine Fondsanteile kümmern, ständig
die Tabellen im Auge behalten, um nur ja keine Entwicklung zu übersehen.
Das Konstrukt nimmt ihm die Angst, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen, zu dem
er von Aktien auf Renten beziehungsweise Geldmarktfonds umsteigen muss, um
seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. Dafür sorgt der
Fondsmanager, in dem er Chancen und Risiken einer Anlage gegeneinander
abwägt. Umsonst ist dieser Service - natürlich - nicht. Allerdings
halten sich die Gebühren in einem angemessenen Rahmen. So betragen die
Kosten für die Verwaltung zwischen einem und 1,5 Prozent jährlich.
Die Ausgabeaufschläge liegen mit 3,5 bis fünf Prozent in etwa auf dem
gleichen Niveau wie bei vergleichbaren Aktienfonds der Gesellschaften.
Da alle Fonds noch sehr jung sind, gibt es keine Performance-Daten, anhand
derer sich eine längere Entwicklung verfolgen ließe. Weil aber die
meisten Zielsparfonds in hauseigene Produkte investieren, wissen die Anleger,
worauf sie sich einlassen. Die Mindestsparraten sind moderat. Sie liegen
zwischen 25 und 100 Euro im Monat.
Selbst ist der Sparer
Das höchste Maß an Flexibilität und Unabhängigkeit in der
Geldanlage verschaffen sich Sparer, die Freude am Management ihres Portfolios
haben. Sie bestimmen selbst, wann sie ihr Kapital wohin umschichten. Auf diese
Weise können sie ihre finanziellen Bedürfnisse ihrer jeweiligen
persönlichen Situation am besten anpassen. So sieht es auch Peter Grieble,
Finanzberater bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart:
"Ein Zielsparfonds hat etwas Zwanghaftes. Jeder Mensch hat andere
Bedürfnisse, die sich nicht in ein Raster pressen lassen. Das
Riesenangebot an Möglichkeiten kann ich nutzen, um die Vorsorge genau auf
mich abzustimmen." So kann ein Dreißigjähriger sehr risikoscheu
sein. Er entscheidet sich vielleicht für einen Rentenfonds. Dagegen
möchte es so mancher Fünfzigjährige noch einmal wissen und setzt
voll auf Aktien. Denn dort gibt es die größten Chancen - und
Risiken.
Die nahe Zukunft vor Augen
Wer so optimistisch in die Zukunft blickt, hat vielleicht ganz andere
Pläne als sich mit 60 oder 65 Jahren zur Ruhe zu setzen. Viele Menschen,
besonders wenn sie über eine gute Ausbildung verfügen, haben
Spaß an ihrer Arbeit. So bleibt es gerade Selbständigen, zum
Beispiel Zahnärzten, unbenommen, in bestimmtem Rahmen über die
Pensionsgrenze hinaus zu arbeiten. Arbeitszeit und -volumen bestimmt dann jeder
selbst. Fröhlich in die Zukunft blickt aber auch der Pensionär, der
vielleicht schon mit 60 Jahren den Bohrer weglegt, sich mit dem Erreichten
zufrieden gibt und die lange geplante Weltreise antritt, sich ein Segelboot
kauft, um die Meere zu erobern oder sich endlich ganz den Rosen in seinem
Garten widmet. Die Vorsorge lässt sich in jedem Fall entsprechend planen.
zm 96, Nr. 11, 01.06.2006, Seite
104-107
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