Gesunde
SchulverpflegungNachhilfe in ErnährungJanine Reichert |
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16.
Oktober 2007 - "Hauptsache die Kinder werden satt",
schätzt Iris K. den Anspruch an das Mittagsangebot in der Grundschule
Diskutiert wird das Thema von Politik und Wissenschaft bis hin zum prominenten Fernsehkoch Tim Mälzer, der in Interviews fordert, "Ernährung in die Lehrpläne der Schulen aufzunehmen".
Mit Limo und Fastfood Dass die Diskussionen berechtigt sind, zeigen zahlreiche Forschungen. Nur ein Drittel der Kids von heute beißt mehr als einmal täglich in Apfel, Möhre und Co. Dieses Ergebnis präsentierte der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KIGGS) vom September 2006. Immerhin: 80 Prozent der Kinder essen Obst oder Gemüse, so die Forscher. Die Studie hatte gezeigt, dass rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig sind, dokumentierte aber auch die Ernährungsgewohnheiten der Heranwachsenden. Weitere KIGGS-Erkenntnisse: Insgesamt trinkt die junge Generation zu wenig - und dann auch noch das Falsche. Ein Drittel der Befragten greift mindestens einmal am Tag zu zuckriger Limo oder Eistee. Zugleich belegen die Daten eine soziale Schieflage: Sprösslinge aus sozial benachteiligten Familien konsumieren mehr Fastfood und löschen ihren Durst öfter mit Softdrinks als solche aus besser gestellten Elternhäusern. Ähnliche Ergebnisse liefert auch die DONALD-Studie des Dortmunder Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE). "Täglich wird nur etwa die Hälfte der empfohlenen Me
Falsche Kost, kranke Kids Falsche Kost - fatale Folgen, warnen die Initiatoren von "5 am Tag". Die Kampagne der Deutschen Krebsgesellschaft setzt sich für täglich fünf Mahlzeiten mit Obst und Gemüse ein. Ihre Begründung: "Erkrankungen, die durch einen zu geringen Verzehr von Gemüse und Obst mitbedingt sind, wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, Bluthochdruck, Schlaganfall, Diabetes, Gelenk- und Rückenbeschwerden, werden in Zukunft zunehmen - ebenso wie die damit verbundenen Behandlungskosten." Deshalb muss sich viel ändern: in den Köpfen und auf den Speiseplänen - sowie damit letztlich vor allem auch auf den Tellern. Dieser Meinung ist auch Dr. Bernard Watzl von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel: "Um vielen kostenintensiven Erkrankungen vorzubeugen, müssen wir unsere Ernährung ändern - und zwar grundsätzlich." Lernort Schule Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft (noch) eine große Lücke. "In der Praxis essen wir, was uns schmeckt, und es schmeckt uns, was wir gewohnt sind", erklären die Initiatoren der bayerischen "Empfehlungen zur Schulverpflegung". Die Schule müsse daher auch ein L
In dieselbe Richtung gehen auch die Argumente des bayrischen Kultusministers Siegfried Schneider. Bildungseinrichtungen können Mütter und Väter dabei unterstützen, wenn sie den Nachwuchs zu gesunder Ernährung und mehr Bewegung erziehen: "Um allen die gleichen Chancen zu sichern, ist auch Ernährungserziehung in der Schule am richtigen Ort." Gesunde Schulverpflegung ist nicht nur für den Körper der Kinder gut, sie wirkt sich auch positiv auf den Geist aus. "Internationale Studien belegen die negativen Auswirkungen von Mangel- und Fehlernährung auf Konzentrationsvermögen, Leistungsfähigkeit und Sozialverhalten, die die Lernerfolge von Schülern beeinflussen," unterstreicht Prof. Dr. Ines Heindl vom Institut für Ernährungs- und Verbraucherbildung an der Universität Flensburg. Knurrende Kindermägen oder Verdauungsnickerchen seien alles andere als ideale Voraussetzungen für konzentrierten Unterricht. Ein Grund mehr für Ernährungswissenschaftler und Pädagogen, nicht nur Brotboxen, sondern auch Mittagsteller im Schulhaus unter die Lupe zu nehmen. "Die Schulverpflegung kann steuern, was Kinder und Jugendliche essen - und damit, wie fit sie sind und
Gesundheitsförderung ist für die Schulen keine reine Belastung, wie die "Allianz für nachhaltige Schulgesundheit und Bildung in Deutschland" (ANSCHUB) hervorhebt. Ganz im Gegenteil: Sie hilft, das eigentliche "Kerngeschäft" - die Bildungsvermittlung - zu leisten, so die These des nationalen Programms, das sich für gute gesunde Schulentwicklung einsetzt. Küche im Klassenzimmer Schälen, schneiden, rühren - das sollen nach dem Willen des Bundesernährungsministeriums künftig mehr deutsche Grundschüler in ihren Klassenzimmern lernen. Im November geben der Deutsche Landfrauenverband und aid-Infodienst dazu den "aid-Ernährungsführerschein" heraus. Bereits getestet hat ihn Hue Quach, Lehrerin der Grundschule Sande in Paderborn. "Unruhiger und arbeitsaufwendiger als gewöhnlich, jedoch sehr erfahrungsreich", beschreibt Quach ihre Erfahrungen mit den neuen Unterrichtseinheiten für Drittklässler. Lehrerin und Schüler haben die verschiedenen Inhalte bereits ausprobiert: Zubereiten von
Ernährung und Gesundheit im gesamten Schulumfeld langfristig und nachhaltig verändern - das will auch das "Netzwerk Gesunde Ernährung", das auf Kooperation mit anderen Institutionen setzt. Das Netzwerk entwickelte ein Medienpaket aus 85 verschiedenen Materialien: die Erlebniskiste rund ums Essen, Trinken und Bewegen. Ob "von der Kuh zur Milch" oder "vom Korn zum Brot" - Arbeitsblätter, Spiele, CD-ROMs, Hörspiele, Videos und Vorschläge sollen es Lehrern erleichtern, Projekte, Werkstätten und Unterrichtsstunden vorzubereiten. Teil des Konzepts ist es auch, Eltern durch gezielte Ansprache zu integrieren. So liefert die Erlebniskiste Vorlagen für Elternbriefe mit. Unterstützt wird das Netzwerk, an dem sich aid-Infodienst, der Verband für unabhängige Gesundheitsberatung Deutschland und die Verbraucherzentrale NRW beteiligen, durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Das Ministerium forderte zuletzt, Ernährung als ein Schulfach zu etablieren. Die Länder lehnten dies jedoch meh
Angebot an den Schulen verbessern Doch was nützen die besten Aufklärungskampagnen in Schulen sowie Berge an Informationsmaterialien für Lehrer, Eltern, Kinder, Erzieher, Caterer und Mediziner, wenn die Angebote in den Schulkiosken oder Schulkantinen fehlen? - Das wirft die Initiative "5 am Tag" ein. Sie fordert, gesunde Produkte wie Obst und Gemüse "überall dort hinzubringen und anzubieten, wo Menschen essen". Deshalb plädiert "5 am Tag" auch dafür, ein bundesweites Schulfruchtprogramm einzuführen. Vitaminstoß statt Kalorienbomben, frisches Obst statt abgepackter Fertigware - das soll künftig mithilfe der neuen "Empfehlungen zur Schulverpflegung" für die bayerische Jugend zur Regel werden. Der Plan: Unter Moderation des Gesundheits- und des Kultusministeriums arbeiten künftig alle Beteiligten zusammen: Vertreter von Schülern, Eltern, Lehrern und Schulhausmeistern, aber auch aus Kommunen, Landkreisen und Ernährungswirtschaft. Um eine gesundheitsförderliche Schulverpflegung in Bayern zu schaffen, werden Informationen dazu auf Kanälen wie Schülerforen, E-Mail-Verteilern, Zeitschriften und Lehrerseminaren sowie Fortbildungen gestreut. Auch Multiplikatoren wie Schulzahnärzte spricht die Kooperation an. Außerdem soll Schulen mit Arbeitsblättern bei konkreten Entscheidungen geholfen werden: Was darf in den Snack-Automaten in der Aula? Was gehört in den Pausenverkauf, was nicht? Wie werden gesunde, warme Mittagessen geplant? In der Schule kochen oder anliefern lassen - was ist besser?
Standards für mehr Qualität Die ersten bundesweiten Qualitätsstandards in Sachen Schulverpflegung hat die DGE im Projekt "Schule + Essen = Note 1" im BMELV-Auftrag erarbeitet und am 20. September veröffentlicht. Die neuen Standards beantworten Fragen rund um die Qualität des Essens für die Kinder - angefangen bei den pädagogischen Rahmenbedingungen über rechtliche Grundsätze bis hin zur praktischen Umsetzung. Auftrag an die Schulen: Sie sollen das Niveau ihrer Verpflegung künftig regelmäßig überprüfen. Als Messlatte stellt ihnen das DGE-Projekt speziell entwickelte Musterspeisepläne und Checklisten zur Verfügung. Wie Schulen und Zulieferer den Nachwuchs nach den neuen Standards satt bekommen können, haben bereits die Fernsehköche des ARD-Buffets während der Aktionswoche "Schulverpflegung - einfach schlauer essen!" vom 24. bis 28. September er-probt. Ihre Vollwertrezepte stehen unter www.schuleplusessen.de zum Nachkochen bereit. Gesundes Essen, gesunde Zähne Auch Zahnärzte fördern (zahn-)gesundes Essen in deutschen Bildungsstätten. Ob am Schulanfang oder am "Tag der Zahngesundheit" - der Verein für Zahnhygiene (VfZ), die Landesarbeitsgemeinschaften für Jugendzahnpflege, Initiativen und örtliche Praxen engagieren sich seit Jahren für mehr Kariesprophylaxe. "Der Zahnarzt hat die Rolle eines Multiplikators", betont Dr. Andreas Lehr vom VfZ. Wichtig sei auch hier die V
Die Zahnärzte setzen sich auch dafür ein, dass wieder mehr Schulmilch getrunken wird. Dr. Markus Aschenbach, Vorstandsmitglied bei der Bayerischen Landesarbeitsgemeinschaft (LAGZ) sagt, was die Milch für die gesunde Zahnentwicklung liefert: Kalzium. In der Verantwortung sieht Aschenbach neben den Eltern auch alle anderen Mitglieder der Gesellschaft, die mit Kindern Kontakt haben - und zählt auf: "Sei es der Inhaber einer Pommes-Bude, der ihnen fettreiche und vitaminarme Speisen verkauft, oder der Hausmeister an der Schule, der Schüler mit gesunder Schulmilch, Obst und Vollkornprodukten versorgen sollte, statt ihnen Limonade und Süßigkeiten anzubieten." "Mehr Kuh ins Klassenzimmer" holen will auch die EU mit ihrem Schulmilch-Programm. Mit einer schon praktizierten Beihilfe - in Deutschland sind dies etwa 4,5 Cent Beihilfe pro Schüler und Schultag für einen viertel Liter - soll Europas junge Generation bei Milch, Milchmischgetränken und Naturjoghurt kräftig zulangen. In einem Schulgetränke-Programm kooperieren bereits seit 1995 Molkereien, Schulmilch-Lieferanten und Tetra Pak. Im Programm "Joe Clever" bieten sie Milch- und Milchmischgetränke an und organisieren regelmäßig Schulaktionen rund um die Milch. Materialien zur Schulmilch gibt es auch bei der Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH (CMA). Unter dem Motto "Hol dir den Calciumkick!" sollen Schüler beispielsweise in Projektgruppen lernen, was die Milch für Knochen und Zähne bringt - und wie sie Milchprodukte selbst herstellen können. Auch andere Getränke sind eine sinnvolle Alternative zu Limonade und Eistee - und gehören deshalb in die Schule, sagt Dr. Margret Büning-Fesel, aid-Geschäftsführerin. "Da die Kinder teilweise mehr als einen halben Tag in der Schule verbringen, sollte man ihnen dort Getränke zur Verfügung stellen." Ihre Empfehlung: Mineralwasser, Fruchtsaftschorlen und ungesüßte Früchtetees. Es geht nicht nur darum, welche Art von Getränken in den Ranzen stecken, sondern auch darum, wie viel und wie oft die Kids zur Getränkeflasche greifen, betont die Initiative "Trinken im Unterricht" (TiU). Sie setzt sich dafür ein, dass Schüler auch während des Unterrichts M
Besser als bisher aufklären Längere Traditionen in Sachen Ganztagsschulen und Kinderkantinen haben fast alle europäischen Länder. Probleme mit der Qualität des Essens sind aber trotzdem bei vielen Nachbarnationen keine Seltenheit, belegte zuletzt die Studie "Eating at School - a European Study" aus dem Jahre 2003. Dabei gehen die Europäer ganz unterschiedliche Wege im Kampf gegen Fett und Pfunde: Großbritannien etwa mit Standards und Kampagnen mit Promi-Koch Jamie Oliver oder Portugal mit Gesundheitsassistenten an allen Schulen. In Schweden und Finnland ist das Essen für alle Kinder kostenlos. Diese skandinavische Lösung würde auch ein weiteres Problem in Deutschland lösen. Was nämlich, wenn zwar Mittagsmenüs in den Schulen angeboten werden, die Kids aber hungrig bleiben müssen, weil sie sich die Schulspeisung nicht leisten können? Nicht zuletzt die Ergebnisse einer aktuellen FKE-Untersuchung geben Anlass zu dieser Sorge, meinen kritische Stimmen. Die Studie hatte gezeigt, dass das Arbeitslosengeld II nicht ausreicht, um Jugendliche ausgewogen zu ernähren. Mit mehr Geld allein sei es allerdings nicht getan, betont FKE-Vize Kersting. Wichtig sei es, die Bevölkerungsgruppe der sozial Benachteiligten vom Nutzen einer gesunder Ernährung zu überzeugen. Kersting: "Wir müssen einfacher umsetzbare Maßnahmen entwickeln, um die Familien besser als bisher mit unseren Ernährungsinformationen zu erreichen." Auch an Deutschlands neuen Ganztagsschulen.
Rezepte und Informationen zum Thema "Gesunde Schulverpflegung" sowie "Zahngesundheit und Ernährung - damals und heute" können Sie im Leserservice anfordern. zm 97, Nr. 20, 16.10.2007, Seite 38-46 |
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