Augenerkrankungen

Mit beiden sieht man besser

Christine Vetter
16. Juli 2008 - Große Fortschritte hat in jüngster Zeit die Augenheilkunde zu verzeichnen: So gibt es neue Therapieformen bei der altersbedingten feuchten Makuladegeneration, immerhin ein
e der häufigsten Erblindungsursachen hierzulande. Auch bei der Diagnostik und Therapie des Glaukoms zeichnen sich neue Entwicklungen ab. Andererseits steht die Ophthalmologie ebenso wie viele andere Bereiche der Medizin vor enormen Herausforderungen. Das ist in erster Linie durch den demografischen Wandel bedingt.

{short description of image}D Die steigende Lebenserwartung in unserer Gesellschaft ist eine wesentliche Ursache dafür, dass Erkrankungen des Auges an Bedeutung gewinnen. Viele Augenerkrankungen, wie die altersabhängige feuchte Makuladegeneration (AMD), treten fast ausschließlich im höheren Lebensalter auf. Patienten mit solchen Erkrankungen werden laut Professor Dr. Norbert Pfeiffer wohl künftig noch häufiger als bisher bei den Augenärzten vorstellig werden: "Wir gehen davon aus, dass die Zahl der älteren Patienten in der Augenheilkunde in Zukunft überproportional ansteigen wird", sagt der Ophthalmologe aus Mainz.


Erblindung - eine reale Gefahr
Die Erkrankungen frühzeitig zu diagnostizieren und adäquat zu behandeln, ist sowohl für die Patienten als auch aus gesellschaftlicher Sicht bedeutsam. Oft lassen sich nur so eine Erblindung verhindern und die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit des Betroffenen erhalten. Hauptursachen der Erblindung sind neben der diabetischen Retinopathie das Glaukom (Grüner Star) sowie die altersabhängige Makuladegeneration (AMD), die in ihrem späten Stadium auch als "Altersblindheit" bezeichnet wird.

Die gesunde Netzhaut, wie der Augenarzt sie bei der Untersuchung des Augenhintergrundes sieht. An der hellen Stelle, der Sehgrube, mündet der Sehnerv ins Auge.
   
Bei der trockenen Makuladegeneration (Pfeil) nimmt die Sehschärfe nur allmählich ab.
   
Die feuchte AMD verläuft wesentlich aggressiver. Im fortgeschrittenen Stadium ist die Stelle des schärfsten Sehens praktisch zerstört.


Den enormen Herausforderungen der Ophthalmologie stehen deutliche Fortschritte bei der Diagnostik und Therapie von Augenerkrankungen gegenüber. "Alle Bereiche des Auges können dank der Hightech-Diagnostik untersucht und beobachtet werden, zum Beispiel der Sehnerv und die Netzhaut mit der Makula, der Stelle des schärfsten Sehens", erklärt Dr. Ludger Wollring, niedergelassener Augenarzt in Essen. Mithilfe der Hightech-Diagnostik lassen sich nach seinen Aussagen außerdem feinste Blutgefäße zigfach vergrößern und dreidimensional darstellen. Die Netzhaut zeigt sich als digitales Panoramabild wahlweise in Schichten oder auch von ihrer Rückseite. Kleinste Veränderungen des Sehnervs sind durch Messung seiner Nervenfasern feststellbar und Computertechnik, Scanner und Spezialkameras erlauben eine lückenlose Verlaufskontrolle jedes Krankheitsbildes am Auge.


Zwei Krankheitsformen: trockene und feuchte AMD
Doch nicht nur auf Seiten der Diagnostik, auch bei der Therapie hat es Fortschritte gegeben. Bestes Beispiel hierfür ist die AMD, ein Krankheitsbild, das in jüngster Zeit für erhebliche Schlagzeilen gesorgt hat.

 

Das Auge

Das Auge ist das wohl komplexeste Sinnesorgan des Menschen. Es hat einen Durchmesser von etwa 24 Millimetern, ist rund 7,5 Gramm schwer und in die Augenhöhle eingebettet.
Von außen ist das Auge von der Lederhaut umgeben, die im vorderen Bereich in die transparente Hornhaut übergeht. Die Augenfarbe wird durch die Regenbogenhaut, auch Iris genannt, bestimmt. Die innerste Schicht des Auges ist die Netzhaut (Retina), die mit Sehzellen besetzt ist, und zwar mit den sogenannten Stäbchen, die für das Schwarz-Weiß-Sehen verantwortlich sind, und den Zapfen, die das Farbsehen ermöglichen.
Die höchste Dichte der Sehzellen besteht im gelben Fleck, der Makula, also der Stelle des schärfsten Sehens. Über die Sehnerven erfolgt die Reizleitung ins Gehirn, wo der Sinneseindruck zu einem Bild verarbeitet wird.




Mit dem Begriff der Makuladegeneration werden allgemein Erkrankungen beschrieben, bei denen es zu Veränderungen in der Makula lutea, also im Punkt des schärfsten Sehens (Gelber Fleck) auf der Netzhaut kommt. Etwa ein Drittel aller Menschen entwickelt diese Augenerkrankung nach dem 50. Lebensjahr. Die Störung tritt in zwei unterschiedlichen Formen auf, und zwar als sogenannte trockene AMD und als feuchte oder exsudative AMD. Bei der trockenen Form lässt die zentrale Sehschärfe ganz allmählich nach. Sie macht 80 Prozent der Fälle aus. Hintergrund hierfür ist die Ablagerung von Stoffwechselendprodukten, den Lipofuszinen, die nicht mehr adäquat entsorgt werden. Eine gezielte Behandlungsmöglichkeit der trockenen AMD gibt es bisher nicht, therapiert wird mit Vitaminen und Spurenelementen, in der Hoffnung, das weitere Fortschreiten so aufzuhalten.

Die Betroffenen realisieren bei dieser Krankheitsform, dass nach und nach die Buchstaben beim Lesen verschwimmen. Später wird aus den verschwommenen Buchstaben ein grauer Schatten, wobei dank guter Sehhilfen das Sehen noch lange Zeit erhalten werden kann.

 

Kurz- und Weitsichtigkeit

Bei der Kurzsichtigkeit, der Myopie, ist das Auge im Verhältnis zur Brechkraft der Hornhaut zu lang, so dass sich die einfallenden Lichtstrahlen nicht wie bei einem gesunden Auge auf einem Punkt der Netzhaut bündeln, sondern quasi schon davor. Der Betroffene sieht dadurch in der Nähe scharf, in der Ferne aber unscharf.
Umgekehrt ist es bei der Weitsichtigkeit, der Hyperopie, bei der das Auge im Bezug auf die Brechkraft der Hornhaut zu kurz ist, so dass die Lichtstrahlen quasi auf einem Punkt hinter der Netzhaut gebündelt werden. Der Betroffene sieht im Nahbereich unscharf, ab einer gewissen Entfernung aber normalisiert sich die Sehschärfe.
Mit Sehhilfen wie der Brille lässt sich die Lichtbrechung so korrigieren, dass die Lichtstrahlen wieder auf der Netzhaut gebündelt werden.





Anders sieht das bei der feuchten oder exsudativen AMD aus, die deutlich seltener ist, allerdings weitaus aggressiver verläuft. Bei dieser Krankheitsform nimmt die zentrale Sehschärfe rasch ab, die Patienten können schon bald keine Gesichter mehr erkennen, da
Leider sind einige Augenuntersuchungen heute keine Kassenleistung mehr und müssen privat bezahlt werden - aber man sollte nicht am falschen Ende sparen. Schließlich hat man nur zwei Augen.
sich das zentrale Blickfeld in einen großen, dunkelgrauen Fleck verwandelt. Ursache der Störung ist eine pathologische Neubildung von Blutgefäßen unter der Netzhaut (Choroidale Neovaskularisationen, CNV), welche zu Blutungen neigen. Die Gefäße sondern außerdem Flüssigkeit ab, wodurch die Netzhaut von der Epithelschicht, die sie ernährt, abgehoben wird und die zentralen Sehzellen absterben.

Rund viereinhalb Millionen Menschen leiden den Schätzungen zufolge in Deutschland an einer feuchten AMD, die sich übrigens auch aus der trockenen AMD entwickeln kann. Da sich bereits zerstörte Sehzellen nicht regenerieren lassen, sind die möglichst frühzeitige Diagnose und Therapie wichtig: Hinweisend auf eine sich entwickelnde AMD können dabei eine erhöhte Blendempfindlichkeit sein, Schwierigkeiten bei der Anpassung an veränderte Lichtverhältnisse, ein verringertes Kontrastsehen und Probleme mit der Sehschärfe und somit mit der Lesefähigkeit.


Therapie der AMD - teurer Fortschritt
Behandeln lässt sich die feuchte AMD durch eine photodynamische Therapie (PDT). Hierbei wird eine photosensibilsierende Substanz, das Verteporfin, injiziert und das Auge mittels eines Lasers behandelt, um so die neuen Gefäße zu veröden.

 

Wieder gut durchblicken - Kontaktlinsen

Kontaktlinsen sind für viele Menschen eine Alternative zur Brille. Sie liegen direkt dem Auge auf und können auch komplizierte Fehlsichtigkeiten gut korrigieren. Zu unterscheiden sind vor allem formstabile, sogenannte harte, und weiche Kontaktlinsen. Die ersten Kontaktlinsen kamen dabei als harte Kontaktlinsen auf den Markt, seit Ende der Siebzigerjahre gibt es sie in sauerstoffdurchlässiger Form. Inzwischen sind dank der Weiterentwicklung der Kunststoffe hoch gasdurchlässige Linsen im Handel, die eine gute Versorgung des Auges mit Sauerstoff und Nährstoffen gewährleisten. Harte Kontaktlinsen schwimmen im Tränenfilm, allerdings verlangt das Tragen dieser Linsen eine gewisse Eingewöhnungszeit.
Besser ist die Akzeptanz in aller Regel bei den weichen Kontaktlinsen, die flexibel sind, sich der Hornhaut anpassen und üblicherweise besser und schneller vertragen werden. Die weichen Linsen reichen anders als formstabile Kontaktlinsen auch beim geöffneten Auge bis unter den Lidrand. Sie haften direkt auf der Augenoberfläche, sitzen dadurch fester und gehen weniger leicht verloren. Mittlerweile gibt es bei den weichen Kontaktlinsen auch Tageslinsen, die nur einmal benutzt und anschließend verworfen werden.
Für Menschen die neben ihrer ursprünglichen Fehlsichtigkeit zusätzlich eine Alterssichtigkeit entwickelt haben, gibt es außerdem Bifokal- oder sogenannte Multifokallinsen, die auch die Alterssichtigkeit ausgleichen, so dass nicht zusätzlich zu den Kontaktlinsen noch eine Lesebrille getragen werden muss.
Eine sehr moderne Form der Kontaktlinsen sind die sogenannten Nachtlinsen, welche vor dem Schlafengehen eingesetzt werden. Sie korrigieren während der Nacht die Form der Hornhaut im Auge, so dass der Träger am kommenden Tag meist auch ohne Brille normal sieht. Die Veränderung ist allerdings reversibel, nach ein bis zwei Tagen muss wieder eine Brille getragen oder es müssen erneut die Nachtlinsen eingesetzt werden.



In die Schlagzeilen geriet die AMD im vergangenen Jahr aufgrund einer neuen Behandlungsform, mit der sich gezielt die Gefäßneubildung (Angiogenese) am Auge verhindern lässt. Dies ist über spezielle Antikörper, die sich gegen den Wachstumsfaktor VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) richten, möglich.

Als erstes Präparat, das die Gefäßneubildung beeinflusst, wurde bereits 2004 in den USA und 2006 in Europa Pegabtanib (Macugen®) zugelassen, ein Oligonukleotid, das hochselektiv eine VEGF-Unterform, das VEGF165, bindet. Dadurch werden das Andocken des Wachstumsfaktors an die Rezeptoren der Gefäßendothelzellen und damit die Signalweiterleitung und die Angiogenese verhindert. Das Präparat wird alle sechs Wochen in den Glaskörper (intravitreal) injiziert und bewirkt Studien zufolge eine Stabilisierung des Krankheitsprozesses.

Im vergangenen Jahr kam dann der Wirkstoff Ranibizumab (Lucentis®) zur Zulassung, ein humanisiertes Antikörperfragment, das selektiv alle VEGF-Isoformen neutralisiert. Dieses Präparat wird in vierwöchigen Abständen intravitreal injiziert, wobei in Studien nicht nur eine Stabilisierung dokumentiert wurde, sondern bei einer Reihe von Patienten auch eine Visusverbesserung. Systemische Nebenwirkungen der Therapie wurd
Die Ablösung der Netzhaut von Pigmentepithel und Aderhaut bezeichnet man als Ablatio oder Amotio retinae.
en in den Studien nicht gesehen.

Problematisch an der Behandlung ist jedoch der hohe Preis der Wirkstoffe, wobei eine Injektion mit rund 1 500 Euro zu veranschlagen ist. Das hat mit dazu geführt, dass in den vergangenen Monaten eine heiße Diskussion um die Behandlung der feuchten AMD entbrannt ist. Denn als Hemmstoff der Angiogenese ist aus der Krebstherapie auch der Antikörper Bevacizumab (Avastin®) bekannt, der sich ebenfalls gegen VEGF richtet und deutlich preiswerter ist. Der Wirkstoff, der aber nicht in Studien bei Augenerkrankungen erprobt wurde und für diese Indikation auch nicht offiziell zugelassen ist, wurde vor der Zulassung der beiden anderen Medikationen off label eingesetzt. Dies ist nun, da gezielte Therapieformen für die AMD verfügbar und zugelassen sind, nicht mehr statthaft, was erhebliche Diskussionen auf gesundheitspolitischer Ebene ausgelöst hat.


Das Glaukom
Neue Entwicklungen gibt es in der Augenheilkunde zudem beim Glaukom (grüner Star), das inzwischen weitaus stärker differenziert wird als früher. Bei der Erkrankung geht anders als bei der AMD nicht das zentrale Sehen verloren, vielmehr schränkt sich das Gesichtsfeld praktisch von außen ein, was von den Betroffenen oft lange Zeit unbemerkt bleibt.

 

Groß, größer, am größten - Lupenbrillen

Wenn mit größter Präzision gearbeitet werden muss, wie das in der Zahnmedizin häufig der Fall ist, ist das Tragen einer Lupenbrille ratsam. Lupenbrillen sind eine Kombination aus einer Lupe und einer Brille und sorgen für eine Vergrößerung des Bildes. Sie sind in einfacher Form für den Modellbau, für Handarbeiten oder zum Beispiel für Uhrmacher und Kosmetikerinnen erhältlich oder quasi als Präzisionsinstrumente, eventuell sogar mit integrierter Lichtquelle, zum Beispiel für medizinische oder zahnmedizinische Eingriffe, wie etwa in der Endodontie.



Als Krankheitsursache gilt ein erhöhter Augeninnendruck, aber, so Professor Pfeiffer: "Nicht jeder Patient mit erhöhtem Augeninnendruck entwickelt ein Glaukom." Eine klare Behandlungsindikation gibt es nach seinen Worten streng genommen außerdem nur, wenn tatsächlich auch ein erhöhtes Glaukomrisiko besteht. In mehreren Studien, beispielsweise der "European Glaucoma Prevention Study", wurden nach seiner Darstellung inzwi-schen Risikofaktoren der Glaukomentstehung identifiziert wie ebenso protektive Faktoren. Ein Glaukom ist demnach umso wahrscheinlicher, je höher der Augeninnendruck ist und je älter der Patient und je dünner die Hornhaut. Auch die Einnah-me von Diuretika ist demnach ein Risikofaktor.

Umgekehrt scheinen eine dickere Hornhaut, ein junges Lebensalter und wahrscheinlich auch ein leicht erhöhter Blutdruck sowie ein milder Diabetes mellitus das Risiko einer Glaukomentwicklung bei bestehendem erhöhtem Augeninnendruck eher zu mindern. Die neuen Beobachtungen haben bereits therapeutische Konsequenzen dahingehend, dass vor Beginn einer Therapie, etwa mit Betablockern zur Senkung des Augeninnendrucks, zunächst genauer als bisher und unter Berücksichtigung dieser Risikofaktoren geprüft wird, ob überhaupt eine Behandlungsindikation besteht.

Unabhängig von solchen neuen Entwicklungen besteht laut Pfeiffer beim Glaukom weiterhin das Problem, dass rund 50 Prozent der Patienten von ihrer Erkrankung nichts wissen. "Oftmals wird die Diagnose erst gestellt, wenn ein Auge erblindet", sagt der Ophthalmologe.

Die Augenärzte raten daher generell dazu, spätestens ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig
Die weit geöffnete Pupille zeigt die ersten Anzeichen eines Katarakts: weiße, strahlenförmige Trübungen und Pünktchen im zentralen Bereich.
mindestens alle zwei Jahre den Augeninnendruck kontrollieren und den Sehnerv vom Augenarzt inspizieren zu lassen. Denn eine Messung des Augeninnendrucks allein ist für die Früherkennung des Glaukoms nicht ausreichend.

Der grüne Star stellt keine typische Alterskrankheit dar. Vielmehr können schon Kinder und sogar Babys einen erhöhten Augeninnendruck und ein Glaukom aufweisen. So kommt eines von 15 000 Neugeborenen mit einem genetisch bedingten Glaukom zur Welt oder entwickelt die Erkrankung im Verlaufe des ersten Lebensjahres.

Wird die Diagnose rechtzeitig gestellt, so kann durch eine entsprechende Operation eine Erblindung der Kinder verhindert werden, so hieß es bei der Jahrestagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in Berlin.


Diabetische Retinopathie - regelmäßige Kontrollen
Ein Krankheitsbild, das neben der feuchten AMD und dem Glaukom künftig ebenfalls an Bedeutung gewinnt und zunehmend häufiger werden wird, ist die diabetische Retinopathie. Dies ist allein schon durch die massiv steigende Zahl der Menschen mit Typ 2-Diabetes vorprogrammiert. Es handelt sich um eine Netzhautkrankheit, die sich langsam und oft lange vom Betroffenen unbemerkt entwickelt und die unbehandelt ebenfalls zur Erblindung führen kann.

Zu den geforderten Routineuntersuchungen des Diabetes gehört deshalb unbedingt die regelmäßige Inspektion des Augenhintergrundes durch den Ophthalmologen. Werden erste Veränderungen erkennbar, so kann durch eine Laserbehandlung das Fortschreiten der Erkrankung gestoppt oder zumindest verlangsamt werden. Wichtig ist ferner eine strikte Blutzuckereinstellung, da eine gute Stoffwechselkontrolle auch die Gefahr der Entwicklung und der Progression einer diabetischen Retinopathie maßgeblich beeinflusst.


Retinitis Pigmentosa - eine Erbkrankheit
Deutlich seltener, aber ebenfalls mit der Gefahr der Erblindung einhergehend, ist die Retinitis Pigmentosa (RP), eine genetisch determinierte Augenerkrankungen, in deren Verlauf Zellen der Retina zugrunde gehen. Dies betrifft in der Regel zunächst die Stäbchen in der Peripherie der Netzhaut, während die Zapfen im Zentrum der Makula länger erhalten bleiben.

Die Retinitis Pigmentosa macht sich üblicherweise durch Nachtblindheit, eine Verringerung der Sehschärfe und durch allmählich fortschreitende Gesichtsfeldeinschränkungen bemerkbar, weshalb auch vom "Tunnelblick" gesprochen wird. Durch die Sehstörung wird zunehmend das Orientierungsvermögen beeinträchtigt, während die Lesefähigkeit länger erhalten bleibt.

Betroffen von der Erkrankung sind in Deutschland etwa 30 000 bis 40 000 Menschen. Weltweit wird die Zahl der Patienten auf etwa drei Millionen geschätzt. Eine spezifische Behandlungsmöglichkeit der RP gibt es bislang nicht. Große Hoffnungen werden auf die Fortschritte der Molekularbiologie und die Erarbeitung gentherapeutischer Ansätze gesetzt sowie auf die Entwicklung von Netzhaut-Chips, mit denen Probanden in klinischen Studien zumindest kurzzeitig Hell-Dunkel-Wahrnehmungen und sogar das Erkennen schemenhafter Umrisse wieder möglich wurden.


Hoffnungsträger Sehprothese
Ein Hoffnungsträger sind für viele bereits erblindete Patienten außerdem Sehprothesen, an deren Entwicklung intensiv gearbeitet wird. Dabei werden Elektroden in die geschädigte Netzhaut implantiert und mit einer Minikamera, die an einer Brille befestigt ist, verbunden. Von ihr aus sollen Informationen an die künstliche Netzhaut und weiter an die Nervenzellen übertragen werden.

Die Ergebnisse bei den bisherigen künstlichen Sehprothesen waren allerdings enttäuschend, was vor allem daran liegt, dass im individuellen Fall das Gehirn die von der Kamera gelieferten Impulse nicht versteht. Bonner Wissenschaftler haben kürzlich ein neues Software-Programm vorgestellt, das diese Schwierigkeiten überwinden soll. Mit dem sogenannten Retina-Encoder soll die Sehprothese lernen, die Signale zu liefern, die das Gehirn erwartet und interpretieren kann. Ob sich das neue System bewährt, bleibt jedoch abzuwarten.


Netzhautablösung - immer ein Notfall
Eine Erblindung droht auch bei der Netzhautablösung, der Ablatio retinae oder Amotio retinae. Bei der Störung hebt sich die innere lichtempfindliche Schicht der Netzhaut von ihrer Unterlage ab, wodurch die Sinneszellen nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden und zugrunde gehen. Das kann als Folge anderer Augenerkrankungen geschehen oder durch Verletzungen, zum Beispiel Prellungen, verursacht werden. Jährlich erkranken hierzulande rund 8 000 Menschen an einer Netzhautablösung, als Risikofaktoren bekannt sind eine starke Kurzsichtigkeit sowie ebenfalls ein höheres Lebensalter.

Allerdings können auch starke Kräfte, wie sie beim Bungee-Jumping oder bei Achterbahnfahrten auftreten, eine Ablatio retinae auslösen. Darauf hat jüngst der Bundesverband der Augenärzte aufmerksam gemacht. Denn die zum Beispiel beim Bungee-Sprung auftretenden Kräfte sind zwar nicht übermäßig hoch, wirken aber, wenn sich das Bungee-Seil spannt und den freien Fall des Springers bremst, nach Angaben des Verbandes in genau die entgegengesetzte Richtung, die der Körper gewohnt ist. Der Blutdruck im Kopf und damit an der Netzhaut kann dadurch über Gebühr ansteigen und es kann zu Blutungen und Netzhautablösungen kommen. "Dies geschieht zum Teil erst nach Tagen oder sogar erst nach einigen Wochen", betont Dr. Hans Brandl, Augenarzt am Flugmedizinischen Institut der Luftwaffe Fürstenfeldbruck.

Erste Symptome einer Netzhautablösung sind das Erscheinen von "Lichtblitzen", auch unter geschlossenen Lidern, oder der Eindruck von "Rußflocken" oder "tanzenden Mücken" vor den Augen. Auch können Sehstörungen, bei denen sich quasi eine schwarze Wand vor den Augen aufbaut oder bei denen der Eindruck entsteht, es falle ein schwarzer Vorhang, eine Netzhautablösung anzeigen. Treten solche Störungen auf, ist Eile geboten und eine rasche Laserbehandlung indiziert.


Der Katarakt
Zu den meist erst in höherem Lebensalter auftretenden Augenerkrankungen gehört der Katarakt, auch grauer Star genannt.

Es kommt dabei zu einer Trübung der Augenlinse, was sich zunächst durch eine zunehmende Lichtempfindlichkeit und eine abnehmende Sehschärfe bemerkbar macht. Im weiteren Verlauf verlieren die Farben an Leuchtkraft, Konturen verwischen, der Seheindruck gleicht dem Blick durch eine Milchglasscheibe. Behandelt wird der Katarakt operativ, wobei die erkrankte Linse entfernt und durch eine künstliche Linse (Intraokularlinse) ersetzt wird.


Regelmäßig zur Augenkontrolle
Nicht zuletzt unser elektronisches Zeitalter beansprucht die Augen weit stärker als früher üblich. Veränderungen, wie sie bei praktisch jedermann etwa ab dem 40. Lebensjahr auftreten, fallen vor allem bei der Bildschirmarbeit und allgemein beim Lesen negativ auf. Mit dem einfachen Besorgen einer Brille beim Optiker ist es dann nicht getan.

Denn nicht immer beruht die beeinträchtigte Sehfähigkeit auf der Entwicklung einer "Alterssichtigkeit" (Presbyopie). Bei dieser kommt es infolge der nachlassenden Elastizität des Auges zu einer verminderten Akkomodationsfähigkeit und damit zu einem verschlechterten Sehen im Nahbereich. Die Störung hat jedoch nichts mit der Weitsichtigkeit (Hyperopie) zu tun, bei der praktisch der Augapfel zu kurz ist, so dass sich die einfallenden Lichtstahlen ohne die Korrektur durch Augengläser erst hinter dem Auge zu einem scharfen Bild treffen. Umgekehrt ist es bei der Kurzsichtigkeit (Myopie), bei der die Betroffenen zwar gut in der Nähe aber nur verschwommen in der Ferne sehen können, weil infolge eines etwas zu groß geratenen Augapfels die Lichtstrahlen schon vor der Netzhaut gebündelt werden.

Da sich andererseits hinter Veränderungen der Sehkraft wie dargestellt durchaus ernste, das Augenlicht bedrohende Erkrankungen verbergen können, initiiert der Berufsverband der Augenärzte immer wieder große Aufklärungskampagnen zur Augengesundheit. Die Ophthalmologen fordern außerdem regelmäßige Augenuntersuchungen ab dem 40. Lebensjahr, wobei ab dem 60. Lebensjahr alle zwei Jahre die Netzhaut inspiziert werden sollte - auch wenn die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten dieser Vorsorgeleistung nicht übernehmen. Der Verband rät außerdem dazu, jede Sehverschlechterung durch einen Ophthalmologen dahingehend abklären zu lassen, ob eine gravierende behandlungsbedürftige Erkrankung vorliegt oder das Problem mit einer neuen Brille zu beheben ist.

 

Aus der Sicht der Zahnmedizin

Das Auge

Das Thema Auge ist in zweierlei Hinsicht für den Zahnarzt von Bedeutung. Zum Einen muss er die Erkrankungen der Augen seiner Patienten im Rahmen der Behandlung berücksichtigen, zum Anderen auch die eigenen Augen gesund erhalten. Die Augen können auf Allgemeinerkrankungen hinweisen und sollten daher auch vom Zahnarzt bei der Anamnese und Diagnostik gesonderte Aufmerksamkeit erhalten. Eine Überfunktion der Schilddrüse führt unter Umständen zu einem Exophtalmus mit Retraktion der Augenlider, Xanthelasmen können Zeichen einer Hypercholesterinämie sein, ein Ikterus kann gerade auf der weißen Sklera gut diagnostiziert werden und eine Konjunktivitis sowohl Hinweis auf eine Allergie, eine Iritis oder infolge einer Siccasymptomatik Zeichen eines Sjörgren Syndroms sein.

Mit kombinierten Missbildungssyndromen, die Auge und orofaziales System betreffen, wird der niedergelassene Zahnarzt nur gelegentlich im Rahmen der Differentialdiagnose konfrontiert. So handelt es sich zum Beispiel beim Axenfeld-Rieger-Syndrom mit einer Häufigkeit von 1 : 200 000 um eine eher seltene Erkrankung. Das ARS geht mit typischen morphologischen Veränderungen, insbesondere der Augen, wie der Irishypoplasie, einher. Beim überwiegenden Anteil der Patienten ist es mit einer okulären Hypertension assoziiert und über die Hälfte aller Patienten mit diesem Syndrom erkranken im Verlauf an einem Glaukom. Die okulären Veränderungen stehen in der Rangliste der Häufigkeit der ausgeprägten Symptome an erster Stelle. Allerdings weist diese Erkrankung sowohl genetisch als auch morphologisch eine große Heterogenität auf. So wurde eine Vielzahl von systemischen Anomalien beschrieben. Fasst man hierbei die dentofazialen Fehlbildungen zusammen, so zeigt sich, dass diese mit einer Ausprägung bei 25 Prozent der Patienten die häufigsten systemischen Veränderungen darstellen. Klinische Zeichen sind die Nichtanlage oberer mittlerer Schneidezähne, der Taurodontismus und die Mikrognathie der Maxilla. Somit sollte beim Vorliegen derartiger Veränderungen vom Zahnarzt auch eine Überweisung zum Augenarzt zum Ausschluss eines ARS veranlasst werden.

Bei der Behandlung von Patienten mit einem Glaukom muss beachtet werden, dass diese Erkrankung eine relative Kontraindikation für die Verwendung von Adrenalin darstellt.

Für den Zahnarzt selbst ist in erster Linie der Schutz vor übertragbaren Infektionen durch geeignete Hilfsmittel von großer Bedeutung. Sowohl bakterielle Infektionen aber vor allem virale Infektionen wie Hepatitis können durch den Kontakt mit dem Spraynebel aus der Mundhöhle entstehen. Die regelmäßige fachärztliche Untersuchung der eigenen Augen sollte selbstverständlich sein.

Priv.-Doz. Dr. Dr. Monika Daubländer
Dr. Martin Emmel
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Klinik und Poliklinik für Zahn-,
Mund- und Kieferkrankheiten
Augustusplatz 2
55131 Mainz



Laser statt Brille
Eleganter als mit der Brille lässt sich die Fehlsichtigkeit in vielen Fällen mit einer Laserbehandlung korrigieren. Denn mit gepulstem Laserlicht können dünne Gewebsschichten der Hornhaut auf hunderstel Millimeter genau abgetragen werden, was eine Änderung der Brechkraft des Auges bewirkt. Entsprechende Behandlungen werden mittlerweile in mehr als 300 Zentren hierzulande angeboten. Mehr als 100 000 Menschen wurden bislang mittels der refraktären Hornhautchirurgie behandelt.

In der Mehrzahl der Fälle kommt dabei die Laser-in-situ-Keratomileusis (LASIK) zur Anwendung, die schmerzarm ist und bei der der Patient sofort wieder gut sehen kann. Das Verfahren kann bei einer Kurzsichtigkeit bis zu acht Dioptrien angewandt werden, bei einer Hornhautverkrümmung bis fünf und bei einer Weitsichtigkeit bis drei Dioptrien. Werden diese Bedingungen eingehalten, so ist nach den bei der DOG-Tagung vorgestellten Daten mit einer Komplikationsrate unter einem Prozent zu rechnen. Werden jedoch die genannten Grenzbereiche überschritten, so sind die Therapieergebnisse weniger gut und es resultiert ein höheres Nebenwirkungsrisiko.

Voraussetzung für die LASIK-Anwendung ist eine Hornhautdicke von mindestens 500 Mikrometern. Ist die Hornhaut dünner, so kann das sogenannte LASEK-Verfahren (Laser Epithelial Keratomileusis) zur Anwendung kommen, bei dem die Hornhaut vor der Laserbehandlung nicht eingeschnitten wird. Die postoperativen Schmerzen sind allerdings bei diesem Verfahren etwas stärker, und es dauert länger, ehe der Patient sein vollständiges Sehvermögen wieder erreicht.

Zu bedenken ist stets, so hieß es bei der DOG-Tagung in Berlin weiter, dass es sich bei der refraktären Hornhautchirurgie um invasive augenärztliche Eingriffe handelt, die eine entsprechende Expertise voraussetzen. Der Verband der Ophthalmologen setzt sich daher derzeit eindringlich für eine Art "LASIK-TÜV" und für eine Iso-Zertifizierung der Laserzentren als Qualitätssicherungsmaßnahmen ein.

Christine Vetter
Merkenicher Straße 224
50735 Köln


zm 98, Nr. 14, 16.07.2008, Seite 30-38