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Juli 2009 - Die computergestützte Fertigung von Restaurationen und
Rekonstruktionen nimmt einen immer größeren Stellenwert in
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Abbildung 1: Das Aufsetzen der
Messkamera und die Verwacklungskontrolle schließen unscharfe Aufnahmen
aus. Das kurzwellige Blaulicht erhöht die Messgenauigkeit. Das Messmuster
(Streifenmatrix) ist deutlich sichtbar. |
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der Zahnmedizin ein. Hierzu werden inzwischen
eine Vielzahl von CAD/CAM-Systemen angeboten, die im Wesentlichen aus den
Komponenten 3D-Messsystem, CAD-Design Software und Schleifeinheit bestehen. Bei
der 3D-Messtechnik haben sich in den letzten Jahren die optischen Systeme
durchgesetzt. Hierbei ist im Vergleich zu mechanischen Tastsystemen neben einer
schnelleren Datenerfassung auch die Genauigkeit höher.
Im Laborbereich sind zur Digitalisierung der Modelloberfläche Laserscanner
üblich. Für die Chairside-Fertigung von vollkeramischen
Restaurationen gibt es bis dato in Europa nur das Cerec 3D-System. Seit
Einführung dieses Verfahrens im Jahr 1988 (Cerec 1, Siemens) kommt eine
intraorale Messkamera zur Erfassung der Präparation zum Einsatz. Mit
dieser Triangulationskamera kann ein optischer Abdruck im Bruchteil einer
Sekunde erstellt werden.
Auf Modelloberflächen aus Dentalgips lassen sich optische Messsysteme
vorteilhaft einsetzen, da Gips ideale Eigenschaften für die diffuse
Lichtstreuung besitzt. Beim direkten, intraoralen Scannen ist die
Ausgangssituation für die Vermessung ungünstiger; es müssen
geeignete Bedingungen geschaffen werden. Während hierfür die taktile
Abtastung ausscheidet, müssen
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| Abbildung 2: Die
Einzelaufnahmen der Intraoral-Kamera werden durch die 3D-Software automatisch
zu einem Quadranten-Modell zusammengesetzt. |
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bei optischen Systemen die Messzeiten so kurz
gehalten werden, dass Verwacklungen während der Aufnahme bei Handhaltung
vermieden werden. Komplexe Konstruktionen und Baugrößen für die
Kamera scheiden aus, um das Aufnahmeteil auch im posterioren Seitenzahngebiet,
zum Beispiel in regio 7 und 8, zum Einsatz bringen zu können. Hinzu kommt,
dass sich Zahnoberflächen aufgrund der mineralischen Struktur und ihrer
Transparenz schlechter für eine optische Messaufnahme eignen als
Gipsmodelle. Gelingt es jedoch, diese Herausforderungen zu meistern, dann
dominieren die Vorteile im Vergleich zu indirekten Messverfahren. So werden
zusätzliche Fehlerquellen bei der Kieferabformung und bei der
Modellherstellung vermieden. Die direkte Anfertigung der Restauration chairside
in einer Patientensitzung ist möglich und damit zeitsparend. Neuerdings
besteht die Möglichkeit, chairside generierte Datensätze mit
entsprechender Software per online in das zahntechnische Labor zu senden.
Dieser Datensatz wird dort weiter verarbeitet - ebenso stehen die 3D-Daten
jederzeit für diagnostische Zwecke zur Verfügung. Neben der
klinischen Praktikabilität ist besonders die Genauigkeit des Messsystems
von Bedeutung. So ist eine sehr präzise Vermessung erforderlich, um
Einzelaufnahmen zu einem Teil- oder Gesamtmodell zusammenfügen zu
können. Höhere Genauigkeit ist auch Bedingung für das Anfertigen
von Brückenkonstruktionen oder für die Erfassung von Quadranten- oder
Ganzkiefermodellen.
Blaulicht steigert Abbildungspräzision
In Zusammenarbeit mit der Universität Zürich wurde für das Cerec
AC-System ein verbessertes, lichtoptisches Messverfahren (Cerec Bluecam)
für die intraorale Aufnahme entwickelt, das kurzwelliges Blaulicht (470
nm) und ein asphärisches Linsensystem nutzt,
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Abbildung 3:
Ausgangssituation: Am Zahn 36 wurde distal und mesial unterminierend Karies
detektiert, zusätzlich bestand Aufbiss- empfindlichkeit. Vorher wurde der
frakturierte mesio-linguale Höcker provisorisch mit Komposit repariert. Am
Zahn 35 wurde distal ebenfalls Randspaltkaries diagnostiziert. |
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das den Lichtstrahl bündelt und parallel auf
den Bildsensor (CCD) ausrichtet (Abbildung 1). Die Lichtempfindlichkeit wurde
gesteigert, die Aufnahmezeit um 50 Prozent verkürzt und die Bildfolge
beschleunigt. Der Tiefenschärfebereich wurde ausgeweitet, dadurch werden
Oberflächen im Nah- und Fernbereich exakter abgebildet. Durch eine neue
Kalibrierungsmethode werden Verzerrungen an den Bildrändern
herausgerechnet, so dass beim Zusammensetzen der Einzelaufnahmen systematische
Fehler weitgehend ausgeschlossen werden. Mit einer in-vitro ermittelten
Messgenauigkeit von circa 19 µm bei Einzelaufnahmen liegt die Abweichung
sehr nahe an den Genauigkeitsgrenzen von hochauflösenden, extra-oralen
Referenzscannern. Abweichungen bei Quadrantenaufnahmen liegen im Bereich von
durchschnittlich 35 µm [Mehl et al. 2009].
Eine Verwacklungskontrolle (Automatic Capture Mode) prüft kontinuierlich
das Bild und löst die Aufnahme automatisch nur dann aus, wenn die
Bildschärfe sichergestellt ist. Es können im Quadranten und über
den Kieferbogen nahezu beliebig viele Aufnahmen als überlappende Sequenz
"geschossen" werden. Der 3D-Aufnahmekatalog verwaltet die
Einzelbilder auf dem Bildschirm. Die Software bewertet ihre Brauchbarkeit,
kennzeichnet und verwirft unbrauchbare Messaufnahmen, und verbindet die
Abbildungen (Matching beziehungsweise Registrierung) zu einem virtuellen Modell
(Abbildung 2). Während der Aufnahmesequenz geschossene Bilder, die
eventuell durch Zunge, Kofferdam oder Watterollen beeinträchtigt sind,
werden automatisch ausgewechselt, sobald später ein passendes Bildpaar
gefunden wird. So werden insuffiziente Aufnahmen schnell ausgetauscht.
Insgesamt zeigten die Erprobungen, dass für Restaurationen mit
größerer Spannweite und Kieferabschnittsaufnahmen
(Quadrantenaufnahmen) die neue, intraorale 3D-Vermessung praxisreif ist. Die
Annahme, dass die Überlagerung von mehreren Einzelaufnahmen zu
höheren Ungenauigkeiten im Gesamtmodell führen könnte, konnte in
einer
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| Abbildung 4:
Defektorientierte Inlay- (Zahn 35) und Teilkronen-Präparationen (Zahn 36):
Im Dentin des Kavitätenbodens von Zahn 36 ist der Riss in mesio-distaler
Richtung zu erkennen, der die Aufbissbeschwerden verursachte. |
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Untersuchung [Mehl et al. 2009] nicht belegt
werden. Durch zusätzliche Winkelaufnahmen wird die Anzahl der Messpunkte
an steilen Flächen deutlich erhöht und auch Bereiche unterhalb des
Äquators erfassbar. Vor allem im Approximalraum lassen sich dadurch die
Präparationsgrenze genauer darstellen und die Kontaktflächen zu
Nachbarzähnen besser gestalten. Ebenso können bei
Quadrantenversorgungen unterschiedliche Einschubrichtungen durch Rotation der
Aufnahmen ausgeglichen werden, ohne dabei Daten an der Präparationsgrenze
oder innerhalb der Präparation zu verlieren.
Der vorgestellte Fall zeigt ein Beispiel für die zeitsparende Sanierung
von benachbarten Präparationen mit unterschiedlichen Einschubrichtungen in
einer Sitzung.
Erste Erfahrungen im klinischen Fall
Der Austausch der Einlagefüllungen an den Zähnen 35 und 36 war aus
folgenden Gründen indiziert (Abbildung 3): Am Goldinlay des Zahnes 35
wurde Sekundärkaries an der approximalen Fuge diagnostiziert, ebenso
distal und mesial am Zahn 36. Am Zahn 36 wurde bereits vorher im Bereich des
mesiolingualen Höckers eine Reparaturkompositfüllung angebracht. An
der distalen Schmelzrandleiste von Zahn 36 zeigte sich außerdem eine
Frakturlinie und sorgte für eine Aufbiss- und Perkussionsempfindlichkeit
(Cracked Tooth Syndrom) (Abbildung 3). Die Präparation erfolgte
defektorientiert. Die von der Randleiste ausgehende Frakturlinie ist auch im
Dentin des Kavitätenbodens deutlich
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Abbildung 5:
Quadranten-Modell der Kavitäten (Zahn 36 und Zahn 35) nach intraoraler
3D-Aufnahme: Am Zahn 36 ist bereits die Präparationsgrenze
eingezeichnet. |
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sichtbar (Abbildung 4). Nach der Präparation
wurden die Kavitäten für die optischen Abdrücke durch die
Mattierung mit Titandioxid vorbereitet. Dann wurden die Präparationen, die
Nachbarzähne und das umliegende Gewebe mit Cerec Bluecam aufgenommen.
Dabei wurden jeweils aus okklusaler, bukkaler und oraler Richtung optische
Abdrücke vorgenommen, um möglichst viel Informationen von der
Präparationsoberfläche zu erhalten. Durch den automatischen
Auslösemodus ist dies ohne großen Zeitaufwand möglich.
Gleichzeitig wird durch die Software ausgeschlossen, dass unbrauchbare Bilder
das Zusammenlegen zu einem virtuellen Gesamtmodell negativ beeinflussen
(Abbildung 5).
Nach der halbautomatischen Eingabe der Präparationsgrenzen erfolgte zuerst
die Konstruktion der Teilkrone. Die biogenerische Kauflächengestaltung
berechnet hierbei automatisch die Okklusalfläche (Abbildung 6). Im
vorliegenden Fall wurden durch Überlagerung mit der Ausgangskaufläche
Veränderungen an Randleiste oder Höckerabhängen vorgenommen. Die
Möglichkeit, mit der Software Aufnahmen aus unterschiedlichen Richtungen
passgenau
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| Abbildung 6: Für
Zahn 36 schlug das System eine biogenerische Kaufläche vor. Die Teilkrone
wird virtuell eingesetzt, um die Konstruktion am zweiten Zahn durchführen
zu können. Vor der Berechnung des Inlayvorschlags kann das 3D-Modell noch
so rotiert werden, dass die Einschubachse richtig ausgerichtet ist. Liegen
Aufnahmen aus unterschiedlichen Richtungen vor, verliert man bei dieser
Neuausrichtung keine weiteren Informationen im Bereich der Präparation.
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zusammenzulegen, erlaubt bei abweichenden
Einschubrichtungen, zum Beispiel bei gekippten Zähnen, eine Neufixierung
der Einschubrichtung ohne Informationsverlust für die zweite
Präparation (Zahn 35, Abbildung 6). Die Werkstücke wurden mit der
MCXL-Schleifeinheit aus Glaskeramik formgeschliffen. Nach dem Einpassen der
Approximalkontakte erfolgte die Vorbereitung für das adhäsive
Einsetzen der Werkstücke. Schmelzätzung und Dentinbonding wurden nach
den allgemeinen Regeln durchgeführt, ebenso die Konditionierung der
Keramikinlays mit Flusssäure und Silanlösung. Zur Befestigung wurde
ein Feinhybridkomposit verwendet. Nach der Lichtpolymerisation wurden die
Kompositüberschüsse im Fugenbereich entfernt, okklusale
Frühkontakte eingeschliffen und die Keramikoberfläche mit flexiblen
Disks und mit diamantfeinkornhaltiger Polierpaste auf Hochglanz poliert.
Aufgrund von Randspalten und einem vorangegangenen Retentionsverlust des Inlays
an Zahn 37 wurde dieses gegen ein Cerec-Inlay getauscht (Abbildung 7). Die
fertigen Restaurationen (Abbildungen 8, 9) zeigen die ästhetischen und
morphologischen Möglichkeiten der Chairside-Versorgung.
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| Abbildung 7:
Adhäsiv eingesetzte und ausgearbeitete Cerec-Restaurationen an den
Zähnen 35 und 36: Aufgrund von Randspalten wurde am Zahn 37 ebenfalls die
okklusale Restauration ausgewechselt. |
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Abbildung 8:
Endsituation der in einer Behandlungssitzung durchgeführten Versorgung von
35, 36 und 37 (nach Politur). |
| Abbildung 9:
Endsituation, von bukkal gesehen |
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In den letzten Jahren sind viele Verbesserungen bei der chairside arbeitenden
CAD/CAM-Technik erfolgt, vor allem in der Software (zum Beispiel die
biogenerische Kauflächengestaltung für Inlays und Teilkronen). Auch
bei der Weiterentwicklung der intraoralen Aufnahmeeinheit spielte neben den
Modifikationen der Hardware wiederum die Software eine entscheidende Rolle. So
wurde die Bedienung durch Automatisierung einfacher, Verwacklungen und ungenaue
Messaufnahmen wurden eliminiert und die Kalibrierung verbessert. Damit
können Quadrantensanierungen rationell ausgeführt und
Ganzkieferaufnahmen angefertigt werden. Ferner ist die Chairside-Herstellung
von viergliedrigen, vollanatomischen Brücken aus Polymermaterialien als
temporäre Versorgung möglich geworden, ideal als Sofortversorgung bei
Brückenrekonstruktionen und in der Implantatprothetik.
Prof. Dr. Dr. Albert Mehl
PD Dr. Andreas Bindl
Zentrum für Zahn-, Mund-, Kieferheilkunde Universität Zürich
Plattenstrasse 11
CH-8032 Zürich
zm 99, Nr. 14, 16.07.2009, Seite
44-47
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