Sonderschau Computer.Medizin

Die Reise ins Ich

1. Oktober 2006 - Medizinische Versorgung ohne Hightech? Heutzutage kaum noch vorstellbar. Ärzte setzen
In dem Film "Die Reise ins Ich" fuhr Dennis Quaid 1987 im Mini-U-Boot durch den Körper. Mit der heutigen medizinischen Technologie wird diese Vision fast Realität.
für Diagnose und Therapie routinemäßig computergestützte Verfahren und Systeme ein. Was mit Technik in Sachen Gesundheit alles geht, zeigt die interaktive Ausstellung "Computer.Medizin" im Heinz Nixdorf Museum (HNF) Paderborn.


Von der Prävention bis zur Reha - Computer und Hightech verhelfen heute zu Gesundheit und Lebensqualität. Auch in der Behindertenhilfe setzt man verstärkt auf die moderne Technik. In der klinischen Forschung und Verwaltung haben Computer ohnehin eine lange Tradition - durch ihren Einsatz gestalten sich etliche Prozesse im Gesundheitswesen einfach effizienter.


Tempel der Sterblichkeit
Bereits Ende des 16. Jahrhunderts gaben die ersten anatomischen Theater als Tempel der Sterblichkeit der Öffentlichkeit einen Einblick ins menschliche Innere. Inzwischen ersetzen in der medizinischen Ausbildung digitale Bilder und Programme die klassischen Anatomie-Atlanten. Sie ermöglichen dreidimensionale virtuelle Reisen durch den Körper, die zu einem tieferen Verständnis der Struktur und Vorgänge des Körpers beitragen. Solche
Die Natur des Gehens wird erforscht: Mit den Prothesen von heute ist Sport kein Problem.
Abbildungen wären mit dem menschlichen Auge allein nie zu sehen.

Die Ausstellung zeigt, wie die Technik funktioniert: Über 100 Objekte und viele Medienstationen mit über 80 Bildschirmen warten darauf, entdeckt zu werden, 35 interaktive Exponate laden zum Testen und Begreifen ein. Viele der medizinischen Geräte mussten dabei von den Gebern umgebaut werden, damit sie bei der Extrembelastung in der Ausstellung nicht in die Knie gehen.

Wie bei einer echten Sektion kann der Besucher etwa einzelne Körperteile aufklappen, Strukturen entfernen, Organe drehen oder Gewebe anfärben. Mittels Funktionstests kann man überdies Hörvermögen und Blutdruck messen, computertomographische Schnitte durch den menschlichen Körper setzen oder simulieren, wie man einen Katheter in ein Herzkranzgefäß einführt.

Aufgebaut ist außerdem ein original Magnetresonanztomograph (MRT) der neuesten Generation, landläufig als Kernspintomograph bekannt. Er setzt Magnetfelder statt Röntgenstrahlen ein, um präzise Schnittbilder des menschlichen Körpers zu erzeugen. MRT werden vor allem eingesetzt, wenn man Weichteile an Wirbelsäule und Kniegelenk, Gehirn und Herz untersuchen oder Tumoren beobachten will.


Puppe erhält Ultraschall
Neben dem MRT ist ein Ultraschallsystem installiert. Wer Lust hat, kann per Knopfdruck einen Embryo scannen. Ein Schallkopf fährt über eine Babypuppe. Daneben steht ein Ultraschallgerät, auf dessen Screen das Bild vom Fötus entsteht. Ultraschallbilder kennen viele Mütter und Väter aus der Zeit der Schwangerschaft. Bekanntlich wird die Technologie zudem bei Untersuchungen von Unterleib, Nieren, Hirngefäße und oberflächennaher Organe verwendet. Auf den Bildern erkennt auch der Laie deutlich die Details. Während Patienten hier in die Rolle des Arztes schlüpfen können, verschafft das Training angehenden Medizinern die nötige Praxis - denn pathologische Fälle sind an der Uni normalerweise

Mehr zur Ausstellung Computer. Medizin in Paderborn

Die Sonderausstellung Computer.Medizin läuft vom 25. Oktober 2006 bis zum 1. Mai 2007 im Paderborner Heinz Nixdorf Museumsforum (HNF). Mehr Infos unter www.hnf.de.

Begleitend finden im HNF medizinische Fachkongresse, Vorträge und ein museumspädagogisches Programm statt. Die Vortragsreihe "Blicke in den Körper" stellt die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der medizinischen Forschung vor dem technischen Hintergrund dar. Eine zweite Vortragsreihe beleuchtet das Verhältnis von Arzt und Patient. Im November 2006 und im März 2007 geht es um die Gesundheits-
vorsorge, zum Beispiel zu den Themen Herz/Kreislauf und Diabetes.
nicht vorhanden, die Studenten bei der gegenseitigen Untersuchung in der Regel kerngesund. Außerdem können die Ärzte in spe hier üben, mit dem komplexen Gerät motorisch umzugehen und die Ergebnisse zu interpretieren. Der Computer kann den Arzt bei der Diagnosestellung freilich nur unterstützen, nicht ersetzen.

Dass in der Therapie per Computer schonendere und präzisere Methoden angewendet werden, ist besonders wichtig bei chirurgischen Behandlungen und der Krebstherapie. Geschädigte Organe können mithilfe der Computertechnik wieder arbeiten oder teilweise sogar ersetzt werden, zunehmend auch dauerhaft. Aber auch in der Notfallmedizin kommt der Arzt schneller zu Hilfe, die Überlebenschance der Betroffenen verbessert sich.

Die Computermedizin hilft aber nicht nur die Ärzte in ihrer Arbeit, sondern macht auch Sport und Prävention attraktiver. Selbst bei der Bekämpfung globaler Seuchen spielen Computer und digitale Messtechnik heute eine Schlüsselrolle.


Joggen in virtuellen Welten
Die Lebensweise ist neben der genetischen Veranlagung nämlich der entscheidende Faktor, warum Krankheiten entstehen. Computer unterstützen im 21. Jahrhundert den Menschen, gesund zu leben. Auf interaktiven Laufbändern und Trimmrädern erlebt der Sportler haptisch die Strecke, die er auf dem Bildschirm verfolgt, Anhöhen und Abfahrten inklusive - Mountainbiking und Jogging in virtueller Realität. Die Geräte schaffen damit neue Anreize, die eigene Bewegung zu kontrollieren und motivieren den Sportsmann darüber hinaus, seine Körperdaten zu checken und auszuwerten.

Computerbasierte technische Hilfen tragen zudem dazu bei, die Selbstständigkeit und Lebensqualität von älteren beziehungsweise behinderten Menschen zu bewahren oder wiederherzustellen. Selbst verloren gegangene Körperfunktionen kann man so zumindest teilweise wieder ausgleichen.
ck/pm


zm 96, Nr. 19, 01.10.2006, Seite 122-123