Mehr als
Leuchtmittel Die Praxis ins rechte Licht gerücktRobert Uhde |
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1. Oktober
2006 - Licht beeinflusst unser Wohlbefinden stark. Dennoch versinken in
manchen Zahnarztpraxen Flure
Entscheidet sich ein Zahnarzt bei der Neueinrichtung seiner Praxis für ein bestimmtes Gestaltungskonzept, gehört die Wirkung der Beleuchtung ebenfalls überdacht. Unterschiedliche Lichtfarben und Farbwiedergabe-Eigenschaften können nicht nur den Charakter von Räumen grundlegend verändern, gutes Licht wirkt sich auch positiv auf unser Wohlbefinden aus und verbessert die Arbeitsbedingungen. Die richtige Beleuchtung gehört daher in die perfekte Praxisgestaltung ebenso hinein wie passende Möblierung, Materialien, Bodenbeläge und Farben. Mix mit Material und Möbeln Auch in bestehenden Praxen können wenige, gezielte Veränderungen der Beleuchtung raumgestalterische Akzente setzen und die Atmosphäre entscheidend verbessern. Die Ausgangsbasis der Entscheidung über eine durchdachte Lösung ist zunächst die Funktion des jeweiligen Raumes: Empfangsbereich und Wartezimmer profitieren von einer einladenden und offenen Atmosphäre, das Behandlungszimmer braucht vor allem die angemessene Arbeitsbeleuchtung. Es gilt, den Spielraum innerhalb dieses Rahmens auszureizen, um individuelle Gestaltungsziele zu verfolgen und der Praxis ein eigenes, ein unverwechselbares Gesicht zu geben. Darüber hinaus sollte die gewählte Lichtfarbe zu Möblierung und Materialien passen: Zu warmen Materialien wie Holz passen am besten warme Lichtquellen, zu weißen Möbeln, Marmor und Chrom eher neutrale oder tageslichtweiße Leuchtmittel. Andere Farbe, andere Stimmung Ein entscheidender Faktor ist die Wahl der geeigneten Lichtfarbe der verwendeten Leuchtmittel. Anders als bei der - insbesondere für Behandlungsräume durch die DIN 67505 vorgegebenen und in den allermeisten Fällen problemlos erreichten - Lichtstärke hat der Zahnarzt in diesem Bereich viel Gestaltungsspielraum. Grundsätzlich gilt dabei, dass warmes Licht von Patienten und Mitarbeitern unbewusst eher mit Muße und Entspannung in Verbindung gebracht wird, während man Neutral- oder Tageslichtweiß eher mit Leistungsbereitschaft und Konzentration assoziiert - ideal für das Behandlungszimmer. Die richtige Lichtfarbe sorgt nicht nur dafür, dass wir Räume als angenehm oder als unangenehm erleben, sondern sie beeinflusst entscheidend unsere Wahrnehmung von Farben, was insbesondere bei der Farbberatung für Zahnersatz wichtig ist. Deshalb sollte der Einsatz von Farbe und Licht möglichst Hand in Hand gehen. Glühlampen zum Beispiel leuchten warm und erzeugen ein gelbliches Licht. Das führt dazu, dass die Farbe Blau einen Grünschimmer erhält und weiße Wände leicht vergilbt und daher wenig frisch wirken. Wer also Glühlampen einsetzen möchte, um im Empfangsbereich oder im Wartezimmer ein heiteres, sonniges Ambiente zu schaffen, der sollte diesen Effekt bei der Farbgestaltung der Wände berücksichtigen. Leuchtstoffröhren schaffen eine ganz andere Atmosphäre: Sie verbreiten in weiß gestrichenen Räumen ein eher kaltes, bläuliches Licht, das gerade in Wartezimmern nur wenig zu empfehlen ist. Viele Patienten empfinden gleißendes weißes Licht als unangenehm und verspannen unnötig, während sie auf ihre Behandlung warten. Rot-Töne werden durch den Einsatz von Leuchtstoffröhren entsprechend in Richtung Violett verändert, Gelb-Töne verlieren ihre Brillanz und wirken leicht grünlich. Wer dagegen ein neutrales weißes, dem natürlichen Tageslicht sehr ähnliches Licht bevorzugt, der verwendet Halogenstrahler - eine Lösung, die sich insbesondere in dunklen Räumen mit kleinen oder keinen Fenstern anbietet. Wer den Wechsel will Eine Lösung mit gezieltem Wechsel von warmem und kaltem Licht zeigt die Praxis von Dr. Marianne Hohlfeld in Berlin-Wilmersdorf. Passend zum elegant-modernen Ambiente mit einem leuchtend roten Empfangstresen aus MDF-Holz, den Parkettböden im Warte- und Empfangsbereich sowie den großformatigen hellgrauen Kunststeinplatten in den
Farbwiedergabequalität 1a Während eine angenehme Lichtfarbe sich vor allem auf Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit auswirkt, bietet eine gute Farbwiedergabequalität die Voraussetzung für optimale Sehbedingungen. Wie sich hier mit vergleichsweise geringem Aufwand ohne große Investitionen eine deutliche Verbesserung der Beleuchtungssituation erreichen lässt, zeigt das Beispiel der Zahnarztpraxis von Anke Mey in Berlin. In Zusammenarbeit mit dem vor Ort ansässigen LDBS Lichtdienst tauschte die Praxis-Chefin lediglich die Leuchtstofflampen aus; die eigentliche Beleuchtungsanlage blieb unberührt. Sämtliche neu eingesetzten Leuchtmittel bieten eine hervorragende Farbwiedergabequalität von etwa 95 Ra (Farbwiedergabeindex). Dieser Wert ist ideal, weil er eine optimale Farbdifferenzierung insbesondere von unterschiedlichen Weißtönen ermöglicht - gerade bei der Abmusterung von künstlichem Zahnmaterial von großer Bedeutung. Die tageslichtähnliche Lichtfarbe von über 6 000 Kelvin der eingesetzten Leuchtmittel sorgt gleichzeitig dafür, die Ermüdungserscheinungen bei langer Arbeit unter Kunstlicht möglichst gering zu halten. Lichtquellen positioniert, Das Leuchtmittel stimmt, seine Farbe ebenfalls, aber wohin mit der Lichtquelle? Grundregel Nummer eins lautet: Blendungen vermeiden - sowohl für die Patienten als auch für die Mitarbeiter. Eine sinnvolle Lösung ist indirektes Licht. Hinter Verkleidungen angebracht oder auf eine Wand respektive die Decke gerichtet und von dort in den Raum gelenkt, wird der Raum hell ohne Lichtreflexe auf dem Bildschirm oder andere Störeffekte. Zwei einfache Deckenfluter statt einer großen Leuchtstoffröhre lassen einen Raum gleichzeitig wesentlich gemütlicher wirken. Eine Blendwirkung durch direkt einfallendes Sonnenlicht lässt sich dagegen durch eine sinnvolle Platzierung der Möbel oder durch Sichtschutz wie Lamellenvorhänge vermeiden. Speziell in den Behandlungszimmern empfiehlt der LDBS Lichtdienst außerdem eine aufgehellte Decke, die die meisten Patienten als deutlich angstmildernd erleben. Ideal für eine atmosphärisch gelungene und patientengerechte Beleuchtung von Behandlungsräumen ist daher die Kombination aus direktem und indirektem, von der Decke abgestrahltem Licht, etwa durch U-förmig über dem Behandlungsstuhl abgehängte Pendelleuchten. Eine Kombination mit unterschiedlichen Beleuchtungsstärken ergibt ein zur Behandlung optimales "Beleuchtungsstärkegebirge" mit den höchsten Werten im
effektvoll inszeniert Dunkle Bereiche sind unangenehm. Haben einzelne Räume zum Beispiel keine oder nur wenige Fenster, dann bieten sich bauliche Änderungen an, sei es Oberlichter zu integrieren oder mit Glaselementen optische Transparenz zu schaffen. Mit weniger Aufwand - und doch effektvoll - hellen so genannte "Lichtinseln" am Anfang und Ende eines Ganges diesen auf. Das verwandelt einen düsteren Flur in einen hellen Durchgang, in dem die Orientierung leicht fällt. Eine interessante Lösung zeigt in diesem Zusammenhang die Zahnarztpraxis von Andreas Engelmann in Oldenburg: Um bei der Neugestaltung der in einem stilvollen Altbau gelegenen Räumlichkeiten auch im lang gestreckten Flur eine helle Atmosphäre mit ausreichend Tageslichtzufuhr zu erhalten, ließ der Praxisinhaber opake Glasflächen in die Türen zu den einzelnen Behandlungszimmern einfügen. Als Grundbeleuchtung des Ganges installierte der Oldenburger Lichtfachmann Dieter Fritz Kugelleuchten. Den Empfangsbereich setzte er mit einem Theaterscheinwerfer "in Szene": Jetzt strahlt der Profilscheinwerfer ein großformatiges Foto in einem Passpartout so an, das dieses eine enorme Plastizität erhält, fast als würde es von innen beleuchtet. Andere Lichtquellen erleichtern die Orientierung in Engelmanns Praxis: Ein Lichtstreifen auf der Kante macht eine Stufe kenntlich, beleuchtete Nummern zeichnen die drei Behandlungszimmer aus. Fritz' atmosphärische Lichtlösungen schaffen ein individuelles Ambiente für diese Praxis, das den Termin beim Zahnarzt fast wie einen Theater- oder Kinobesuch erscheinen lässt. Robert Uhde Grenadierweg 39, 26129 Oldenburg zm-Leserservice: Adressen mit Ansprechparnter (pdf-Datei, 11 kb) zm 96, Nr. 19, 01.10.2006, Seite 108-110 |