Das Making of

Alexander Krauth, Claudia Kluckhuhn
1. Juli 2010 - Am Anfang stand das Wort. Das getippte Wort. 100 Jahre später gehören Schreibmaschine und Tipp-Ex längst der Vergangenheit an. Geschrieben wird immer noch. Wie die Zahnärztlichen
Ohne Stift und Papier ging gar nichts. Redaktion in Chicago Ende der 40er-Jahre.
Mitteilungen heute produziert werden - der Weg vom Bleisatz zur Datenbank-basierten Produktion.


Zehn Seiten umfasst die Erstausgabe der Zahnärztlichen Mitteilungen 1910. Zum Vergleich: Die aktuellen Hefte sind bis zu 160 Seiten stark, plus Industrie- und Kleinanzeigen. Wer in dieser Größenordnung produziert, braucht eine professionelle redaktionelle Mannschaft - und eine entsprechende Technik, sollte man meinen.


Planspiel am Brett
Vor gar nicht allzu langer Zeit erfolgte die Produktion einer Zeitschrift jedoch noch in Handarbeit. Notebook und Laptop? Waren noch nicht erfunden. Stattdessen bestimmten Telefon und Schreibmaschine den Arbeitsalltag des Redakteurs. Sekretärinnen tippten handgeschriebene Manuskripte ab und erfassten die diktierten Beiträge. Völlig anders auch die Prozesse im Layout: Gestaltet der Grafiker die einzelnen Seiten heute am PC, bastelte er die Fahnen bis in die 90er mit Papier und Kleber zusammen. Stichwort Klebeumbruch. Ein Job, der einem Planspiel glich: Alle Manuskripte lagen über sämtliche Tische im Layout verteilt, in Hunderte von Papierschnipseln zerlegt, um daraus die einzelnen Seiten zu bauen. Das Büro
Redakteure der Komsomolskaya Pravda, eine der populärsten Zeitungen Russlands, diskutieren in den 80ern das Titelbild der nächsten Ausgabe.
des Layouts war übrigens leicht zu orten: Dank des unverwechselbaren Geruchs des gummierten Papierklebers "Fixogum" wusste jeder, wo die Umbruchredakteure saßen. Lüften? No way - zu groß war die Gefahr, dass mit einem Windzug sämtliche Seiten durcheinandergewirbelt wurden. Was heute an Text und Bild per drag and drop ins Redaktionssystem einfließt und am Monitor bearbeitet wird, wurde damals mithilfe mechanischer Instrumente, wie dem Typometer, errechnet und dann händisch ausprobiert. Gesetzt wurde lange noch in Blei: Bleilettern wurden in der Druckerei zu Wörtern, Wörter zu Zeilen und Zeilen zu Seiten zusammengefügt. Mit diesem von Johannes Gutenberg entwickelten und permanent modifizierten Hochdruckverfahren wurden bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts Bücher, Zeitschriften und Zeitungen hergestellt. Auch die zm.

In keinem Bereich der grafischen Industrie hat sich seitdem die Technologie durch den Einsatz von Computern so grundsätzlich verändert wie im Satz und in der Bildreproduktion. Ein Ende der stürmischen Entwicklung ist nicht abzusehen. Schon jetzt verschmilzt die Satztechnik mehr und mehr mit der Reproduktionstechnik. Deshalb bieten im Bereich der Druckvorstufe Satzbetriebe Reproduktionsleistungen und umgekehrt Reproduktionsbetriebe Satzleistungen an.


Alles Quark
Ja, und dann kam Apple. In den 80ern revolutioniert das Unternehmen mit dem Macintosh die Technik des Setzens und damit auch den Produktionsprozess: Das Layoutprogramm QuarkXPress hält Anfang der 90er Einzug in Redaktionen, Verlage, Setzereien und Druckereien. Auch die zm führen mit QPS (Quark Publishing System) ein Apple-System ein, um die Abläufe zwischen Redaktion und Layout zu regeln und zu standardisieren.

Nur wenige Jahre später geht zm-online.de an den Start - neben dem Printheft erscheint ein adäquater Online-Auftritt mittlerweile Pflicht. Die Webwelt - sie dreht sich im Turbo: 1999 lagen die Pageimpressions von zm-online.de im Monat bei durchschnittlich 12 430 Zugriffen, 2009 bei 925 550. 2008 der nächste Meilenstein: zm goes Crossmedia. QPS wird durch Tango Media abgelöst - ein modernes Datenbank-gestütztes Redaktionssystem - und die Voraussetzung für eine Mehrfachnutzung in allen digitalen Kanälen geschaffen. Nicht nur, dass die Redaktion mit Tango künftig mobil arbeiten kann. Vor allem kann sie: crossmedial produzieren - also auch das Web bespielen. Genauer: Content mediennneutral für Print und Online aufbereiten und den darunter liegenden Produktionsprozess und Workflow steuern. Was die Zukunft bringt? Nun, die Technik wird sich weiter selber überholen. Eine Konstante dagegen bleibt: Die zm sind die Plattform für zahnärztliche Kommunikation in Deutschland.


Von Blei zu digital

770 nach Christus wird in Asien der Holztafeldruck zum Druck von Blockbüchern erfunden - die Herstellung war mühsam und teuer. Etwa 700 Jahre später revolutionierte Johannes Gutenberg den Druck mit beweglichen Lettern aus Blei. Vervielfältigungen wurden günstiger und für die breite Masse zugänglich. Den Grundstein für das heute wichtigste Druckverfahren, den Offsetdruck, legte Alois Senefelder 1797 mit der Erfindung des Steindrucks - dem Vorfahren des heutigen Offsetdrucks.

um 1450: Johannes Gutenberg entwickelt den Buchdruck mit beweglichen Metalllettern
1797: Alois Senefelder erfindet den Steindruck (Lithographie)
1800: Lord Stanhope baut die erste eiserne Druckpresse
1814: Friedrich König erhält Patent für die erste Schön- und Widerdruckmaschine
1890: James Livesey präsentiert die erste Falzmaschine
um 1907: Karl Klietsch erfindet den Tiefdruck
um 1920: Erfindung des Offsetdrucks und Entwicklung des Siebdrucks
1938: Entwicklung der Elektrofotografie
um 1995: Entwicklung des Digitaldrucks

Die Geschichte der Zeitschrift
Erst ab 1750 lief die "Zeitschrift" unter ihrem Namen, zuvor wurde sie als "Journal" bezeichnet.
Sprung ins 21. Jahrhundert: Redakteure, Grafiker und Blattmacher arbeiten am zentralen Newsdesk der Frankfurter Rundschau.
Zu ihren Vorläufern zählten Flugschriften und Flugblätter, Streitschriften, Relationen und Messrelationen, Avisen und Chroniken. Latein galt anfangs als wissenschaftlicher Standard - auch die erste deutsche Zeitschrift "Miscellanea curiosa medicophysica" wurde ab 1670 in Leipzig in Latein verlegt. Ab dem 18. Jahrhundert erobern Fachzeitschriften und Frauenzeitschriften das Publikum, und seit dem 19. Jahrhundert blättert man Illustrierte durch. Wissenschaftliche Zeitschriften spielten übrigens von Beginn an eine fundamentale Rolle für den Fachdiskurs innerhalb der Disziplinen. Ein Jahrhundert später beträgt die Gesamtauflage der Publikumszeitschriften in Deutschland pro Ausgabe rund 123,1 Millionen Exemplare (IVW 2005). Es gibt 3 637 Fachtitel mit einer Gesamtauflage von 15,1 Millionen Exemplaren. 45 Prozent der Publikumszeitschriften werden im Abo vertrieben, bei den Fachzeitschriften sind es um die 90 Prozent.

Arbeiten im Newsdesk
Heute arbeitet etwa die Hälfte der Zeitungsredaktionen in Deutschland am Newsdesk, so dass Print- und Online-Produktion verzahnt sind. Ein Beispiel: der Axel-Springer-Verlag in Berlin. Sein Newsroom umfasst 56 Arbeitsplätze. Auch bei Radio und Fernsehen kommen crossmediale Redaktionsmodelle immer mehr zum Einsatz. Beim Saarländischen Rundfunk beispielsweise laufen die Fäden in einem Newsroom mit 20 Arbeitsplätzen zusammen. Zu den aktuellen Online-Trends gehören die Einbindung von Videos in Websites und die Beteiligung der Nutzer.


zm 100, Nr. 13, 01.07.2010, Seite 58-59