Zahnmedizinische TerminologieDeutsche Begriffe in der russischen Fachsprache |
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1. Juli 2010 - Die
russische zahnmedizinisch-implantologische Terminologie weist eine Reihe
deutscher oder über das Deutsche
Wer eine Reise nach Sankt Petersburg oder Moskau plant und ein Lehrbuch aufschlägt, um sich ein paar russische Grundbegriffe anzueignen, wird zunächst auf vertraute Vokabeln treffen wie buterbrod, karta, ruksak, schlagbaum oder stul. Der historische Grund hierfür liegt darin, dass neben einer neuartigen Realie von etwas "typisch Deutschem" gleich auch die Bezeichnung übernommen wurde. Diese Mode verstärkte sich in der Regierungszeit Peters des Großen, dem seit frühester Jugend die Deutsche Vorstadt Moskaus vertraut war und der dort mit zahlreichen Westeuropäern Umgang pflegte. Darauf ist wohl auch seine allgemeine Aufgeschlossenheit dem Westen gegenüber und seine Begeisterung insbesondere für Technik zurückzuführen. Verbundenheit aus Tradition In den darauffolgenden Generationen wurde der deutsche Einfluss auch dadurch begünstigt, dass stets enge Verbindungen zwischen deutschen Staaten und dem Hof von St. Petersburg bestanden. Immerhin war die letzte Zarin Alexandra Romanowa eine gebürtige Darmstädterin. Neben der Einführung von Dingen des täglichen Gebrauchs in den russischen Alltag waren aber
Die russische zahnmedizinische Terminologie weist die gängigen Begriffe griechischer und lateinischer Herkunft auf, die auf westlicher Überlieferung beruhen. Ob dies im Kontext humanistischer Bildung oder durch den gesprochenen oder geschriebenen Gebrauch westlicher Ärzte und Zahnärzte geschah, die seit Peter dem Großen in Russland praktizierten, sei dahingestellt. Begriffe schließen Bezeichnungslücken Die Übernahme von fremden Wörtern und Bezeichnungen folgt dem relativ einfachen Bedürfnis, eine Bezeichnungslücke in der eigenen Sprache zu schließen, in der es noch keinen Begriff für den betreffenden Sachverhalt gibt. Dabei kann es vom Anwender durchaus beabsichtigt sein, einen exotischen Appeal zu zeigen oder eine besondere Atmosphäre zu schaffen. Dadurch beweist er auch, dass er international kommunizieren kann. Die Entlehnung besitzt somit einen stilistischen Mehrwert gegenüber dem heimischen Lexem, und man hat sie auch als Mittel der stilistischen Hervorhebung bezeichnet. Im konkreten Fall sind zahlreiche deutsche Begriffe mit oder ohne grammatische und phonetisch-graphische Adaptation in Form eines Lehnwortes ins Russische eingegangen wie "bor", "rejter", "rigel" und "klammer". Daneben finden sich aber auch eigene analoge russische Neubildungen, die sich am Vorbild einer existierenden Benennung der
deutschen Sprache orientieren wie "krepjoznyj vint" für
Befestigungs-Schraube oder "zubnaja plomba" für
Zahn-Füllung. Der Substantivstil dominiert Wie die Analyse der Wortarten zeigt, setzt sich der für viele Fachsprachen typische Trend des Substantivstils auch im russischen zahnmedizinisch-implantologischen Wortschatz fort. Als Beispiele seien "schtift", "sond" und "schablon" genannt. Adjektive sind weniger zahlreich; sie dienen der genaueren Spezifizierung und Präzisierung von Substantiven wie in "bjugelnyj protez" für Bügel-Prothese und "vintovoj implantat" für Gewinde-Implantat. Neben der Entlehnung von Wörtern und der Wortarten-Analyse richtet sich das Augenmerk auch auf die gängigen Wortbildungsmechanismen. Die Fachtermini wurden nach den Kriterien verschiedenartiger Zusammensetzungen geordnet. Komposition liegt vor bei "vint-adapter", "bor-pilot", "bormaschina", und Derivation, das heißt Ableitung neuer Termini mithilfe von Präfixen und Suffixen, bei "mini-balka" und "schinirovat" für Schienen.
Derartige Kurzformen können durchaus von Vorteil sein, um schwerfällige Konstruktionen zu vereinfachen und die optische Erfassung zu erleichtern. Andererseits darf nicht übersehen werden, dass solche Abkürzungen von den Beteiligten ein erhöhtes Maß an Fachkompetenz erfordern. Als Alexander Solschenizyn, das "Gewissen Russlands", aus dem amerikanischen Exil in die Heimat zurückkehrte, verurteilte er die Mode der Wortkürzungen, da sie die russische Sprache verschandelten. Fünf Prozent der Begriffe sind deutschstämmig Deutsche Technik und Wissenschaft haben seit dem 17. Jahrhundert in Russland als Vorbild gedient und Einfluss auf Fachsprachen genommen. Die Anzahl von immerhin etwa fünf Prozent deutschstämmiger Termini am gesamten russischen zahnmedizinischen Fachwortschatz verdeutlicht dies gerade auch für unser Fachgebiet. E. Kirchner, M. Wichmann, S. Heckmann Zahnklinik 2 - Zahnärztliche Prothetik Universität Erlangen-Nürnberg Siegfried.Heckmann@uk-erlangen.de zm 100, Nr. 13, 01.07.2010, Seite 84-85 |
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