1. Juni 2007
- Die drei Branchen Unternehmensdienste, Pharma sowie Medizin-, Mess-,
Steuer-, Regeltechnik haben unter 34 analysierten deutschen Wirtschaftszweigen
die besten Zukunftsaussichten. Sie profitieren am stärksten von den
erwarteten technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen und haben
die besten Wachstums- und Entwicklungsperspektiven. Dies ist das zentrale
Ergebnis einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
Die zukunftsfähigste Branche unter den deutschen Wirtschaftszweigen ist
die der unternehmensnahen Dienstleistungen, vor allem wegen ihres starken
Beschäftigungswachstums. Dies zeigt die Studie "Deutschlands
Zukunftsbranchen" des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in
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Gesamtergebnis des
Branchenrankings: die erreichten Punkte der Top 12 in Prozent |
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Köln, die der Verband Forschender
Arzneimittelhersteller (VFA) in Auftrag gegeben hatte. Die Dienstleister
erreichen 76,7 Prozent der möglichen Punkte. Zum Sektor gehören
Unternehmensberatung, Finanzdienstleister, Informations- und
Immobilienwirtschaft. Diese Mittler sind wesentliche Gewinner des
Strukturwandels, aber weisen - auch strukturell bedingt - ein niedriges
Wachstum an Produktivität und Export auf.
Auf Platz zwei folgt die Pharmaindustrie mit 74,4 Prozent. Sie kann laut IW den
technischen Fortschritt besonders für das eigene Wachstum nutzen - etwa
Innovationen der Bio- und Gentechnik. Auch die demografischen
Veränderungen und der damit verbundene Nachfragewandel wirken positiv.
Anzeichen dafür: Gegen den Trend stieg die Zahl der Arbeitsplätze in
den Jahren 2000 bis 2005 um 14,4 Prozent. Einen Platz im unteren Mittelfeld
gibt es dagegen im Teilbereich Rahmenbedingungen.
Die Medizin-, Mess-, Steuer- und Regeltechnik/Optik (MMStR) liegt mit 74,1
Prozentpunkten an dritter Stelle des Rankings. Grund sind eine hohe
Produktivität und Exportquote sowie Vorteile durch die Globalisierung -
und wie Experten bewerten - günstige Rahmenbedingungen. Trotz eines
leichten Abbaus an Jobs gehört die MMStR - zusammen mit Pharma - zu den
forschungs- und humankapitalintensivsten Wirtschaftszweigen. In der Top Ten
folgen Automobilindustrie, Logistik, Nachrichten, Chemieindustrie,
Maschinenbau, sonstiger Fahrzeugbau sowie die Gesundheits- und Sozialdienste.
Gesundheit als Trend
Während die Unternehmensdienste von ihrer Funktion als
"Drehscheibe" der Wirtschaft profitierten, gründeten die
Aussichten der beiden anderen Spitzen laut IW zu großen Teilen auf ihrer
Fähigkeit, am "Gesundheitsboom" zu partizipieren. "Der
Gesundheitssektor ist der Zukunftsbereich der deutschen Wirtschaft",
prognostiziert Dr. Michael Hüther, Direktor des IW Köln.
Ihre Erwartungen haben die Forscher an mehreren Faktoren festgemacht.
"Dazu zählt vor allem die Fähigkeit, die großen
technologischen und gesellschaftlichen Zukunftstrends produktiv aufzugreifen
und in marktfähige Innovationen zu überführen",
erklärt Hüther. Auch entscheidend: die Rahmenbedingungen. Positiv
seien die Qualifikation von Fachkräften, die Qualität der
Wissenschaftseinrichtungen und die stabile Rechtstaatlichkeit, so urteilen die
befragten Experten. Als Belastung werten sie Abgaben und Steuern sowie
Bürokratie. Hinzu komme die Risikoscheu der Deutschen. Restriktive
Arbeitsmarkt- sowie Produkt- und Marktregulierungen sehen die Fachleute
ebenfalls als Hemmnis - besonders für die Arzneimittelhersteller. Dieses
Votum solle "von der Politik als Warnschuss verstanden werden",
kommentiert Hüther.
Die "Kluft zwischen Möglichkeiten und der Wirklichkeit" werde in
Deutschland immer größer, betont Cornelia Yzer,
Hauptgeschäftsführerin des VFA. Kaum eine Branche habe so gute
Aussichten wie die Pharma, Know-how und Arbeitsplätze aufzubauen. Aber
auch kaum einer Branche werde es so schwer gemacht, dieses Potential zu nutzen,
erklärt Yzer. Dabei verweist sie auf eine Studie des Hamburgerischen
WeltWirtschaftsinstituts (HHWI) zu "Wachstum und Beschäftigung im
Gesundheitswesen". Nach dieser könne die deutsche
Gesundheitswirtschaft in einem wettbewerblichen System im Jahr 2020
fünfeinhalb Millionen Menschen beschäftigen. Blieben staatliche
Regulierung und Intervention, verzichte man auf genau 650 000
Arbeitsplätze und 50 Milliarden Euro, urteilt Yzer.
Die IW-Ergebnisse basieren auf einer Kombination aus quantitativer Analyse und
qualitativer Expertenbefragung. Die "Financial Times Deutschland"
bezeichnete die Zweitplatzierung der Pharma als "nicht überraschend
angesichts des Auftraggebers."
jr
zm 97, Nr. 11, 01.06.2007, Seite 26
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