Allensbach-Meinungsumfrage zum Image der Zahnärzte

Stimmungswandel in der Bevölkerung

16. September 2002 - "Mein Zahnarzt ist spitze, aber die anderen ..." - auf diese enttäuschende Formel ließen sich Umfragen zum Image der Berufsgruppe in den achtziger und neunziger Jahren reduzieren. Und heute? Meinungsforscher von Allensbach haben im Auftrag der Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) aktuell nachgeforscht. Das Ergebnis: Der Ruf der Zahnärzte ist - in der Einschätzung der Bevölkerung wie auch der Berufsgruppe selbst - merklich besser geworden.

Von Vertrauen geprägt: Das Verhältnis von Patienten und Zahnärzten in Deutschland.
Im Spiegel der Medien war in den letzten Jahren das Bild der Leistungsträger im deutschen Gesundheitswesen nicht gerade positiv besetzt. Was Deutschlands Zahnärzte angeht, deren Image - und mittelbar auch dessen Einschätzung innerhalb der Zahnärzteschaft - wenig Anlass zur Zuversicht bot, scheint sich das Blatt trotz nach wie vor bestehender Anfeindungen seitens politischer Kontrahenten inzwischen zu wenden.

Offenbar ist das Schauerstück vom "zu viel verdienenden und inkompetenten Abzocker", das beispielsweise Deutschlands Krankenkassen in den vergangenen Jahren immer wieder im Programm hatten, in der Öffentlichkeit nicht so gut angekommen. Das belegen die frisch vorliegenden Ergebnisse der Repräsentativ-Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach. Ein herausragendes Beispiel: Hatten 1995 noch 25 Prozent der Bevölkerung einen pauschal negativen Eindruck, so sind es heute nur noch 13 Prozent, die "keine gute Meinung von den Zahnärzten" haben. Die Gruppe mit positivem Urteil stieg hingegen von 43 auf heute immerhin 54 Prozent.

Grundlage der umfangreichen Daten waren 2131 "Face-to-face"-Interviews mit einem Querschnitt der Bevölkerung ab 16 Jahre sowie 277 telefonische Befragungen von Zahnärzten. Die im Auftrag der KZBV durchgeführte Studie wirft ein besonderes Licht auf die Imagearbeit der Zahnärzte. KZBV-Vorstandsmitglied Dieter Krenkel: "Die kontinuierlich betriebene Öffentlichkeitsarbeit mit ihrem Kernstück der bundesweiten Kampagne und die intensive Diskussion zwischen Patient und Zahnarzt in den Praxen trägt erste Früchte."


Aufklärungsarbeit als richtiger Kurs
Dieser Eindruck scheint sich auch innerhalb des Berufstandes zu festigen: Waren 1995 noch 60 Prozent der Zahnärzte überzeugt, dass die ständig wachsende Kritik ihr Ansehen deutlich verschlechtert hat, sind es heute nur noch 40 von 100. Dass es besser wird, glauben inzwischen 22 statt vormals nur sechs Prozent. Generell glauben die befragten Zahnärzte an ein hohes Ansehen in der Bevölkerung: 65 Prozent halten es für gut, weitere 17 sogar für sehr gut. 93 Prozent meinen, dass die Bevölkerung großes oder sogar sehr großes Vertrauen in ihre Kompetenz hat.

Ist das Ansehen der Zahnärzteschaft in den letzten 10 Jahren eher besser oder schlechter geworden?
Geblieben ist der Zweifel in Sachen "Geld": Immer noch befürchten 71 Prozent aller Zahnärzte, dass auch heute noch die Mehrheit der Bevölkerung meint, dass Zahnärzte zu viel verdienen. Nur 27 Prozent glauben, dass sich auch hier etwas geändert hat.

Darin liegen sie gar nicht mal so falsch: In der Tat steht in der Frage nach negativen Aussagen der Patienten der Verdienst immer noch oben an, allerdings - und das relativiert die Wertigkeit, auf deutlich niedrigerem Niveau, als es die Zahnärzte einschätzen: Während bei den positiven Werturteilen aus der Bevölkerung Schmerzvermeidung (68 Prozent), technischer (63) und medizinischer Standard (59), Praxisorganisation (62), gründliches und sorgfältiges Arbeiten (55), aber auch Vertrauen in die berufliche Kompetenz (51) in den Nennungen oben an stehen, liegt bei den benannten Mankos der zu hohe Verdienst mit 46 Prozent an erster Stelle, gefolgt von der vermeintlichen Bevorzugung privater Patienten (44), zu langen Voranmeldungszeiten (39) und Zeitmangel für die Arbeit mit dem Patienten (31Prozent). Ebenfalls 31 Prozent der Befragten meinen, dass Deutschlands Zahnärzte "in erster Linie ans Geld denken".

Und die Mär vom "überheblichen, herablassenden" Zahnarzt? Sie steht mit fünf Prozent der Nennungen ganz hinten an. Alles in allem ein weit positiveres Bild, das Deutschlands Bevölkerung von ihren Zahnärzten hat. Darüber hinaus: Längst nicht alles, was in den Medien geunkt wird, nimmt der kritische Patient als bare Münze. Die Konsequenz, die die Befragten daraus ziehen, spricht für sich: 87 Prozent aller Patienten gehen immer zu ein- und demselben Zahnarzt.

Deutschlands Bürger sind überwiegend mit den Zahnärzten zufrieden
Also Grund zur allgemeinen Entwarnung? "Deutschlands Zahnärzte haben mit ihrem Konzept der befundorientierten Festzuschüsse eine Alternative zum derzeitigen budgetierten GKV-System aufgezeigt, die zwar von Experten anerkannt wird, aber bei Teilen der Politik und insbesondere den gesetzlichen Krankenkassen immer noch auf Widerstand stößt," begründet der stellvertretende KZBV-Vorsitzende Dr. Jürgen Fedderwitz die Notwendigkeit, auch künftig durch bundesweite Imagebildung und aktive Aufklärungsarbeit zum "Zukunftsmodell Zahngesundheit" die Akzeptanz in der Bevölkerung weiter zu stärken.


Schlechte Perspektiven fürs Gesundheitswesen
Dabei liegt ein Schwerpunkt der Überzeugungslast in den Praxen: 60 Prozent der Berufsgruppe meinen, so das Allensbacher Institut, dass das Ansehen der Zahnärzte durch die Bemühungen jedes einzelnen Zahnarztes verbessert werden kann. Aber auch die Standesvertretung hat einen klaren Auftrag, ihre Anstrengungen fortzusetzen: Das ist ausdrücklicher Wille von 36 Prozent aller Zahnärzte. Bei den unter 40-jährigen sind es sogar 46 Prozent.

Die Grundlagen für diese Überzeugungsarbeit sind augenscheinlich vorhanden: Immerhin sind 81 Prozent der Deutschen überzeugt, dass das zahnmedizinische Versorgungsniveau gut (66) oder sogar sehr gut (15 Prozent) ist. Und das gilt tendenziell für privat (87) wie gesetzlich Versicherte (80 Prozent). Allerdings konstatiert die Bevölkerung in den letzten Jahren - im Gegensatz zu den Zahnärzten - keine wesentliche Leistungssteigerung mehr. 28 Prozent der Deutschen gehen sogar von einer Verschlechterung des zahnmedizinischen Versorgung aus. Für die Zukunft sehen Zahnärzte wie auch die Bevölkerung - auf Grund der bekannten Entwicklung im Gesundheitswesen - eher Rückschritte: Steigende Kosten bei gleichzeitig erheblichen Leistungskürzungen sind für viele die drohenden Perspektiven.

Eine intensive Diskussion der positiven Umfrageergebnisse
führte die Vorsitzendenrunde der KZBV anläßlich der Präsentation der Allensbach-Studie durch Frau Dr. Köcher am 6. September im Kölner Zahnärztehaus: "Viel Bestätigung, aber auch Überraschungen, die der Berufsstand für die Entwicklung der freien Zahnheilkunde nutzen kann", so das Resümee des KZBV-Vorsitzenden Dr. Rolf-Jürgen Löffler. Der Vortrag mache deutlich, wie hoch die Rolle der Zahnärzte als Anwalt der Patienten im Gegensatz zu Gesundheitspolitik und Krankenkassen von der Bevölkerung eingeschätzt wird. Angesichts der in der Bevölkerung befürchteten Verschlechterungen des Gesundheitssystems liege hier, so Löffler, ein Vorteil für die gemeinsamen Interessen von Patienten und Zahnärzten, "den man künftig verstärkt nutzen wird". Eine Wiederholung der gegen die Zahnärzte in den neunziger Jahren betriebenen Kampagnen sei, so Köcher, heute nicht mehr machbar. Wichtig sei, die Schnittmengen gemeinsamer Interessen weiter auszuloten und einzusetzen.
Unter Deutschlands Zahnärzten befürchten immerhin 77 Prozent, dass der zahnmedizinische Standard in den nächsten Jahren auf Grund der gesundheitspolitischen Entwicklung sinken wird. Ausschlaggebend dafür sind die erwarteten Leistungseinschränkungen der Kassen. Ein weiteres Votum dafür, dass die Aktivitäten in den Praxen und auf Bundesebene fortgesetzt werden müssen. Interessant ist dabei: Während 72 Prozent der Zahnärzte meinen, dass die Stellungnahmen ihrer berufsständischen Organisationen von der Öffentlichkeit aus-schließlich als Interessensvertretung der Zahnärzte gesehen werden, vertreten in der gesamten Bevölkerung nur 46 Prozent diesen Standpunkt. "Dieser Trend könnte sich durch die anstehenden gesundheitspolitischen Diskussion der nächsten Jahre fortsetzen und verstärken", so die Bewertung im Bericht der Allensbacher Meinungsforscher.


Prophylaxe gewinnt
Überhaupt ist eine deutliche Veränderung im Patientenverhalten festzustellen: Die Ausgabebereitschaft der Bevölkerung für gesunde Zähne wächst, wissen immerhin 56 Prozent der Zahnärzte. "Speziell beim Zahnersatz machen mittlerweile zwei Drittel der Zahnärzte die Erfahrung, dass die meisten ihrer Patienten bereit sind, einiges zu investieren, und sich nicht generell für die preisgünstigere Lösung entscheiden", so die Umfrage-Ergebnisse.

Aber es geht nicht nur um die "Dritten": Waren nach Feststellung der Zahnärzte 1995 knapp zwei Drittel der Patienten bereit für prophylaktische Leistungen, so sind es heute bereits 78 Prozent. Aus Sicht der Patienten sind mittlerweile 77 Prozent davon überzeugt, dass "der einzelne viel oder sogar sehr viel für einen guten Zustand der eigenen Zähne tun kann". Gestützt wird diese Bereitschaft auch durch die optimierten Zahlen regelmäßiger Zahnarztbesuche: 53 Prozent der Bevölkerung waren im laufenden Jahr bereits beim Zahnarzt, 35 im Jahr 2001, nur sieben Prozent im Jahr 2000 und fünf noch davor. Hier ändert sich das Verhalten in Richtung "verantwortungsbewusster Patient". Dabei spielt auch die Motivation zum Kosten sparen eine wichtige Rolle, ganz abzusehen von der angenehmen Feststellung, dass der Zahnarzt "überhaupt nicht gebohrt hat".


Kassen-Bürokratie
Auch bei der Zuordnung der fachlichen Kompetenz kommen Deutschlands Zahnärzte gut weg: Wenn es um die Abgrenzung notwendiger und nicht unbedingt notwendiger Leistungen geht, sind die Zahnärzte in den Augen der Bevölkerung mit 60 Prozent, die Patientenvereinigungen immerhin mit 30, die Krankenkassen aber nur mit acht Prozent der Nennungen die Kompetenzträger. Die Kassen bleiben für Deutschlands Patienten "die bürokratischen Organisationen zur Abwicklung von Versicherungsfällen", resümiert das Allensbacher Institut.

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"Das Zukunftsmodell Zahngesundheit sieht vor, dass Sie in Zukunft beim Zahnarzt die Wahl haben: entweder Sie entscheiden sich für die medizinisch notwendige Behandlung, die dann vollständig von der Krankenkasse bezahlt wird, oder Sie wählen eine aufwendigere, ästhetisch anspruchsvolle Behandlung und zahlen die Mehrkosen selber. Das heißt, Sie können selbst entscheiden, welche Art der Behandlung Sie wählen und wie hoch die daraus entstehenden Kosten sind."
Trotz dieser Einstellung ist die Bereitschaft der Bevölkerung zur generellen Selbstbeteiligung, so die Umfrageergebnisse, nicht ausgeprägt (18 Prozent). Noch unpopulärer ist aber die Erhöhung der Krankenkassenbeiträge (nur acht), die Einschränkung der freien Arztwahl (sechs) oder die höhere Zuzahlung bei Medikamenten (fünf Prozent). Wenn Sparen vordringlich wird, sind die Deutschen eher bereit, dass Kinder und Jugendliche zur Prophylaxe häufiger zum Zahnarzt gehen müssen (72), diejenigen, die nicht zur Vorsorge gehen, stärker an den Behandlungskosten zu beteiligen (69), nicht unbedingt notwendige zahnärztliche Leistungen aus dem Katalog der Kassen herauszunehmen (immerhin 48 Prozent) oder Beitragsrückerstattungen zu zahlen, wenn Leistungen nicht in Anspruch genommen werden (36 Prozent).

Auffällig ist, dass die durchaus vorhandene Erkenntnis zur Grundproblematik des Gesundheitswesens - im Gegensatz zur Überzeugung des größten Teils der Zahnärzte (91 Prozent) - noch nicht in die Bereitschaft mündet, durch höhere Selbstbeteiligung eine höhere Eigenverantwortung zu übernehmen. Ein klarer Ansatz, die Vorteile des zahnärztlichen Konzeptes weiter in die Öffentlichkeit zu tragen. Denn interessanterweise wird die Bereitschaft zur verstärkten Selbstbeteiligung von einer Mehrheit der Bevölkerung zustimmend beurteilt, wenn sich das gleichzeitig auf eine Minderung der Krankenkassenbeiträge auswirkt. Mitte der neunziger Jahre waren erst 36 Prozent dazu bereit.


Mangelndes Vertrauen in den Staat
Aber, so Allensbach in der Bewertung der Ergebnisse, die Bevölkerung ist nicht zuversichtlich, dass Steuern und Abgaben auch tatsächlich sinken, wenn die Eigenverantwortlichkeit steigt. Ein klarer Hinweis auf das unzureichende Vertrauen in die Zuverlässigkeit deutscher Bürokratie und Politik. "Hier liegt wohl eine vorrangige Ursache für das Festhalten der Mehrheit am heutigen System. Gegenüber Veränderungen zeigt sich die Bevölkerung auf Grund nachteiliger Erfahrungen aus anderen Bereichen der Sozialpolitik nun einmal skeptisch", meint KZBV-Vize Dr. Jürgen Fedderwitz. Also ein Grund für eine offensive Öffentlichkeitsarbeit. Fedderwitz: "Die Vorteile müssen transparenter gemacht werden."

Das hier ein gangbarer Weg ist, zeigt die Zustimmung, die das "Zukunftsmodell Zahngesundheit" bei den Befragten findet, wenn das Modell tatsächlich verstanden wird: 63 Prozent der Interviewten befürworten das Modell. Nur 18 Prozent lehnen das Modell eindeutig ab.

Ähnlich sieht es bei den befundorientierten Festzuschüssen aus. Wird anhand konkreter Beispiele gefragt, dann halten 43 Prozent die befundorientierten Festzuschüsse für gerechter, nur 35 Prozent der Bevölkerung sprechen sich für die prozentuale Erstattung aus. Ein deutlicher Hinweis, dass nicht nur die Zahnärzte, sondern auch die Patienten mit den Rahmenbedingungen des Gesundheitswesens längst nicht mehr zufrieden sind.


Berufliche Zufriedenheit
Dass angesichts der offensichtlich erkannten Mankos die meisten Zahnärzte eine nach wie vor große Zufriedenheit mit ihrer Berufsentscheidung erzielen - 50 Prozent sind "voll und ganz" zufrieden, 46 "zumindest teilweise", vier Prozent äußern sich allerdings negativ -, liegt, so die Umfrageergebnisse, nicht am verdienten Geld, vielmehr an den breiten Möglichkeiten relativ selbstständig und freiberuflich Menschen helfen zu können.

Die unangenehmen Seiten des Berufes sind aus Sicht der Zahnärzte eindeutig Bürokratie und gesetzliche Gängelung (54 Prozent), Zeitdruck, Stress und anstrengende Arbeit (22), das problematische Verhältnis zwischen Arzt und Kostenträgern (22), das Vergütungssystem (15), die Budgetierung (elf), die Kluft zwischen Behandlungsmöglichkeiten und dem, was letztendlich gemacht werden darf (zehn), auch das Anspruchsdenken und die Unzufriedenheit von Patienten (neun) oder die Hetzkampagnen und Verunglimpfungen in der Öffentlichkeit (drei Prozent der Nennungen).

Dieter Krenkel: "Auch wenn diese Nennungen der Nachteile unseres Berufsalltags unterschiedliche Ursachen haben, resultieren daraus eindeutige Voten für die Arbeitsfelder, die die zahnärztlichen Organisationen zu besetzen haben."
mn


zm 18/2002, Seite 18