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Komplexes Odontom als Durchbruchshindernis eines SechsjahrmolarenChristian Walter, Martin Kunkel |
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1.
September 2007 - Ein zwölfjähriger gesunder Patient wurde mit
einer knochenharten, seit längerer Zeit bestehenden schmerzlosen
Schwellung im Bereich des Kieferwinkels rechts vorstellig. Die Auftreibung des
Knochens war von distal des Zahnes 85 bis in den aufsteigenden Unterkieferast
palpierbar (Abbildung 1). Obwohl diese Raumforderung schon eine erhebliche
Größe hatte, war sie letztlich dadurch aufgefallen, dass der Zahn 46
als einziger der Sechsjahrmolaren noch nicht durchgebrochen war. Die
Vitalitätsprobe der Zähne im 4. Quadranten war regelrecht, die
Sensitivität des Nervus alveolaris inferior war nicht beeinträchtigt.
In der digitalen Volumentomographie ist eindrücklich der Befund mit der Lagebeziehung der einzelnen Strukturen zu erkennen (Abbildung 3). Deutlich zeigt sich die Resorption der distalen Wurzel des Zahnes 85 sowie die Basalverlagerung des Zahnes 36 und des Kanalis alveolaris inferior. Die Kompakta des Unterkiefers ist im Bereich der Läsion ausgedünnt. In Intubationsnarkose erfolgte die Darstellung des Unterkiefers mit dem Tumor (Abbildung 4a). Unmittelbar unter der Schleimhaut, teilweise unter einer dünnen Knochenbedeckung, zeigte sich ein derber, vom Knochen gut abgegrenzter Tumor, der sich in toto aus dem Knochen luxieren ließ (Abbildung 4b). Am Boden der Entnahmekavität wird der Verlauf des Nervus alveolaris inferior erkennbar (Abbildung 5). Nachdem das Durchbruchshindernis beseitigt war, wurde der verlagerte Zahn 46 zunächst belassen, um eine eventuelle Einstellung abzuwarten.
Das Resektat zeigt den gut abgegrenzten Tumor mit einer glatten Oberfläche (Abbildung 6a). Im Anschnitt zeigt sich die odontomtypische Struktur von multiplen rudimentären Zahnanlagen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien, eingebettet in eine fibrös erscheinende Matrix (Abbildung 6b). Diskussion Die häufigsten Ursachen sporadischer Zahnretentionen sind die nicht achsengerechte Durchbruchrichtung der Zahnanlage und der Platzmangel. Daneben können die Retentionen aber auch, wie im vorliegenden Fall, durch pathologische Prozesse, wie Tumoren und Zysten, verursacht werden. Typisch für diese sekundären Retentionen und Verlagerungen ist die isolierte Dislokation eines Zahnes in Kombination mit einer benachbarten Osteolyse oder einer anderen pathologischen Struktur. Besonders häufig sind Odontome die Ursache von Durchbruchsstörungen. Interessanterweise betreffen diese Durchbruchsstörungen aber praktisch ausschli
Bereits vom radiologischen Bild, aber insbesondere vom klinisch morphologischen Aspekt des Resektates, handelt es sich um ein typisches komplexes Odontom. Allerdings besteht eine erhebliche Variabilität hinsichtlich der Mineralisierung und damit der Röntgenopazität, so dass Odontome häufig auch als sehr dichte, kompakte Hartgewebsmasse imponieren können. Die Therapie besteht in der operativen Entfernung unter Schonung der Umgebungsstrukturen. Nach der Beseitigung des Durchbruchshindernisses können verlagerte Zähne sekundär spontan durchbrechen oder zumindest teilweise mittels chirurgischer oder kieferorthopädischer Maßnahmen eingestellt werden. Aus diesem Grund sollten Odontome, die ein Durchbruchshindernis darstellen, möglichst frühzeitig entfernt werden [Ashkenazi et al., 2007]. Das Odontom leitet sich im vorliegenden Fall am ehesten von einer Fehldifferenzierung der Zahnleiste im Bereich der Zähne 47 und 48 ab, die daher nicht angelegt waren. Darüber hinaus zeigt die Abbildung 1 die sehr kritischen Mundhygienebedingungen bei einer bereits sehr ausgeprägten Milchzahnkaries. Aus diesen Gründen wurde der Zahn 46 trotz der Lage an der Unterkiefer-Basis belassen, um nach der Konsolidierung des Knochendefektes entweder eine spontane Vertikalentwicklung abzuwarten oder aber den Zahn in einer weiteren chirurgischen Maßnahme freizulegen und gegebenenfalls kieferorthopädisch in die Zahnreihe einzustellen. Für die zahnärztliche Praxis soll der dargestellte Fall noch einmal darauf hinweisen, dass Zahndurchbruchsstörungen im Zusammenhang zu pathologischen Veränderungen stehen können und daher frühzeitig eine radiologische Untersuchung im Hinblick auf therapeutisch relevante Ursachen anzustreben ist. Dr. Dr. Christian Walter Prof. Dr. Dr. Martin Kunkel Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Augustusplatz 2, 55131 Mainz kunkel@mkg.klinik.uni-mainz.de Literaturverzeichnis
zm 97, Nr. 17, 01.09.2007, Seite 56-58 |
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