Jubiläum
einer Erfolgsgeschichte Metallkeramik - ein halbes Jahrhundert im Dienste der PatientenThomas Kerschbaum |
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Die Anfänge Jahrhundertelang hat man es vermieden - teils unter Inkaufnahme von Schmerzen und erheblichen Nachteilen - in solch peinliche Situationen zu geraten, geschweige denn sie willentlich herbeizuführen. So wurde von George Washington berichtet, dass er Galadiners kurzfristig verlassen musste, um seine Prothese von Speiseresten zu befreien. Viele Erfindungen und kleine Verbesserungen fügten Stein auf Stein in der Kronen-/Brücken- und Prothesentechnologie. Viel Aufwand wurde getrieben, um im sichtbaren Bereich festsitzenden Zahnersatz herzustellen und zu verblenden (vergleiche einige historische Beispiele in Abbildung 1): Die Richmond-Krone (1897), die abnehmbare Brücke nach Dexter (1883), Williams Kronen von 1884 oder die Logan Krone (1885), die Verblendkrone nach Heitmüller (1892), die gefensterte Eckzahnkrone nach Jung (1897) und die Porzellan-Jacketkrone nach Land (1903) waren Erfindungen einer aufblühenden Kronen- und Brückentechnik, die um die Jahrhundertwende echten Fortschritt in die Zahnheilkunde gebracht haben. Dieser Trend setzte sich in den Zwanzigerjahren fort. Der erste Brennofen wurde um 1935 erfunden, Facettenkronen Anfang der Vierzigerjahre eingeführt [Carmichel] und Kunststoff als Verblendmaterial 1937/38. Denés von Mathé berichtete 1933 von dem ungarischen Zahnarzt Hejcman, der mit emaillierten Kronen gute Erfolge erzielt haben will, eine Technik, die wohl bereits vom Urvater der Zahnmedizin Fauchard (1728) ausprobiert wurde. Durchbruch der VMK-Technik 1956 - also nunmehr vor einem halben Jahrhundert - wurde mit den Arbeiten von Silver, Klein,
MK als Goldstandard Die metallkeramische Kronen- und Brückentechnik hat sich vor allem deswegen durchgesetzt, weil sie in der Lage war, alle prothetischen Indikationen (Kronen, Brücken, Kombinationsersatz mit Fräsungen, Geschiebetechnik) abzudecken und dabei gleichzeitig eine dauerhaft befriedigende und beständige Ästhetik zu liefern. Eine sichere Verblendung und Gestaltung von Okklusalflächen war jetzt möglich und wurde nach anfänglichem Zögern (bedingt durch den Widerstand gnathologisch orientierter Zahnärzte) genutzt. Die klassische Metallkeramik (Abbildung 4) beherrscht die Kronen- und Brückentechnik derzeit noch zu 90 bis 95 Prozent [Dezelizc und Marinello, 2006].
Langzeiterfahrungen sind exzellent Langzeitstudien haben belegt (Abbildung 5), dass der Einsatz der MK ökonomisch sinnvoll ist, weil sie im Vergleich zur primär preisgünstigeren Kunststoffverblendtechnik nach rund acht Jahren ihre Kosten schon eingespielt hat [Kerschbaum und Mit., 1997]. Im Verlaufe der Zeit hat man gelernt, dass hochgoldhaltige Edelmetalllegierungen gut geeignet sind, die Haftung der Keramik zu bewahren. Inzwischen liegt eine ganze Anzahl von Langzeitstudien über eine Dekade vor. Sie zeigen, dass die Metallkeramik die meisten Wünsche erfüllt hat. Es haben sich gut untersuchte Systeme herauskristallisiert, die heute mit langjährigen Garantien für den Patienten werben, wie das 1993 eingeführte "GoldenGate System" von DeguDent. Wir haben dieses führende System in einer Praxis (zwei Zahnärzte), die es seit August 1993 im Praxislabor ausschließlich einsetzte, mit 2 898 verblendeten Einheiten untersucht und nach zehn Jahren nur wenige Mängel entdeckt. Die Überlebenskurve (Abbildung 6) in Bezug auf Keramikabplatzungen zeigt, dass nur 3,4 Prozent Keramikschäden nach zehn Jahren Tragedauer aufgetreten sind, davon hatte aber nur ein Prozent wirklich fatale Folgen. Das heißt, die Restaurationen mussten aufgrund der Schwere des Schadens ausgetauscht werden. In allen übrigen Fällen konnte das Problem durch Beschleifen und Nacharbeiten mit Komposit (Abbildungen 7, 8) behoben werden. Galvanokronen Galvanokeramische Kronen haben sich zu einem geringen Prozentsatz etabliert; ihr Vorteil wird vor allem in der besseren Ästhetik [Warmton des Goldes] und Biokopatibilität (fast reines 99,9 Prozent Au) gesehen. Sie erfüllen praktisch nur die Einzelkronenindikation (neben der Teleskoptechnik), ein Hauptgrund für die eingeschränkte Anwendung. Dem System fehlt die Universalität der Metallkeramik. In der Verarbeitung und praktischen Anwendung ist das System weniger robust als die klassischen gegossenen, sehr steifen hochgoldhaltigen Gerüstlegierungen. Langzeitdaten über mehr als zehn Jahre weisen aber auch auf einen sehr guten Erfolg hin [Borchard, Kerschbaum, in Vorbereitung,
Weitere Verbesserungen erwünscht Drei Einschränkungen begleiten die Erfolgsgeschichte Metallkeramik bis heute: Der wichtigste Grund, warum die Keramik sicher auf der Gerüstoberfläche haftet, ist die mechanische Verzahnung der Keramik mit der Metalloberfläche. Nicht zuletzt die Galvanotechnik hat dazu geführt, dass die ursprünglich hoch bewertete chemische Bindung herabgestuft wurde. Aufgrund vieler Statistiken muss man heute die Abplatz- beziehungsweise Defektrate in der Größenordnung von drei bis fünf Prozent nach zehn Jahren ansetzen, während man sie ursprünglich im Promillebereich wähnte [Voss, 1970]. Mit dieser Rate kann man leben; sie wird uns bei der Haftung der Verblendkeramik für Zirkonoxid- und Aluminiumoxidgerüste wieder begegnen. Verblendkeramiken sind allesamt schwache Keramiken und sollten daher nicht in voluminösen Schichten aufgebracht werden. Im Übrigen hat sich gezeigt, dass keramische Defekte über die gesamte Tragedauer auftreten; eine Häufung von "Früh- oder Spätsprüngen" haben wir nicht beobachtet. In der Abbildung 7 ist ein solch missliches Ereignis nach wenigen Tagen Tragedauer dargestellt, in der Abbildung 10 nach zehn Jahren Nutzung. Hinsichtlich der Ursachen wird eine breite Palette von Möglichkeiten diskutiert: Sie beginnt bei der unsachgemäßen Vorbereitung der Gerüste und endet bei der Rissausbreitung in massiven Verblendkeramikschichten.
Die Tatsache, dass sich um metallkeramische Kronen, die in Kontakt mit der Gingiva stehen - in Abhängigkeit von der verwendeten Legierung - nicht selten gräuliche Metallsäume zeigen oder Metall durchschimmert, hat vielfach Anlass zu Diskussionen gegeben und zu Verbesserungsvorschlägen geführt. Sogar über eine Intoxikation durch Metallionen wurde spekuliert. Soweit dem Autor bekannt ist, hat bisher niemand den Beweis dafür angetreten. Es blieb bei der Beschreibung [Rechmann, 1994], dass letztlich um jede metallische Restauration Spuren (Ionen) und/oder Metallpartikel zu finden sind. Den Stand der Wissenschaft haben Wataha und Mitarabeiter (2001) und Geurtsen und Mitarbeiter (2003) in einer Übersicht zusammengetragen. Dabei bleibt nichts übrig, was zu Gefahrenmeldungen Anlass gibt. Dennoch haben sich das potentielle Risiko einer Metallschädigung und die Minderung der Ästhetik im Saumbereich zu Hauptargumenten für vollkeramische Restaurationen entwickelt. Allseits verblendete metallkeramische Restaurationen, wie in Abbildung 13 vorgestellt, wurden von einigen als Alternative gesehen. Damit die ästhetischen Vorteile dann auch voll zur Geltung kommen, schlug der verstorbene Züricher Prothetiker Peter Schärer vor, sie konsequenterweise auch adhäsiv zu zementieren - ein hoher Aufwand.
Systemwechsel zur Vollkeramik Nichts ist so gut, dass man es nicht verbessern kann. So, wie die restaurative Zahnheilkunde in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts einen Systemwechsel zur Metallkeramik vollzogen hat, so wird sich vermutlich bald in den Ländern, in denen man sich eine aufwändige Zahnheilkunde leisten kann, ein Wechsel zu vollkeramischen Restaurationen vollziehen. Schon heute lässt sich sagen, dass adhäsiv zementierte Einzelkronen aus Press- und Glaskeramiken und Kronen aus Cercon, die konventionell zementiert wurden, auch unter Praxisbedingungen die gleichen Erfolgsraten erreichen wie metallkeramische Restaurationen. Da Zirkonoxid erst seit fünf Jahren auch für weitspannige Konstruktionen im Seitenzahnbereich verwendet wird, liegen uns naturgemäß keine Erfahrungen über eine so lange Zeit vor, wie wir sie mit dem GoldenGate System gewinnen konnten. Ob sich die Erfolgsgeschichte der Metallkeramik in Zukunft in ähnlicher Weise an vollkeramischen Brücken wiederholen lässt, ist abzuwarten. Nach den Daten, die uns heute schon vorliegen, bin ich in dieser Hinsicht jedoch optimistisch. Prof. Dr. Thomas Kerschbaum, Zentrum für Zahn-Mund- und Kieferheilkunde Kerpener Str. 32,50931 Köln T.Kerschbaum@uni-koeln.de zm 96, Nr. 20, 16.10.2006, Seite 44-50 |
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