Neues von der Universität

Studenten lernen Implantate setzten

Sebastian Patzelt, Marko Knauf
16. Juni 2008 - Im Wintersemester 2007/08 wurde erstmals in der Abteilung für zahnärztliche Prothetik des Universitätsklinikums Freiburg die orale Implantologie in den praktischen Teil der studentischen Kurse integriert. Im Folgenden wird die "Ausbildungsneuheit" beschrieben.


Die Kooperation der Klinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde mit der Firma Nobel Biocare (Schweden) ermöglichte es, den Patienten Implantate und die prothetische Versorgung zu einem reduzierten Preis anzubieten. Den Studenten wurde auf diese Weise nicht nur der theoretische Hintergrund der oralen Implantologie in Vorlesungen und Seminaren vermittelt, sondern auch das praktische Vorgehen am Patienten unter Anleitung eines Assistenzarztes durchgeführt. Im Folgenden soll anhand von zwei Patientenfällen (Fall 1: Freiendsituation, Abbildung 1; Fall 2: Hybridprothetik, Abbildung 1) die Diagnostik, Planung und das Setzen der Implantate durch die "studentische Hand" vorgestellt werden.

Fall 1: Freiendsituation
Abbildung 1: Intraorale Situation (Freiendsituation Regio 45, 46) Abbildung 2: Wax-up/Set-up
   
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Abbildung 3: Planung (NobelGuide™-Software) Abbildung 4: OP-Schablone (NobelGuide™) mit Anker-Pins
   
Abbildung 5: Implantation: Regio 45 Implantat inseriert; OP-Schablone für Implantation in Regio 46 aufgesetzt Abbildung 6: Implantation abgeschlossen; Healingcaps aufgeschraubt, Wundränder mit Einzelkopfnähten adaptiert
   
Abbildung 7: OPG post operativ; Implantatsystem NobelReplace®; Regio 45, 46


Behandlungsablauf
Es wurde die Anamnese und Befundaufnahme anhand eines standardisierten Bogens durchgeführt (allgemeine und spezielle Anamnese, extra- und intraorale, dentale und parodontale sowie funktionelle Befunde), Studienmodelle hergestellt, welche mit Gesichtsbogen und zentrischer Bissnahme in einen Mittelwertartikulator montiert wurden. Zusätzlich wurden ein OPG und Zahnfilme angefertigt. Anhand der gewonnenen Befunde wurden daraufhin die Diagnosen und Prognosen der Restzähne erstellt sowie die Therapiemöglichkeiten mit dem Assistenzarzt diskutiert. Die Einbindung der oralen Implantologie in die klinischen Studentenkurse ermöglicht die Pfeilerzahnvermehrung zur Einzelzahnversorgung, die Versorgung von Freiendsituationen mit festsitzendem Zahnersatz bei kariesfreien Nachbarzähnen und die Hybridprothetik.

Mithilfe der montierten Studienmodelle stellt der Student für die geplante prothetische Versorgung ein diagnostisches Wax-up/Set-up (Fall 1, Abbildung 2) her und überprüft es nach prothetischen Gesichtspunkten am Patienten.

Basierend auf dem Wax-up/Set-up wird eine Röntgenschiene aus PMMA-Kunststoff hergestellt und mit Guttaperchamarkern versehen. Die Ausdehnung der Schiene richtet sich nach dem Restzahnbestand. Nun folgt die radiologische Untersuchung. Es werden zwei DVT- oder CT-Datensätze erstellt; einer mit dem Patient und der Röntgenschiene, ein zweiter mit der Schiene alleine.

Mit den gewonnen radiologischen Daten kann die Planung mit der NobelGuide™ Software (Fall 1, Abbildung 3; Fall 2, Abbildung 2) vorgenommen werden. Der Student plant zusammen mit seinem Assistenten Position, Länge und Durchmesser der Implantate. Mit diesen Planungsdaten wird von Nobel Biocare über ein stereolithographisches Verfahren eine Bohrschablone (Fall 1 ,Abbildung 2; Fall 2, Abbildung 3) erstellt, mit welcher eine geführte Implantation möglich ist.

Fall 2: Hybridprothetik
Abbildung 1: Intraorale Situation (Hybridprothetik) Abbildung 2: Planung (NobelGuide™-Software)
   
Abbildung 3: OP-Schablone (NobelGuide™) mit Anker-Pins
   
Abbildung 4: Implantation: Einbringen des Implantats
   
Abbildung 5. Postoperative intraorale Situation; Vorgehen Flap-less, Healing-Cap aufgeschraubt
   
Abbildung 6: OPG post operativ; Implantatsystem NobelReplace®; Regio 33


Die Studenten können unter Anleitung ihres Assistenzarztes die Implantation selbst durchführen (Fall 1, Abbildungen 5 bis 7; Fall 2, Abbildungen 4 bis 6).

Das derzeitige Konzept sieht aufgrund der begrenzten Zeit des Semesters nur die Planung, das chirurgische Vorgehen, die Implantatinsertion und im darauffolgenden Kurs die entsprechende prothetische Versorgung vor.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die orale Implantologie das Spektrum der studentischen Ausbildung erweitert und zu einem umfassenderen Verständnis der praktischen Vorgänge und Verfahren der implantatgetragenen und implantatretinierten Prothetik beiträgt.

cand. med. dent. Sebastian Patzelt
Dr. Marko Knauf
Universitätsklinik für Zahn-, Mund-
und Kieferheilkunde, Abteilung für Zahnärztliche Prothetik
Hugstetter Straße 55
79106 Freiburg


zm 98, Nr. 12, 16.06.2008, Seite 54-56