![]() 1. Januar 2010 |
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Internationale Forschung griffig aufbereitetNeues aus der Welt der WissenschaftWeltweit wird auf dem Gebiet der Zahnmedizin geforscht und weltweit werden diese Forschungsergebnisse in Fachzeitschriften publiziert. Aber welcher Zahnarzt schafft es zeitlich, alle Veröffentlichungen zu lesen, selbst wenn sie noch so interessant sind. Deshalb haben Fachleute hier die wichtigsten aktuellen Arbeiten, die auch für den täglichen Praxisablauf relevant sind, kurz zusammengefasst.Konservierende Zahnheilkunde Linderung bei sensiblen ZahnhälsenIn der vorliegenden Untersuchung wurde die Wirksamkeit von drei Desensibilisierungsmitteln bei der Linderung von Dentinüberempfindlichkeiten überprüft.Aufgrund der Veränderung der Altersstruktur unserer Gesellschaft stellt die Überempfindlichkeit freiliegenden Dentins am Zahnhals, an Kronenrändern oder an Wurzeloberflächen zunehmend ein Problem für den praktisch tätigen Zahnarzt dar. Neben der Aufklärung des Patienten hinsichtlich der Mundhygiene und des Ernährungsverhaltens können verschiedene Substanzen zur
Desensibilisierung auf die Dentinflächen appliziert werden. Im Rahmen der
vorliegenden Studie wurde untersucht, ob die Anwendung drei verschiedener
Desensibilisierungsmittel auf freiliegendem Dentin die
Dentinüberempfindlichkeit bei Personen mit leichter bis mäßiger
Überempfindlichkeit wirksam reduziert. 60 Patienten mit anamnestisch
bekannter Dentinüberempfindlichkeit wurden zu Beginn auf ihre
Schmerzreaktion auf Luftstrom und auf thermische Reize untersucht und die
Ergebnisse durch Vergabe von 0-10 Punkten auf einer visuellen Analogskala
protokolliert (0 Punkte = "keine Schmerzen", 10 Punkte =
"unerträgliche Schmerzen"). Die Patienten wurden dann
zufällig einer der drei Behandlungsgruppen zugeteilt oder mit einem
Placebo behandelt. Als Desensibilisierungsmittel fanden Seal&Protect
(Dentsply DeTrey), Vivasens (IvoclarVivadent) und BisBlock (BISCO) Anwendung;
destilliertes Wasser diente als Placebo. Die Patienten wurden vier Wochen nach
Applikation des Desensibilisierungsmittels wieder einbestellt und erneut
untersucht. Die Ergebnisse wurden statistisch mittels Kruskal-Wallis-Test,
Mann-Whitney-U-Test sowie dem Friedman- und Wilcoxon-Test ausgewertet. Zwischen
den Ergebnissen der Placebo-Gruppe und den Behandlungsgruppen gab es
signifikante Unterschiede. Die Wirksamkeit der drei Desensibilisierungsmittel
war jedoch nicht signifikant unterschiedlich. Für die Behandlung von
Dentinüberempfindlichkeiten scheinen alle drei getesteten Mittel
gleichermaßen geeignet zu sein. Quelle: Pamir T., Dalgar H., Onal B.: Clinical Evaluation of Three Desensitizing Agents in Relieving Dentin Hypersensitivity. Operative Dentistry 32(6): 544-548, 2007 Prothetik Langfristige Haltbarkeit von KeramikersatzEine retrospektive Studie der Universität Marburg untersuchte die Überlebensrate von IPS Empress-Inlays und -Teilkronen nach zehn Jahren in Abhängigkeit von verschiedenen Behandlungsparametern.Zahnärzte werden mit einer zunehmenden Nachfrage nach zahnfarbenen Restaurationen als Alternative zu Metall- oder Metallkeramik-Restaurationen konfrontiert. Durch die Entwicklung neuer Materialien wird versucht, systembezogene Probleme der Keramikmaterialien, wie mangelnde Passgenauigkeit, Frakturempfindlichkeit und erhöhter Abrieb am Antagonisten, zu lösen. Bei der vorliegenden retrospektiven Untersuchung der Universität Marburg wurden alle IPS Empress-Restaurationen, die zwischen 1991 und 2001 gelegt wurden, nachuntersucht und die Ergebnisse statistisch ausgewertet. Während des Beobachtungszeitraums wurden 1 624 Inlay- und Teilkronen-Restaurationen bei 643 Patienten mit Variolink unterschiedlicher Viskosität eingesetzt (Variolink versus Variolink ultra). Alle Restaurationen wurden systematisch in einer Datenbank erfasst und die zugehörigen Akten farblich markiert. Zum Recall-Ende (2001) wurde überprüft, ob die Restaurationen in Funktion sind beziehungsweise aus welchem Grund sie verloren gingen. Die Ergebnisse wurden in der Datenbank vermerkt. Die Überlebensrate der Restauration wurde mittels Kaplan-Mayer- Methode berechnet. 346 Restaurationen (21,3 Prozent) standen nicht für eine Nachuntersuchung zur Verfügung. Während des gesamten Zeitraums gingen 53 Restaurationen verloren. Misserfolge traten infolge von Frakturen, von endodontischen Problemen und aufgrund von Zementierungsfehlern auf. Die mittlere Überlebenszeit betrug 108 Monate. Die Überlebenswahrscheinlichkeit von Teilkronen war signifikant geringer als die von Inlays und Veneers. Restaurationen bei vitalen Zähnen hatten eine Überlebenswahrscheinlichkeit von 82 Prozent; bei devitalen Zähnen lag die Überlebenswahrscheinlichkeit bei 53 Prozent. Keine signifikanten Unterschiede gab es bei der Überlebenswahrscheinlichkeit von Restaurationen, die von Studenten beziehungsweise von Zahnärzten angefertigt wurden. Auch die Viskosität des Befestigungskomposits hatte keinen signifikanten Einfluss auf die Haltbarkeit der Restaurationen. Quelle: Stoll R., Cappel I., Jablonski-Momeni A., Pieper K., Stachniss V.: Survival of Inlays and IPS Empress After a 10-year Observation Period and in Relation to Various Treatment Parameters. Operative Dentistry 32(6): 556-563, 2007 Kinderzahnheilkunde Bakterizide Wurzelfüllungen bei MilchzähnenDie antimikrobielle Wirksamkeit ist ein wesentliches Kriterium bei der Beurteilung verschiedener Wurzelfüllmaterialien in der Milchzahn-Endodontie.Das primäre Ziel der Wurzelkanalbehandlung eines Milchzahns ist die Beseitigung der Infektion und der Erhalt des Zahnes in seiner Funktion bis zur natürlichen Exfoliation ohne Schädigung des bleibenden Zahnes oder des allgemeinen Gesundheitszustands des Kindes. Aufgrund der Komplexität des Wurzelkanalsystems von Milchzähnen ist die chemo-mechanische Aufbereitung problematisch und die Erfolgswahrscheinlichkeit der Wurzelkanalbehandlung weniger hoch als bei bleibenden Zähnen. Der Erfolg endodontischer Maßnahmen bei infizierten Milchzähnen kann unter anderem durch eine potenziell bakterizide Wirksamkeit des Wurzelfüllmaterials positiv beeinflusst werden. Der Sealer muss auch die Eigenschaft besitzen, gleichzeitig mit der Wurzel des Milchzahns resorbiert zu werden. In dieser Studie wurde die antimikrobielle Wirksamkeit von fünf Wurzelfüllmaterialien und einer negativen Kontrolle gegenüber 26 Bakterienstämmen mittels Agardiffusionstest geprüft. Dabei kamen drei nicht standardisierte Bakterienstämme sowie 23 Bakterienstämme, die aus infizierten Wurzelkanälen von Milchzähnen isoliert wurden, zur Anwendung. Alle 26 Bakterienstämme wurden klassifiziert in aerobe/anaerobe und grampositive/gramnegative Stämme. Geprüft wurden folgende Sealer: Zinkoxid und Eugenol (ZOE), Zinkoxid-Eugenol und Formokresol (ZOE+FC), Kalziumhydroxid und steriles Wasser (Ca(OH)2+H2O), Zinkoxid und Kampherphenol (ZO+CP), Kalziumhydroxid und Iodoform (Metapex) und Vaseline (Kontrolle). Bei dem Agardiffusionstest wurden pro Agar-Platte drei Materialien auf Hemmung des Bakterienwachstums geprüft. Für die Auswertung wurden die Hemmzonen in vier Kategorien eingeteilt. Die Ergebnisse wurden statistisch mittels ANOVA ausgewertet. Alle Materialien mit Ausnahme von Vaseline zeigten eine, wenn auch unterschiedlich starke, antimikrobielle Aktivität gegenüber den getesteten Bakterien. Zinkoxid-Eugenol und Formokresol hemmten das Wachstum der meisten Bakterienstämme am stärksten im Vergleich zu den anderen Materialien. Metapex und Vaseline wirkten nicht hemmend auf das Bakterienwachstum. Bei der klinischen Anwendung ist jedoch auch die Toxizität der Materialien mit in Betracht zu ziehen, so dass eine eindeutige Empfehlung für ein geeignetes Präparat aufgrund dieser Untersuchung schwerfällt. Quelle: Reddy S., Ramakrishna Y.: Evaluation of Antimicrobial Effi- cacy of Various Root Canal Filling Materials Used in Primary Teeth - A Microbiological Study. The Journal of Pediatric Dentistry 31(3): 193-198, 2007 Kinderzahnheilkunde Medikation von ängstlichen und unruhigen KindernDie vorliegende Untersuchung verglich die Wirkung von Midazolam, Propofol und Ketamin bei der Sedierung unkooperativer Kinder während zahnärztlicher Maßnahmen.Zahnärzte werden häufig mit dem Problem konfrontiert, ängstliche und unruhige Kinder behandeln zu müssen. Solche Kinder werden oft sedativ vorbehandelt, um eine zahnmedizinische Behandlung überhaupt erst zu ermöglichen. Die Wirksamkeit und Sicherheit intravenös verabreichter kurz wirksamer Sedativa (Midazolam,
Propofol und Ketamin) war Gegenstand dieser Studie. Insgesamt 30 unkooperative
Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren wurden in diese Studie einbezogen.
Die Wirksamkeit von drei Wirkstoffgruppen wurde hinsichtlich des
Wirkungseintritts der Sedation, der Wirkdauer, aufgetretener Nebenwirkungen und
des gesamten kooperativen Verhaltens des Kindes während der Behandlung
beurteilt. Die Ergebnisse zeigen, dass Propofol über einen schnellen
Wirkungseintritt verfügt, jedoch wurden erhöhte körperliche
Unruhe, Schreien, Injektionsschmerz und vorübergehender Husten als
häufige Nebenwirkungen beobachtet. Midazolam zeigte die längste
Wirkdauer, war aber aufgrund der erhöhten körperlichen Unruhe und des
Schreiens für die zahnärztliche Behandlung weniger geeignet. Die
beste Kooperation konnte bei Gabe von Ketaminen beobachtet werden, bei denen
auch keine unerwünschten Nebenwirkungen auftraten. Aufgrund der Ergebnisse
dieser Studie sollten Ketamine zur Sedierung von Kindern bevorzugt und diese in
Kombination mit anderen Sedativa in weiteren Studien untersucht werden. Quelle: Rai K., Hegde A. M., Goel K.: Sedation in Uncooperative Children Undergoing Dental Procedures: A Comparative Evaluation of Midazolam, Propofol and Ketamine. The Journal of Clinical Pediatric Dentistry 32(1): 25-29, 2007 Dr. med. dent. Birgit Wirthgen Charité ,Universitätsmedizin Berlin CharitéCentrum 3 für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Abteilung für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie Aßmannshauser Str. 4-6 14197 Berlin birgit.geitel@charite.de www.charite.de/zahnerhaltung zm 100, Nr. 1, 01.01.2010, Seite 44-45 |