Stellungnahme der
DGZMK Die Wurzelkanalspülung |
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| 16. September
2006 - Gemeinsame Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für
Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) und der Deutschen Gesellschaft
für Zahnerhaltung (DGZ) Die Wurzelkanalspülung stellt einen integralen Bestandteil der chemo-mechanischen Wurzelkanalpräparation dar. Ziele der Wurzelkanalspülung 1. Reduktion der Keime und bakteriellen Toxine im Wurzelkanalsystem 2. Auflösung und Entfernung von Resten des Pulpagewebes 3. Unterstützung der mechanischen Aufbereitung und Abtransport von Dentinspänen Anforderungen an Spüllösungen 1. Desinfektionswirkung 2. Biologische Verträglichkeit 3. Gewebeauflösende Wirkung 4. Einfache Applizierbarkeit Spüllösungen zur Desinfektion Die antimikrobielle Wirkung einer Spüllösung steigt in Abhängigkeit von der Applikationsmenge, der Applikationsdauer, der Konzentration und der Temperatur. Die Spülwirkung ist nur effektiv, wenn die Aufbereitung ein Vordringen der Spülkanüle in apikale Bereiche erlaubt. Daher ist es empfehlenswert, entsprechend weit aufzubereiten und dünne Kanülen (Ø 300-400 µm) zu verwenden, die ohne Friktion bis etwa 4 bis 5 mm vor den apikalen Aufbereitungsendpunkt eingebracht werden können. Ein Verklemmen der Kanüle im Wurzelkanal ist zu vermeiden, da es zur Überpressung der Spüllösung in apikale Gewebe und damit zu Gewebedestruktionen und starken Schmerzen kommen kann. Eine Aktivierung der Spüllösung, zum Beispiel durch Ultraschall, ist von Vorteil [1]. In infizierten Kanälen ist eine ausreichend lange Einwirkung zur Auflösung des Biofilms angeraten [2]. 1. Natriumhypochlorit (NaOCl) Natriumhypochlorit gilt in einer Konzentration zwischen 0,5 Prozent und 5 Prozent als Spüllösung der ersten Wahl. Es weist folgende Eigenschaften auf: a. sehr gute antimikrobielle Wirkung auf die Mehrzahl der endodontisch relevanten Keime bei geringer Toxizität, b. die Fähigkeit, nekrotisches, aber auch vitales Gewebe aufzulösen [3] und c. die Fähigkeit, Lipopolysaccharide zu neutralisieren [4]. Die gewebeauflösende Wirkung von NaOCl steigt in Abhängigkeit von der Applikationsmenge, der Applikationsdauer, der Konzentration und der Temperatur der Lösung [5, 6]. Da die NaOCl-Lösung bei höheren Temperaturen rasch zerfällt, sollte eine Erwärmung erst unmittelbar vor oder während der Anwendung stattfinden [6]. Bei der Lagerung ist darauf zu achten, dass NaOCl dunkel und kühl aufbewahrt wird. 2. Chlorhexidindigluconat (CHX) Es zeigt in Konzentrationen zwischen 0,2 bis 2 Prozent ebenso wie NaOCl eine sehr gute antimikrobielle Wirkung bei guter Bioverträglichkeit [7]. Es wirkt nicht gewebeauflösend und kann Endotoxine (LPS) nicht neutralisieren. Die Spülung mit CHX ist als Zusatzspülung zu verstehen, ihre Vorteile liegen in ihrer Substantivität am Dentin [8] sowie in der besonders guten Wirkung gegen grampositive Keime [9] (zum Beispiel Enterokokken) und Fungi, die sich vermehrt in Revisionsfällen finden und gegen NaOCl und/oder Ca(OH)2 resistent sein können. Bei CHX-Spülung vor oder nach NaOCl-Spülung kann es zum Ausfällen von CHX-Kristallen im Wurzelkanal kommen. 3. Wasserstoffperoxid (H2O2) H2O2 (3 bis 5 Prozent) verfügt kaum über eine antimikrobielle Wirkung [10]. Die Wechselspülung von NaOCl mit H2O2 ist nicht sinnvoll, da sowohl die antimikrobielle als auch die gewebeauflösende Wirkung des NaOCl durch gegenseitige Neutralisation (H2O2 + NaOCl -> H2O + NaCl + O2) stark reduziert wird. 4. Phenolhaltige und formaldehydhaltige Substanzen Aus heutiger Sicht sind Spülungen mit phenol- und formaldehydhaltigen Substanzen nicht indiziert. Sie müssen als unspezifisch toxisch bezeichnet werden [11], das heißt, sie sind auch für gesundes körpereigenes Gewebe toxisch. Sie können periapikale Entzündungen hervorrufen, unter anderem auch wegen ihrer raschen Diffusion in Bereiche jenseits des Wurzelkanals, die auch in einer kurzen Wirkdauer dieser Substanzen resultieren [12,13] (siehe auch Stellungnahme der DGZMK und der ESE) [14,15]. 5. Jod-Jod-Kali-Lösung (IKI) IKI zeigt sehr gute antimikrobielle Eigenschaften bei geringer Toxizität und ist als Zusatzspülung in Revisionsfällen empfehlenswert [11]. Es darf nicht bei Patienten mit Jod-Allergie verwendet werden. Spüllösung zur Entfernung der Schmierschicht Bei der mechanischen Aufbereitung des Wurzelkanals entsteht an den bearbeiteten Kanalabschnitten eine Schmierschicht (Smear layer) aus Dentin, Pulparesten und Bakterien, die die Dentintubuli verblockt. 1. Editinsäure (EDTA) EDTA verfügt über mäßige antimikrobielle Eigenschaften und wird in der Regel in einer Konzentration bis 15 Prozent zur Entfernung der Schmierschicht verwendet. Nach EDTA-Applikation wird ein Nachspülen mit Natriumhypochlorit empfohlen [16]. 2. Zitronensäure Zitronensäure wird ebenfalls zur Entfernung der Schmierschicht verwendet. In höheren Konzentrationen (bis zu 30 Prozent) wird jedoch nicht nur die Schmierschicht aufgelöst, sondern es werden auch Teile des peritubulären Dentins angegriffen. Spüllösung zur Trocknung des Kanals Alkohol Alkohol weist ungenügende antimikrobielle Eigenschaften auf, kann jedoch bei Applikation unmittelbar vor der Wurzelkanalfüllung zur Trocknung des Kanals herangezogen werden. AG Endodontologie und Traumatologie der DGZ (C. Barthel, M. Georgi, E. Schäfer, A. Petschelt, S. Flachsenberg, T. Neuber, C. Kockapan, R. Weiger, M. Hülsmann) Literaturverzeichnis zm 96, Nr. 18, 16.09.2006, Seite 50-51 |
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