16. Oktober
2006 - Anlässlich einer außergewöhnlichen Feierstunde
hat die Landeszahnärztekammer Westfalen-Lippe den Apollonia-Preis an die
Berliner Zahnärztin Kirsten Falk verliehen. Damit sollte nicht nur ihre,
sondern auch die Arbeit des ganzen Teams, das zum größten Teil
ehrenamtlich obdachlose Mitbürgerzahnärztlich versorgt und ihnen auch
ein Ohr für ihre Probleme bietet und entsprechend ihrer Nöte
weiterhilft, geehrt und dafür gedankt werden.
| Kirsten Falk wird durch Dr. Dieckhoff (li.)
und BZÄK-Präsident Weitkamp (re.) dafür geehrt, dass sie und ihr
Team es in jahrelanger Arbeit geschafft haben, die Bürokratiehürde zu
erklimmen, um heute in einer wohl organisierten Praxis Patienten, die am Rande
der Gesellschaft stehen, zu behandeln und damit zahnmedizinisch zu
rehabilitieren. |
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Im Rahmen eines feierlichen Festaktes im Hause des Berliner Versorgungswerks
Zahnärzte und am Sitz der Bundeszahnärztekammer wurde mit geladenen
Gästen die Übergabe des diesjährigen Apollonia-Preises begangen.
Nach den Vorjahrespreisträgern, herausragenden Persönlichkeiten des
Öffentlichen Lebens, wie Professor. Dr. Dr. Karl Kardinal Lehmann und
Professor Dr. Roman Herzog, hatte der Vorstand der Stiftung "Apollonia zu
Münster" dieses Mal eine Berliner Zahnärztin als
preiswürdig erachtet, wie der Stiftungsvorsitzende Dr. Walter Dieckhoff,
in seiner Festrede erläuterte. Die Stiftungsstatuten, die unter
Gründungsinitiative von Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, heute Präsident
der BZÄK, erstellt wurden, sehen für den Preis Personen vor, die sich
in entscheidender Vorbildfunktion für die Belange von
Hilfsbedürftigen einsetzen.
Kirsten Falk, 39 Jahre alt und Mutter einer heute sechsjährigen Tochter,
ist niedergelassene Zahnärztin in Berlin Lichtenberg. Bereits in den
Jahren 1998/1999 begann sie, sich für Menschen zu interessieren, die am
Rande der Gesellschaft stehen. In ihrem Bezirk traf sie viele davon an, nur
kamen sie nicht zu ihr in die Praxis. Also nahm die junge Frau damals Kontakt
zu einer Obdachlosenhilfe-Organisation (MUT) auf und
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Ich freue
mich ganz besonders, dass die Preisträgerin eine Frau ist! Karin Reismann,
erste Bürgermeisterin der Stadt Münster |
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bot ihre Hilfe an. Dann ging alles ganz schnell.
Mit ihrem bescheidenen Wesen aber starken Durchsetzungswillen überzeugte
sie nicht nur die Ämter und ärztlichen Kollegen der MUT, sondern auch
die Zahnärztekammer Berlin und ihren Ehemann. Denn was nun kam, lag auf
der Hand: Alle Freizeit verbrachte Kirsten Falk damit, eine Zahnarztpraxis
einzurichten. Und das ausschließlich aus Spendengeldern und Sachspenden.
Unterstützt durch Privatpersonen, die durch Presseveröffentlichungen
auf das Projekt aufmerksam wurden, viele Sachspenden von Zahnärzten und
Verbrauchsmaterialien sowie Gerätespenden von Dentalfirmen gelang es ihr
schließlich, einen Behandlungsstuhl und das nötige Drumherum, wie
Röntgengerät und mehr, in Betrieb zu nehmen. Da die Praxis in den
Räumen einer Obdachlosen-Suppenküche direkt am Bahnhof Lichtenberg
untergebracht ist, war schon mal gewährleistet, dass die Patienten auch
kamen. Zuerst zum Essen, dann, wenn sie das wichtigste Bedürfnis gestillt
hatten, auch zum Duschen, Kleiderwechsel und schließlich zum
Gespräch mit dem Sozialpersonal sowie dem Allgemeinmediziner. Wenn ein
zahnärztliches Problem bekannt wurde, trat Falk auf den Plan, und war es
nicht ihr "Bohrtag", dann einer ihrer vielen ehrenamtlich
tätigen zahnärztlichen Kollegen und das Praxispersonal. Bis heute
kann die
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Sie lebt
in vorbildlicher Weise das "Genfer Gelöbnis" vor.. und ist sich
für nichts zu schade... Kammerpräsident Dr. Wolfgang Schmiedel in
seiner Dankesrede |
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Praxis, die inzwischen auch einen Ableger am
Ostbahnhof bekommen hat, auf 12 000 Konsultationen zurückblicken und auf
viele Patienten, die durch den Einsatz des zahnärztlichen MUT-Teams den
Weg zurück in ein normales Leben gefunden haben. Denn ohne Zähne
beziehungsweise Zahnersatz ist das heute so gut wie ausgeschlossen.
Zum heutigen zahnärztlichen Team gehören die Preisträgerin, der
ehemalige Berliner Kammerpräsident Dr. Christian Bolstorff und ein neuer
Kollege, der nach vielen Verhandlungen mit dem Senat mit einem
30-Stunden-Vertrag über einen Sonderfonds finanziert wird.
sp
zm 96, Nr. 20, 16.10.2006, Seite 30
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