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Weltweit wird auf dem Gebiet der Zahnmedizin
geforscht und diese Forschungsergebnisse werden in internationalen
Fachzeitschriften publiziert. Aber welcher Zahnarzt schafft es zeitlich, alle
Veröffentlichungen zu lesen, selbst wenn sie noch so interessant sind?
Deshalb haben Fachleute hier wichtige aktuelle Arbeiten, die auch für den
täglichen Praxisablauf relevant sind, zusammengefasst.
1. Juli 2010 |
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Konservierende Zahnheilkunde Amalgam oder Komposit (Klasse-II) bei jungen PatientenDie vorliegende Studie hatte zum Ziel, die Materialwahl von Zahnärzten bei Klasse-II-Kavitäten zu untersuchen. Die Zahnärzte sollten die nach ihrer eigenen Überzeugung beste Restaurationstechnik beziehungsweise das beste Material auswählen.Traditionell bedingt und in Ermangelung von preisgünstigen Alternativmaterialien wurden Klasse-II-Kavitäten insbesondere im letzten Jahrhundert fast ausschließlich mit Amalgam restauriert. Infolge der Diskussionen über die eventuell schädlichen Wirkungen des im Amalgam enthaltenen Quecksilbers auf den Patienten und die Belastung der Umwelt durch Quecksilber wurde die Anwendung von Amalgam stark reduziert. In Skandinavien halten die Empfehlungen der Gesundheitsministerien die Zahnärzte an, die Verwendung von Amalgam weitgehend zu vermeiden und in möglichst allen Fällen alternative Füllungsmaterialien zu verwenden. Dies führte im zurückliegenden Jahrzehnt innerhalb der konservierenden Zahnheilkunde zu einer häufigeren Nutzung von adhäsiv zu verarbeitenden Materialien und zu minimal invasiven Präparationskonzepten. Seit 2008 bestehen in Norwegen gesetzliche Einschränkungen für Quecksilberprodukte. Diese Einschränkungen gelten auch für das Quecksilber in Zahnfüllungsmaterialien. In Norwegen dürfen Zahnmediziner Amalgam nur noch verwenden, wenn es als einziges Füllungsmaterial indiziert ist. Die adhäsiv zu verarbeitenden Materialien waren und sind sehr techniksensitiv. Sie besitzen eine stärkere Plaqueanhaftung, sie zeigen eine höhere Sekundärkariesrate und ihre Lebenszeit ist somit kürzer als die von Amalgam. Komposite, Kompomere und Glasionomerzemente sind chemisch sowie physikalisch betrachtet sehr unterschiedliche Füllungsmaterialien. Die Anwendungsgebiete für diese Füllungsmaterialien waren und sind dementsprechend sehr unterschiedlich. Durchgeführt wurde die Studie von 2001 bis 2004 vom öffentlichen zahnärztlichen Gesundheitsdienst in Bergen (Norwegen). Während dieses Zeitraums wurden von 60 Zahnärzten 4 030 Klasse-II-Kavitäten in der bleibenden Dentition bei 1 912 Patienten versorgt. Die meisten Probanden hatten das 25. Lebensjahr noch nicht erreicht. Anhand eines Fragebogens wurden für jede Restauration Informationen über das Alter und das Geschlecht des Patienten, der Grund für die Füllung, der DMFT-Index, die Mundhygiene sowie die Größe und die Ausdehnung der Kavität erfasst. ![]() Die am häufigsten verwendeten Materialien waren Komposite (81,5 Prozent), gefolgt von Kompomeren (12,7 Prozent), Amalgam (4,6 Prozent) und Glasionomerzement (1,2 Prozent). Amalgam wurde somit selten als Füllungsmaterial verwendet. Fünf Zahnärzte legten ausschließlich Kompositfüllungen. Ein Zahnarzt legte mit 472 Restaurationen 92,7 Prozent der gesamten Kompomerfüllungen. Der Einfachheit halber wurde bei der allgemeinen Bewertung der Wahl der Füllungsmaterialien lediglich zwischen Amalgam und zahnfarbenen Restaurationen unterschieden. Hierbei erhielten weibliche (3,8 Prozent) und jüngere (unter zwölf Jahren; 2,1 Prozent) Patienten seltener Amalgamfüllungen als männliche (7,6 Prozent) und jugendliche (über 16 Jahren; 8,2 Prozent) Patienten. Patienten mit einem DMFT-Index über 12 (11,2 Prozent) oder einer tiefen Dentinkaries (9,9 Prozent) erhielten hingegen häufiger Amalgamfüllungen als Patienten mit einem DMFT-Index unter 5 (2,0 Prozent) und/oder Patienten mit kariösen Läsionen, die gerade das Dentin erreicht hatten (4,9 Prozent). Amalgam wurde häufiger in Molaren (8,1 Prozent) als in Prämolaren (1,5 Prozent) eingesetzt. Die Zahnärzte ließen sich offenbar durch Geschlecht, Alter, Zahn und Kariestiefe bei ihrer Materialauswahl beeinflussen. Amalgamfüllungen wurden bei weiblichen Patienten seltener eingebracht als bei männlichen. Bei einem hohen DMFT-Index oder bei einer Karies profunda wurde überdurchschnittlich oft Amalgam angewendet. Bei Patienten mit unzureichender Mundhygiene besteht bei Füllungen mit Kompositen ein 3,5-mal höheres Sekundärkariesrisiko als bei Füllungen mit Amalgam. Bei durchschnittlich guter Mundhygiene haben Komposit und Amalgam vergleichbare Sekundärkariesraten, vorausgesetzt, es erfolgt eine korrekte Anwendung der Materialien. Die Untersuchung belegt, dass Amalgam weitgehend durch Komposit als vorherrschendes Füllungsmaterial für Klasse-II-Kavitäten verdrängt wurde. Es sollte in zukünftigen Studien untersucht werden, ob sich seit dem Verbot von Quecksilber im Jahre 2008 die Überlebens- und die Sekundärkariesrate von Füllungen in Norwegen verändert haben und ob sich eventuell ein Nachteil bei der Versorgung von bestimmten Kavitätengrößen ergeben haben könnte. Quelle: Vidnes-Kopperud S, Tveit AB, Gaarden T, Sandvik L, Espelid I. Factors influencing dentists' choice of amalgam and tooth-colored restorative materials for Class II preparations in younger patients. Acta Odontol Scand 2009; 67(2): 74-79. Prophylaxe Der Effekt von Diabetes bei Patienten mit mangelhafter MundhygieneDiabetes mellitus stellt ein zunehmendes Gesundheitsproblem dar. Die weltweite Diabetesprävalenz lag 1995 bei vier Prozent. Es wird geschätzt, dass sie bis zum Jahre 2025 auf 5,4 Prozent ansteigen wird. Patienten mit einem medikamentös schlecht eingestellten Diabetes erkranken häufiger an einer schweren Form der Parodontitis als Nichtdiabetiker oder gut eingestellte
Diabetiker.In Pakistan waren im Jahre 2000 5,2 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt. Schätzungen zufolge soll diese Zahl bis zum Jahre 2030 auf 13,9 Millionen ansteigen. Das Ziel der Studie war zu untersuchen, ob Diabetes einen negativen Einfluss auf die orale und insbesondere die parodontale Gesundheit bei Patienten mit mangelhafter Mundhygiene hat. Insgesamt 88 Diabetiker und 80 Nichtdiabetiker aus einem sozial benachteiligten Bezirk in Karachi (Pakistan) nahmen an der Studie teil. Alle Probanden hatten eine mangelhafte Mundhygiene. Die Diabetesgruppe bestand aus 50 männlichen und 38 weiblichen Probanden. Die Nichtdiabetikergruppe setzte sich aus 43 männlichen und 37 weiblichen Probanden zusammen. Alle Studienteilnehmer wurden klinisch und röntgenologisch untersucht. Es wurden der Plaque-, der DMFT- und DMFS-Index, das Bluten auf Sondierung (BOP), alle Sondierungstiefen über 4 mm, Furkationsbeteiligungen sowie die Zahnbeweglichkeit aufgenommen und das Vorhandensein von Zahnstein dokumentiert. Es erfolgte eine Einteilung in Gingivitis und chronische sowie aggressive Parodontitis. Die durchschnittliche Anzahl vorhandener Zähne betrug bei Diabetikern 24 und bei Nichtdiabetikern 26. Die Wahrscheinlichkeit für Diabetiker, Zähne zu verlieren, war 2,3-mal höher als bei Probanden ohne Diabetes. Probanden mit Diabetes hatten häufiger
Plaqueanlagerung an den Zähnen und der Knochenverlust war stärker
ausgeprägt als bei Probanden ohne Diabetes. Die Zahnsteinablagerungen, die
Anzahl gingivaler Rezessionen und die Höhe des BOP waren bei beiden
Versuchsgruppen vergleichbar. DMFT- und DMFS-Index waren jedoch bei den
Diabetikern höher als bei Nichtdiabetikern.In der untersuchten Patientengruppe hatte Diabetes mellitus einen negativen Einfluss auf die Mundgesundheit der Probanden. Diabetespatienten hatten durchschnittlich weniger Zähne, stärkere Plaqueanlagerungen, schlechtere DMFS- und DMFT-Indizes und eine höhere Prävalenz, eine schwere parodontale Entzündung auszubilden, als Nichtdiabetiker. Somit stellt Diabetes mellitus einen zusätzlichen Risikofaktor bei einer gesundheitlich ohnehin gefährdeten Bevölkerungsgruppe für die Ausbildung einer Parodontitis dar. Quelle: Tanwir F, Altamash M, Gustafsson A. Effect of diabetes on periodontal status of a population with poor oral health. Acta Odontol Scand 2009; 67(3): 129-133. Parodontologie Virulenzgene von Porphyromonas gingivalis isoliertDie chronische Parodontitis ist eine entzündliche Erkrankung des Parodontiums, die eine Alveolarknochenresorption zur Folge hat und letztlich zum Zahnverlust führen kann. Das Vorhandensein von bestimmten gramnegativen Bakterien in der subgingivalen Plaque wird mit dem Voranschreiten der chronischen Parodontitis assoziiert.Porphyromonas gingivalis (P.g.) ist ein gramnegativer, anaerober, schwarz pigmentierter Keim und gilt als einer der primären Ätiologiefaktoren
parodontaler Erkrankungen einschließlich der chronischen Parodontitis.
P.g. wurde häufig in tiefen Taschen einer chronischen Parodontitis und nur
selten im gesunden Zahnfleischsulkus nachgewiesen. Es konnte eine
unterschiedliche Virulenz zwischen P.g.-Stämmen, die gesunde Parodontien
besiedelten und die in geschädigten parodontalen Taschen vorzufinden
waren, nachgewiesen werden. Die Genomsequenzierung des virulenten P.g.-Stammes
W83 wurde vor Kurzem abgeschlossen.Das Ziel dieser Studie war, virulente Gene in Stämmen von P.g. bei chinesischen Probanden mit chronischer Parodontitis zu isolieren sowie eine mögliche Korrelation zwischen klinischen Parametern und der parodontalen Gewebedestruktion zu untersuchen. Es wurden 41 Patienten mit einer chronischen Parodontitis und 76 parodontal gesunde Probanden in die Studie einbezogen. Aus der Studie wurden Raucher, Probanden mit weniger als 14 Zähnen sowie Probanden, die in den letzten drei Monaten eine professionelle Zahnreinigung und/oder eine antibiotische Therapie erhalten hatten, ausgeschlossen. An den oberen ersten Molaren wurde eine Plaqueprobe im Bereich der größten Sondierungstiefe entnommen. Aus der subgingivalen Plaque wurden P.g. und dessen DNA isoliert. Mithilfe der Kombination aus chromosomaler DNA-Subtraktion und Suppressions-PCR wurden kurze Genfragmente gewonnen, die ausschließlich in virulenten Stämmen von P.g. entdeckt werden konnten. Dabei wurde versucht, 18 Gene, die in W83-Stämmen (virulent), aber nicht in ATCC33277-Stämmen (nicht virulent) vorkommen, mit dem Fluoreszenzfarbstoff Cy5 zu markieren. Nach Hybridisierung der DNA-Microarrays wurde die Intensität der Fluoreszenz gemessen und das Genom analysiert. Bei subgingivalen Plaqueproben von Probanden mit erhöhten Sondierungstiefen, mit vermehrtem Abbau parodontalen Stützgewebes und mit erhöhter Zahnbeweglichkeit wurden 10 der 18 Gene nachgewiesen. Die Studie belegte somit, dass zwischen Parodontitispatienten und gesunden Probanden eine unterschiedliche Virulenz bei P.g. bestand. Durch DNA-Analysen und Genomsequenzierung können virulente Gene, Bakterien, Stämme sowie Mutationen identifiziert werden, so dass in Zukunft eine genauere Differenzierung hinsichtlich der Virulenz innerhalb der parodontalpathogenen Keime möglich werden könnte. Darüber hinaus könnte durch die subgingivale Plaqueanalyse der Schweregrad einer Parodontitis prognostiziert werden. Quelle: Lin L, Li C, Liu J, Zhang D, Zhao J, Kou Y, Yu N, Pan Y. Virulence genes of Porphyromonas gingivalis W83 in chronic periodontitis. Acta Odontol Scand 2009, 67: 289-296. ZÄ Pia Pohler Charité - Universitätsmedizin Berlin CharitéCentrum 3 für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Abt. für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie Aßmannshauser Str. 4-6 14197 Berlin pia.pohler@charite.de zm 100, Nr. 13, 01.07.2010, Seite 80-82 |