1. Januar
2007 - Die Zahl der Ausbildungsstellen in Zahnarztpraxen ist stetig
rückläufig. Wurden 1996 noch über 15 000 neue
Ausbildungsverträge abgeschlossen, waren es 2006 nur noch etwas mehr als
11 000. Doch der Trend wurde
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Neu abgeschlossene
Ausbildungsverträge für Zahnmedizinische Fachangestellte in
Deutschland 1996 bis 2006 (Stichtag: 30. September). Quelle: (Landes- und
Bezirks)Zahnärztekammern |
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im letzten Jahr abgebremst. Klar ist erkennbar:
Mangelnde Übernahmeperspektiven hemmen die Bereitschaft zur Ausbildung.
Die Gesundheitspolitik der letzten Jahre hat deutliche negative Folgen für
den Ausbildungsbereich gezeigt. So nannten Zahnärzte in einer Umfrage des
Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB) als Hauptgrund, warum nicht ausgebildet
wurde, die Befürchtung, den Azubi nach der Lehre aus finanziellen
Gründen nicht übernehmen zu können.
Der rückläufige Trend von neu abgeschlossenen
Ausbildungsverträgen für Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA)
hält zwar wie im Vorjahr auch im Jahr 2006 an, ist jedoch moderat und
konnte vermindert werden. Bundesweit wurden in diesem Jahr zum 30. September
insgesamt 11 332 Ausbildungsverträge für ZFA neu abgeschlossen (ABL:
9 932; NBL: 1.400).
Gegenüber dem Vorjahr haben die Ausbildungszahlen damit im Durchschnitt um
2,73 Prozentpunkte abgenommen (ABL: -3,85 Prozent; NBL: +6,06 Prozent).
Ausgehend von einem geringeren Ausgangswert, sind in den Neuen
Bundesländern insgesamt erstmals seit 2001 wieder deutliche prozentuale
Zugewinne zu verzeichnen.
Trotz einer sich insgesamt abzeichnenden Stabilisierung der Ausbildungszahlen
variieren die Zahlen einzelner Kammerbereiche zum Teil erheblich um den
Durchschnitts-wert. Stabile Werte bei den neuen Ausbildungsverhältnissen
finden sich unter anderem in Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen,
Rheinland-Pfalz und Niedersachsen.
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| Dr. Dietmar Oesterreich,
BZÄK-Vizepräsident: "Die Kollegen übernehmen eine hohe
soziale Verantwortung." |
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Dr. Michael Sereny,
BZÄK-Ausschussvorsitzender: "Viel Engagement ist
notwendig." |
Zugewinne gab es in Berlin, Saarland, Thüringen, Brandenburg, Bremen und
Schleswig-Holstein. Sachsen, Hessen, Bayern unter anderem hatten Verluste zu
verzeichnen.
Soziales Pflichtgefühl
30 Prozent der vom Bundesverband der Freien Berufe (BFB) im Rahmen seines
"Ausbildungsberichtes 2006" befragten Zahnärzte gaben an, nicht
auszubilden aus Sorge, den Azubi nach der Lehrzeit nicht übernehmen zu
können. "Jede Kollegin und jeder Kollege
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Neu abgeschlossene
Ausbildungsverträge für ZFA in den Jahren 2005 und 2006 (Stichtag:
30. September), Prozentuale Veränderungen zum Vorjahr
Quelle: (Landes- und Bezirks)Zahnärztekammern |
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übernimmt mit der Ausbildung eine hohe
soziale Verantwortung. Leider sind aber auch oftmals viele Bewerberinnen auf
Grund mangelnder schulischer Leistungen und fehlender sozialer Kompetenz nicht
für diesen verantwortungsvollen Beruf geeignet", so Dr. Dietmar
Oesterreich, Vizepräsident der BZÄK.
33 Prozent der Kollegen finden keine geeigneten Bewerber und 23 Prozent
empfinden die eigene Ausbildungsleistung als zu aufwändig und teuer.
"Das kann daran liegen" so Dr. Michael Sereny, Präsident der
Zahnärztekammer Niedersachsen und für zahnärztliche
Mitarbeiterinnen zuständiges Vorstandsmitglied der BZÄK, "dass
die Azubis der Praxis wegen der Berufsschule effektiv nur drei Tage pro Woche
zur Verfügung stehen". Es sind viel Engagement, Zeit und ein gut
funktionierendes Team erforderlich, um eine gute Ausbildung zu
gewährleisten. Insgesamt 29 Prozent der Kollegen decken ihren
Personalbedarf dann auch dadurch, dass sie schon ausgebildete Minijobber oder
Fachkräfte einstellen. Als niedergelassene Zahnärzte wissen
Oesterreich und Sereny um die wirtschaftliche
Situation ihrer Kollegen. Sie waren deshalb von den Ergebnissen des
BFB-Ausbildungsberichts nicht überrascht: "Die gesundheitspolitischen
Rahmenbedingungen und damit die wirtschaftliche Situation spielen in den Praxen
natürlich eine Rolle bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen."
Vorausschauende Planung
Über den Zeitraum der letzten 10 Jahre ist eine kontinuierliche Abnahme
von Einzelpraxen bei gleichzeitiger Zunahme von Gemeinschaftspraxen zu
beobachten. Hier sind zwar Effizienzeffekte bei der Personalplanung zu
beobachten, die sich auch auf die Einstellung von Auszubildenden auswirken.
Für Kollegen jedoch, denen in der Einzelpraxis die Ausbildung als zu teuer
erscheint, besteht die Möglichkeit der Verbundausbildung. Mit ihr
können sich mehrere Zahnärzte einen Azubi teilen, der dann in jeder
der Praxen einen Teil seiner Ausbildung absolviert. Um einem künftigen
Fachkräftemangel vorausschauend entgegenzuwirken - die demographische
Entwicklung lässt erkennen, dass ab 2010 ein deutlicher Rückgang bei
den Jahrgangszahlen der Jugendlichen, die für die Ausbildung zur
Verfügung stehen werden, eintritt - sollten sich auch die Freien Berufe
ohne sozialen Druck das Motto der gewerblichen Wirtschaft "Ausbilden geht
vor Übernahme" zu eigen machen, damit ein qualifizierter und am
Bedarf der zahnärztlichen Praxen in Deutschland orientierter
Mitarbeiter/Innen-Nachwuchs gewährleistet wird.
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| Gründe, warum in
Zahnarztpraxen nicht ausgebildet wird (in Prozent der Befragten,
Mehrfachnennungen möglich) Quelle: BFB-Ausbildungsbericht der Freien
Berufe 2006 |
Verlässlichkeit erforderlich
Zahnarztpraxen sind nach wie vor ein wichtiger Arbeitsplatzgarant und ein Motor
der beruflichen Ausbildung in Deutschland. "Eine
Über-Bedarfs-Ausbildung erfordert jedoch strukturelle Verbesserungen der
Standortbedingungen für die Zahnarztpraxen. Dafür sind sowohl
Kostenentlastungen als auch bildungs- und gesundheitspolitische
Verlässlichkeit notwendig", so Oesterreich. Sereny ergänzt:
"Wer mehr will, der muss Grundsätzliches ändern." Insoweit
stellen die Ausbildungszahlen der letzten Jahre nur eine um die
Über-Bedarfs-Ausbildung bereinigte Ausbildungsleistung dar und sind damit
ein Spiegelbild der permanenten Kostendämpfung im Gesundheitswesen, die
eine langfristige Personalplanung in den Praxen erheblich erschwert.
Dr. Sebastian Ziller
Leiter der Abt. Prävention und
Gesundheitsförderung der BZÄK
Chausseestrasse 13, 10115 Berlin
zm 97, Nr. 1, 01.01.2007, Seite 16-17
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