Neue Studie zur
Zukunft des Gesundheitswesens Bestandsprobe für den Leistungskatalog der GKV |
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16. September
2009 - Die soziale Sicherung der Deutschen und ihre gesundheitliche
Versorgung steht künftig auf wackeligen Füssen. Im Jahr 2050
müssen 1,6 Arbeitnehmer für einen über 64-Jährigen
aufkommen.
Die Lebenserwartung der Deutschen steuert stramm auf 90 Jahre zu. Gleichzeitig werden immer weniger Menschen geboren. Die Folgen, die sich aus diesem Widerspruch für das Gesundheitssystem ergeben, werden von den Politikern der einzelnen Parteien vor der Bundestagswahl in keiner Weise diskutiert, kritisierte Beske. Die Forschungsarbeit des Kieler Instituts skizziert auf der Basis valider Hochrechnungen den Anstieg von zweiundzwanzig ausgewählten Krankheiten in Deutschland, Brandenburg und Schleswig-Holstein bis zum Jahr 2050. Bis zu diesem Zeitpunkt existieren Berechnungen für die voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung. Die Ergebnisse geben einen Hinweis auf die absoluten Zahlen der zu erwartenden Erkrankten und des damit notwendigen organisatorischen, personellen und finanziellen Bedarfs. Beske: "Ich halte die Studie im Zusammenhang mit der künftigen Gesundheitspolitik für eine der wichtigsten, die wir je gemacht haben." Frühzeitig planen Seine Forderung an die Bundesregierung ist eindeutig: Alle künftigen Reformen im
Absehbar ist ein enormer Anstieg altersbedingter Krankheiten. Vor dem Hintergrund einer abnehmenden Bevölkerungszahl und einer sich verändernden Altersstruktur komme der Zahl der Neuerkrankungen pro Einwohner eine besondere Bedeutung zu. So werde sich die Zahl der Neuerkrankungen altersbedingter Makuladegeneration von 864 Fällen pro 100 000 Einwohner im Jahr 2007 auf 2 327 Fälle im Jahr 2050 erhöhen - ein Anstieg von 169 Prozent. Beim Herzinfarkt liegt der Anstieg bei 109 Prozent, bei Demenz in der Höhe von 144 Prozent. Im Fall ambulant erworbener Lungenentzündung spricht die Studie sogar von einem Anstieg von 198 Prozent. In den neuen Bundesländern - in der Studie repräsentativ durch das Land Brandenburg vertreten - schreite der Bevölkerungsrückgang schneller voran. Entsprechend schneller komme es zu frappierenden Auswirkungen. Kernproblem sei, dass zu wenig Personal mit einer hohen Morbidität- und Pflegebedürftigkeit konfrontiert wird. Besondere Brisanz erhält die Problematik spätestens ab dem Jahr 2020: "Zu diesem Zeitpunkt erreichen die geburtenstarken Jahrgängeaus den 60er Jahren das Rentenalter." Die logische Folge: Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) gerät in ernsthafte Finanzierungsprobleme durch den Bevölkerungsrückgang . Während der Versorgungsbedarf der immer älter werdenden Patienten ansteigt, schrumpft die Bevölkerungsgruppe der arbeitenden Steuerzahler. Der Altenquotient, der die Relation der Arbeitenden (20 bis 64 Jahre) zu den nicht mehr Arbeitenden (> 64) aufzeigt, belege dieses Phänomen statistisch: Stehen heute für einen Menschen in der Altersgruppe 65 und darüber noch drei Erwerbstätige zur Verfügung, werden es im Jahr 2050 nur noch 1,6 sein: Ein Rückgang von fast 50 Prozent. Gleichzeitig steige die Zahl der Pflegebedürftigen von 2,1 auf 4,4 Millionen.
Rein rechnerisch könnten die ansteigenden Kosten über die Erhöhung des Beitragssatzes in der GKV von 14,9 auf prognostizierte 27 bis 43 Prozent bewältigt werden. Dies sei, so Beske, praktisch unzumutbar und damit nicht zu erwarten. Prioritäten beim Leistungsumfang setzen Realistischer sei es, so Beske, die Debatte um eine Priorisierung der Leistungen zu führen. Es sei nicht möglich, den umfangreichsten Leistungskatalog weltweit auf Dauer beizubehalten. Beske fordert, möglichst zeitnah eine Methodik zur Absenkung des Katalogs zu entwickeln. Hier stehe auch der Gesetzgeber in der Pflicht, der die GKV mit Leistungsanforderungen belaste, die nicht zu den Aufgaben einer Krankenversicherung gehören würden. Eltern-Kind-Kuren und Haushaltshilfen etwa seien familienpolitische Maßnahmen, die von der Allgemeinheit getragen werden müssten. Beske geht noch weiter: "Sogenannte Wellness-Anwendungen sollten aus dem Leistungskatalog gestrichen werden." Nicht vertretbar sei zudem die Subventionierung der Bundesagentur für Arbeit sowie des Bundesarbeitsministeriums mit über vier Milliarden Euro pro Jahr durch die Kostenübernahme der Behandlungen von Hartz IV-Empfängern. Beske befürwortet zudem eine Stärkung der Selbstverwaltung sowie eine dezentrale Organisation. "In den Kommunen können viele Fragen sehr viel besser geregelt werden, als dies durch zentrale Vorschriften der Fall ist". Duales System erhalten Die Problematik sei allerdings nicht nur Angelegenheit der GKV: Auch die Private
Beske betonte, dass die demografische Entwicklung und der medizinische Fortschritt, der der Gesamtbevölkerung zugutekommen soll, sowohl in finanzieller, als auch in personeller Hinsicht hohe Anforderungen an die Gesundheitspolitik stellen. Es sei nur vernünftig, auf der Grundlage von wissenschaftlichen Studien transparent und konzeptionell zu arbeiten und somit die Planung für eine gesicherte Gesundheitsversorgung langfristig vorzunehmen. Kurzfristige Lösungen seien dafür der falsche Weg. Auch Ärztepräsident Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe forderte von der nächsten Bundesregierung energische Schritte gegen den Personalmangel im Gesundheitsbereich. "Ich erwarte, dass die Politik die demografische Entwicklung und den künftigen ärztlichen Versorgungsbedarf mit Vorrang aufgreift", sagte er unlängst auf dem Symposium "Demografischer Wandel und ärztliche Versorgung in Deutschland" der Bundesärztekammer in Berlin. sf n Herausgeber der Studie: Fritz Beske Institut für Gesundheits-System-Forschung Kiel Weimarer Str. 8 24106 Kiel Telefon 0431 800 60-0 info@igsf-stiftung.de zm 99, Nr. 17, 16.09.2009, Seite 20-23 |
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