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Die zm stellen in loser Folge Museen vor, in denen medizin- und zahnmedizinhistorische Sammlungen ausgestellt werden. Diesmal: das Horst-Stoeckel-Museum für die Geschichte der Anästhesiologie in Bonn.
Reihe: Medizinhistorische Museen

Bonn: Narkosen und ihre Geschichte

16. September 2006 - Das Horst-Stoeckel-Museum für die Geschichte der Anästhesiologie in Bonn verfügt über die umfangreichste Sammlung dieser Art auf dem europäischen Kontinent und bringt dem Besucher 150 Jahre Medizingeschichte nahe. In 32 Vitrinen, die in Themenblöcke aufgeteilt sind, werden mehr als 450 Exponate der Öffentlichkeit zugänglich
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Ein Highlight: der komplette Operationssaal aus dem Jahr 1930
gemacht.


Es war der amerikanische Zahnarzt William Thomas Morton, dem die erste Äthernarkose gelang. Er gab dem Patienten 1846 aus der sogenannten "Bostoner Glaskugel" Äther-Dampf. So begann damals die Ära der modernen Narkose - und damit die Geschichte des Bonner Museums. Der emeritierte Bonner Professor für Anästhesiologie Horst Stoeckel bekam kurz vor seiner Emeritierung eine Replik dieser Glaskugel geschenkt. Er beschloss, die Kugel als Grundstock zu nehmen, um ein Museum für die Geschichte dieses Faches zu errichten.

Die Replik der "Bostoner Glaskugel", dem epochalen Narkosegerät, ist auf dem Bonner Venusberg zu bewundern. Daneben ist eine weitere große Anzahl von historischen Anästhesiegeräten ausgestellt, darunter auch seltene Narkosemasken, die von den damaligen Medizinern mit Äther oder Chloroform betropft wurden und zum Teil noch aus dem 19. Jahrhundert stammen. Die Tropfnarkose stellt den Beginn der Entwicklung der Anästhesieverfahren dar.

Auch die "Eiserne Lunge", der Vorläufer der modernen Langzeit-Beatmungsgeräte in der Intensivmedizin, ein Original des Riva-Rocci-Quecksilbermanometers
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Erste Anästhesie-"Workstation" von Prof. Karl-Heinz Oehmig, Universität Marburg 1958
zur Messung des Blutdrucks sowie die Geräte für die sogenannte "Beck´sche Mühle", ein Bluttransfusionsgerät mit Rollenpumpe ausgestattet, zählen zum Stolz des Museums.

Im 19. Jahrhundert waren es die Zahnärzte, die an der Entwicklung der Anästhesiemethoden maßgeblich beteiligt waren. Als Meilenstein der Arzneientwicklung, von den Opium-Alkaloiden über Curare bis hin zu den Injektionsanästhetika, ist das erste synthetische Lokalanästhetikum zu bewundern, das "Novocain" von 1905, das für den Zahnmediziner noch heute von großer Bedeutung ist. Die Kombination von "Novocain" mit Adrenalin war lange Zeit die entscheidende Substanz zur Lokalanästhesie, die in der Zahnmedizin bei der Infiltrations- und Leitungsanästhesie dominierte. Das 1932 vom deutschen Pharmakologen Hellmut Weese entwickelte "Evipan" ist neben dem Blutersatzmittel "Periston", das den Deutschen bereits im zweiten Weltkrieg zur Verfügung stand, im Museum zu betrachten. Ein aus dem Jahre 1930 stammender komplett erhaltener Operationssaal verdeutlicht zum Endes des Rundgangs dem Besucher anhand von Originalgeräten, wie einem Operationstisch, Instrumentenschränken, speziellen Narkoseapparaten und Infusionsvorrichtungen, wie es zu dieser Zeit in einem Operationssaal aussah. Die Hände wurden damals durch Eintauchen in Alkohol desinfiziert.

Erster Narkosetubus für die orale Intubation, 1900 von Franz Kuhn in Kassel entwickelt
Zum Museum gehört auch eine umfassende Bibliothek zum Thema und eine Sammlung der frühen deutschsprachigen Lehrbücher und Monographien, die den wissenschaftlichen Hintergrund untermauert.


Dr. Wibke Knöner
Tiergartenstraße 29
30559 Hannover


Die Autorin ist Vorsitzende des Arbeitskreises Geschichte der Zahnheilkunde der DGZMK, einem freiwilligen Zusammenschluss von Zahnärzten und Wissenschaftlern, die sich mit der Geschichte der Zahnheilkunde befassen. Weitere Interessenten sind willkommen.
Kontakt: E-Mail: wknoener@web.de,
Tel: 0511/514637, Fax: 0511/5109623

Horst-Stoeckel-Museum für die Geschichte der Anästhesiologie
Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn,
Venusberg
Universitätsklinikum
Sigmund-Freud-Straße 25, Haus 23
53105 Bonn
Tel.: 0228 2876876
Fax: 0228 2874623
E-Mail: anaesthesia-museum@uni-bonn.de

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von
9 - 13.30 Uhr und nach Vereinbarung
Führungen werden von Prof. Stoeckel
für Gruppen von 10 bis maximal 25
Personen nach telefonischer Vereinbarung angeboten



zm 96, Nr. 18, 16.09.2006, Seite 126-127