AS-Akademie - Studiengang abgeschlossen

Fit für die Freiberuflichkeit

 
1. Januar 2010 - 19 frisch gebackene "Manager of Health Care Systems" absolvierten erfolgreich den 5. Studiengang der AS-Akademie für freiberufliche Selbstverwaltung und Praxismanagement in Berlin. Doch bevor am 5. Dezember die Abschlussurkunden feierlich überreicht wurden, gab es am Ende des Studiums noch einmal Standespolitik geballt: Die Spitzenvertreter von BZÄK, KZBV, DGZMK und FVDZ standen in einer Diskussionsrunde Rede und Antwort zur Zukunft der freiberuflichen zahnärztlichen Tätigkeit nach der Bundestagswahl.

Feierliche Verabschiedung der Absolventen im Haus der BZÄK am 5. Dezember


Als Gast war der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Dr. Rainer Hess, geladen, der den Teilnehmern einen Überblick über die Aufgaben seiner Organisation gab. Im Vordergrund stehe derzeit die Arbeit an der sektorenübergreifenden Richtlinie zur Qualitätssicherung, erläuterte Hess.

BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel verdeutlichte, dass Gesundheitspolitik sowohl im nationalen wie auch im internationalen Kontext betrachtet werden müsse. Er sensibilisierte die Teilnehmer in Bezug auf die wachsende Durchökonomisierung des Gesundheitswesens auf Kosten der Leistungserbringer und der Patienten. Als bedenklich stufte Engel den Wildwuchs in der Fort- und Weiterbildung ein. Statt einer ausufernden "Masteristis" müsse der Generalist in der Zahnmedizin gestärkt werden. Engel skizzierte die gegenwärtigen Probleme bei der Umsetzung einer neuen Approbationsordnung, hier seien die Länder am Zuge. Eindringlich warnte der Präsident auch vor negativen Entwicklungen infolge der zunehmenden Akademisierung der Heilhilfsberufe und vor der Öffnungsklausel in der GOZ.

Auch DGZMK-Präsident Prof. Dr. Thomas Hoffmann brannte die Novellierung der Approbationsordnung unter den Nägeln. Die kapazitative Ausstattung an den Universitäten sei katastrophal, monierte er. Die Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland seien schlecht, immer mehr qualifizierte Hochschullehrer wanderten ins Ausland ab. Es gelte, die Missrelationen von Forschung und Lehre auszugleichen. Hoffmann hob den Schulterschluss von Standespolitik und Wissenschaft hervor, der sich in der Zusammenarbeit vor allem in den letzten Jahren bestens bewährt habe.

Die Feinheiten des Koalitionsvertrags analysierte der Vorsitzende des Freien Verbands, Dr. Karl-Heinz Sundmacher. Sollte tatsächlich ein Umlagesystem in ein Prämiensystem überführt werden, so sei das ein "Meilenstein", den es aber auf jeden Fall ernsthaft zu prüfen gelte. Er wies darauf hin, dass in den letzten Jahren stetig steigende
Standespolitische Diskussion: Dr. Ziller, Dr. Sundmacher, Dr. Engel, Prof. Tiemann, Prof. Hoffmann und Dr. Fedderwitz (v.l.n.r.)
Steuermittel in das Gesundheitswesen gepumpt worden seien, sprach sich aber gegen ein anonymes Gießkannenprinzip aus und empfahl, die Kostenerstattung von bürokratischen Hindernissen zu befreien.


Selbstverantwortung
Angesichts der GKV-Kassenlage hält der Vorsitzende der KZBV, Dr. Jürgen Federwitz, ein Wiederaufleben der Diskussion um die Herausnahme des Zahnersatzes aus der GKV für möglich. Aus ökonomischer Sicht bestehe Konsens, dass dieser Bereich noch am ehesten in die Selbstverantwortung des Patienten überführt werden könne, sagte Fedderwitz. Zudem seien weite Teile der Zahnersatz-Versorgung bereits im Bereich der Zahnzusatzversicherungen abgesichert. Der KZBV-Vorsitzende skizzierte die Diskussion um Selektivverträge und warnte die Teilnehmer vor Gefahren und Wettbewerbsverzerrungen. Vermeintliche Vorteile würden sich sehr schnell als nachteilig für die Kollegenschaft (Honorarabsenkungen) entpuppen. Ausführlich legte er den Studienabsolventen das von der KZBV entwickelte ausgeweitete Festzuschussmodell dar. pr

 

Feierliche Abschlussfeier am 5. Dezember

Zur Verleihung der Zertifikate überbrachte der neue BZÄK-Hauptgeschäftsführer, RA Florian Lemor, Glückwünsche im Namen von BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel. Dr. Prof. rer. pol. Eberhard Wille, Vorsitzender des Sachverständigenrates für die Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen hielt einen umfangreichen Gastvortrag zu „Stand und Entwicklungsperspektiven im deutschen Gesundheitswesen“. Wille erläuterte den Teilnehmern der 5. AS-Akademie aus seiner Sicht Aspekte des umstrittenen Gesundheitsfonds. Der Fonds habe den Wettbewerb unter den Kassen erhöht und dazu geführt, dass diese nicht mehr nur um gesunde und wohlhabende Mitglieder konkurrieren. Auch in den Selektivverträgen sehe Wille ein qualitatives Wettbewerbsinstrument. Die KVen hätten die Möglichkeit, durch höhere Lohnzahlungen im Wettbewerb mit Anbietern von Selektivverträgen zu bestehen. Zukünftig erwarte er einen Rückgang der stationären Versorgung – gleichzeitig werde die Betreuung in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) zunehmen. Hier müsse ein fairer Wettbewerb stattfinden.

Dr. Peter Kriett, Vorstandsvorsitzender der KZV Schleswig-Holstein, verwies in seinem Grußwort auf die Bedeutung der AS-Akademie. Es sei notwendig, dass Zahnärzte ihre Chance zum Erwerb von Zusatzqualifikationen wahrnehmen. Qualifizierung durch eine Trägerkörperschaft wie die AS-Akademie gewährleiste die professionelle Selbstverwaltung auch für die Zukunft.

Prof. Burkhard Tiemann, Geschäftsführender Direktor des IDZ und Wissenschaftlicher Leiter der AS-Akademie, moderierte die Abschlussfeier des 5. Studiengangs und übergab gemeinsam mit Dr. Sebastian Ziller, Geschäftsführer der AS-Akademie, die Urkunden an alle Absolventen. „Die Selbstverwaltung lebt davon, dass sie aus dem Berufsstand heraus professionell betrieben wird“, erklärte Tiemann während der Verleihung. Der 1. Vorsitzende der Alumni ZA Rüdiger Winkelmann aus Espelkamp lud alle Absolventen für die Zeit nach der AS-Akademie zum Erfahrungsaustausch und zur Alumni-Zusammenarbeit ein. sf

Mehr zur AS-Akademie unter: www.zahnaerzte-akademie-as.de


zm 100, Nr. 1, 01.01.2010, Seite 18-19