16. Oktober
2007 - Der Donnerstag ist sein Tag. Dann erscheinen mindestens drei
Pfund druckfrisches Papier, das, wenn man es aufs
|
|
|
 |
|
Kammerpräsident Dr. Michael
Rumpf überreicht Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur "Die Zeit",
den Hildegard-von-Bingen-Preis der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz
für seine herausragenden journalistischen Leistungen. Im Hintergrund
applaudiert Helmut Ahrens, Publizist und Pressesprecher der Kammer RP. Er
feierte im Anschluss den Preisträger mit einer brillianten
Laudatio. |
|
|
chlägt, "ein ganzes Zimmer
füllt". So die Kurzcharakteristik des diesjährigen
Preisträgers des renommierten Hildegard-von-Bingen-Preises der
Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur
der Wochenzeitung "Die Zeit".
Mainz, die Stadt der Buchdruckerkunst mit dem Gutenbergmuseum, ist
prädestiniert für eine Preisverleihung "wie sie selten ist
für eine bewusste und verantwortungsvolle Presse und vorbildlichen
Journalismus", so führte Kammerpräsident Dr. Michael Rumpf in
eine außergewöhnliche Veranstaltung ein. Sie ist schon Tradition
geworden, die kleine Feier mit besonderem Glanz im Erbacher Hof zu Mainz, bei
der alljährlich herausragende Persönlichkeiten aus Print, Funk oder
Fernsehen mit dem Hildegard-von-Bingen-Preis für ihre herausragenden
Leitungen ausgezeichnet werden. "Ein froher Tag, an dem wir über den
Tellerrand der Profession hinwegschauen können, um uns einzugliedern in
die Gesellschaft aller, die um die Bedeutung des freien Wortes und der freien
Presse wissen. Mir als Freiberufler ... ist bewusst, dass es einen freien
Beruf, einen freien Bürger, nur in einer Gesellschaft geben kann, in der
das freie Wort, also die Pressefreiheit gilt!", so Rumpf weiter.
|
 |
|
|
|
|
|
|
Macher von
der Pike auf
Giovanni di Lorenzo wurde am 9. März 1959 in
Stockholm als Sohn eines Italieners und einer Deutschen geboren. Ein echter
Europäer!
Die ersten Jahre wächst er in Italien auf, kommt dann als Elfjähriger
nach Deutschland, besteht 1979 in Hannover sein Abitur und tritt noch im selben
Jahr in die Redaktion der" Hannoverschen Neuen Presse" ein. Nach
Hannover folgt München, wo er ein Studium der Kommunikation,
Politikwissenschaft und neueren Geschichte aufnimmt. 1987 verfasst di Lorenzo
dann seine Abschlussarbeit über das Privatfernsehen in Italien am Beispiel
von Silvio Berlusconis Medien-Imperium, was seine Liebe zu Italien dokumentiert
und seine väterlichen Wurzeln deutlich macht.
Seine ersten Arbeiten erscheinen im Fernsehen, im Buch schreibt er die
Biografie eines Radikalen. Im Bayrischen Rundfunk moderiert di Lorenzo die
Sendung "Live aus dem Alabama".
Es folgen prachtvolle Zeitungsjahre: 1985 bis 1986 begleitet er
äußerst innovativ die Neugestaltung der "Süddeutschen
Zeitung" sowie des "Münchener Stadtanzeigers", in der
Süddeutschen schreibt er relevante Themen zur Innenpolitik. Er nimmt
nebenher einen Lehrauftrag an der Münchener Universität an und leitet
ab 1994 vier Jahre lang die "Seite Drei" in der SZ und gestaltet das
SZ-Magazin auf VOX.
Für Radio Bremen moderiert er "III nach Neun", wird 1999
Chefredakteur des Berliner Tagesspiegel, muss hier ein Blatt wieder auf
Vordermann bringen.
Di Lorenzo wird zum Retter des Holtzbrinck-Produkts, wechselt zur hauseigenen
"Die Zeit" und gestaltet hier Qualitätsjournalismus, der
deutsche und europäische Geschichte schreibt und sich über 1,5
Millionen Leser freut.
sp
|
Lesefutter und Lebenslust
Helmut Ahrens, Publizist und Pressesprecher der Kammer Rheinland-Pfalz, kennt
di Lorenzo schon lange und plaudert in seiner blumenreichen und für ihn
bekannterweise brillianten Laudatio aus dem Nähkästchen: "Den
Philosophen, den Schriftsteller, den Regisseur, den Journalisten verbindet
nichts - nichts, bis auf die Tatsache, dass ihre Aussagen sich allesamt in der
Wochenzeitung 'Die Zeit' vom 16. August 2007 finden. Einer Ausgabe, die uns
neben der 'Weltfinanzkrise', den 'Anforderungen der USA
Sicherheitsbehörden' oder den 'polnischen Kaczynski-Brüdern auf Seite
47' - groß im Bild, Irma Hofer im Jahre 1
|
|
|
Wer will
schon Zeitungen lesen, die nicht von Frauen gelesen
werden?" |
|
Helmut Ahrens, Pressesprecher der
ZÄK RP, zitiert den Preisträger |
|
|
|
Es gelang di Lorenzo als gutem
Journalisten, die Wirklichkeit mit Worten zu verwandeln und damit zu verbessern
..." |
|
Dr. Michael Rumpf |
|
|
|
Wer unseren Leitartikel auf Seite 1
gelesen hat, der braucht für die Zahnwurzelbehandlung keine Betäubung
mehr! ..." |
|
Giovanni di
Lorenzo |
|
|
928 zeigt ... die damalige 'Miss Germany'.
Tollküne Sprünge, wie sie nur die Zeitung wagt; Diskurs, Debatte,
Information, geistige Anregung, optisches Vergnügen; Lesefutter und
Lebenslust. Qualitätsjournalismus eben!" Ahrens weiter:
"Giovanni di Lorenzo hat sich dieser hohen Schule des Journalismus
verschrieben, mit Haut und Haaren. Er, Fernsehmann, Zeitungsmann, Buchautor,
kluger Berater, scharfsinniger Redaktionsleiter. Überall, wo er 'tanzt',
gibt er den Ton an. Sein Motto für diesen Tanz: Die Loyalität der
Journalisten gehört nicht einem Politiker oder einer Partei, sondern
allein dem Leser. Dabei ist der Journalist nur dann loyal, wenn er dem Leser
gelegentlich nicht nach dem Munde redet." "Wir kennen nun das Motto
zum Tanz. Was inspiriert die Melodie? Wann spielt, journalistisch gesehen, die
Musik richtig?", fragt sich Helmut Ahrens. "Wer diese Frage
beantworten will, muss die falschen Töne kennen. Für di Lorenzo
gehört der Populismus zum Einklang, zur Disharmonie. Populismus, sagt er,
ist nicht nur eine Unsitte in der Politik, auch Journalisten sind versucht,
Stimmungen zu bedienen, ja, gebärden sich sogar oft als Claqueure."
Ahrens weiter in seiner Rede: "Das Publikum, so glaubt der
Preisträger, habe deshalb nicht von ungefähr den Eindruck, dass die
Medien dazu neigen, ihr Fähnchen nach dem Wind zu drehen ..." Ahrens
fügt als Bonbon hinzu: "Zwischen Medien und Politik muss Distanz
herrschen, so verlangt es di Lorenzo."
 |
| V.l.n.r.: Dr. Dr. Jürgen
Weitkamp, Präsident der BZÄK, Helmut Ahrens, Journalist und Berater
der LZK Rheinland-Pfalz, Prof. Dr. Gerhardt Stadelmaier,
FAZ"-Theaterkritiker , Dr. Michael Rumpf, Präsident d. LZK
Rheinland-Pfalz, Harald Schmidt, Entertainer und Publizist, Dr. Peter Mohr,
Vizepräsident d. LZK Rheinland-Pfalz, Prof. Dr. Joachim Kaiser,
Chefredakteur, Süddeutsche Zeitung, Sandra Maischberger,
Fernsehmoderatorin, Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur, Die Zeit, Dr. Gabriele
Krone-Schmalz, Journalistin und Autorin, Maybritt Illner,
ZDF-Moderatorin |
Wartezimmerlektüre
Im Anschluss an die Laudatio beweist der Preisträger sein journalistisches
Können mit eigenen Worten: Er zeichnet eine Wartezimmeratmosphäre und
geht auf die ausliegende Lektüre ein. So findet sich manch ein
Zuhörer und Ehrengast daran erinnert, dass auch seine
Wartezimmerlektüre hauptsächlich aus Modezeitungen, Klatschpresse und
eventuell noch Wirtschaftsmedien besteht. Aber als di Lorenzo das Leserprofil
seiner Wochenzeitung preisgibt, in dem die Zahnärzte und Ärzte an
oberster Stelle stehen, fragt er mit Recht: "Warum gönnen Sie sich
eine gute Zeitung, aber diese nicht Ihren Patienten? Sie könnten mit einer
Ausgabe gleich jede Menge Interessenten befriedigen." Er zählt dazu
die einzelnen Rubriken auf ... "und alles mit nur einer Zeitung!".
sp
zm 97, Nr. 20, 16.10.2007, Seite
30-32
|
|