1. August 2007 - Ein
plötzlich auftretender unaufhaltsamer Harndrang - das ist das zentrale
Symptom einer überaktiven Blase. Die Störung kann mit einer
Harninkontinenz einhergehen und ist mit Tabus behaftet. Sie wird deshalb
häufig nicht diagnostiziert und ist folglich noch deutlich
untertherapiert.
Bis zu 22 Prozent der Menschen ab dem 40. Lebensjahr leiden an dem Syndrom
einer überaktiven Blase und damit an einem imperativen Harndrang sowie an
häufigem Wasserlassen. Die Prävalenz der Erkrankung steigt mit dem
Alter an und liegt jenseits des 75. Lebensjahres bei 31 bis 42 Prozent.
Männer und Frauen sind dabei gleichermaßen betroffen. Anders als bei
der Dranginkontinenz gibt es keinen
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Schon wieder auf die Toilette?
Übermäßiger Harndrang ist keine zwangsläufige
Alterserscheinung, sondern eine Erkrankung! |
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Geschlechterunterschied bei der
Krankheitshäufigkeit.
In Deutschland leiden Schätzungen zufolge rund sieben Millionen Menschen
am Syndrom der überaktiven Blase. Infolge der steigenden Lebenserwartung
der Menschen steigt die Prävalenz stetig an.
Die Symptomatik
Leitsymptom der überaktiven Blase, die oft auch als "overactive
bladder" und abgekürzt als OAB bezeichnet wird, ist der
plötzlich auftretende, kaum mehr zu kontrollierende Miktionsdrang. Damit
verbunden ist eine erhöhte Miktionsfrequenz und das am Tage wie auch in
der Nacht. Von einer Pollakisurie ist dabei auszugehen, wenn während des
Tages mehr als acht Mal die Toilette aufgesucht werden muss. Eine Nykturie
liegt vor, wenn der Betreffende mehr als einmal während der Nacht
aufwacht, weil er Wasser lassen muss, ein Phänomen, das zwangsläufig
einen gestörten Schlaf verursacht.
Die OAB ist bei rund zwei Drittel der Fälle mit einer Harninkontinenz
verbunden. In einem solchen Fall wird von einer "nassen überaktiven
Blase" gesprochen, ansonsten entsprechend von der "trockenen
überaktiven Blase".
Die Krankheitsgrundlagen
Die Ursache dieser Beschwerden ist eine Übererregbarkeit und dadurch
bedingt eine Überaktivität und Fehlsteuerung des Blasenmuskels. Diese
Detrusorüberaktivität bewirkt, dass sich die Blasenmuskulatur bereits
während der normalen Füllungsphase unkontrolliert kontrahiert. Die
Patienten müssen dann infolge des zwingenden Harndrangs unverzüglich
eine Toilette aufsuchen, wenn sie nicht ungewollt Harn verlieren wollen.
Die erhöhte Detrusoraktivität kann auf verschiedenen Ursachen
beruhen: Entweder liegt eine erhöhte Empfindlichkeit der
Dehnungsrezeptoren in der Blase zugrunde, die ihrerseits durch Harnwegsinfekte,
eine Blasenauslass-Störung, oder durch Blasensteine bedingt sein kann. Die
Störung kann aber auch durch anatomische Besonderheiten vorangegangene
Operationen oder neurologische Erkrankungen begünstigt sein. Sie kann als
Folge eines Schlaganfalls, einer Multiplen Sklerose, einer Alzheimerschen oder
auch einer Parkinson Erkrankung auftreten. Außerdem können
Stoffwechselstörungen wie der Diabetes mellitus die Erkrankung
begünstigen. Des Weiteren verstärkt eine hohe emotionale Belastung,
beispielsweise Wut, Trauer oder Ängste, das Syndrom erheblich.
Bei der überaktiven Blase handelt es sich unabhängig von deren
Ursachen in jedem Fall um eine Erkrankung und keinesfalls um eine
zwangsläufige Alterserscheinung, wie oftmals angenommen wird.
OAB und Lebensqualität
Das Syndrom der überaktiven Blase geht mit einer erheblichen
Einschränkung der Lebensqualität einher. Dadurch, dass praktisch
jederzeit ein nicht beherrschbarer Harndrang auftreten kann, müssen die
Betroffenen sich quasi immer in Reichweite einer Toilette aufhalten. Ihr
Aktionsradius wird somit erheblich eingeschränkt.
Im Vordergrund steht immer die permanente Sorge, bei Auftreten des imperativen
Harndrangs die nächste Toilette nicht rechtzeitig zu erreichen und
einzunässen. Dies bedingt eine erhebliche emotionale Belastung und
schränkt das körperliche, das psychische und das soziale Wohlbefinden
zunehmend ein.
Das beginnt meist damit, dass alle Unternehmungen außerhalb der eigenen
vier Wände
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| Weniger trinken ist keine
Lösung. Aber Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme können mit den
täglichen Aktivitäten abgestimmt werden. |
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entsprechend der Erreichbarkeit von Toiletten
geplant werden. Der Einkaufsbummel wird zum Beispiel maßgeblich dadurch
bestimmt, wo rasch eine Toilette zu besuchen ist und öffentliche
Plätze und Veranstaltungen, bei denen unklar ist, wie und wo Toiletten
sind, werden von vorneherein gemieden. Patienten mit OAB ziehen sich wegen
dieser Schwierigkeiten in aller Regel nach und nach vom gesellschaftlichen
Leben zurück. Es droht ihnen somit die soziale Isolation.
Die Erkrankung und die damit oft verbundenen Verhaltensänderungen haben
oft Konsequenzen im beruflichen Umfeld. Aber auch das Privat- und das
Familienleben sind extrem belastet. So ist es fast schon die Regel, dass sich
nach und nach der Freundes- und Bekanntenkreis zurückzieht, wenn
gemeinsame Aktivitäten nicht mehr möglich sind. Familiär stehen
ähnliche Probleme an, und oft leidet darüber hinaus auch das
Sexualleben, weil sich die Betroffenen wegen ihrer Probleme vor ihrem
Lebenspartner schämen.
Studien, in denen Patienten mit verschiedensten Erkrankungen mittels
standardisierter Fragebögen zu ihrer Lebensqualität befragt wurden,
zeigen, dass Patienten mit überaktiver Blase ihre Lebensqualität und
Lebenszufriedenheit deutlich schlechter bewerten als beispielsweise Menschen
mit Diabetes. Liegt nicht eine trockene, sondern eine nasse OAB vor, so kommt
es zu einer weiteren Beeinträchtigung der Lebensqualität, weil die
Betroffenen sich zusätzliche Sorgen wegen einer möglichen
Geruchsbildung machen.
Die Diagnostik
Grundlage der Diagnostik ist neben der Anamnese und klinischen Untersuchung die
Abklärung möglicher Krankheitsursachen. Dazu gehört auch eine
sorgfältige Medikamentenanamnese, da zum Beispiel Wirkstoffe wie Diuretika
die Problematik nur verstärken können.
Die diagnostische Abklärung umfasst ferner eine Urinuntersuchung, um einen
Harnwegsinfekt auszuschließen, sowie eine Ultraschalluntersuchung des
kleinen Beckens zum Ausschluss anatomischer Ursachen. Endoskopisch wird nach
Blasentumoren sowie Blasensteinen als Krankheitsursache gesucht. Auch sollte
stets eine gynäkologische Untersuchung beziehungsweise eine Untersuchung
der Prostata in die Diagnostik einbezogen werden.
Das Miktionstagebuch
Unverzichtbar bei der Diagnostik der OAB ist das Führen eines
Miktionstagebuchs an mindestens zwei Tagen, wobei im Idealfall ein Wochentag
und ein Tag am Wochenende gewählt werden sollten. Im Miktionsprotokoll
wird die aktuelle Trinkmenge festgehalten, die Zahl der Miktionen und auch die
jeweilige Urinmenge. Es werden vor allem auch Episoden eines imperativen
Harndrangs protokolliert. Das Miktionsprotokoll erlaubt Rückschlüsse
auf das Ausmaß der Problematik und gibt Hinweise darauf, wie
möglicherweise durch einfache Änderungen der Lebensgewohnheiten die
Symptomatik gebessert werden kann.
Allgemeine Therapiemaßnahmen
Da das Syndrom der überaktiven Blase noch mit erheblichen Tabus behaftet
ist, scheuen viele Patienten den Arztbesuch und versuchen zunächst, ihre
Situation durch verschiedenste Verhaltensmaßnahmen in den Griff zu
bekommen. Sie reduzieren häufig die Trinkmenge, um nicht so oft zur
Toilette zu müssen, kontrollieren stets genau, wo das nächste WC
liegt, vermeiden körperliche Aktivitäten aus Sorge, Urin zu verlieren
und ziehen sich meist vom sozialen Leben mehr und mehr zurück.
Bei den allgemeinen Therapiemaßnahmen steht die Veränderung des
Lebensstils im Vordergrund. Eine Hilfe darin, die Lebensweise so zu steuern,
dass die OAB weniger belastend wird, bietet das Miktionstagebuch. So kann die
Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme in gewissen Grenzen an die
üblichen täglichen Aktivitäten angepasst werden, ohne die
Gesamt-Trinkmenge zu reduzieren. Auf harntreibende Getränke wie Kaffee
sollte zum Beispiel verzichtet werden, wenn man unterwegs ist.
Sinnvoll für übergewichtige Patienten ist eine Gewichtsreduktion,
wodurch sich der Druck auf die Blase mindert. Außerdem kann ein gezieltes
Blasentraining eine deutliche Symptomerleichterung bewirken. Dabei lernen die
Betroffenen, die Miktion trotz Harndrang so lange wie möglich
zurückzuhalten, um die Blasenkapazität zu vergrößern.
Ratsam ist ferner ein regelmäßiges Beckenbodentraining, um die
Beckenbodenmuskulatur und den Verschlussmechanismus der Blase zu stärken.
Dadurch lässt sich der Stress- wie auch der Dranginkontinenz
entgegenwirken. Das Beckenbodentraining kann unterstützt werden durch
Biofeedback-Verfahren, bei denen der Patient ein optisches oder akustisches
Signal erhält, wenn er die richtigen Muskelgruppen angespannt und
trainiert hat.
Medikamentöse Therapie
Mittel der Wahl bei der OAB ist eine Behandlung mit Anticholinergika oder
genauer mit Antimuskarinergika, also mit Wirkstoffen, die die Wirkung von
Acetylcholin an den Muskarinrezeptoren hemmen. Bei den Muskarinrezeptoren sind
inzwischen fünf Subtypen, die M1- bis M5-Rezeptoren bekannt, die im
Organismus
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Aus Sicht der
Zahnmedizin
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Die überaktive Blase
Schamgefühle halten die meisten Patienten davon ab, den Zahnarzt über
die Erkrankung zu informieren. Möglicherweise erfährt aber die
Zahnarzthelferin indirekt von den Problemen, wenn die Patienten häufiger
als üblich die Toilette aufsuchen oder sofort nach Betreten der Praxis
danach fragen. Die Angst und Aufregung vor der zahnärztlichen Behandlung
können das Syndrom noch zusätzlich verstärken. Wird der Patient
während einer länger dauernden Behandlung unruhig, traut sich aber
nicht das Problem des Harndranges anzusprechen, kann dies zu Störungen des
Behandlungsablaufes vor allem bei operativen Eingriffen und zu
Fehlinterpretationen, wie Schmerzhaftigkeit der Therapie oder Ähnlichem,
führen. Die Terminierung der zahnärztlichen Behandlung und die
Festlegung des Umfangs erfordern somit Feingefühl.
Ein weiteres akutes und chronisches Problem ist der Volumenmangel infolge der
oftmals vorsorglich eingeschränkten Trinkmenge. Dies kann sowohl zu
Kreislauf- als auch Bewusstseinsstörungen führen. Langfristig kann
die ausgeprägte Mundtrockenheit die Kariesanfälligkeit, die Funktion
der Speicheldrüsen als auch die Integrität der Schleimhaut negativ
beeinflussen. Daher sollte der Zahnarzt bei diesen Symptomen von sich aus die
tägliche Trinkmenge des Patienten ansprechen beziehungsweise gezielt
danach fragen. Auch die medikamentöse Therapie der überaktiven Blase
mit Anticholinergika (antimuskarinerge Substanzen), die heute den Goldstandard
der medikamentösen Therapie darstellt, führt zu diesem Symptom. Die
Medikamentenanamnese kann hierbei sogar wegweisend sein. Die medikamentös
induzierte Reduktion der Parasympathikusaktivität führt darüber
hinaus zur Tachykardie, Bronchodilatation, Spasmolyse im Gastrointestinaltrakt
und Mydriasis. Die Rezeptoren in den Organen sind zwar leicht verschieden
voneinander (Subtypen), können aber durch die Medikamente trotzdem
blockiert werden. Diese Nebenwirkungen schränken den Nutzen der
Medikamente leider etwas ein. Die Wirkung von Sympathomimetika, wie Adrenalin,
kann verstärkt sein. Dies ist bei der Lokalanästhesie sowie der
lokalen Adrenalinapplikation zu berücksichtigen.
Invasivere, aber auch gezieltere neue Therapiemethoden, wie die lokale
Injektion von Botox zur Muskelrelaxation der Blase oder die sakrale
Neurostimulation, bleiben speziellen Krankheitsverläufen vorbehalten.
Priv. Doz. Dr. Dr. Monika Daubländer
Johannes Gutenberg Universität
Klinik und Poliklinik für Zahn-,
Mund- und Kieferkrankheiten
Augustusplatz 2, 55131 Mainz
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ganz unterschiedlich verteilt sind. Denn das
cholinerge Neurotransmittersystem, das maßgeblich durch die
muskarinischen Acetylcholinrezeptoren gesteuert wird, ist an der Regulation
vielfältiger Prozesse im Körper beteiligt.
So sind in der Blasenmuskulatur überwiegend M3-Rezeptoren zu finden,
welche die Detrusoraktivität steuern. M3-Rezeptoren finden sich allgemein
in der glatten Muskulatur, in den Speicheldrüsen und im Auge.
M1-Rezeptoren sind im Gehirn - und hier in der Hirnrinde wie auch im
Hippocampus - , in den Speicheldrüsen und in sympathischen Ganglien
platziert. Sie sind an der Steuerung von Denk- und Lernprozessen sowie an der
Regulation der Speichel- und Magensäuresekretion maßgeblich
beteiligt. Auch M2-Rezeptoren sind im Gehirn nachzuweisen und ebenso in der
glatten Muskulatur und im Herzmuskel. Ihre Funktion ist weniger gut bekannt,
vermutet wird, dass sie auf die Herzfrequenz und auf den Magensphinktertonus
Einfluss nehmen. M4-Rezeptoren finden sich im basalen Vorderhirn, im Striatum
und in den Speicheldrüsen, M5-Rezeptoren in der Substantia nigra des
Gehirns und im Ziliarmuskel der Augen. Über die Funktion dieser beiden
Rezeptorsubtypen ist bisher jedoch wenig bekannt.
Die Verteilung der verschiedenen Muskarinrezeptoren ist therapeutisch
bedeutsam, denn es gibt inzwischen verschiedene Wirkstoffe, mit deren Hilfe die
Acetylcholinwirkung an den Rezeptoren unterbunden werden kann. Die am
häufigsten eingesetzten Anticholinergika sind Oxybutynin, Propiverin,
Tolterodin, Solifenacin und Darifenacin. Sie sind lipophil und können die
Blut-Hirn-Schranke passieren.
Die einzelnen Wirkstoffe unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Wirkstärke
und auch hinsichtlich ihrer Affinität zu den verschiedenen
Muscarinrezeptoren. Das kann ein unterschiedliches Nebenwirkungsprofil zur
Folge haben, da zwangsläufig nicht allein die Muskarinrezeptoren in der
Blase gehemmt werden, sondern möglicherweise auch in anderen
Organsystemen. Vor allem ältere, noch weitgehend unspezifisch wirkende
Anticholinergika sind deshalb immer wieder wegen ihrer Nebenwirkungen in die
Diskussion geraten.
Typische Begleiterscheinungen der Therapie sind eine ausgeprägte
Mundtrockenheit, zentralnervöse Reaktionen wie Schwindel und eine
Obstipation. Ein besonderes Problem bei der Behandlung mit unspezifisch
wirkenden Anticholinergika sind kognitive Störungen, die darauf beruhen,
dass nicht nur die Acetylcholin-Effekte an den M3-Rezeptoren, sondern auch an
den M1-Rezeptoren beeinflusst werden. Es kann dadurch zu kognitiven
Störungen kommen, ein relevanter Aspekt vor allem vor dem Hintergrund,
dass es sich in der Regel bei Patienten mit OAB um ältere Menschen
handelt. Störungen der Gedächtnisleistungen aber sind im höheren
Lebensalter häufig per se ein gesundheitliches Problem, das nicht durch
die Behandlung der OAB verstärkt werden darf. Aufgrund der geschilderten
Nebenwirkungen ist zudem die Compliance bei der Therapie häufig schlecht,
die Abbruchrate war bei der medikamentösen Behandlung der OAB hoch.
Dies hat sich durch die Einführung von Wirkstoffen mit spezifischerem
Wirkprofil gebessert, wie die Daten zum Wirkstoff Darifenacin, der eine
besonders hohe Affinität zu den in der Blase lokalisierten M3-Rezeptoren
aufweist, belegen. Generell bewirkt eine Behandlung mit Antimuskarinergika eine
deutliche Reduktion der Detrusorübererregbarkeit und der
Blasenkontraktionen, was sich in einer Reduktion der Miktionsfrequenz und der
oftmals begleitenden Dranginkontinenz niederschlägt.
Invasivere Behandlungsformen
Hilft eine medikamentöse Therapie nicht ausreichend oder wird diese von
den Patienten aufgrund von Nebenwirkungen nicht toleriert, so kann eine Hemmung
der Detrusoraktivität durch eine vaginale oder anale Elektrostimulation
versucht werden. Die Behandlung sollte drei Monate lang erfolgen und
täglich ein bis zweimal praktiziert werden, was direkt durch den Patienten
zu Hause geschehen kann. Es werden Erfolgsraten von bis zu 70 Prozent
berichtet, allerdings gibt es bei der Elektrostimulation häufig
Complianceprobleme.
Eine weitere Therapiealternative ist die Injektion von Botulinumtoxin A in die
Blase. Das Nervengift blockiert die Acetylcholinfreisetzung aus den
präsynaptischen Nervenendigungen. Allerdings hält der Effekt nicht
unbegrenzt lange an, der invasive Eingriff muss in aller Regel nach sechs bis
neuen Monaten wiederholt werden. Indiziert ist diese Maßnahme deshalb nur
in schweren Fällen, beispielsweise beim Auftreten einer OAB in
Zusammenhang mit einer Multiplen Sklerose.
In Einzelfällen und nur bei extremer Beeinträchtigung der
Lebensführung durch die OAB kommen außerdem operative Verfahren in
Betracht, etwa die sakrale Neurostimulation und gegebenenfalls als Ultima ratio
eine Blasenaugmentation oder sogar eine Zystektomie und Harnableitung.
zm 97, Nr. 15, 01.08.2007, Seite
42-45
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