Mit Pfeil und Bogen |
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1. September
2008 - Ursprünglich war das Duo aus Pfeil und Bogen Waffe im Kampf
und für die Jagd. Wer sie heute zur Hand nimmt, tut dies al
Bogenschießen ist ein ruhiger Sport. Frei von Aggression gibt es dabei keine körperliche Konfrontation, nur die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich. Die Konzentration des Schützen bewirkt zusammen mit der Ruhe bei der Vorbereitung zum Schuss einen wirksamen Ausgleich zum hektischen Treiben des Alltags. Für die Zen-Mönche war diese Disziplin ein Handwerkszeug zum Erlangen innerer Gelassenheit und Treffsicherheit. Wie so häufig, wenn unser westliches Denken auf fernöstliche Weisheit trifft, machen wir uns diese Erfahrung zunutze. Entsprechend gibt es Bogenschießen
Für Menschen mit überwiegend sitzender Tätigkeit ist es ein idealer Ausgleichssport. Der Rücken muss beim Schießen aufgerichtet werden, der Brustkorb öffnet sich und die Arme und Schultern bauen Spannung auf. Es ist die entgegengesetzte Bewegung zum Beispiel auch dessen, was Zahnärzte täglich praktizieren. Die Muskulatur wird gekräftigt und auf die Anspannung folgt eine Phase der Lockerung. Im Rahmen einer orthopädischen Rehabilitation ist therapeutisches Bogenschießen daher sehr geeignet. Es bietet eine gute Ergänzung zur Kräftigung der Schulter- und Rückenmuskulatur und fördert die Körperwahrnehmung. Davon profitieren in besonderem Maße Querschnittgelähmte. Für sie zählt Bogenschießen zu den ersten sportlichen Aktivitäten, die bei der medizinischen Rehabilitation Anwendung finden. Gleichzeitig ist dieser Sport für sie ideal. Spannen und Ausziehen des Bogens ermöglichen die Wiedergewinnung und Erhaltung von Kraft und Ausdauer. Die geforderte Präzision und Konstanz aktivieren körperliche Funktionen und Willensstärke. Erfolge, Leistungsschwankungen und Niederlagen fördern Selbstbeherrschung und Gel
Nur wenige Krankheitsbilder sprechen gegen den Bogensport. Dazu können Schulterverletzungen und Halswirbeloperationen gehören. Wer unsicher ist, sollte ärztlichen Rat einholen. Zur Vorbereitung auf den Schuss gehört ein tiefer Ein- und Ausatem-Rhythmus. Dabei werden die dazu benötigten Muskeln besonders aktiviert. Das innere Muskelspiel massiert die inneren Organe, das fördert die Durchblutung. Bei einigen Varianten des Bogenschießens ist man viel zu Fuß unterwegs: Beim Jagd- und Feldbogenschießen bewegt man sich in abwechslungsreichem Gelände und legt allein beim Zurückholen der Pfeile einiges an Strecke zurück. Auf dem Schießplatz beschränkt sich die Wegstrecke auf die Distanz bis zur Bogenscheibe. Das können, je nach Schwierigkeitsgrad und Disziplin, pro Strecke zwischen 18 und 90 Meter sein.
Traditionelles Bogenschießen Als der Bogen noch nicht mit technischen Hilfsmitteln ausgestattet war, funktionierte das Schießen auf Basis der Hand-Augen-Koordination und mit dem Instinkt, das Ziel zu treffen. Wir machen uns diese Intuition auch zunutze, wenn wir etwa mit dem Hammer einen Nagel einschlagen. Treffsicherheit lässt sich schulen und das Gespür dafür so weit ausprägen, dass letztlich der Schütze in der traditionellen Technik die gleiche Zielsicherheit erlangt wie ein Sportler mit modernem Equipment. Voraussetzung dafür sind häufige Wiederholungen
Eine Grundlage für den Ausbau der Treffsicherheit ist zunächst der richtige und sichere Stand. Damit ist sowohl eine gerade Haltung gemeint, als auch die entsprechende "Bodenhaftung". Das kann für manchen Schützen zu Beginn eine ganz neue Erfahrung sein. Festen Boden unter den Füßen zu haben, fördert im übertragenen Sinne auch mentale Stärke. Kyudo Yo Shi, der Ton des Glücks, erklingt, wenn die Sehne nach dem Abschuss auf das Holz des Bogens trifft. Der Schütze, gerade noch in das Aufziehen des Bogens versunken, fühlt die Spannung der Sehne im eigenen Körper und zögert den Höhepunkt so lange wie möglich hinaus. Im Einklang mit dem Atem des Schützen löst sich der Pfeil, im Moment der maximalen Dehnung nimmt er seinen Elan. Der Blick folgt dem Pfeil und der Geist spürt ihm nach.
Das traditionelle japanische Bogenschießen, Kyudo, basiert auf der alten Kriegstechnik der Samurai, zu deren Hauptwaffen der Bogen zählte. Im 16. Jahrhundert wurde er in seiner Funktion als Kriegsinstrument durch die Einführung der Feuerwaffen verdrängt. Beeinflusst durch den Zen-Buddhismus hat das Schießen mit diesem Bogen heute einen meditativen Schwerpunkt. Wie beim traditionellen/instinktiven Bogenschießen hat der Bogen keine Hilfsmittel zum Spannen der Sehne oder zur Verbesserung der Treffsicherheit. Er hat eine eigene, asymmetrische Form und der Schütze folgt beim Schießen einem speziellen zeremoniellen Ablauf. Das macht aus Kyudo etwas Besonderes. Es ist sportlich, hat einen geistigen Aspekt und ist eine körperliche Disziplin mit starker psychischer und emotionaler Kraft. Die traditionelle Form ist auch nach über tausendjähriger Geschichte nahezu unverändert. Sie schult Konzentrationskraft und Gelassenheit, schärft die Körperwahrnehmung und wirkt positiv auf Körperhaltung, Balance und Bewegungskoordination. Die entspannende, meditative Wirkung steht in harmonischem Verhältnis zur körperlichen Beanspruchung. Nicht auf Muskelkraft kommt es an, sondern auf eine feinfühlige Bewegungskoordination. Damit ist Kyudo für Männer und Frauen jeden Alters geeignet. Weitere Arten des Bogenschießens Die Zielscheibe mit Ringwertung steht hier im Mittelpunkt des Schießablaufs. Bei Target handelt es sich um ein Wettschießen, dem unterschiedliche Regelwerke zugrunde liegen. Die Entfernungen, die Anzahl der abzuschießenden Pfeile und die Größe der Zielflächen differieren je nach Wettbewerb. Geschossen wird zum Beispiel mit dem Recurve- oder Compoundbogen, das sind moderne Bögen mit entsprechendem Equipment zur technischen Perfektion (siehe Kasten "Verschiedene Bogen und Pfeile). Die FITA, die Fédération Internationale de Tir à l'Arc, ist die wichtigste Organisation dieser Bogenschieß-Variante. Bogenjagd und Bogenfischen sind in manchen Ländern Westeuropas verboten oder auf bestimmte Arten von Wild begrenzt. Meist werden Compound-Bögen verwendet, es gibt jedoch auch Jäger, die traditionelle Bögen (Langbogen und Blankbogen) bevorzugen. Der Schütze schießt stehend durch Astgabeln hindurch, Hänge hinauf oder von Hochständen herab auf das Ziel. Das ist normalerweise eine Attrappe und wird auf einem Parcours positioniert. Das Tier-Objekt soll direkt getötet werden, der Schuss in Herz oder Lunge treffen. Ein Parcours besteht zumeist aus 28 Zielen, für die jeweils bis zu drei Schüsse erlaubt sind. Aus der Ruhe heraus mit Pfeil und Bogen das Ziel zu treffen, ist eine Kunst. Vom Rücken eines Pferdes, womöglich mitten aus der Reitbewegung heraus, scheint ein Treffer kaum vorstellbar. Und doch werden sogar Turniere in dieser Disziplin gehalten. Es gibt weltweit zwei Wettkampfregelungen für das berittene Bogenschießen: die seit etwa 600 Jahren gepflegten Japanischen Yabusame und die vor zirka 20 Jahren entwickelte Ungarische Regelung. Beim Yabusame finden die Turniere in historischen Kostümen mit Pfeil und Bogen statt. Dabei geht es weniger um den Wettkampf als um die Wahrung religiöser Belange. Die Distanz zum Ziel beträgt etwa 4,5 Meter und es wird nur zur Seite geschossen. Die Ungarn haben es mehr auf den Wettkampf angelegt. Sie verwenden Bögen, die alten Mustern entsprechen, die Verwendung moderner Werkstoffe ist allerdings zulässig. Es wird auf eine Entfernung zwischen 9 und 46 Metern geschossen und alle Schussrichtungen sind möglich. Durch die innere Mitte zum Ziel Wer sich für Pfeil und Bogen entscheidet, darf nicht erwarten, mit einer treuren Ausrüstung besonders gut zu schießen. Wichtig ist vor allem, die neuen Bewegungsabläufe zu lernen und sich auf die Faszination dieser Sportart einzulassen. Ein Anfänger, dem es gelingt, sich den neuen Erfahrungen zu öffnen, die dieses Medium ihm ermöglicht, wird spüren, wie Körper und Geist im Umgang mit Pfeil und Bogen zu einer Einheit werden. Beim Schießen kann man den Alltag hinter sich lassen und die innere Mitte finden. Ein Stück Lebensqualität, das wir oftmals vernachlässigen. Auch für Jugendliche durchaus ein Grund, sich mit dieser Sportart zu beschäftigen. Durch die so erlangte Disziplin, den Körpertonus und die neue Körperbeherrschung gewinnen sie Selbstbewusstsein, kräftigen sich und werden ruhiger. Alles in allem ist Bogenschießen ein ausgewogener Freizeitsport, der ein breites Qualitätsfeld abdeckt: Kräftigung, Entspannung, Bewegung und Ausdauer lassen sich mit Herausforderungen im Wettkampf als Einzelkämpfer oder im Team, mit Geselligkeit und sogar mit der ganzen Familie kombinieren. Für alle von acht bis 80 Jahren. sch
zm 98, Nr. 17, 01.09.2008, Seite 98-105 |
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