| 1. Juli 2010 | |||||
Starke Interessenvertretung |
Strammer Methusalem |
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Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege, "Niemand weiß, ob eine Nachricht von Bedeutung ist, bevor nicht 100 Jahre vergangen sind", bemerkte Friedrich Wilhelm Nietzsche vor mehr als einem Jahrhundert - und hatte mit dieser Aussage damals sicherlich recht. Heute hat sich die historische Dimension, die er noch für den Wert einer Nachricht ansetzte, drastisch verkürzt. "Nichts ist älter als die Zeitung von heute", heißt es jetzt. Dass die Zahnärztlichen Mitteilungen, kurz zm, für die Zahnärzteschaft auch nach besagten einhundert Jahren noch die Nummer Eins sind, ist schon allein deshalb bemerkenswert. Als offizielles Organ eines jungen Berufsstands, der sich als "Wirtschaftlicher Verband Deutscher Zahnärzte" (WVDZ) in Reaktion auf die Reichsversicherungsordnung gegründet hatte, kam den zm von Beginn an eine identitätsstiftende Bedeutung zu. Schon im ersten Heft 1910 stand als Begründung für die Existenz von Verband und Zeitschrift der prägnante Satz: "Wer auf die Regierung allein vertraut, hat auf Sand gebaut." Die rund 3 000 deutschen Zahnärzte im WVDZ sahen sich also mit ähnlichen Problemen konfrontiert wie wir heute. Sie wollten ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und so viel wie möglich selbst gestalten. Dieser Anspruch und dieses Selbstverständnis sind geblieben. Eine Haltung, die nach dem Ersten Weltkrieg dazu beitrug, dass den Zahnärzten die Anerkennung zum Mediziner als "Dr. med. dent." gelang. Gewiss ein Meilenstein auf dem Weg zu einem Berufsstand, wie wir ihn heute verstehen und begreifen - begleitet von den zm. Ein Jahrhundert - das überdauern nur die wenigsten Zeitschriften. Dass sich die zm darüber hinaus seit Jahren als der unangefochtene Marktführer der hart umkämpften Dentalbranche behaupten, zeigt: Dieses Magazin blieb nie stehen, sondern entwickelte sich ständig weiter. Auch der Siegeszug des Internets ging nicht an ihm vorbei: 1999 gingen die zm online und haben sich inzwischen mit mehr als 11,5 Millionen Seitenabrufen pro Jahr im World Wide Web etabliert. Homepage - ein Relaunch ist derzeit in Vorbereitung -, Newsletter und RSS-Feed sind mittlerweile weitere wichtige Informationskanäle, um die mobilen Kollegen zusätzlich zur aktuellen Berichterstattung im gedruckten Heft zu erreichen. Und ihnen mit Services wie der interaktiven Fortbildung, dem Online- Archiv und aktuellen Nachrichten möglichst viel Komfort zu bieten. Auch inhaltlich sind die zm nicht mehr mit der Erstausgabe zu vergleichen. Fragen zu Teamführung und Patientenrechten haben hier heute genauso ihren Platz wie Artikel zu Approbationsordnung, Abrechnung und zahnmedizinischen Fällen. Keine Frage: Was als Verlautbarungsorgan begann, mauserte sich zu einer Zeitschrift mit überzeugendem redaktionellen Grundkonzept, getragen von sauberem Journalismus. Und last, but not least: mit Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung als Herausgeber. Ein Jasager-Blatt? Mitnichten. Sondern eine starke Interessenvertretung, die sich als Plattform des zahnärztlichen Berufsstands begreift und dessen Ziele nach innen und außen kommuniziert, diskutiert und dokumentiert. Dieser Impetus von 1910, aus der Sicht und im Sinne des Zahnarztes zu schreiben, ist zum Glück geblieben und bleibt definitiv auch in Zukunft. Stillstehen wird die Welt freilich nicht. Im Gegenteil: Als Fachjournal sind die zm genauso mit den Konzentrationsprozessen in der Medienlandschaft, den umwälzenden Prozessen im Verlagsgeschäft und den neuen Technologien und damit verbundenden Ansprüchen ihrer Leserschaft konfrontiert wie andere Zeitschriften auch. Selbstverständlich werden sie diese Herausforderungen meistern. Auch dank Ihnen. Also bleiben Sie dran, lesen Sie weiter die zm! |
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, Hundert! Ein strammes, ach was, ein biblisches Alter für einen Vertreter der Spezies Fachzeitschrift. Umso unglaublicher, dass der hochbetagte Jubilar mitnichten als Tattergreis daherkommt, sondern faltenfrei und fit. Gut, er hat ein bisschen zugelegt die letzten Jahre, ein paar Seiten mehr sind es schon geworden. Aber was da aufträgt, ist weniger Anzeigenfett als neues redaktionelles Muskelfleisch. Für den Betriebsarzt gibt es da nicht viel zu meckern. Man muss ja was zuzusetzen haben. Aber auch für den guten Zustand der zm gilt: Von nichts kommt nichts. Das harte Training der letzten Jahre, so scheint es, hat sich ausgezahlt. Dass zum vierzehntägigen Stemmen des Printheftes seit geraumer Zeit Klimmzüge für die Online-Präsenz und einen Newsletter sowie cross-mediale Einheiten hinzugekommen sind, macht eine gute Figur. Und der Umzug der Redaktion aus der Kölner Bucht ins gesundheitspolitische Reizklima der Hauptstadt im vergangenen Jahr war ein klarer Präventionserfolg: Die Berliner Luft hat nicht nur ihren besonderen Duft, sie beugt auch bestens Nachrichtenarmut und Meinungsschwäche vor. Also alles gut? Natürlich gibt es auch Buhrufe der Neider von den hinteren Bänken. Nörgeleien, die zm seien ja der gepäppelte Zögling der Berufspolitik, immer protegiert und beizeiten gedopt im Rennen um die Aufmerksamkeit der Leser in der der dentalen Fachwelt. Doch haben die Nörgler wirklich nachgedacht? Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen journalistische Unabhängigkeit ein teures Gut ist, können die zm redaktionell selbstbewussten Qualitätsjournalismus liefern. Sie können auf der Nachrichtenbahn ihre steten Runden ziehen, ohne sich die Laufschuhe von der Industrie sponsern lassen zu müssen. Also doch alles gut. Heute zumindest, aber was ist mit morgen? Das Rennen von morgen ist noch nicht gelaufen. Schon kommen aus allen Ecken die "personal trainer" und prophezeien, dass der Mediensport in Zukunft ganz anders aussehen wird als wir ihn gewohnt sind. Vom Verschwinden der traditionellen Unterscheidung zwischen Redaktion und Leserschaft, zwischen Produzent und Konsument journalistischer Produkte reden sie. Die interaktive Kommunikation über Mediaplattformen und soziale Netzwerke im Internet ist in aller Munde. Und der Glaube an die "peer production", also die gemeinsame Erarbeitung öffentlich zugänglicher Texte und Wissenspools im Netz durch Armeen fleißiger Online-Ameisen feiert fröhliche Urständ. Tatsächlich nutzen viele von uns das Ergebnis dieser neuen Kulturtechniken schon heute selbstverständlich, wenn sie "wikipedia" aufrufen. In der Tat schicken bereits heute Boulevardblätter ihre Leser als Berichterstatter oder Handy-Bildreporter ins Rennen, binden sie damit ans Blatt und sparen auch noch Geld. Und in der Tat kann in den Weiten des World Wide Web schon heute jeder, unbelastet von Anspruch oder Talent, sein eigener Verleger werden und bloggen, bis die Schwarte kracht. Nicht immer ist das Ergebnis beeindruckend. Bedeuten diese Trends nun das Ende der Medien- und Zeitschriftenwelt, wie wir sie kennen? Und wenn ja, was wird aus den zm? Ich bin sicher, sie bleiben im Rennen. Sie werden ihr Training immer wieder an die neuen Spielregeln und Wettkampfbedingungen anpassen müssen, damit sie ihre Spannkraft nicht verlieren und in der Spitzengruppe bleiben. Sie werden ihre äußere Gestalt ändern, multimedial sein. Aber ihr kräftiges Sportlerherz wird sicher weiterschlagen für eine hochwertige, kritische Berichterstattung - aus der Hand von gelernten Journalisten. Und noch eine Hoffnung habe ich, eine persönliche: dass es auch in Zeiten von Bits und Bytes und iPads weiterhin ein Printheft geben wird, so richtig zum Blättern, aus Papier. Musik muss man hören, eine Rose riechen, eine Zeitung anfassen können. Wir werden sehen, wie es ausgeht. Darüber reden wir dann zum 150. Geburtstag. |
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Mit freundlichen kollegialen Grüßen Dr. Peter Engel Präsident der Bundeszahnärztekammer |
Mit freundlichen kollegialen Grüßen Dr. Jürgen Fedderwitz Vorsitzender der KZBV |
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| zm 100, Nr. 13, 01.07.2010, Seite 8-9 |
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