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Kombinierte nodale und extranodale Manifestation eines Malignen LymphomsMartin Kunkel, Robert Noelken |
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1.
Oktober 2007 - Es handelte sich um einen 67-jährigen Patienten unter
Immunsuppression nach Lebertransplantation. Das initiale Symptom der jetzigen
Erkrankungsepisode war eine derbe, schmerzlose Schwellung retromandibulär
(Abbildung 1), die dem Patienten seit etwa sechs Wochen aufgefallen war.
Nachdem diese Schwellung nicht durch ein odontogen entzündliches Geschehen
oder eine entzündliche Speicheldrüsenerkrankung erklärt werden
konnte, überwies der erstbehandelnde mund-, kiefer- und
gesichtschirurgisch tätige Kollege zur weiteren Diagnostik. Bereits alio
loco wurde eine eingehende Bildgebung mittels MRT und CT eingeleitet. Hierbei
zeigte sich im MRT (Abbildung 2) ein ausgedehntes Lymphknotenkonglomerat
cranio- und mediocervical rechts, entsprechend der klinisch beobachteten
Schwellung. In der CT-Untersuchung fiel außerdem eine Raumforderung an
der Innenseite des rechten aufsteigenden Unterkieferastes mit einem
flächigen Durchbruch der Kortikalis auf (Abbildungen 3 a und b). In der
sonographischen Diagnostik (Abbildungen 4 a und b) zeigten sich ausgedehnte,
echoarme Lymphknotenformationen ohne erkennbare Hilusstruktur.
Ohne klinische Hinweise auf ein Mundschleimhaut- oder Pharynxkarzinom war damit zunächst an einen regionär metastasierten Tumor lokaler Speicheldrüsen oder auch einen Tumor mesenchymaler oder neurogener Herkunft zu denken.
In Anbetracht der geringen Belastbarkeit des Patienten (Immunsuppression, Hämochromatose, Spinalkanalstenose und mehr) entschlossen wir uns zu einer Diagnosesicherung über die vergleichsweise risikoarme Entnahme eines regionären Lymphknotens. Intraoperativ stellte sich erwartungsgemäß ein ausgedehntes Lymphknotenkonglomerat unter dem M. sternocleidomastoideus dar, das in toto umfahren und entnommen wurde (Abbildungen 5 a und b). Im Anschnitt des Lymphknotens (Abbildung 6) stellte sich eine weitgehend homogene Oberfläche dar. Histologisch zeigte sich eine vollständige Auflösung der lymphknotentypischen Follikelstruktur. Das histomorphologische Bild (Abbildung 7) war geprägt durch Infiltrate einer pleomorphen, inhomogenen Zellpopulation, teilweise mit gelappten oder irregulär gefalteten Kernen und prominenter Chromatinstruktur. In der Immuntypisierung stellten sich diese Zellen positiv für den B-Zell-Marker CD20 dar. Damit ergab sich die abschließende Diagnose eines hoch malignen anaplastischen B-Zell-Lymphoms. Zur weiteren Therapie wurde der Patient daher der hämatologisch-onkologischen Klinik zugeleitet.
Diskussion In Deutschland treten derzeit jährlich rund 12 000 Neuerkrankungen maligner Lymphome, entsprechend etwa drei Prozent aller maligner Tumoren, auf [Rüdiger and Müller-Hermlink, 2002]. Es handelt sich ganz überwiegend um Neoplasien der B-Zell-Reihe, nur rund zehn Prozent sind der T-Zell-Reihe zuzuordnen [Hartmann et al., 2002]. Obwohl das führende Symptom maligner Lymphome im Kopf-Hals-Bereich die Lymphknotenschwellung (ohne adäquate Ursache) ist, entstehen hier rund ein Drittel der Lymphome primär extranodal und betreffen dann vor allem die lymphatischen Gewebe des Waldeyer-Rachenrings, die Nasennebenhöhlen und die Kopfspeicheldrüsen. Abgesehen vom Plasmozytom (Synonym: Multiples Myelom), dessen Entstehung praktisch ausschließlich den Knochen betrifft, sind primär enossale Manifestationen maligner Lymphome ausgesprochene Raritäten [Kunkel and Reichert, 2004; Ludwig, 2002]. In der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde stellen sowohl nodale als auch extranodale Manifestationen maligner Lymphome ein
Neben der generellen Problematik der unspezifischen Primärsymptomatik handelte es sich im vorliegenden Fall zusätzlich um die seltene Kombination eines simultanen extranodalen (Unterkiefer) und nodalen (mediocervical) Befundes. Eine derartige Konstellation lässt natürlich sehr viel eher an eine typische Befundsituation von Primärtumor und Metastase denken, zumal die vermeintliche Metastase im typischen lymphatischen Drainagegebiet aufgetreten war. Allerdings wirkt sich diese differentialdiagnostische Überlegung für den Patienten nicht nachteilig aus, da unabhängig von der Verdachtsdiagnose eines mesenchymalen-, neurogenen- beziehungsweise Speicheldrüsentumors oder eines malignen Lymphoms eine histologische Artdiagnose erforderlich war. Für die zahnärztliche Praxis soll diese Falldarstellung erneut auf die große Variabilität der klinischen Präsentation maligner Lymphome in der Kiefer-Gesichtsregion hinweisen, bei der insbesondere die Verwechslung mit chronisch entzündlichen Erkrankungen die Gefahr einer Diagnoseverschleppung birgt. Prof. Dr. Dr. Martin Kunkel Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Augustusplatz 2, 55131 Mainz E-Mail: kunkel@mkg.klinik.uni-mainz.de Dr. Robert Noelken Paradiesplatz 7-13, 88131 Lindau Literaturhinweis
zm 97, Nr. 19, 01.10.2007, Seite 52-54 |
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