Die zm stellen in loser Reihenfolge Trends und Neuigkeiten aus der Europäischen Union vor. |
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1. August 2009 |
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Bilanz in den Niederlanden Marktbereinigung durch die ReformNach Einführung des neuen Krankenversicherungsgesetzes in den Niederlanden im Jahr 2006 sind von einst 33 Krankenversicherungen nur noch zwölf Unternehmen übrig geblieben. Die vier größten Anbieter verfügen über einen Marktanteil von fast 90 Prozent. Dies geht aus einem Aufsatz in der
"Zeitschrift für Sozialrecht" hervor. Die Schaffung eines
einheitlichen Krankenversicherungssystems auf privatrechtlicher Basis mit
wettbewerblicher Ausrichtung habe zu einem intensiven Preiskampf zwischen den
Unternehmen geführt, so die Autorin Susanne Agasi. Die
Versicherungsprämien seien dabei niedriger als erwartet ausgefallen.
Zahlreiche Versicherungen hätten erhebliche Verluste erlitten und sich
daraufhin mit anderen Unternehmen zusammengeschlossen. Weiter berichtet Agasi,
dass zwischen 2006 und 2008 knapp ein Drittel der Versicherten die Versicherung
gewechselt hätten. Und inzwischen hätten mehr als die Hälfte der
Versicherten über Arbeitgeber, Gewerkschaften oder zum Beispiel Vereine
kostengünstige Gruppenverträge abgeschlossen. Gruppenpolicen
garantieren den Versicherten Prämienrabatte um rund 6,5 Prozent. Die
Privatisierung der gesetzlichen Krankenversicherung in den Niederlanden sollte
zu mehr Wettbewerb und damit zu mehr Effizienz, mehr Transparenz und einer
höheren Verteilungsgerechtigkeit führen. Jeder der 16 Millionen
Niederländer ist seit Einführung der Reform verpflichtet, mit einem
Krankenversicherungsunternehmen seiner Wahl einen Versicherungsvertrag zu
schließen. Um Risikoselektion zu vermeiden, herrscht Kontrahierungszwang.
Außerdem dürfen für identische Leistungspakete keine
unterschiedlichen Prämien erhoben werden. Um Wettbewerbsverzerrungen und
Risikoselektion vorzubeugen, erhalten die Versicherungen Ausgleichszahlungen
aus dem Krankenversicherungsfonds. Ferner können die Unternehmen mit
Krankenhäusern und Ärzten Einzelverträge abschließen.
pr/ps EU-Kommission fordert Mehr Wettbewerb im PharmasektorDie Europäische Kommission will die Pharmabranche verstärkt wegen möglicher kartellrechtlicher Verstöße unter die Lupe nehmen. Grund hierfür ist, dass eine erste, seit Anfang letzten Jahres laufende Untersuchung Hinweise auf wettbewerbswidriges Verhalten ergeben hat. Dies führe zu einer verzögerten Einführung von kostengünstigen Nachahmerpräparaten und einer rückläufigen Zahl von Arzneimittelinnovationen, erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes bei der Vorstellung der Studie in Brüssel.So kämen Nachahmerprodukte im Schnitt erst sieben Monate nach Ablauf eines Patents für ein Originalpräparat auf den Markt. Den EU-Gesundheitssystemen entstünden dadurch Zusatzkosten von rund 20 Prozent. Für die Studie hatte die EU-Kommission den Arzneimittelmarkt in 17 EU-Mitgliedstaaten anhand von 219 Medikamenten untersucht, deren Patentschutz zwischen 2000 und 2007 abgelaufen war. Grund für die verzögerte Einführung von Generika seien zum einen fragwürdige Patentstrategien der Pharmaindustrie, die darauf abzielten Wettbewerber vom Markt fernzuhalten, ohne dass es sich bei den geschützten Präparaten um tatsächliche Innovationen handele. Hinzu kämen langwierige Zulassungsverfahren für Nachahmerprodukte in den Mitgliedstaaten, so die Kommission. "Wir brauchen mehr Wettbewerb und weniger Bürokratie", sagte Kroes. Es sei dringend geboten, ein Gemeinschaftspatent einzuführen und ein einheitliches europäisches System zur Beilegung von Patentstreitigkeiten zu schaffen. Kroes appellierte an die EU-Länder, durch Änderung der Rechtsvorschriften dafür zu sorgen, dass Generika schneller am Markt zugelassen werden können. Verbraucherverbände, Generikahersteller und Krankenversicherer begrüßten den Bericht. Das Patentsystem dürfe nicht dazu missbraucht werden, "dass sich forschende Arzneimittelhersteller auf Kosten der Patienten auf ihren im Markt befindlichen Produkten ausruhen und die Forschung vernachlässigen", so Peter Schmidt, Geschäftsführer des Branchenverbandes Pro Generika. Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) unterstützt die Forderung nach einem Gemeinschaftspatent: "Wir forschenden Pharmaunternehmen brauchen ein starkes, effizientes, rechtssicheres und kostengünstiges gemeinschaftliches Patentsystem." Deutschland gehört im internationalen Vergleich zu den Ländern mit dem höchsten Generikaanteilen. 2008 enthielt jede zweite von der Apotheke abgegebene Medikamentenpackung ein Nachahmerprodukt. pr/ps EU-Kommission plant Schärferes RauchverbotDie Europäische Kommission fordert die Mitgliedstaaten dazu auf, bis zum Jahr 2012 Gesetze zum Schutz ihrer Bürgerinnen und Bürger vor Tabakrauch in geschlossenen öffentlichen Räumen, am Arbeitsplatz und in öffentlichen Verkehrsmitteln zu erlassen. "Das einzige Mittel, die Menschen ausreichend vor den gesundheitlichen Risiken des Passivrauchens zu schützen, bilden verbindliche Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten, die ordnungsgemäß durchgesetzt und überwacht werden müssen", heißt es dazu in einem Strategiepapier der Behörde. Wie die EU-Staaten den Nichtraucherschutz ausgestalten
sollen, lässt die Brüsseler Behörde in ihrer Empfehlung
weitgehend offen. Sie fordert lediglich, insbesondere Kinder vor den
Belastungen durch Tabakrauch zu schützen sowie Maßnahmen zur
Raucherentwöhnung zu fördern und Warnbilder auf Verpackungen von
Tabakerzeugnissen anzubringen. Ferner soll ein standardisiertes
EU-Überwachungssystem eingeführt werden, um die zwischenstaatliche
Zusammenarbeit beim Nichtraucherschutz zu erleichtern. Entsprechende nationale
Maßnahmen sollen nach dem Willen von EU-Gesundheitskommissarin Androulla
Vassiliou innerhalb von drei Jahren nach Verabschiedung des Strategiepapiers
durch die Mitgliedstaaten greifen. In zehn EU-Ländern gelten derzeit
bereits umfassende Rechtsvorschriften zum Schutz vor Tabakrauch.
Großbritannien und Irland verfügen über die strengsten
Bestimmungen über rauchfreie Zonen. Hier ist das Rauchen in geschlossenen
öffentlichen Räumen, in öffentlichen Verkehrsmitteln und am
Arbeitsplatz verboten. Bulgarien hat angekündigt, 2010 entsprechende
Vorschriften zu erlassen. Italien, Malta, Schweden, Lettland, Finnland,
Slowenien, Frankreich und die Niederlande haben Rechtsvorschriften zur
Schaffung rauchfreier Zonen eingeführt, wobei abgetrennte
Raucherräume zugelassen sind. Im vergangenen Jahr starben nach
Hochrechnungen der Kommission allein 6 000 Menschen durch Tabakrauch am
Arbeitsplatz. Die Behörde schätzt die durch das Rauchen verursachten
volkswirtschaftlichen Kosten EU-weit auf knapp drei Milliarden Euro
jährlich. 1,3 Milliarden davon gingen auf das Konto medizinischer
Behandlungen von raucherbedingten Erkrankungen, so die Kommission. pr/ps zm 99, Nr. 15, 01.08.2009, Seite 76-77 |