Mediziner in der
Politik Ärztevertreter oder Parteisoldat |
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1. September
2008 - Mediziner in der Politik sind in Deutschland die Ausnahme: Im
Unterschied zu anderen Berufsgruppen sind sie nur mit einer Handvoll im
Bundestag vertreten, üblicherweise in Ausschüssen zum Ge
Insgesamt acht Ärzte und Ärztinnen, darunter auch ein Zahnarzt, haben 2002 den Sprung in den Bundestag geschafft - 1,3 Prozent des insgesamt 614 Mitglieder starken Parlaments. Im Unterschied zu Beamten, Lehrern und Juristen sind die Mediziner in der Politik damit eine Rarität. Dass sie dort schlechter repräsentiert sind, verwundert nicht wirklich: Viele Ärzte sind beruflich zu stark eingespannt, um sich auf die erforderliche Ochsentour durch die Parteien zu begeben. Darüber hinaus ist das Zeitfenster für Freiberufler ohnehin extrem limitiert. Acht haben die politische Bühne trotzdem betreten: Dr. Karl Addicks (FDP, Saarland), Dr. Hans Georg Faust (CDU/CSU, Niedersachsen), ZA Dr. Rolf Koschorrek (CDU, Steinburg/ Dithmarschen), Prof. Karl Lauterbach (SPD, Leverkusen/ Köln), Dr. Konrad Schily (FDP,
Verstärkung für die Ärzteriege Am 28. September könnte die Mediziner?riege Verstärkung erhalten. An diesem Sonntag wählt nämlich Bayern. Und auf der Kandidatenliste befindet sich auch ein Zahnarzt: Dr. Wolfgang Heubisch. Er ließ sich für die FDP aufstellen. "Nach reiflicher Überlegung", wie er selbst sagt. Der Pink-Floyd-Fan und passionierte Segler engagiert sich besonders für den Mittelstand. Als Präsident des Verbandes Freier Berufe in Bayern (VFB), Vizepräsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) und praktizierender Zahnarzt kennt er dessen Sorgen und Nöte aus eigener Erfahrung. Wie Kollege Koschorrek steht er für die Förderung von Mittelstand undHandwerk - wenn auch mit anderem Parteibuch. "Wir brauchen endlich wieder eine faire Steuerpolitik, die auch der Mittelschicht Luft zum Atmen lässt", betont Heubisch. Das heißt in Sachen Gesundheitswesen: Schluss mit planwirtschaftlicher Staatsmedizin. Heubisch: "Bayern braucht eine intelligente Gesundheitspolitik. Leistungsstark, bezahlbar, effizient und sozial fair. Der Gesundheitsfonds kann nicht das letzte Wort sein." Was bewegen wollen Ein freiheitliches Gesundheitssystem ohne Restriktionen - das fordern die Ärzteparlamentarier unisono. Wenngleich ihre konkreten Vorstellungen dazu unterschiedlich aussehen - je nach dem, wen man fragt. Ein Lauterbach vertritt andere Positionen als ein Faust. Gemein ist ihr Engagement. "Ich will was bewegen", bringt es FDP-Vertreter Schily auf den Punkt. Einheitliche Lösungen hält Schily selbst für wirklichkeitsfremd. Er fordert für das Gesundheitswesen mehr Staatsferne - und mehr Möglichkeiten zum Ausprobieren. Den Rahmen will er so setzen, dass ein Wettbewerb der Ideen entsteht. Kein
Das mag sperrig wirken, demonstriert aber auch den Mut zur eigenen Meinung. Den muss man auch Lauterbach zugestehen. Im Gegenteil: In sämtlichen politischen Lagern erhitzt der Harvardprofessor in schöner Regelmäßigkeit die Gemüter. Der Berater Ulla Schmidts zählt zu den wichtigsten und zugleich umstrittensten Gesundheitsökonomen des Landes. Er will die Bürgerversicherung, hält den Gesundheitsfonds für "überflüssig wie eine Autobahnbrücke ohne Autobahn" und plädiert für gleiche Honorarsätze in GKV und PKV. Das polarisiert. Die Fachlichkeit wird ihm dennoch niemand absprechen. Eine Fachlichkeit, die nicht alle Politiker mitbringen. Nicht ohne Grund werden heute immer mehr Fragen aus dem Parlament in Kommissionen à la Rürup umgeleitet. Wäre genügend Know-how in den einzelnen Politikbereichen im Bundestag vertreten, sagt Parlamentsforscherin Prof. Suzanne S. Schüttemeyer, wären viele Fragen "nicht so leicht aus dem Parlament auszulagern". Kein Zweifel: Der medizinische Sachverstand kommt der Gesundheitspolitik zugute. Trotzdem wird häufig unterstellt, die Ärzte würden allein die partikularen Interessen
Eindeutiger Wählerauftrag Die acht Ärzte im Bundestag treten diesem Vorwurf sehr energisch entgegen. Für sie ist der Wählerauftrag eindeutig: Sie sehen sich nicht als Lobbyisten der Ärzteschaft. Die Ärzte berücksichtigten einfach stärker das besondere Verhältnis zwischen Arzt und Patienten und reduzierten die Gesundheitspolitik eben nicht auf rein ökonomische Wettbewerbsstrukturen, verdeutlicht Faust. "Wir machen keine Standes-, sondern Gesundheitspolitik", stellt auch Dr. Marlies Volkmer aus Dresden klar. "Es geht um die soziale ?Sicherung von Millionen von Menschen." Ein Grund mehr für den neunten Mediziner im Parlament.? ck zm 98, Nr.17, 01.09.2008, Seite 20-21 |
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