Erstmanifestation eines follikulären Lymphoms in der Glandula parotisOliver Driemel, Rainer S. R. Buch, Torsten E. Reichert |
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Januar 2006 - Eine 77-jährige Patientin stellte sich mit einer seit
vier Monaten zunehmenden, schmerzlosen Schwellung der linken
Ohrspeicheldrüse bei einem niedergelassenen MKG-Chirurgen vor. Bei der
klinischen Untersuchung ließ sich ein etwa zwei Zentimeter (cm)
großer, prallelastischer, schmerzloser, gut abgrenzbarer und
verschieblicher Knoten im Bereich der linken Glandula parotis erkennen (Abb.
1). Ähnliche Veränderungen wurden submandibulär,
retroauriculär und nuchal links palpiert. Die Funktion des Nervus facialis
und seiner Äste zeigte sich uneingeschränkt. In der Sonographie der
Gesichts- und Halsweichteile konnten multiple scharf begrenzte Raumforderungen
mit gleichem, homogenem, echoarmem Reflexmuster dargestellt werden. Aufgrund
Zusätzlich fiel bei Erstvorstellung in unserer Klinik eine seit etwa 1,5 Jahren zunehmende Schwellung des linken Oberlides auf (Abb. 2). In der durchgeführten Kernspintomographie konnten multiple weichteildichte Raumforderungen im Bereich der Orbitae, der Temporalregion beidseits, der linken Ohrspeicheldrüse und supraclaviculär sowie nuchal links nachgewiesen werden, welche nach Kontrastmittel-Gabe durch eine kräftige, homogene Anreicherung ohne zentrale Nekrosen imponierten (Abb. 3 und 4). Auf Grund der generalisierten Lymphknotenschwellungen wurde nun differentialdiagnostisch eine systemische Lymphknotenerkrankung, zum Beispiel ein malignes Lymphom, eine Sarkoidose oder eine Tuberkulose, angenommen.
Diskussion Zirka 15 Prozent aller Speicheldrüsentumoren der Glandula parotis sind maligne [Barnes et al., 2005]. Schnelles Wachstum und frühe Lymphknotenmetastasierung bestimmen, ähnlich wie im vorliegenden Fall, das klinische Bild der Speicheldrüsenmalignome [Sungur et al., 2002]. In 40 bis 67 Prozent tritt später eine Funktionseinschränkung des Nervus facialis auf. Schmerzen, Ulzeration und Verbackung des Tumors mit den
Lymphome zählen neben Rhabdomyosarkomen zu den häufigsten malignen Tumoren des Kopf-Hals-Bereiches [Imhof et al., 2004]. Beim Erwachsenen sind weltweit etwa 22 Prozent aller Non-Hodgkin-Lymphome und 70 Prozent aller niedrig malignen Lymphome den follikulären Lymphomen zuzuordnen [Nathwani et al., 2001]. Primär machen sich diese durch schmerzlose LK-Schwellungen bemerkbar, die vor allem durch eine ungesteuerte Vermehrung von Lymphozyten entstehen [Nathwani et al., 2001; Vetter, 2005]. Häufig werden zusätzliche unspezifische Symptome (Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit) sowie eine erhöhte Infektanfälligkeit beobachtet [Cawson et al., 1998a]. B-Symptome (Gewichtsverlust, Temperaturerhöhung, Nachtschweiß) treten seltener auf als beim Hodgkin-Lymphom [Kaiser und Neubauer, 2002]. Das histopathologische Grading korreliert mit der Prognose (Grad 3 zeigt ein aggressiveres Wachstum als Grad 1 und 2) [Nathwani et al., 2001]. Der vorliegende Fall verdeutlicht die differentialdiagnostische Schwierigkeit bei unklaren Schwellungen im Bereich der Parotis und des seitlichen Halses. Die Parotisschwellung hatte in Kombination mit der cervikalen LK-Schwellung zunächst zur Verdachtsdiagnose eines Speicheldrüsentumors geführt. Erst die durchgeführte Bildgebung (Ultraschall, Magnetresonanztomographie) führte durch den Nachweis der multiplen Raumforderungen zur richtigen Verdachtsdiagnose und ermöglichte nach histopathologischer und immunhistochemischer Verifizierung das Einleiten der notwendigen Therapie. Grundsätzlich müssen entzündliche (Tuberkulose, Mononukleose, Zytomegalievirus, Borreliose) von nicht entzündlichen Lymphknotenerkrankungen (Sarkoidose) und anderen Raumforderungen (branchiogene Zysten, neurogene-, myogene- und lipogene Tumoren, Speicheldrüsenerkrankungen) unterschieden werden [Dünne und Werner, 2002]. Daher sollte bei Lymphknotenschwellungen, insbesondere bei multiplen persistierenden Läsionen, neben Metastasen auch die Möglichkeit von Manifestationen einer generalisierten Lymphknotenerkrankung, in die Differentialdiagnose mit einbezogen werden. Neben der Sonographie kann die Magnetresonanztomographie (MRT) einen wichtigen Beitrag zur Differentialdiagnose leisten [King et al., 2004]. Dr. Dr. Oliver Driemel Dr. Dr. Rainer S. R. Buch Prof. Dr. Dr. Torsten E. Reichert Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Franz-Josef-Strauß-Allee 11 93053 Regensburg
zm 96, Nr. 1, 01.01.2006, Seite 32-33 |
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