16. Juni
2006 - Der Tango Argentino ist ein Rollenspiel, fast einer Ehe gleich,
mit einem Mann, der das männliche Klischee erfüllt, mit einer
geduldigen, biegsamen Frau, die erst Einhalt gebietet, wenn ihre Grenze
erreicht ist. Ein Tanz aus Geben und Nehmen, ewiges Vor und Zurück, nur
miteinander möglich.
Zwischen ihrer und seiner Wange ist nur wenig Platz. Sie spürt seinen
Atem. Lässig und doch grazil legt sie den linken Arm um seine rechte
Schulter und ihre Rechte in seine Linke. Wie sie so aneinander lehnen, Brust an
Brust, scheinen ihre Oberkörper zu verschmelzen. Doch vom Bauchnabel
abwärts ist es mit der Nähe vorbei. Das fast schon
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Nähe ohne den Verlust der
eigenen Persönlichkeit: Beim Tango verschmelzen die Tanzpartner zu einer
ganz besonderen Einheit. |
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zärtliche Zusammensein von Kopf und Herz hat
hier ein Ende. Unten ist Bewegung, da liefern sich Beine und Füße
eine fantasievolle Mischung aus Rhythmus und Geschick. Drehungen, Wiegeschritte
und sinnliche Episoden, ein kleiner Spurt, dann plötzlich: Halt, hier ist
es genug, jetzt brauche ich eine Pause ... und ein paar gleitend sanfte
Schritte lassen das Herz wieder ruhiger schlagen. Es ist der Mann, der hier den
Impuls gibt. Er führt "Sie" hauptsächlich mit dem
Oberkörper. So lange, wie die Frau es zulässt, sich ihm hingibt,
seiner Führung und seinen Schritten. Hat sie genug, gibt sie ein Zeichen
und er reagiert.
Eine lange Geschichte
Wo kommt er her, der Tango Argentino? Seine Geschichte ist spannend, seine
Wurzeln spektakulär. Er ist nicht aus Langeweile und
überdrüssiger Lebensfreude entstanden, sondern aus Sehnsucht,
Einsamkeit und Not. Als Europa zwischen 1855 und 1880 am Rande des
wirtschaftlichen Ruins stand, suchten Millionen europäischer Auswanderer
ihr Glück in Lateinamerika. Sie ließen ihre Familien zurück und
brachten Argentinien den wirtschaftlichen Aufschwung. Ihnen selbst jedoch blieb
der Reichtum oftmals vorenthalten und sie fristeten ein hartes Dasein voller
Armut, mit Sklavenarbeit und in Verzweiflung. Viele lebten am Rio de la Plata,
in der Hafenstadt Buenos Aires, zusammen mit der entwurzelten
Landbevölkerung Argentiniens, den Campesinos, die im Zuge der
Industrialisierungsprogramme des Landes ihre Lebensräume verloren hatten.
Diese multikulturelle Mischung, zusammen mit Einflüssen aus Montevideo /
Uruguay, brachte den Tango hervor. Er begann mit Flöte, Geige, Gitarre,
Akkordeon und Klavier und erhielt später durch das Bandoneón seine
besondere Note. Dieser Tanz war Ausdruck für die Gefühle,
Sehnsüchte, Enttäuschungen und den Kummer einer
Außenseitergesellschaft, die zu zwei Dritteln von Männern dominiert
wurde.
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Eine
ernste Sache
Es gibt einen guten Grund, warum nur wenige
Tango tanzen: Tango ist schwer. Er setzt sich nicht aus längeren
Schrittfolgen zusammen wie die Standardtänze, sondern aus kleinsten
Schrittkombinationen.
Diese Variantenfülle hält den immerfort führenden Mann auf Trab.
Unablässig überlegt er, welche Schritte angesichts einer sich
öffnenden Lücke zwischen anderen Paaren, des (noch unbekannten)
tänzerischen Könnens seiner Partnerin oder einer näherkommenden
Wand möglich, sinnvoll oder gar elegant sind. Er kalkuliert, welche
Konsequenzen dies für die folgenden Schritte von ihm und ihr hat und wie
er seine Absichten durch eine kurze Gewichtsverlagerung oder sanften Druck auf
ihre Schulter vermitteln wird. Sich ansehen ist nicht: die Körper sprechen
miteinander.
Diese ständige Konzentration hat Folgen. Tangotänzer sind mit einem
Ernst bei der Sache, der Nichttänzer abschreckt
Aus:
www.zeit.de/online/2006/ 07/meinlebenmitmusik_5
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Durch den Mangel an Frauen entstanden Bordelle, in denen die Prostituierten
Tango tanzten und Freier anlockten. Die Frauen begriffen damals ihre Macht
über die Männer und verstanden den Tanz und ihre Sexualität als
Chance zur Selbstverwirklichung. Mit der Zeit wurde aus dem romantischen,
sehnsüchtigen Tango ein Hahnenkampf, ein getanztes Duell zwischen den
Herausforderern. Überlebenskampf, Lust, Eifersucht und Gewalt spiegelten
sich in seinen Interpretationen, die Tanzenden waren erfüllt von Ekstase
und Aggression. Die feine Gesellschaft rümpfte hingegen die Nase: einfach
abstoßend, diese Zurschaustellung tiefer Gefühle, vulgär und
obszön. Doch wie es so ist, im Leben, wurde schließlich gerade das
interessant - es sind die verpönten Dinge, an denen man sich heimlich am
meisten freut, die oft den größten Reiz ausmachen. Der Tango
schaffte den Weg aufs Parkett, wurde dem englischen Bewegungsstil angepasst und
entwickelte sich zu einem internationalen, anerkannten Gesellschaftstanz. Heute
gibt es zahlreiche verschiedene Tangostile, jede Kultur
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| Egal, ob jung oder schon
älter: Der Tango hat für alle Altersgruppen etwas zu bieten.
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hat ihre nationalen Emotionen und Traditionen mit
eingebracht und auch der ursprüngliche Tango Argentino hat überlebt.
Heute wie damals
Der Tango, den wir heute als Gesellschaftstanz in den Tanzschulen kennen
lernen, unterscheidet sich deutlich vom Tango Argentino und den Rhythmen des
"Goldenen Zeitalters". Doch ist der Tango Argentino keineswegs
ausgestorben: Es gibt ihn noch, denn der gesellschaftliche Rahmen, der damals
zur Tangosehnsucht führte, ist heute ähnlich. Wirtschaftliche
Depression, gesellschaftliche Ausgrenzung und Vereinsamung existieren auch
gegenwärtig und sind impulsgebend dafür, dass der Tango weiterhin so
regen Zuspruch erfährt. Freiheit in der tänzerischen Improvisation,
körperliche Nähe, seelische Verbundenheit, gemeinsames Erleben,
gegenseitiger Respekt, gute Musik, Sinnlichkeit und - vielleicht - Erotik
mögen im Alltagsleben Mangelwaren sein, im Tango Argentino liegen sie
verborgen.
Wer also heute Appetit auf ein wenig Nostalgie verspürt, auf die
ergreifende Mischung aus Sinnlichkeit, Leidenschaft und energischer
Lebensfreude, dem könnten die Minuten eines getanzten Tangos wie ein
Kurzurlaub inmitten einer hektischen Arbeitszeit erscheinen.
Der Weg in die Tango-Szene ist leicht. Alle größeren Städte
verfügen über ein spannendes Angebot an Lokalitäten, in denen
regelmäßig "Argentino" praktiziert wird. Die
Räumlichkeiten sind in der Regel alles andere als
"gewöhnlich", ebenso die Tänzer. Wer eintritt, muss mit
Tango-Outfits vergangen geglaubter Zeiten rechnen und mit Interieurs, in denen
etwas anderes als Tango undenkbar scheint: mit plüschigen Sofas in
Bordeaux- und tiefen Brauntönen, auf denen Paare in Kleidern ferner
Vergangenheiten sitzen, mit Schummerlicht aus antiken Lüstern, mit
vergilbten Tapeten, holzgetäfelten Wänden. Hier tanzen sie ihren
Tango - mit viel Gefühl. Größere Tanz-Events spielen in
besonderer Umgebung, etwa im Roten Salon der Volksbühne in Berlin oder im
Tango-Salon der Tanzschule des Deutschen Theaters in München.
Feeling und Fitness
Neben dem erholsamen Erlebnis für die Seele bietet der Tango noch mehr:
Wie alle Tänze ist er gesund für Körper und Geist: Balance,
Konzentration, Ausdauer und Koordination lauten die Zauberworte beim Tanzen.
Denn all dies wird dabei gebraucht und gefördert. Egal, ob beim Paartanz,
in der Disko oder beim Aerobic: Werden die Muskeln zur Musik beansprucht,
schüttet das Gehirn Endorphin (Glückshormon) aus, Stress wird
abgebaut und das Körpergefühl gestärkt.
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Tangotänzer brauchen auch Vokabeln!
Zum Beispiel:
- Tango-Tanzveranstaltung = Milonga
- Die Basisfigur aus acht Schritten = la base
- Kehre, Basis-Figur, Ballendrehung aus einem Vorwärts-,
Rückwärts- oder Seitwärtsschritt bei geschlossenen
Füßen = el ocho (acht)
- Aufbaufigur, Beinhaken um das Bein des Partners = el gancho
(Haken, Häkelnadel, Haarnadel)
- Basisfigur mit Wiederholung eines Vor-Rück-Wiegeschrttes am
Platz und Achsendrehung = la calesita (das Karussel)
- Verzierung, zusätzliche Fuß- oder Beinaktion, mit der
fortgeschrittene Tangotänzer zwischen den Schritten die Musik
interpetieren = el adorno (Schmuck, Dekoration)
- Ein Stopp in der Bewegung = el corte (der Schnitt)
- Aufbaufigur, bei der einer der Partner im Zentrum bleibt und der
andere ihn umrundet = el circulo (der Kreis)
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Tanzen ist eine sehr wirksame Vorsorge gegen Demenz: Beim Erlernen der
Schrittkombinationen und Figurenfolgen, die zum Rhythmus passen, wird das
Gehirn nachweislich besonders intensiv trainiert. Außerdem werden
Gleichgewichtssinn, Orientierungsvermögen, Improvisations- und
Anpassungsfähigkeit geschult. Alle diese Eigenschaften braucht das Gehirn,
um fit zu bleiben. Die Konzentration auf die Choreographie befreit den Kopf.
Spielen Bewegung und Musik zusammen, lösen sich körperliche und
seelische Spannungen. Das wirkt harmonisierend, rechte und linke
Gehirnhälfte werden verstärkt durchblutet und die Kreativität
gefördert.
Für die Balance muss der Tänzer die Bein-, Beckenboden- und
Rückenmuskeln anspannen. Daraus ergibt sich neben dem Training der
betroffenen Muskulatur eine gerade Körperhaltung, die übrigens nicht
nur für die Balance wichtig ist: Beim Paartanz ist ein harmonisches
Tanzbild nur möglich, wenn beide aufrechte Haltung einnehmen, und der Mann
kann seine Partnerin nur gut führen, wenn er sich gerade hält.
Ausdauer ist unerlässlich, möchte man mit Hingabe übers Parkett
gleiten. Hat man sie zu Anfang nicht, kommt sie im Laufe des Trainings. Auch
das Immunsystem bekommt einen Kick, und Feinmotorik, Beweglichkeit und
Schnelligkeit verbessern sich.
Wirklich bereichernd ist auch das Gemeinschaftserlebnis - zusammen mit dem
Partner einen schönen Moment verbringen, beim Tanz zu einer Einheit
verschmelzen, anderen Menschen begegnen, neue Freundschaften knüpfen und
gleichzeitig etwas für die Gesundheit tun.
Eine Menge Gründe also, mal wieder das "Tanzbein zu schwingen".
Ein Glück, dass es keine Altersbegrenzung gibt, und - es muss ja nicht
unbedingt Tango sein - für jeden Musikgeschmack etwas geboten wird. Wie
sang es Gerhard Wendland 1961 doch so schön: "Tanze mit mir in den
Morgen...", also nichts wie los, Tanzen macht nämlich
"Beine" und garantiert sehr gute Laune. |
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Schrittfolgen für jeden Geschmack
Das klassische Welttanzprogramm unterscheidet
je fünf Klassische Standardtänze und fünf Lateinamerikanische
Tänze.
Klassische Standardtänze
Wiener
Walzer
"Walzen", das bedeutet soviel wie "sich drehen". Und das
tut man beim Walzer ja auch. Der Wiener Walzer hat die längste Tradition
der uns bekannten Tänze. Es gab ihn bereits im 12./13. Jahrhundert,
zunächst in ländlichen Gegenden, dann in den Städten. Hier
wurden hüpfende Schritte durch Gleitschritte ersetzt, das Tempo
beschleunigt. Der Walzer, wie wir ihn heute kennen, ist der Wiener Gesellschaft
des 19. Jahrhunderts zu verdanken.
Sein Rhythmus wird in erster Linie durch die Körperdrehungen interpretiert
und ist geprägt durch starke Höhen und Tiefen. Die Musik ist schnell
und temperamentvoll schwingend. Er wird mit 60 (!) Takten pro Minute getanzt,
erfordert also ein Hochmaß an Kondition und wird deshalb eine halbe
Minute kürzer getanzt als die anderen Standardtänze.
Langsamer
Walzer
Der Langsame Walzer ist der harmonischste der Standardtänze und setzte
sich Anfang des 20. Jahrhunderts in England unter dem Namen "Boston"
gegen den traditionellen Walzer durch. Die nur etwa 30 Takte pro Minute lassen
ihn
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Antonio Banderas zeigt in dem Film
"Dance!", wie's geht... und was Tanzen so bewirken kann ...
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durchaus langsam erscheinen - für
Turniertänzer jedoch ist er der wohl trainingsintensivste Tanz. Das liegt
am Schwung, der sich angesichts des kontrollierten Tempos nur schwer
kontrolliert erzeugen und umsetzen lässt. Die Schrittkombination hingegen
ist verhältnismäßig einfach.
Slowfox
Der Slowfox ist die Basis für alle anderen Standardtänze. Sein
Ursprung findet sich in der Jazzmusik der Schwarzen. Sie tanzten ihn um 1914 in
New York und brachten ihn dort "unters Volk" - auch unter das
weiße. Die Schrittfolge ist "slow-quick-quick" und wird ohne
Zwischenstopps in fließenden, raumgreifenden Bewegungen getanzt. Das
Tempo beträgt 30 Takte pro Minute.
Quickstep
Überquellende Lebensfreude soll er ausdrücken, der Quickstepp, und
das ist auch der Grund, warum er als "Sekt unter den Tänzen"
bezeichnet wird. Er ist der prickelndste der Standardtänze, fröhlich,
sportlich und trickreich. Etwa 40 bis 50 Takte pro Minute zeugen von flottem
Tempo bei fortschreitenden Bewegungen und quirligen Hüpfschritten. Er
gehört zu den beliebtesten Gesellschaftstänzen.
Tango
Siehe Beitrag zm
Lateinamerikanische Tänze
Rumba
Bei den lateinamerikanischen Tänzen, wie der Rumba, bewegen sich in erster
Linie die Beine, die Hüften und das Becken harmonisch zur Musik. Der
Oberkörper bleibt vorwiegend ruhig. In ihrem Ursprung ist die Rumba
afrokubanisch und ein eher langsamer Tanz. Seit 1930 tanzt man sie in Europa,
hier wurde sie weiter entwickelt und beinhaltet teils komplizierte Tanzfiguren.
Cha-Cha-Cha
Eins, zwei, Cha-Cha-Cha ... alle ehemaligen Tanzschüler erinnern sich an
dieses Kommando. Rumba und Mambo sind die Eltern des Cha-Cha-Cha,
Kreißsaal war der Broadway in New York City. Dieser Tanz ist heute der
beliebteste aller Altersstufen. Er ist nicht zu anstrengend, aber dennoch
schwungvoll und abwechslungsreich.
Samba
Als im 19. Jahrhundert afrikanische Sklaven ihre neue Heimat in Brasilien
fanden, brachten sie den Samba de Roda mit, einen Kreistanz, aus dem
später der moderne Samba wurde, den wir heute kennen. Es gibt ihn seit
1924 in Europa, Ende der Vierzigerjahre tanzte ihn die Gesellschaft. Original
Samba-Musik ist schnell und feurig. Typisch für den Tanz sind der
Hüftschwung und das "Bouncen", eine Art Hüpfschritt, der
entsteht, wenn die Füße beim Tanz vorwiegend über die Ballen
abgerollt und wieder aufgesetzt werden.
Paso
doble
Die Frau ist rotes Tuch, der Mann Torero. Beim Paso doble interpretieren die
Tänzer den Stierkampf. Ein Stück spanische Tradition und Temperament
liegen in diesem lebhaften Tanz, der seit 1910 europaweit bekannt ist.
Jive
Der Jive ist um 1940 in den USA entstanden. Er wurde zunächst von den
weißen Tanzschulen abgelehnt, war während der NS-Zeit verboten. Nach
1945 jedoch konnte man ihm nicht mehr widerstehen: der afroamerikanische Tanz
zeigt eine fast akrobatische, hüpfende, springende Tanzweise und bringt
reine Lebensfreude zum Ausdruck. Heute wird er zu Rock n' Roll-Musik
getanzt, Ausdauer und Beweglichkeit sind unerlässlich.
Weiter haben sich unter anderem folgende (Mode-)Tänze entwickelt:
Swing
"Swing" ist ein Sammelbegriff für eine Reihe wilder Tanzformen
in den dreißiger und vierziger Jahren. Die Musik dazu entstand in der New
Yorker Jazz-Szene und wurde unter anderem von Jazzmusikern wie Benny Goodman
und ihren Big Bands gespielt. Der Swing ist ein Paartanz ohne vorgeschriebene
Schrittfolge und lebt von der Improvisation der Tanzenden. Solange man sich zum
Takt der Musik bewegt, kann man fast alles zur Swing-Musik tanzen.
Merengue
Die Musikrichtungen aus der Dominikanischen Republik, Haiti und Puerto Rico
haben den Merengue hervorgebracht. Im 19. Jahrhundert tanzte ihn die
Landbevölkerung Haitis, im 20. Jahrhundert mauserte er sich zum nationalen
Kulturgut der Dominikaner. Noch heute werden in Santo Domingo, in Puerto Plata,
in La Vega und Santiago regelmäßig Merengue-Festivals veranstaltet.
Die ursprünglichen Instrumente waren zunächst Congas, Cüiros und
das Akkordeon, später kamen Piano, Bass, Blechbläser und Saxophone
hinzu. Der Merengue ist ein eher sinnlicher Paartanz, bei dem die Tänzer
eine sehr körperbetonte Haltung einnehmen. Zu jedem Taktschlag wird
gleichmäßig ein hüftbetonter Schritt nach vorne, hinten oder
zur Seite getanzt wird.
Lambada
Die Knie sind während des Tanzes leicht gebeugt, die Füße
stehen immer ein bisschen auseinander, die Hüften schwingen
entgegengesetzt zu den Schritten deutlich hin und her und die Tanzhaltung ist
eng... ganz schön erotisch. So soll er aber auch sein, der Lambada. Er hat
einen sambaähnlichen Rhythmus und basiert auf dem Merengue.
Mambo
Das wilde rhythmische Durcheinander der Instrumente bei der Musik zum Mambo mag
zunächst verwirren. Hat das Ohr dann den Hauptrhythmus geortet, kann der
Spaß beginnen. Der Mambo ist einer der ersten lateinamerikanischen
Tänze und Vorläufer des Cha-Cha-Cha. Ursprünglich handelte es
sich dabei um eine Art afrokubanischen Jazz, als dann kubanische Musiker im
Zweiten Weltkrieg in die USA kamen, vermischten sich die kubanischen Rhythmen
mit dem nordamerikanische Jazz. Beim Tanzen liegt das Hauptaugenmerk auf dem
Hüftschwung, der Grundschritt lautet "seit- vor - rück, seit -
rück - vor".
Foxtrott
Der Foxtrott liegt zwischen dem "langsamen" Slowfox und dem
"schnellen" Quickstepp. Er entstand um 1910 in Nordamerika. Nach dem
ersten Weltkrieg erreichte er Europa. Die Schrittfolge erfolgt im
Viervierteltakt (zwei lange, zwei kurze Schritte), besondere
Körperhaltungen, Posen oder schwierige Figuren sind nicht vorgesehen. Er
dient vor allem dazu, Tanzschülern den Einstieg zu erleichtern.
Discofox
Der Discofox ist ein so genannter "Touch-Dance", ein
Berührungstanz. Dass die Tanzpartner sich bei Discomusik berühren,
war vor 1974 eher unüblich. Danach entwickelte sich dieser Tanzstil, der
Elemente des Foxtrotts enthält, aber auch an den alten Swing
beziehungsweise den Schieber der vierziger Jahre erinnert. Weder alte noch
junge Tänzer kommen an diesem Tanz vorbei, da die meisten Musikgruppen
diesen Rhythmus spielen.
Salsa
Salsa heißt 'Soße' und bedeutet auf die Musik übertragen in
etwa: Hier sind alle Rhythmen so geschickt vermischt, dass eine homogene
Soße daraus geworden ist. Dieser moderne Gesellschaftstanz hat seinen
Ursprung in den USA (New York) und Lateinamerika. Er wird meist als Paartanz
getanzt, aber auch als Formationstanz. Die Geschichte zur Entstehung ist
komplex. Einflüsse französischer Siedler und ihrer hispanischen
Sklaven, der Dominikanischen Republik, afrikanischer Trommel- und
Tanztraditionen, kubanische und puerto-ricanische Elemente gaben die Zutaten zu
der bunten "Soße". Der Körperkontakt steht hier nicht im
Vordergrund. Es ist vielmehr so, dass die Partner sich Umkreisen, ohne sich zu
berühren. Der Mann führt die Frau meistens mit nur einer Hand und
umkreist sie während der Drehungen gleichzeitig, was der Salsa ihren
runden tänzerischen Charakter verleiht.
Bei der Salsa gibt es verschiedene Stilrichtungen: etwa den New York Style, den
Cuban Style, den Mambo Style und mehr. Ähnlich dem Tango gibt es eine
ausgeprägte Salsa-Szene mit speziellen Clubs und Events, zum Beispiel
Salsa-Tanzen unter freiem Himmel auf dem Oberdeck eines fahrenden Schiffes
(Berliner Salsa-Schiff El Barco De La Salsa). |
Weitere Informationen, Musik- und Lesetipps,
Web-Links und Adressen gibt es über den Leserservice.
zm 96, Nr. 14, 16.07.2006, Seite 70-73
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